Nippon Connection: Der Mittwoch

Guter Start war das heute. In Frank­furt ange­kom­men und fest­ge­stellt, dass der Puff sich direkt vor der Tür vom Hos­tel befin­det (und gefühlte hun­dert wei­tere schä­bige Loca­ti­ons), das gehört hier wohl zum Ser­vice. 😉  Naja, Spaß bei­seite, net­tes und sty­li­sches Plätz­chen ist das hier, das sich fast unbe­merkt inmit­ten von einem Umfeld aus Strip­clubs und offen­sicht­li­chem Dro­gen­han­del ein­ge­nis­tet hat.
Auch sehr nett war die spon­tane Begeg­nung mit einem jun­gen Herrn beim gelang­weil­ten rum­hän­gen und war­ten in der Lounge. Der Kerl stellte sich schnell als Shun Sakaida her­aus, der Regis­seur des am Sams­tag lau­fen­den Strei­fens „A Demon has Come“. Als ich ihm sagte, dass ich der Vor­stel­lung lei­der nicht bei­woh­nen kann, schenkte er mir ohne zu zögern eine DVD des Films. Danke, Shun.

Und jetzt aber zu den Fil­men. Für den Ein­stieg hatte ich mir zwei Filme aus dem Nip­pon Visi­ons-Pro­gramm­block aus­ge­wählt, der jun­gen New­co­mern sowie auch eta­blier­ten Inde­pen­dent-Regis­seu­ren ein Forum bie­ten soll. Hab’s nicht bereut. (mehr …)

Nippon Connection 2011 (und ja, ich lebe noch.)

Ruhig ist es hier gewor­den in letz­ter Zeit. Das liegt in ers­ter Linie an zu viel Arbeit, zu wenig Zeit und einem gene­rel­len Man­gel an Moti­va­tion, mir regel­mä­ßig ein paar unbe­hol­fene Sätze für ein neues Review aus mei­nem müden Hirn her­aus zu quet­schen. Eigent­lich habe ich das Blog mal als reine Beschäf­ti­gungs­the­ra­pie gestar­tet, die ich jetzt nicht mehr wirk­lich nötig habe… Es wird hier trotz­dem bald wei­ter gehen, aber wohl eher unre­gel­mä­ßig, so wie’s mir gerade in den Kram passt.

Und jetzt zu den guten Nach­rich­ten (die unschö­nen aus Japan kennt ihr ja alle schon hin­rei­chend): Nächste Woche fin­det trotz aller trau­ri­gen Ereig­nisse zum 11. mal die Nip­pon Con­nec­tion in Frank­furt statt und ich werde end­lich mal dabei sein. Meine Pla­nung sieht so aus:

Mitt­woch:
20:15 The Rise and Fall of the Unpar­al­leled Band (Aos­ugita guilty)
22:15 Doman Seman (Hori­kawa nakata­chi­uri)

Don­ners­tag:
14:00 Midori-ko /​ Still in Cos­mos
17:00 Cold Fish (Tsu­me­tai net­t­ai­gyo)
20:00 Heaven`s Story

Frei­tag:
12:00 Arri­etty (Kari­gu­ra­shi no Arri­etty)
14:30 Per­ma­nent Nobara
18:00 CALF Ani­ma­tion Spe­cial

Sams­tag:
…bleib ich daheim 😉

Sonn­tag:
16:00 Com­ing Future (Shinka)
19:45 Color­ful

Ich werde hier natür­lich davon berich­ten, wenn’s soweit ist und viel­leicht taucht ja auch noch der eine oder andere blog­gende Kol­lege auf. Freu mich schon tie­risch drauf. 🙂

Hitokiri

IMDB/​OFDB

Japan, 1969

Regio: Hideo Gosha

HitokiriIn den let­zen Momen­ten des Toku­gawa-Sho­gu­n­ats wim­melt es von kor­rup­ten Her­schern und Bos­sen, die aus der chao­ti­schen Situa­tion Pro­fit schla­gen und ihre Stel­lung ver­bes­sern wol­len. In die­ser kur­zen Ära des Auf­ruhrs fasst der völ­lig abge­brannte Ronin Izo Okada neuen Mut, als Han­peita Tak­e­chi, Anfüh­rer des Tosa-Clans, ihm eine Stel­lung anbie­tet, um von sei­nen enor­men Fähig­kei­ten zu pro­fi­tie­ren und ihn als gna­den­lo­sen Auf­trags­mör­der auf seine Wider­sa­cher anzu­set­zen. In sei­nem blin­den Stre­ben nach Ruhm, Geld und Beach­tung bemerkt Okada erst viel zu spät, dass er längst zur wil­len­lo­sen Mario­nette Tak­e­chis gewor­den ist und die­ser schon lange Pläne gefasst hat, ihn nach geta­ner Arbeit zu besei­ti­gen… (mehr …)

