Aus der Rubrik „Poison Ruïn und die Nachwirkungen“: Unsheather aus Bellingham, Washington gehen die Ästhetik von endlosem Kampf, schwerer Rüstung und stumpfen Waffen aus einem stärkeren Hardcore-Blickwinkel an – weniger episch, stattdessen schön primitiv und unpoliert, was vermutlich auch eine weise Strategie ist in dieser immer noch ganz frühen Phase der sich langsam entfaltenden Dungeon Punk-Saga, die sicher noch ein Weilchen brauchen wird bevor die derzeitig unangefochtenen Overlords des Genres einen würdigen Herausforderer finden. Bis dahin freue ich mich über jedes bisschen an grimmig-mittelalterlichem, leidenschaftlich die Axt schwingendem Spaß und dafür sind Unsheather eine ganz vorzügliche Wahl!
Zwei bislang eher noch etwas am Rand der Szene agierende Akteure der Eggpunk-Welle machen gemeinsame Sache auf dieser netten Split-LP und machen klar, dass man jenen „Unter ferner liefen…“-Status besser noch mal überdenken sollte. Auch wenn hier wie gehabt das Rad nicht neu erfunden wird, haben beide Bands klar ihr Rezept verfeinert. SPRGRS aus Granada, Spanien sorgen dabei schon mal einen ausgezeichneten Start mit ihrer quirlig-pulsierenden und melodischen Herangehensweise ans Genre, die man so ähnlich in jüngerer Zeit etwa von Bands wie Prison Affair, Beer, Paulo Vicious und Goblin Daycare gehört hat. Noch mal ein stärkeres Kaliber sind dann aber die neuen Tracks von Möney aus Bristol, die hier eine recht vielseitige Klangpalette und tadellose Songkonstruktion präsentieren, insgesamt auch durchtränkt von einem Surf- und Psych-lastigen Post Punk-Vibe – besonders prominent im abschließenden Track Emancipation – was insbesondere die Sounds von Electric Prawns 2, Checkpoint, Gremlin und Powerplant ins Gedächtnis ruft. Plastic Trees wiederum ist ein überraschendes kleines Juwel des glitzernden Noise-/Dream-/Powerpops und bekommt einen besonderen Glanz verliehen von einer tollen Gast-Gesangsperformance, die in den Credits einer mysteriösen Miss Clienti zugeschrieben wird.
Die Debüt-EP dieser Band aus Nottingham klingt angenehm aus der Zeit gefallen in der aktuellen Szene, channelt dabei eine Reihe von Strömungen aus dem Punk und Alternative Rock der mitt-’80er bis frühen ’90er. Besonders stark fühle ich mich an Mega City Four erinnert mit weiteren Ähnlichkeiten etwa zu Moving Targets, späteren Naked Raygun und sogar etwas Hüsker Dü in ihrer mittleren Schaffensphase kann man da wiederfinden, all das verankert in einem soliden Felsen aus tadellosem Songhandwerk. Dazu hat das aber auch durchaus noch etwas von diversen Bands des vergangenen Jahrzehnts wie Pale Angels, Milk Music, Geronimo, Milked und California X.
Hier hätten wir mal einen weiteren Schwall von ausgezeichnetem Garage- und Synth Punk von noch einer weiteren Band aus Melbourne, die – trotz einiger gemeinsamer Parameter – ein gutes Stück herzhafter auf die Kacke haut als der durchschnittliche Eggpunk-Act. Am meisten erinnert mich das hier an so Bands wie Quitter, Beef, Busted Head Racket und Broken Prayer, plus in einigen Momenten an diesen Typen, den man unter anderem als Djinn/Zhoop/Nightman/Brundle/RONi, etc kennt.
Diese Band aus Los Angeles tritt selbstbewust einen ordentlichen Sturm los unter Verwendung von relativ ökonomischen Mitteln. Die fünf Geschosse dieser EP klingen ein bisschen so wie ich es mir vorstellen würde, wenn man eine primitivere Variante der erdigen, noise-lastigen Post-/Garage Punk-Hybriden von The Cowboy und Flat Worms mit einer ordentlichen Ladung von Gun Club- und Feedtime-inspiriertem Blues- und Cowpunk fusioniert. Das Resultat, wie ihr es euch wohl schon gedacht habt, fügt den genannten Genres absolut nichts neues hinzu aber nutzt die vorhandenen Ressourcen effizient um kein einziges mal sein Ziel zu verfehlen.