Musikresteficken #4: Hype Machine Clickbait

Ich hab die Bu­de hier schon län­ger nicht mehr aus­ge­mis­tet und ent­spre­chend sta­peln sich hier mal wie­der die hö­rens­wer­ten Re­lea­ses, die aus rei­nem Zeit­man­gel kei­nen ei­ge­nen Post be­kom­men ha­ben. Wird ein Drei­tei­ler dies­mal.
Viel Spaß beim Grab­beln.
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Greys - If Anything

greys
Wenn auch der Ti­tel des Ope­ners Guy Pic­ciot­to ei­nen aus­gie­bi­gen Aus­flug ins Di­schord-Uni­ver­sum er­war­ten lässt, do­mi­nie­ren auf dem ex­zel­len­ten De­büt­al­bum die­ser Band aus To­ron­to doch eher die Ein­flüs­se aus ei­nem et­was an­de­ren Strang der Post­core-Evo­lu­ti­on. Da wä­re et­wa die me­lo­disch-ver­schwur­bel­te wie auch trei­ben­de Va­ri­an­te von Braid oder Dri­ve Li­ke Je­hu, oder der his­peed-Ga­ra­gen­core von de­ren spä­te­rem Ab­le­ger, Hot Sna­kes. Hier und da schau­en Quick­sand um die Ecke und auch mit an Bord ist klas­si­scher Noi­se­rock á la Je­sus Li­z­ard, Cha­vez oder et­was ak­tu­el­ler: METZ.
Oh­ne Fra­ge ein er­staun­lich selbst­be­wuss­tes und aus­ge­reif­tes De­büt und ein sehr er­fri­schen­des Le­bens­zei­chen für die­se zwi­schen­zeit­lich et­was ver­schol­le­ne Art von hoch­en­er­ge­ti­schem aber zu­gäng­li­chem Post-/Noi­se­core, der so­fort ins Ohr geht oh­ne sich ir­gend­wel­chen kurz­le­bi­gen Trends an­zu­bie­dern. Ein lan­ge er­war­te­tes Al­bum, und es ent­täuscht nicht.


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Street Eaters - BLOOD::MUSCLES::BONES

street eaters
Sehr ein­gän­gi­gen, ja ge­ra­de­zu tanz­wü­ti­gen Kra­wall spielt das Duo Street Ea­ters aus Ber­ke­ley, des­sen Sound mal wahl­wei­se im Post-, Ga­ra­gen- oder Noi­se­punk ein­ord­nen könn­te. Das klingt in et­wa so als hät­te man die Ge­ne so un­ter­schied­li­cher al­ter Punk­hel­den wie et­wa Wire, Dead Moon oder Wi­pers kom­bi­niert, könn­te in der Ge­gen­wart aber auch mit Bands wie Milk Mu­sic, Ge­nera­ti­on Loss oder ei­ner ab­ge­speck­te­ren Va­ri­an­te von Ca­li­for­nia X ver­gli­chen wer­den. Your mi­leage may va­ry. Tol­le Plat­te auf je­den Fall, die nicht nur an­ge­sichts be­sag­ter Re­fe­ren­zen bei mir ins Schwar­ze trifft, son­dern auch bes­tens für sich al­lei­ne ste­hen kann.
Brea­king News für Vi­nyl­be­vor­zu­ger: Das Ding be­kommt hier­zu­lan­de ei­nen Vi­nyl­re­lease auf dem köl­ner La­bel Con­traszt! Re­cords. Al­so spart euch die ho­hen Aus­lands­ver­sand­kos­ten und war­tet bis zum 30. Ju­ni, so lan­ge wür­de sonst der Ver­sand aus US ja auch lo­cker dau­ern. Im La­bel-Shop kann man's jetzt schon vor­be­stel­len.


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Sex Scheme - Sex Scheme 7"

sex scheme
Ei­gent­lich ver­mei­de ich es ja ger­ne hier Sa­chen zu pos­ten, die kei­nen "rich­ti­gen" - al­so nicht an den Kauf ei­nes phy­si­schen Ton­trä­gers ge­kop­pel­ten - di­gi­tal-Re­lease ha­ben, aber das hier ist ein­fach zu geil. Ul­tra-kru­der Ga­ra­gen­post­punk aus New York, der ein we­nig den Geist al­ter Bir­th­day Par­ty-Plat­ten at­met und sich auch sonst we­nig um eta­blier­te Hör­ge­wohn­hei­ten schert.
Als Bo­nus gibt's beim Kauf ei­ne von zwei aus­wähl­ba­ren EPs in Form ei­ner CD-R da­zu. Das mil­dert den Schmerz et­was, an­ge­sichts der War­te­zeit auf das Pa­ket aus USA und der hor­ren­den Ver­sand­kos­ten.

