Blaskapelle Chancentod – Pädagogisch Wertvoll

Es wäre jetzt ziemlich einfach, diese Schweizer als nur ein weiteres Artefakt der Kategorie „Pisse und die Folgen“ abzuheften, aber dafür arbeitet der Scheiß hier eigentlich auf einem zu hohen Level und steht doch sehr komfortabel auf seinen eigenen Füßen mit genug eigener Identität und Ideen um sie aus der Masse herausstechen zu lassen mit einem Sound, der mir dann auch ein bisschen Internationaler vorkommt wenn mich etwa Rien Pour Moi an so Art Punk-Bands wie Ismatic Guru oder Landowner erinnert oder Animal Farm so einen alten Giorgio Murderer-Vibe aufweist. Wie dem auch sei, den Vergleich mit Pisse werden sie vorerst noch nicht vermeiden können, aber ohne Frage ist das hier für sich genommen eine beeindruckende Debüt-EP und ich bin mehr als gespannt, wohin sich das entwickelt.

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Snarewaves – 4 Tracks

Die bisherige Diskografie dieser Band kann sich durchaus als sehr verwirrend und überwältigend darstellen mit einer Tonne von Veröffentlichungen die plötzlich auftauchen und auch wieder verschwinden, neue Songs zu ihrer Tracklist hinzugefügt oder wieder gelöscht bekommen und dann ist da noch die konstante Frage von „Hab ich diesen Song nicht schon gehört?“ und „ist das jetzt eine Neuaufnahme odereine Wiederveröffentlichung?“ Das ist so ein typischer Punkt wo ich gerne mal vorübergehend aussteige, ein bisschen Abstand nehme und darauf warte, dass etwas definitiveres, permanentes aus der Sache herauskommt. Ein solches Ding ist jetzt diese neue Kassette aus dem Hause Knuckles On Stun, dem zuverlässigen Verticker von vielleicht etwas zu steil eingepreister Eierware – ein Artefakt das diesmal vermutlich so bleiben wird wie es jetzt ist. Auch hier habt ihr vielleicht manchen Song schon mal gehört aber was macht das inzwischen eigentlich noch für einen Unterschied? Der Scheiß ist von gewohnt hoher Klasse und noch immer ist mir keine andere Band bekannt, die ihnen auch nur annähernd ähnlich klingt.

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Triple Ente – Desastres / Dasgüt – Dasgüt

Hier sind zwei arschpieksende neue Artefakte von eieriger Garage Punk-Brillianz. Das erste davon kommt von Triple Ente aus Alicante, Spanien. Es wäre ja eh schon komplett untertrieben zu sagen dass spanische Bands seit langem eine unverzichtbare Kraft in dem ganzen Genre-Clusterfuck sind und Triple Ente waren schon ziemlich früh ein Teil davon. Eine Band also, die uns jetzt nichts mehr beweisen muss und hier dennoch keine halben Sachen macht auf ihrer neuesten LP, auf welcher sie 14 neue Smasher einer stärker Richtung Garage orientierten Machart abliefern, was inzwischen irgendwie schon wieder angenehm oldschool im Eggpunk-Kontext klingt und absolut positiv an den Wilden Westen einer früheren Genre-Ära erinnert.

Relativ neu dabei ist hingegen die Band Dasgüt aus Philadelphia, die hier gleichsam aber mit einer nochmal viel oldschooligeren Garage Punk-Energie aufwarten im stark Gun Club-mäßigen, wie die Band Dasgüt betitelten Opener, bevor sich anschließend mehr des zu erwartenden Eggpunk-Irrsins entfaltet mit tonnenweise kranken Ideen und ansteckenden Hooks die sich wie ein roter Faden durch die Platte ziehen. Wie schon die Triple Ente LP, umgeht das hier aber viele der häufigsten Klischees unter anderen weil beide Bands weitgehend auf Synths, Elekronik oder eine übertriebene Homerecording-Ästhetik verzichten. Stattdessen kochen sie ihre Songs gekonnt herunter zu einem schlanken Kern aus aus eingängiger und spaßiger Garage Punk-Sonderlichkeit.