Blue Spring (Aoi haru)

IMDB/​OFDB

Japan, 2001

Regie: Toshiaki Toyoda

Blue Spring (Aoi haru)In der Asaki Schule haben die Schü­ler das Ruder über­nom­men. Das Gebäude ist ver­wahr­lost, die Leh­rer haben nichts mehr zu sagen und ver­su­chen nur noch aus der Defen­sive her­aus ihren Arbeits­tag unfall­frei zu über­ste­hen. Zwi­schen den Schü­lern tobt ein bru­ta­ler Macht­kampf um die Vor­herr­schaft auf dem Schul­hof. Wer hier zum Boss auf­stei­gen will muss sich einer lebens­ge­fähr­li­chen Mut­probe unter­zie­hen und seine Riva­len dabei über­bie­ten. Der schweig­same und emo­tio­nal unter­kühlte Kujo wird uner­war­tet zum neuen Anfüh­rer. Mit der Hilfe sei­nes Freun­des Aoki fes­tigt er schnell sei­nen Sta­tus als eis­kal­ter Tyrann, der jeden aus­schal­tet, der ihm sei­nen Platz strei­tig machen will. Gleich­zei­tig gibt er sich aber auch voll­kom­men des­in­ter­es­siert an sei­nem Umfeld und schon bald lehnt sich der davon frus­trierte Aoki gegen ihn auf. (mehr …)

235 Ronin: Das war’s auch schon…

235 Ronin: Das war's auch schon...

…für mich ist das Thema jetzt auf jeden Fall erst mal erle­digt, abge­früh­stückt und durch­ge­fickt. Mein Bedarf an guten und schlech­ten Bear­bei­tun­gen des Stof­fes ist vor­erst gesät­tigt, sollte ich aber noch irgend­et­was rich­tig tol­les ver­passt haben, bin ich wei­ter­hin offen für eure Emp­feh­lun­gen. 🙂

Nun bleibt die Frage, was ich zum Ein­stieg emp­feh­len würde. (mehr …)

47 Ronin (Shijûshichinin no shikaku)

IMDB/​OFDB

Japan, 199447 Ronin (Shijûshichinin no shikaku)

Regie: Kon Ichi­kawa

Mit Kon Ichi­ka­was umfang­rei­chen Werk bin ich eigent­lich noch gar nicht ver­traut, aber soviel kann ich mal sagen: Diese mäßige Ver­fil­mung wird sei­nem Sta­tus  als einer der gro­ßen in keins­ter Weise gerecht. Zum Anfang sieht alles noch recht inter­es­sant aus. Mit einer nüch­ter­nen Erzähl­stimme, ganz im Stil eines TV-Spre­chers, wer­den wir in weni­gen Sät­zen in die Hand­lung ein­ge­führt und es scheint ganz so, als wolle Ichi­kawa die Geschichte aus einer distan­ziert doku­men­ta­ri­schen Per­spek­tive erzäh­len. Ein viel­ver­spre­chen­der Ansatz, aber wenn das wirk­lich seine Absicht war muss ich lei­der sagen, dass das Expe­ri­ment auf gan­zer Linie geschei­tert ist. (mehr …)

Swords of Vengeance (Ako-Jo danzetsu)

IMDB/​OFDB

Japan,1978

Regie: Kinji Fukas­aku

Swords of Vengeance (Ako-Jo danzetsu)Obwohl im Laufe der 70er Jahre das Inter­esse an Jidai Geki- und Chan­bara-Fil­men stark zurück­ging, ver­filmte Kinji Fukas­aku 1977/-78 eine ganze Reihe klas­si­scher Samu­raischin­ken, jeweils mit Sonny Chiba in einer wich­ti­gen Neben­rolle und als Co-Regis­seur für die Action­sze­nen an Bord. Zwei Exper­ten in ihrem Fach also, die uns kurz zuvor bereits „Shogun’s Samu­rai“ (auch bekannt als „The Yagyu Clan Con­spi­racy“) bescher­ten, und meine hohen Erwar­tun­gen wur­den auch hier nicht ent­täuscht. (mehr …)

47 Ronin (Chûshingura)

IMDB/​OFDB

Japan, 1962

Regie: Hiro­shi Ina­gaki

47 Ronin (Chûshingura)Das ist wohl die inter­na­tio­nal bekann­teste Ver­fil­mung des Stof­fes, und über­fliegt man mal die Reviews auf IMDB oder auf diver­sen ein­schlä­gi­gen Sites, über­wiegt wohl die Zahl derer, die den Strei­fen noch von frü­her ken­nen und damals über­wäl­tigt von der epi­schen und bild­ge­wal­ti­gen Umset­zung waren. Des­halb finde ich es auch sehr schade, die­sen ein­deu­tig für die große Lein­wand kon­zi­pier­ten Film jetzt nur auf den hei­mi­schen zwan­zi­g­und­noch­was Zoll Bild­schirm­dia­go­nale begut­ach­ten zu kön­nen, denn so kann ich bes­ten­falls nur den Hauch einer Ahnung bekom­men, welch eine Wir­kung er damals auf die Kino­zu­schauer aus­ge­übt haben muss. (mehr …)