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Finished - Their Is No God

finished
Pfffff­tgrmm­m­m­m­pfffh… was zum… Fuck, was für'n groß­ar­ti­ges Co­ver! Seit über 50 Jah­ren wird im Rock'n'Roll von ge­wis­sen Bands und Tei­len des Pu­bli­kums voll­ends iro­nie­frei ei­ne so ät­zen­de und kli­schee­haf­te, wie auch ge­ra­de­zu ab­sur­de Hy­per­mas­ku­lini­tät ab­ge­fei­ert, und erst jetzt traut sich je­mand, die­ser Spa­cken­kul­tur mal an­ge­mes­sen den Spie­gel vor­zu­hal­ten und sie halb­wegs rea­li­täts­ge­treu durch den Ka­kao zu zie­hen. Wenn's dann ei­ni­gen über­sen­si­blen Zeit­ge­nos­sen, ge­prägt von chro­ni­scher Angst vor dem ei­ge­nen Ge­ni­tal, äs­the­tisch ge­gen den Strich geht: um­so bes­ser. Der Ti­tel mag dann gleich noch zum ge­pfleg­ten Schwanz­ver­gleich zu pro­vo­zie­ren: Nee, dei­ner ist kein Gott, hier guck mal. Mei­ne Ei­er sind die di­cke­ren.
Die Mu­sik ist in ge­wis­ser Wei­se pas­send da­zu. Denn ganz un­sub­til und hem­mungs­los wer­den hier die Bret­ter ge­schrubbt, die fel­le Mas­siert und die Sai­ten ge­schrap­pelt. Wun­der­schö­ner Noi­sero­ck/-punk, der's Freun­den von Bands wie Soupcans oder Vul­tu­re Shit ganz vor­züg­lich be­sor­gen wird.

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Scupper - Scupper!

scupper
Der war­me Power­pop die­ser New Yor­ker Band be­wegt sich auf sehr ver­trau­tem Ge­län­de. Klei­ne Sei­fen­bla­sen von Gui­ded by Voices, Pa­ve­ment oder Re­pla­ce­ments stei­gen vom ers­ten Ton an im Geis­te des Hö­rers auf. Das ge­winnt zwar kei­nen No­bel­preis, macht aber gro­ßen Spaß. Denn mal ehr­lich, in vie­len Mo­men­ten ist ein aus­ge­zeich­ne­ter Pop­song plus et­was Lärm doch al­les, was ei­nem zum glück­lich sein fehlt, oder?

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Paul Jacobs - I Need a Place to Keep My Stuff

paul jacobs

Bun­des­amt für Rock und Roll
Ab­tei­lung Fi­nan­zen
Im Pre­ka­ri­at 23
66677 Un­ter­grund

Es tut uns Leid ih­nen mit­tei­len zu müs­sen dass Ga­ra­gen­du­os für uns nicht wei­ter trag­bar sind. Wir al­le müs­sen bis auf wei­te­res den Gür­tel et­was en­ger schnal­len. Nach sorg­fäl­ti­ger Prü­fung der an­ge­spann­ten Fi­nanz­la­ge von Sei­ten der Buch­hal­tung ka­men wir zu dem Ent­schluss, dass zwei Mu­si­ker ei­ner zu viel sind und ei­ne Per­son mehr als aus­reicht, ei­ne ver­gleich­ba­re Kra­wall­leis­tung zu er­brin­gen. Mit Si­cher­heit ha­ben sie da­für Ver­ständ­nis und zei­gen sich eben­so be­reit ei­nen Groß­teil ih­res Drum­kits zu ver­äu­ßern, das Zeug brau­chen sie jetzt ja eh nicht mehr. Der Sze­ne­be­triebs­rat hat die­ser Ent­schei­dung be­reits zu­ge­stimmt.

Mit freund­li­chen Grü­ßen,
Rai­ner Sach­zwang


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Silver Screams - Creep Joint Scratch

silver screams
Schön ein­gän­gig vor sich hin­riff­en­der Punk­rock aus Bos­ton, der auf der mu­si­ka­li­schen Land­kar­te ir­gend­wo in der Nä­he von Ra­dio Bird­man oder Wi­pers plat­ziert und ge­le­gent­lich auch noch Platz hat für leicht Fu­ga­zi-es­ke Fi­gu­ren und an Hüs­ker Dü er­in­nern­de Har­mo­nien. Drückt bei mir ge­nau die rich­ti­gen Knöp­fe.

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Contrast - Less Than Zero EP

contrast
Schön old­schoo­li­ges Shoe­ga­ze-Zeugs aus Mel­bourne. Der kon­stan­te Mi­kro-Hype um das alt­her­ge­brach­te Gen­re scheint ja lang­sam nach­zu­las­sen; ent­spre­chend ver­flüch­ti­gen sich mei­ne Über­sät­ti­gungs­er­schei­nun­gen und ich hab zu­neh­mend auch wie­der Bock mir so­was rein zu tun. Und die­se EP ist ein aus­ge­zeich­ne­ter, wenn auch eher kon­ser­va­ti­ver Gen­re­bei­trag, der mich mal wie­der dar­an er­in­nert, war­um ich der­ar­ti­ge Mu­sik so mag. Hat­te ich schon fast ver­ges­sen.

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