Psychal – Transmissions

Na das ist ja mal eine Mystery-Band wie sie im Buche steht und die genausogut irgendwo aus dem Erdkern oder von den Ringen des Saturn oder aus Bayern oder dem x-ten Kreis der Hölle kommen könnte, oder vielleicht bilde ich mir die Existenz dieser Platte auch einfach nur ein, ich hab wirklich keine Ahnung was hier passiert. Aber falls der Krempel echt ist, würde ich ihn als höchstens tangential Egg-beeinflussten aber umso mehr abgespaceten Psych-Punk der abgehobensten und bedenklichsten Sorte beschreiben, jener von der man sich vorstellen würde dass sie aus dem zerfetzten Lautsprecher eines dämonisch besessenen Mittelwellenradios quillt, das in den Ruinen eines verlassenen Krankenhauses oder insolventen Einkaufszenztums jede Nacht zum Leben erwacht und die Räume mit unheilvollen Botschaften beschallt. Passenderweise sind jene Ausstrahlungen genauso rätselhaft und unentschlüsselbar wie ein alter Zahlensender und vermutlich unerreicht in der 12XU Klasse von '26 was die beunruhigenden und desorientierenden Effekte angeht von diesen Songs, deren Konstruktion von Anfang an mit reichlich Sollbruchstellen konzipiert erscheint um jeden Moment katastrophal und auf unvorhersehbare Art zu versagen, aber wie durch ein Wunder kollabieren die fragilen Strukturen die hier alles zusammenhalten nicht, so sehr sie auch jederzeit bedrohlich schwanken und knirschen. Stattdessen offenbaren sie bei näherer Betrachtung eine ganze Fülle von infektiösen Garage-Hooks unter jener dicken Schicht aus Dreck und Fuzz. Einerseits ist das keineswegs total ungehört in den Sphären dieses Blogs - ich würde sagen Psychal haben durchaus einige spirituelle Gemeinsamkeit mit so Bands etwa der Sorte Silicon Heartbeat, Corpus Earthling, Mateo Manic oder Thee Hearses - aber selten kam mir ein Artefakt unter, das bereit ist so weit zu gehen im zügellosen Acid Rock-Exzess.

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Fugitive Bubble – Voices

Eine der unkorrumpierbarsten Bands der letzten Jahre ist wieder am Start mit einem neuen Arschtritt von einer EP auf der sie erneut wie wenig anderes aus unserer Zeit klingen, weil sie schrottseidank immer noch keinen Drang verspüren, ihren Sound nennenswert aufzupolieren, was natürlich keineswegs heißt, dass da nicht auch durchaus beeindruckendes Wachstum und Verfeinerung über die Jahre feststellbar wären in ihrer Musik, die hier mehr als je zuvor rüberkommt wie eine umfassende Rundreise durch vieles was sich irgendwann mal so an den seltsameren Tellerrändern des früh-'80er Punk- und Hardcoreuntergrunds getummelt hat. Aber selbst für die Band aus Olympia, Washington gehört das hier mal klar zum am rohesten klingenden Material das sie in jüngerer Zeit abgelifert haben, gleichzeitig lässt ihr Klangchaos jedoch niemals eine sorgfältig und zielbewusst kreierte Qualität vermissen, wie sie nur eine so überlegene Band wie Fugitive Bubble derart konsistent und mühelos aus dem Ärmel schütteln kann.

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Roo Stafford – Four Squits

Roo Stafford, der Typ aus Leicester, England, ist gerade scheinbar richtig in Fahrt so wie der hier nur wenige Wochen nach der verdammt exzellenten Stoned & Running EP schon wieder ein kleines Bündel von erstklassigen Garage Punk-Projektilen abfeuert. Dieses mal fühle ich dabei weniger offensichtliche 2010er Proto-Egg-Vibes und sehe mich stattdessen stärker an unterschiedliche Bands der gleichen Ära á la Kid Chrome, S.B.F., Urochromes oder Andy Human & The Reptoids erinnert, aber weit über einen willkommenen Flashback in die formativen Jahre dieses Blogs hinaus wurde derartiger Krempel auch in jüngerer Zeit zum Beispiel von Jean Mignon und D. Sablu warm gehalten. Wie auch immer, das ist erneut ein ordentlich süchtig machender Happen dieser speziellen Machart.