The Loyal 47 Ronin (Chûshingura)

IMDB/​OFDB

Japan, 1958

The Loyal 47 Ronin (Chûshingura)Regie: Kunio Watanabe

Jetzt auch in Farbe! Das ist lei­der so ziem­lich alles gute, was ich zu die­ser Umset­zung zu sagen habe. Offen­bar wollte man unbe­dingt episch wer­den bei den Daiei-Stu­dios und das ist mal gehö­rig in die Hose gegan­gen. Anstatt einer packen­den Erzäh­lung mit Pau­ken und Trom­pe­ten haben wir es hier mit einer visu­ell eher lang­wei­li­gen Pathos- und Kit­sch­at­ta­cke zu tun, die über die drei­stün­dige Lauf­zeit nur schwer zu ertra­gen ist. Ein ein­zi­ges Emo­kon­zert ist das, über­all wird nur gejam­mert, geheult, geschmach­tet, und am Ende rit­zen sie sich halt nicht die Arme son­dern den Bauch auf… (mehr …)

The Loyal 47 Ronin (Genroku Chûshingura)

IMDB/​OFDB

Japan, 1941/-42

Regie: Kenji Mizo­gu­chi

The Loyal 47 Ronin (Genroku Chûshingura)So, bevor ich los­lege muss ich erst­mal noch was los­wer­den, das mir seit der Recher­che für das Review auf den Nägeln brennt:
Liebe Film­re­zen­sen­ten, schreibt ihr eigent­lich alle von­ein­an­der ab? Oder habt ihr ein­fach Angst, man könnte euch in eine Nazi­schub­lade ste­cken? „The Loyal 47 Ronin“ ist ein in sei­ner Ent­ste­hungs­zeit her­aus­ra­gen­der und weg­wei­sen­der Film, gar keine Frage. Aber warum muss ich in jedem verf***ten Review so einen Stan­dard­satz lesen, irgend so was in die Rich­tung, dass das Regime einen vor Natio­na­lis­mus sprü­hen­den Pro­pa­gan­da­film von Mizo­gu­chi wollte, er aber, ganz sub­ver­siv, ein super kri­ti­sches, pro­pa­gan­da­freies Meis­ter­werk abge­lie­fert habe? Hallo, geht’s noch? Muss euch ein Film erst mit dem Holz­ham­mer ein­bläuen wie böse doch die Amis und Soviets sind, wie toll das Vater­land und wie rich­tig es ist, einen Krieg zu füh­ren, damit ihr pro­pa­gan­dis­ti­sche Ten­den­zen erkennt? Ein sehens­wer­ter, sti­lis­tisch sogar bahn­bre­chen­der Film ist es gewor­den, und das ist Mizo­gu­chis her­aus­ra­gen­dem Talent zu ver­dan­ken. Auch ist es gut mög­lich, dass Mizo­gu­chi bewusst gegen die Inten­tio­nen der Japa­ni­schen Regie­rung arbei­tete, schließ­lich ist er ja nicht der Japa­ni­sche Veit Har­lan, son­dern ein ange­se­he­ner Regis­seur, der wie alle seine Kol­le­gen sich dem Druck von oben beu­gen musste. Trotz­dem ist dem Strei­fen vom Anfang bis zum Ende die glei­che Inten­tion zu ent­neh­men wie vie­len der deut­schen Vor­be­halts­filme aus dem drit­ten Reich, näm­lich der Auf­ruf zu bedin­gungs­lo­ser Loya­li­tät und blin­dem Gehor­sam, die Erzie­hung der Bevöl­ke­rung zu bereit­wil­li­gen Opfern, deren größ­tes Ziel der „Hel­den­hafte“ Mär­ty­rer­tod ist. Japa­ni­sche Geschichte und Tra­di­tion hin, Bushido her, in spä­te­ren Fil­men sehe ich diese The­ma­tik doch um eini­ges kri­ti­scher und reflek­tier­ter durch­leuch­tet. Ihr wollt mir nicht glau­ben? Dann schaut euch doch zum Bei­spiel mal Kobayashi’s „Hara­kiri“ an. Also was ist euer ver­damm­tes Pro­blem? Fin­det den Film doch ein­fach gut, das ist er auch. Aber fangt auch end­lich an, ihn als das zu sehen, was er ganz offen­sicht­lich ist: ein von der dama­li­gen Ideo­lo­gie durch­drun­ge­ner Pro­pa­gan­da­film, wenn auch ein groß­ar­tig insze­nier­ter. (mehr …)