Die Wiederveröffentlichung der ursprünglich ende letzten Jahres erschienenen Hello, Mr. Operator EP der New Yorker Elektropunks Hand Helds auf dem australischen Label Grog Records lies mich mal echt aufhorchen. Ein kurzer Blick auf ihr Bandcamp-Profil offenbart dann nicht nur dass es bereits einen Nachfolger zu der EP gibt, sondern auch eine Band, die offenbar schon ein paar Jahre ihr Ding durchzieht und konstant EPs in einem variablen Spektrum zwischen Noise-versifftem Garage Punk, minimalistischem und überwiegend ziemlich rauhem Synth- und Elektropunk rausgehauen hat. Ich bin mir ziemlich sicher, früher schon über die Band gestolpert zu sein, kann im Nachhinein aber auch nachvollziehen warum ich mich damit nicht weiter befasst habe, klingt viel ihres früheren Werkes doch nach einer maximalistischen Herangehensweise, möglichst viel Dreck an die Wand zu werfen um zu sehen was dran kleben bleibt. Nu ja, ein paar Dinge sind aber offensichtlich kleben geblieben und auf ihren jüngsten zwei EPs fügen sich die Teile viel nahtloser zusammen dank eines vergleichsweise minimalistischen und wohlüberlegten weniger-ist-mehr-Ansatzes. Hello Mr. Operater ist dabei klar noch die etwas kruder klingende EP mit einer stark in der Schuld von Primitive Calculators und vereinzelt auch Suicide stehenden Machart des bis auf die Knochen reduzierten Synth Punk. Die Transatlantic Death Machine EP tauscht dann die Bassgitarre gegen einen Schlagzeuger aus Fleisch und Blut ein und das Ergebnis ist noch ein gutes Stück wilder und fast schon ein bisschen elegant, auch wenn die dissonanten Muster aus Synth-Kakophonie in so Songs wie Glue Tongue alles daran setzen, darüber hinwegzutäuschen. Eine seltsam krautig-motorische Qualität durchzieht das Ding. Entschlackt auf ein Minimum aber mit der notwendigen Liebe für die Details auf die es ankommt ist das klar ein paar Tacken höher angesiedelt als die Masse an Electro Kraut-Veröffentlichungen und No-Wave-mäßigen ’80er Synth Punk-Rückblenden.
Nach der derben Enttäuschung einer irgendwie doch ein bisschen zu aalglatten neuen Poison Ruïn-LP bin ich doch sehr erfreut, auf diese nette Ersatzdroge gestoßen zu sein. Die verantwortliche Band kommt aus Philadelphia und bedient ein paar doch durchaus verwandte Gelüste von stark ’80er Heavy Metal-beeinflusstem, Dungeon-verwandtem Punk, auch wenn die grundlegenden Klangparameter sich hier stärker in der etwas weiter gefassten Hardcore- und D-Beat-Landschaft zuhause anfühlen. Nichtsdestotrotz offenbaren diese Songs eine überdurchschnittliche Fülle an Raffinesse, Detailarbeit und tonnenweise süchtig machender Hooks um diese sieben Wetterfronten aus halsbrecherischer Ekstase fest zu verankern und gleichsam auf ein durchweg fortschrittliches Level anzuheben.
Es wäre jetzt ziemlich einfach, diese Schweizer als nur ein weiteres Artefakt der Kategorie „Pisse und die Folgen“ abzuheften, aber dafür arbeitet der Scheiß hier eigentlich auf einem zu hohen Level und steht doch sehr komfortabel auf seinen eigenen Füßen mit genug eigener Identität und Ideen um sie aus der Masse herausstechen zu lassen mit einem Sound, der mir dann auch ein bisschen Internationaler vorkommt wenn mich etwa Rien Pour Moi an so Art Punk-Bands wie Ismatic Guru oder Landowner erinnert oder Animal Farm so einen alten Giorgio Murderer-Vibe aufweist. Wie dem auch sei, den Vergleich mit Pisse werden sie vorerst noch nicht vermeiden können, aber ohne Frage ist das hier für sich genommen eine beeindruckende Debüt-EP und ich bin mehr als gespannt, wohin sich das entwickelt.
