Speccy – Speccy 2

Aus einzelnen euphorischen Reaktionen zu den bisherigen Shows dieser Band aus Melbourne und dem etwas unterwältigenden Eindruck, den ihre 2024er Debüt-EP auf mich gemacht hat schließe ich mal, dass sich die Band bislang etwas schwer damit tat, ihren Live-Sound überueugend in eine Tonkonserve zu übersetzen. Nun, ich kann nicht behaupten, dass das noch ein nennenswertes Problem wäre auf auf ihrer neuen Mini-LP, die ihren glitzernden Sound in einem durchweg angemesseneren Licht präsentiert. Jener erinnert mich ein wenig an den psychedelischen, unterschiedlich Surf-infizierten Garagenrock von Crystal Stilts und Disappears, vermischt mit einer Note von frühen No Age und vielleicht auch alten White Fence ebenso wie den exzentrisch-monotonen Fuzz-Eskapaden von City Yelps und der sphärischen, abstrakten Post Punk-Melancholie von Kitchen’s Floor oder Mother’s Milk… Eine quirlige Mischung, das ist klar, aber das Zeug funktioniert hier ganz vortrefflich und selbst wenn sich die Band im langsamen Mittelteil der Platte in die akute Gefahrenzone begibt, den Bogen ihrer luftigsten Qualitäten zu überspannen, geht die Wette auf von einer Klangstruktur, die ich auf den ersten Blick doch als schwer Einsturzgefährdet einordnen würde.

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Shooting Losers – It’s All Been Such A Drag

Die im letzten Dezember erschienene Debüt-EP Shoot Me I’m Plain von dieser Band aus Chico, Kalifornien war eine durchweg angenehme Überraschung, die so ziemlich aus dem Nichts kam. Jetzt habe ich wenig hinzuzufügen anlässlich ihres ersten Langspielers. Wie gehabt ist das eine irrsinnig ansprechende und mehr als nur kompetente Variante einer im vergangenen Jahrzehnt noch verbreiteten Masche aus Elementen von supermelodischem Fuzz Punk, Noise Pop und psychedelischen Surf-Vibes. Ein Sound, der in jüngerer Zeit etwas rar geworden ist, aber dennoch von Zeit zu Zeit an den unwahrscheinlichsten Orten aufsprießt wie ein hartnäckiges Unkraut, das sich auch von einem wenig wohlwollenden Zeitgeist nicht ersticken lässt. Denkt dabei an so Bands wie frühe Wavves, Male Bonding, No Age, frühe Terry Malts und Tiger! Shit! Tiger! Tiger!… oder auch an solche Surf-affinen Indie Rock- und Psych-Bands wie Crystal Stilts, Surfer Blood und The Fresh And Onlys.

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Gangrena Surf – Codex GS

Eigentlich dachte ich das letzte was ich in meinem Leben bräuchte wäre noch so eine instrumentale Surf Rock-Platte, ein Genre dessen stilistisches Vokabular scheinbar seit dem ’50er/’60er Goldrausch nicht wesentlich und nur selten expandiert wurde und mir – noch schlimmer – oft vorkommt wie ein vollkommen zahnloser, domestizierter Aufguss seiner goldenen Ära. Nun schafft aber unverhofft diese Band aus La Cisterna, Chile das Wunder, mich doch mal für eine Surf-LP zu erwärmen, klingt sie doch nach einem sonnigen Surftrip… durch die fucking Hölle würde ich mal sagen und geht das Genre von einer Basis aus Noise-lastigem, Goth-infiziertem Post Punk und Death Rock an, was eine ungewohnte Energie und dringend benötige frische Luft in das uralte Genre einbringt. Im Kontrast zu gefühlten 99% von instrumentalem (und nicht nur Surf-) Rock’n’Roll, bei dem ich mir dringend eine Gesangsmelodie wünsche um die beweglichen Teile zu ordnen und verbinden, funktionieren die Arrangements auf diesem Album als eine in sich geschlossene Einheit. Die dramaturgisch dichten Kompositionen und die elektrifizierenden Gitarrenleads erzählen ohne Mühe ihre eigene Geschichte, die sich am besten ohne Worte kommunizieren lässt.

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Basement Boys – Basement Boys

Ein etwas seltsames Geschöpf, diese Platte der Basement Boys aus Minneapolis. Was mit einem postpunkigen Vibe á la Plax, The Cowboy seinen Lauf nimmt, trifft sogleich auf garagiges Geschrabbel, eine Schaufel Noise und ein wenig Beach Goth Melancholie, irgendwo zwischen Shark Toys, Ex-Cult, Co Sonn oder frühe Wavves.

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Temple Dogs – See You Forever

Whoa, was für’n Kraftpaket! In einem Songs-zu-Laufzeit-Verhältnis von etwa 1:1 haut diese Band aus San Diego elf mal hochexplosives Gut um die Ohren, dass ich nicht mehr weiß wo oben und unten ist. Dabei greift ihr abgespaceter Fuzzpunk und Noisecore unter anderem auf psychedelische Flächen á la Wash, alten Westküstenhardcore, Surf-Vibes und etwas garagiges MC5-chaos zurück.

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Tanning Bats – On The Assembly Line Of Heads

Ordentlich reingehenden Garage Punk lässt hier eine Berliner Band auf ihrem zweiten Langspieler rotieren, der regelmäßige Surfeinflüsse auf einen tendenziell eher australisch klingenden, z.B an The Living Eyes erinnernden Gesamtsound prallen lässt, dabei aber auch Platz für postpunkige Vibes übrig hat und dann ein wenig nach Uranium Club, Patti oder Marbled Eye klingt. Obendrein gibt’s in Form von Malheur auch noch einen gelungenen funky New Wave Abflug zu bewundern.

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Teresa Cienfuegos Y Las Cobras – Noche De Suicidas

Astreiner Scheiß aus Mexiko, mit dem ich in diesem Moment echt mal nicht gerechnet hätte. Ein melancholischer Sonnenuntergang am Surferstrand trifft hier auf den Noise-/Jangle Pop und Proto-Shoegaze aus der britischen C86-Schule, erweitert um die tendenziell etwas psychedelischen Ausschweifungen des neuseeländischen Flying Nun-Universums der 80er Jahre.

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The Hammer Party – Black Milk

Ziemlich coolen Scheiß auf der Schwelle zwischen Garagepunk und Post Punk/-core hauen uns The Hammer Party aus Huntsville, Texas vor den Latz. Als etwas bemühte Vergleiche würden mir mal Hot Snakes und deren Nachfolgeband Obits, frühere Teenanger oder Wymyns Prysyn einfallen. Außerdem könnte man stellenweise einen leichten Wipers-Einfluss vermuten und die starken Surf-Tendenzen bei der Gitarrenarbeit fügen dem Krempel eine angenehmst eigenwillige Note hinzu.

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