Overtime - Overtime

Overtime - Overtime

Hui, das ist echt mal ein Ein­schlag. Das ent­stan­dene Loch in der Wand kriegt man so leicht nicht mehr ver­putzt, ohne dass der Ver­mie­ter etwas merkt. Over­time kom­men aus Mel­bourne, einer Stadt die musik­mä­ßig ja eh nicht für halbe Sachen bekannt ist. Ihr ers­tes Album stellt sich als der­ber Bro­cken aus Noise Rock und Post­core her­aus, der locker die rohe Ener­gie aktu­el­ler Acts der Sorte Tunic, Pigeon, Metz, USA Nails mit­nimmt, aber in ver­schie­de­nen Augen­bli­cken auch ver­gan­gene Acts á la Bas­tro, Laug­hing Hye­nas, Green Magnet School oder Live Skull chan­nelt. Das ganze wird hier von einem unnach­gie­big druck­vol­len, aber gleich­zei­tig maxi­mal rohen Klang­bild in genau das rich­tige Licht gerückt.

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Hwanza - Demo

Hwanza - Demo

Da braut sich ja schein­bar was zusam­men in Süd­ko­rea. Nach­dem mich vor kur­zem bereits die Mar­tyrs aus Seoul mit einem tol­len Demo ange­fixt hat­ten, zün­den deren Stadt­nach­barn Hwanza gleich die nächste wuch­tige und unge­wa­schene Hard­core-Rakete mit deut­li­chem Gara­gen­zu­satz - nicht ganz unähn­lich zu Glue oder Fried Egg.

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Yeesh - Saw You Up There

Yeesh - Saw You Up There

Auch mit Lang­spie­ler Num­mer Drei von Yeesh aus Chi­cago kann man nichts falsch machen. Die auf dem Vor­gän­ger noch deut­li­cher erkenn­ba­ren, melo­di­schen (und ich muss hier beto­nen: voll­kom­men tole­ra­blen) Emo-Ver­satz­stü­cke machen einem weit­aus grim­mi­ge­ren Vibe platz; die Songs und Arran­ge­ments sind stär­ker durch­dacht und aus­ge­reift als je zuvor. Wie gehabt klingt ihr Post­core deut­lich nach dem her­kunfts­mä­ßig nahe­lie­gen­den 90er Touch&Go-Sound, aber frag­los auch mal nach ein­schlä­gi­gen Washing­to­ner Haus­num­mern. Ganz beson­ders sticht hier aber ein gewis­ser Quick­sand-Vibe her­aus, wie man ihn heute viel zu sel­ten zu hören bekommt. Oben­drein kann auch mal etwas Super­chunk-mäßi­ger Indie­rock durch­schei­nen. In der Gegen­wart fühlt sich ein Ver­gleich zu Meat Wave halb­wegs rich­tig an.

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Blazar - Reach Out

Blazar - Reach Out

Es ist gerade mal ein Jahr­zehnt her, da hatte ich Hard­core­punk eigent­lich längst abge­schrie­ben und wollte mit nix mehr mit irgend­was zu schaf­fen haben, was da jen­seits der frü­hen Jahre pas­siert ist. Des­halb finde ich es so bemer­kens­wert, was für eine derbe Reha­bi­li­ta­tion gewisse Teile des Gen­re­kom­ple­xes zumin­dest in mei­nem Emp­fin­den geleis­tet haben. Viel­leicht liegt es aber auch nur an mir und ich wusste ein­fach nicht bes­ser, wo vor den 2010ern der weni­ger mie­fige Wind wehte. Nun ja, jeden­falls bro­delt das Zeug ja schon ein paar Jahre äußerst Posi­tiv vor sich hin, aber 2019 kann ich wohl end­gül­tig im Kalen­der mar­kie­ren als das Jahr, in dem Hard­core wie­der rich­tig Spaß macht. Erzählt aber gewis­sen Tei­len der Szene nichts davon. Sonst kom­men die… ihr wisst schon, diese schlecht aus­ge­las­te­ten Türsteher/​Polizisten/​Spaßbremsen und wol­len wie­der ihre unent­spann­ten Aus­druck­s­tänze, Rhyth­mi­sche Sport­gym­nas­tik und Balz­ri­tuale Insze­nie­ren. Dann brau­chen wir als nächs­tes eine neue Emo­welle, um die wie­der los zu wer­den. Bevor das pas­siert, würde ich gerne noch etwas Spaß an der Musik haben. Obwohl das Emo­dings natür­lich auch mal ein über­fäl­li­ger Kan­di­dat wäre, den Gestank der letz­ten zwei­ein­halb Jahr­zehnte abzu­schüt­teln. Oh, und es ging hier eigent­lich ja um eine EP von Bla­zar. Die ist ziem­lich gut, tut sie euch rein. Hat in der aktu­el­len Land­schaft etwas von Bootlicker und Hate Preachers.

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Rinse - Extended Play

Rinse - Extended Play

Schö­ner Lärm aus Los Ange­les, der zur einen Hälfte aus - sehr nahe­lie­gend - nach alter kali­for­ni­scher Schule klin­gen­dem Punk- und Hard­core­ge­döns, zur ande­ren aus eher kon­tem­po­rär anmu­ten­dem Garage Punk besteht. Damit bewe­gen sich Rinse unter ande­rem in der Nähe von Bands wie Fried Egg, Lumpy & The Dum­pers, Mys­tic Inane oder Bed­wet­ters Anony­mous.