Die letzten zwei Releases dieser Band waren für meinen Geschmack etwas wackelige Angelegenheiten was das Songmaterial angeht, aber auf ihrem neuesten Streich trifft die Band mal wieder durchweg den Nagel auf den Kopf mit einem Bündel neuer Songs, die den vertrauten Nervenkitzel diesmal wieder äußers Effektiv und deutlich treffsicherer abliefert. Nach wie vor würde ich dabei sagen, dass die Band sich eine ziemlich eigene Mikronische erschaffen hat in der Atmösphäre und Kompositionen mehr mit oldschooligem Death Rock und manchen Strängen des gegenwärtigen Post Punk gemeinsam haben als mit der Mehrzahl aktueller „Blackened“- und Dungeon Punk-verwandter Machenschaften.
Die bisherige Diskografie dieser Band kann sich durchaus als sehr verwirrend und überwältigend darstellen mit einer Tonne von Veröffentlichungen die plötzlich auftauchen und auch wieder verschwinden, neue Songs zu ihrer Tracklist hinzugefügt oder wieder gelöscht bekommen und dann ist da noch die konstante Frage von „Hab ich diesen Song nicht schon gehört?“ und „ist das jetzt eine Neuaufnahme odereine Wiederveröffentlichung?“ Das ist so ein typischer Punkt wo ich gerne mal vorübergehend aussteige, ein bisschen Abstand nehme und darauf warte, dass etwas definitiveres, permanentes aus der Sache herauskommt. Ein solches Ding ist jetzt diese neue Kassette aus dem Hause Knuckles On Stun, dem zuverlässigen Verticker von vielleicht etwas zu steil eingepreister Eierware – ein Artefakt das diesmal vermutlich so bleiben wird wie es jetzt ist. Auch hier habt ihr vielleicht manchen Song schon mal gehört aber was macht das inzwischen eigentlich noch für einen Unterschied? Der Scheiß ist von gewohnt hoher Klasse und noch immer ist mir keine andere Band bekannt, die ihnen auch nur annähernd ähnlich klingt.
Hier sind zwei arschpieksende neue Artefakte von eieriger Garage Punk-Brillianz. Das erste davon kommt von Triple Ente aus Alicante, Spanien. Es wäre ja eh schon komplett untertrieben zu sagen dass spanische Bands seit langem eine unverzichtbare Kraft in dem ganzen Genre-Clusterfuck sind und Triple Ente waren schon ziemlich früh ein Teil davon. Eine Band also, die uns jetzt nichts mehr beweisen muss und hier dennoch keine halben Sachen macht auf ihrer neuesten LP, auf welcher sie 14 neue Smasher einer stärker Richtung Garage orientierten Machart abliefern, was inzwischen irgendwie schon wieder angenehm oldschool im Eggpunk-Kontext klingt und absolut positiv an den Wilden Westen einer früheren Genre-Ära erinnert.
Relativ neu dabei ist hingegen die Band Dasgüt aus Philadelphia, die hier gleichsam aber mit einer nochmal viel oldschooligeren Garage Punk-Energie aufwarten im stark Gun Club-mäßigen, wie die Band Dasgüt betitelten Opener, bevor sich anschließend mehr des zu erwartenden Eggpunk-Irrsins entfaltet mit tonnenweise kranken Ideen und ansteckenden Hooks die sich wie ein roter Faden durch die Platte ziehen. Wie schon die Triple Ente LP, umgeht das hier aber viele der häufigsten Klischees unter anderen weil beide Bands weitgehend auf Synths, Elekronik oder eine übertriebene Homerecording-Ästhetik verzichten. Stattdessen kochen sie ihre Songs gekonnt herunter zu einem schlanken Kern aus aus eingängiger und spaßiger Garage Punk-Sonderlichkeit.
Die letzten Wochen hatten zwei herausragende Hardcoreveröffentlichungen für uns auf Lager und ich nehme mal die Abkürzung, sie hier in einem Post zu verbraten. Brainwash Victims aus Milwaukee, Wisconsisn haben eine neue Kassette auf Unlawful Assembly raus mit einem Sound der nicht nur maximal noisy, abgefuzzt und angepisst ist, sondern auch mit immer wieder mit einfallsreichen Wendungen, catchy Hooks und melodischen Obertönen um die Ecke kommt. Die Typen spielen nicht nur hart und schnell, sondern sie haben auch die Songs an Bord um dabei nicht umzukippen.