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Raybees – Seed Funding from the Federal Government

In unserer fortschreitend konsolidierten und kodifizierten Eggpunk-Ära bricht die dritte EP der New Yorker Raybees zwar nicht so 100% mit etablierten Genremustern, aber sticht dennoch durchaus raus aus der Masse indem sie die Regeln zumindest ordentlich verbiegt und damit aufwertet, was ansonsten ein weiteres durchschnittliches Artefakt der Prison Affair-Schule bliebe, mit einer angenehm rumpeligen Produktionsästhetik und etwas, das für mich irgendwie mal nach ganz klassischem DIY-Schlafzimmergetrommel auf Töpfen und Eimern klingt und den ansonsten etwas standardmäßigen elektrischen Beats etwas eigenen Charakter hinzufügt. Diese Songs strahlen eine glaubhafte Freude an der Sache und einen überspringenden kreativen Funken aus, den mir das Genre häufig vermissen lässt in jüngerer Zeit. Es schadet dabei sicher nicht, dass sich hier einige belastbare Songwriting-Klasse erkenntlich zeigt besonders in der zunehmend Synth-dominierten zweiten Hälte, wo Songs wie Knife Fight oder der Rausschmeißer Victory March fast schon einen oldschool Digital Leather-Feel transportieren.

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Jack Goodrich – Cassette Crusader Vol. 1

Ein Typ aus Lawrence, Kansas, der zuvor offenbar auch schon kranken Lärm als Teil von The Ghoulies (nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen australischen Eggpunks), Jackoffs and Drastic Plastic gemacht hatte, liefert jetzt erneut ein verlockendes Häppchen für uns in Form seiner neuen Solokassette, die augenblicklich verzaubert mit einer Machart von leicht Glam-, Southern Rock- und Power Pop-getränkter Garage Punk-Brillianz die irgendwo in der Nachbarschaft von so Zeug wie den frühen Sheer Mag-Singles und frühen Powerplant zu verorten sind und, aus jüngerer Zeit, der unglaublichen Elvis 2 LP. Die letzten zwei Songs fallen dabei qualitativ leicht ab aber verdammt, für so einen innerhalb weniger Wochen geschriebenen und aufgenommenen Schnellschuss-Release ist das mal so gar nicht übel. Würde mich über mehr davon freuen!

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SPRGRS – 4

Die neueste EP von Sprgrs aus Granada, Spanien ist mal wieder eins dieser Eggpunk-Artefakte, die sich auf den ersten Blick etwas zu treu an eine Standard-Genreformel halten und wäre nicht sonderlich erwähnenswert, wüde sie nicht sukzessiv die Messlatte höher legen und sich mit jedem Song etwas weiter von einer überstrapazierten Prison Affair-Schablone entfernen hin zu einer Qualität, die sich zunehmend auf die wachsende Qualität des zugrundeliegenden Songmaterials stützt und ab dem dritten Song so richtig in die Gänge kommt. Zugegeben, der Abschlusstrack Trabaja fällt dann wieder ziemlich in die Klischeekiste zurück. Aber hey, es ist das Jahr 2026 und offenbar können wir nicht mehr viel gute Dinge haben und erst recht nicht mehr in dieser Genre-Nische. Da nimmt man dann halt mit was man kriegen kann und ich werde mich nicht beschweren über eine EP mit drei so ausgemachten Knallern, immer noch klar ein Gewinner in dieser Ära der gemäßigten Erwartungen.

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Tense – No Cure

Dieses Ding ist auf dem früheren Pigeon-Bandcamp aufgepoppt und daher könnte es sich bei Tense vielleicht um genau die gleichen Leute handeln oder halt auch nicht - es ist einfach mal wieder die übliche Undurchschaubarkeit, die wir so schon seit langem von der berüchtigt anonym agierenden Berliner Post Punk-Arena gewohnt sind. Wenn es die gleiche Band ist, hat ihr Sound jedoch klar eine mittelgradige Transformation durchlaufen und kommt hier fokussierter und kompromissloser daher als je zuvor. Einerseits in mancher Hinsicht ziemlich eindeutige Berliner Post Punk-Schule wie sie im Buche steht, sticht der Scheiß aber dennoch deutlich heraus mit einem Level von beklemmender Weltuntergangslaune der hier komplett durch die Decke geht, alamierend selbst im Vergleich zu dem, was wir sonst so aus diesem nicht unbedingt für Partylaune bekannten Umfeld hören. Der vernichtendste Knall von da seit einer ganzen Weile, serviert mit eiskalt kalkulierter Präzision und unaufhaltsamer Rotationsgewalt. Eine hyper-ökonomisches Vorgehen in dem keine Note verschwendet wird stellt sicher, dass alle Schmerzpunkte zuverlässig aktiviert werden und dabei kann man trotzdem nicht anders, als in entrückter Ekstase mitzuwippen.