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Emergency Contact - Population Control /​ The Ladder /​ Proletariat

Emergency Contact - Population Control / The Ladder / Proletariat

Jau, die Band aus Seat­tle hat auch schon wie­der eine neue EP raus­ge­hauen. Bereits die dritte inner­halb von gerade mal vier Wochen - noch eine davon und wir krat­zen dar­aus ein Album zusam­men. Ich schlu­cke aber auch noch bereit­wil­lig die nächs­ten vier bis fünf Kurz­spie­ler, auf die wir sicher nicht lange war­ten müs­sen. Ihr quir­li­ger Post Punk mit leich­tem Wave- und Gara­gen­zu­satz zeigt näm­lich bis­lang noch kei­ner­lei Ermü­dungs­er­schei­nun­gen.

Match Factory - Naive Memories

Match Factory - Naive Memories

Sym­pa­thisch abge­han­ge­ner Gara­ge­punk aus Van­cou­ver, manch­mal nicht unähn­lich einer relax­te­ren Ver­sion ihrer Stadt­nach­barn Dumb. Außer­dem kann man Gemein­sam­kei­ten mit Sauna Youth, Neu­trals, Mini Skirt fin­den. Dazu eine aus­ge­prägt power­po­pige Note, die etwa Vaguess, Datenight oder Regu­lar Boys nicht allzu fern steht.

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Gamma World - Demo

Gamma World - Demo

Ich glaub mich tritt was, hab ich gedacht: diese Stimme kenn ich doch! Und in der Tat han­delt es sich um das unver­kenn­bare Gesang­sor­gen und das Wipers-infi­zierte Gitar­ren­ge­schrubbe von Jeff Klein­man, des­sen altes Vehi­kel Ner­vo­sas bei mir in ver­gan­ge­nen Jah­ren bereits mehr­fach blei­ben­den Ein­druck hin­ter­las­sen hat - eine Band, die viel mehr Beach­tung ver­dient hätte.

Nun ja, Ner­vo­sas sind wohl schon län­ger nicht mehr, dafür jetzt also Gamma World. Ein biss­chen zugäng­li­cher und im gemä­ßig­te­ren Tempo gibt sich deren Sound, hat dafür ein paar Noise-Sta­cheln und eine leichte Gara­gen­kante dazu gewon­nen. Wegen letz­te­rer Eigen­schaf­ten - in Ver­bin­dung mit den elek­tri­schen Drums - schlägt das gele­gent­lich etwas in Rich­tung Big Black (näm­lich in Mastiff), deut­lich öfter aber gegen S.B.F. aus. Auch die gewohnte Wipers-Ten­denz ist nach wie vor an Bord und das Song­ma­te­rial trägt wei­ter­hin Klein­mans ver­traute, natür­lich exzel­lente Hand­schrift. Ein wür­di­ger Nach­fol­ger für eine mäch­tige Band. Hof­fent­lich gibt's da bald 'nen Lang­spie­ler von.

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Fuckin' Lovers - City Hippies

Fuckin' Lovers - City Hippies

Ein ein­zi­ges Fest in einer knie­tie­fen Pfütze aus Dis­tor­tion ist das zweite Tape von Fuc­kin' Lovers aus Phil­adel­phia. Irgendwo zwi­schen Islän­di­scher Noi­se­core-Schule (Roht, Dauðy­flin), diver­sen ame­ri­ka­ni­schen Unfäl­len (Soup­cans, Vul­ture Shit, Gum­ming) und ein wenig ber­li­ner Wahn­sinn (Stink­hole), wer­den hier nur die bes­ten Roh­stoffe ver­ar­bei­tet.

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Hobocop - Hungry Freak In The Data Mine

Hobocop - Hungry Freak In The Data Mine

Die Band aus Oak­land hat mal schlappe fünf Jahre gebraucht nach ihrer Debüt-EP auf Slo­venly Record­ings, um einen Nach­fol­ger an den Start zu brin­gen. Der ist dafür aber abso­lut bril­li­ant gera­ten und des­ori­en­tiert erneut mit einem wun­der­voll schrä­gen Klang­bild in dem z.B. exzen­tri­scher Gara­gen­krem­pel á la Wire­heads und UV Race mit die­ser leicht sprö­den Sorte von Art Rock zusam­men­fließt, wie man ihn der­zeit vor­nehm­lich aus der DIY-Szene von Port­land und deren Bands wie Honey Bucket und Shop Regu­lars ver­nimmt. Dazu kom­men dann noch psy­che­de­li­sche Vibes - etwa so Pink Flag in einem Müll­con­tai­ner auf­ge­nom­men - und noch wei­tere bri­ti­sche Alt­las­ten auf der Schwelle von Art- und Post Punk drü­cken hier regel­mä­ßig auf die Klin­gel. Swell Maps fal­len mir da ein, außer­dem The Fall und Mem­bra­nes - jeweils in ihren frü­hen Jah­ren. Und lange hab ich keine Platte mehr gehört, die der­art effek­ti­ven und bewuss­ten Gebrauch von ihrer char­man­ten LoFi-Ästhe­tik macht.

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