Yambag aus Cleveland, Ohio sind dagegen eine Band, zu der ich über die Jahre ein etwas wackeliges Verhältnis gehegt hab, nicht zuletzt weil es auf einigen ihrer jüngeren Veröffentlichungen häufig den Anschein hatte als würden sie sich umso weniger um die Songs und Arrangements scheren, je härter sie auf den Putz hauen, so als versuche man hier für einen Mangel an kompositorischer Substanz zu kompensieren. Aber wie auch immer, jetzt haben sie eine neue 8-Song-EP draußen die sie mal wieder ausschließlich von ihrer besten Seite zeigt mit einem starken Bündel neuer Songs die so einfach gestrickt wie auch schlagkräftig und catchy rüberkommen und schlicht einen Sweet Spot in ihrem stilistischen Venn-Diagramm treffen, bei dem alles vorhanden ist was den Reiz dieser Band ausmacht und die beweglichen Teile rüttelfest und kunstvoll verarbeitet an ihrem Platz sitzen.
Auf ihrer zweiten LP betätigt sich diese Band aus New Jersey in einer Machart des Garage Punk, die irgendwie seltsam altmodisch und angenehm unbeeinflusst erscheint von den Entwicklungen der letzten ein bis zwei Jahrzehnte. Ich mein… wirklich, der Scheiß könnte sich eigentlich jederzeit zwischen der klassischen Reatard(s)-Ara und dem letzten Atemzug des Male Bonding- und No Age-mäßigen Fuzz Punk der frühen 2010er zuhause fühlen. In unserer Zeit fühlt sich das jetzt mehr wie eine schrullige Kuriosität an und ihr wisst das mich sowas anmacht, insbesondere wenn das mit so einer Fülle von bemerkenswert einfachen, charmant nachlässig dargebotenen und gefährlich eingängigen Popsongs aus fuzzy-melodischem Glück einhergeht.
La RAF aus Mexico City haben definitiv ein seltenes Händchen dafür, Jahrzehnte alte Post Punk-Tropes und -formeln aufzugreifen und der Sache dennoch jedes mal erfolgreich ihren eigenen Stempel zu verpassen, denn jeder Song auf dieser EP klingt als hätte er zu einem beliebigen Zeitpunkt seit den späten ’70ern erscheinen können, aber dennoch niemals klar nach einem Song, den du glaubst schon mal gehört zu haben – es wohnt diesen Songs eine frische und lebhafte Energie inne, durchtränkt von eigener Persönlichkeit und vorangetrieben von ausgesprochen tighten und energischen Performances, auch wenn die Grundzutaten schon seit langem mehr als vertraut sind.
Die ersten Teaser-Tracks vom Langspieldebüt dieser Band aus Melbourne, bestehend unter anderem aus Mitgliedern von Piss Wizard und Stray Dogs To Good Homes, hatten bereits eine drastische Abwendung signalisiert vom noch deutlich simpleren, Wipers-infizierten Garage Punk ihrer vorherigen EP und in der Tat ist diese Platte eine ganz andere Sorte von Biest geworden, das mehr von einem staubigen, Americana-durchtränkten Post Punk-Vibe versprüht mit Echos von frühen Scientists aber auch viel jüngerem Zeug wie etwa dem Noise-versifften Post Punk der kopenhagener Größen Lower und den frühen Iceage; Sklitakling und Pleaser aus Schweden, Americana- und Cowpunk-beeinflussten US-Bands wie Weak Signal und Bambara oder auch Australiern wie Optic Nerve und Refedex. Eine reiche Pallette von mutmaßlichen und durchaus etablierten Einflüssen also, aber diese Band kocht daraus ein durchaus eigenständiges Süppchen, nicht zuletzt dank tonnenweise belastbarer Songsubstanz als Fundament für die lärmigen Eruptionen und kantigen Performances, ein angemessenes Vehikel aus düsterer Energie für die unverblümt-eindringlichen Texte und Vocals von Frontfrau Freya Tanks.