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Soft Shoulder – Particles (ETC)

Okay ich versuch mal hier nichts durcheinander zu bringen... Aaalso: Die neue Soft Shoulder LP ist ganz offenbar nicht primär eine Compilation von Material, das in den letzten Jahren bereits auf diversen Lathe Cut-EPs und -Singles veröffentlicht wurde, sondern vielmehr eine Sammlung von Songs aus einer gemeinsamen Aufnahmesession, die schon von Anfang an als ein Album konzipiert war und dessen letztendliche Veröffentlichung genauso im voraus geplant war auch die häppchenweise Erstveröffentlichung der Songs auf besagten Kurzspielern. Puh, das ist mal definitiv eine krude und eigentümliche Vorgehensweise die irgendwie doch passend erscheint für eine der krudesten, eigentümlichsten Bands unserer Zeit, die schon länger am Start ist als dieses Blog, jenes potenziell noch weit überdauern wird und seitdem noch nie darin versagt hat zu beeindrucken mit ihrer so chaotischen wie auch komplett unverkennbaren Vision von vage The Fall-inspiriertem, No Wave-informiertem Post Punk und Noise Rock. Und weißt du was? Ich glaube das hier ist nicht weniger als das bisherige deformierte Meisterstück des aktuell als Ein-Mann-Band agierenden Projekts, sogar nach dem massiven Doppelschlag der 2023er LPs Smile Building's Exit und It’s A Small World After. Diese Songs hauen sogar noch härter auf den Putz in ihrer gebündelten, neu sequenzieten Form - so viel kreative Brillianz konzentriert in ein superdichtes, 21 Songs und 45 Minuten langes Album, das bei aller klanglichen Sperrigkeit nicht eine langweilige Sekunde enthält und nicht zuletzt trägt hier auch viel neugewonnener Punch und Transparenz eines im Vergleich zu den EPs klar aufpolierten Audiomasterings dazu bei, dieses Ding sauber zu verschweißen zu etwas das am Ende mehr ergibt als nur die Summe seiner separaten Bestandteile.

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Snout Fever – Snout Fever

Heilige Scheiße, wie habe ich es geschafft die Debüt-LP dieser Wiener Band zu übersehen als sie im April erschienen ist? Die entpuppt sich jetzt nämlich mal als nicht weniger als eine der herausragendsten Veröffentlichungen des Jahres was Lärm vom etwas oldschooligeren Ende des Post Punk-Spektrums anbelangt mit einem Sound, der sich wie ein willkommener Flashback zu den einfacheren Zeiten eines gerade erst seine dritte Jugend erlebenden Genres in den 2010er Jahren klingt mit mehr als nur einer flüchtigen Ähnlichkeit zu so Bands wie Rank/Xerox und Negative Space, frühen Werken von Institute oder The Estranged, vielleicht sogar einem Hauch von Nervosas oder der allerersten Diät-7"? Ebenso ist da aber auch eine lebendig pulsierende Garagenkante am Start in so Songs wie Collecting Dust und nicht zuletzt ein nettes Sahnehäubchen aus leicht Wipers-mäßger Gitarrenarbeit. Genau die Art von aufs wesentliche reduzierter und unprätentioser, direkter Energie von der ich in diesen Zeiten gerne wieder mehr hören würde.

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1-800-MIKEY – In Yun

Ein neuer Langspieler von 1-800-MIKEY ist jedes mal eine angenehm vorhersehbare Erfahrung ohne besondere Zwischenfälle von einem Typen, der ansonsten auch unter anderem als Teil von Gee Tee sein Unwesen treibt und dessen eigene kleine Nische auf dem Garage Punk-/Power Pop-Spektrum man inzwischen als sauber etabliert ansehen kann. Das wird niemanden mit Originalität und Innovation wegblasen, aber dafür mit der reinen und unschuldigen Power von geradliniger, schnörkelloser Songwriting-Brillianz! Genauso lassen sie auch auf ihrer neuen, dritten LP zuverlässig ein Bündel so infektiöser wie auch liebenswerter Pop-Ohrwürmer von der Leine die sicher niemanden überraschen, aber ohne Ausnahme jedermann verzaubern auf einer Platte, die Mikey von seiner bislang wohl entspanntesten Seite zeigt mit Momenten, die vereinzelt fast schon einen oldschooligen Dream Pop-Vibe transportieren insbesondere in der zweiten Hälfte und so Songs wie K-Style and Falling In Love.

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