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Bog Imp – Anti-Natural

Auf ihrer zweiten LP betätigt sich diese Band aus New Jersey in einer Machart des Garage Punk, die irgendwie seltsam altmodisch und angenehm unbeeinflusst erscheint von den Entwicklungen der letzten ein bis zwei Jahrzehnte. Ich mein… wirklich, der Scheiß könnte sich eigentlich jederzeit zwischen der klassischen Reatard(s)-Ara und dem letzten Atemzug des Male Bonding- und No Age-mäßigen Fuzz Punk der frühen 2010er zuhause fühlen. In unserer Zeit fühlt sich das jetzt mehr wie eine schrullige Kuriosität an und ihr wisst das mich sowas anmacht, insbesondere wenn das mit so einer Fülle von bemerkenswert einfachen, charmant nachlässig dargebotenen und gefährlich eingängigen Popsongs aus fuzzy-melodischem Glück einhergeht.

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The Antics – The Antics

Die ersten Teaser-Tracks vom Langspieldebüt dieser Band aus Melbourne, bestehend unter anderem aus Mitgliedern von Piss Wizard und Stray Dogs To Good Homes, hatten bereits eine drastische Abwendung signalisiert vom noch deutlich simpleren, Wipers-infizierten Garage Punk ihrer vorherigen EP und in der Tat ist diese Platte eine ganz andere Sorte von Biest geworden, das mehr von einem staubigen, Americana-durchtränkten Post Punk-Vibe versprüht mit Echos von frühen Scientists aber auch viel jüngerem Zeug wie etwa dem Noise-versifften Post Punk der kopenhagener Größen Lower und den frühen Iceage; Sklitakling und Pleaser aus Schweden, Americana- und Cowpunk-beeinflussten US-Bands wie Weak Signal und Bambara oder auch Australiern wie Optic Nerve und Refedex. Eine reiche Pallette von mutmaßlichen und durchaus etablierten Einflüssen also, aber diese Band kocht daraus ein durchaus eigenständiges Süppchen, nicht zuletzt dank tonnenweise belastbarer Songsubstanz als Fundament für die lärmigen Eruptionen und kantigen Performances, ein angemessenes Vehikel aus düsterer Energie für die unverblümt-eindringlichen Texte und Vocals von Frontfrau Freya Tanks.

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Kerosene Kream – Bye Mom!

Nachdem sie sich mit ihrer 2024er Buying Time EP so richtig in einen deutlich dunkleren Acid Rock-Vibe reingelehnt haben, umschifft auch auch der neueste Kurzspieler der Stockholmer Band weitgehend ihre früheren Eggpunk-Tendenzen, markiert aber doch eine Rückkehr zu etwas leichteren Vibes – so sehr das hier auch nach einem Trip klingt, ist das doch eine durchweg angenehme, farbenfrohe Abfahrt und was auch immer da übrig ist von den ’60er psychedelischen Lastern in ihrem catchy Garagenpunk wird jederzeit aufgewogen mit verspielten Synth-Akzenten und verschrobenen Devo-ismen, die mir öfter mal rüberkommen wie ein ungleich sonnigeres Gegenstück zu ihren Stadtnachbarn, der lokalen Synth Punk-Legende Isotope Soap.

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United Stare – Voice Of Change

Die Punks aus Pittsburgh, Pennsynvania legen nach mit einem noch stärkeren, wenn auch vielleicht etwas stilistisch fragmentierten Nachfolger zu ihrer exzellent rohen Debüt-EP aus dem letzten Jahr. Der Opener Voice Of Change hat dabei einiges von einer Energie á la The Cowboy, Flat Worms, Punter oder The Men der Open Your Heart-Ära, worauf dann Burning In The City mehr von einem eher australisch klingendem Slacker Punk-Vibe abstrahlt irgendwo zwischen Dumb Punts, Gee Tee und Pist Idiots. Der Rausschmeißer Moon Landing gefällt dann zu guter Letzt als ein ausufernder, 7-minütiger Instrumental-Jam aus monotonem aber seltsam erbaulich klingendem, krautigem Space Rock-Exzess.

The Caries Company – Episodio Especial

Verdammt, hat diese Band aus Alicante, Spanien die eigene Messlatte höher gelegt nach den zwei vielversprechenden aber noch sehr wechselhaften EPs von 2024. Das ist eine Variante von Garage- und Eggpunk, die einerseits recht gut in ein Schema passt dass solche überwiegend spanischen Bands wie Prison Affair, Sprgrs, Finale, Pringue oder auch vereinzelt internationale Nachzügler wie Beer etabliert haben, setzt sich aber positiv von der Masse ab mit einer rohen Antriebskraft, die viele geringere Vertreter des Subgenres vermissen lassen und nicht zuletzt haben sie eine Fülle von angemessen catchy Ohrwürmern im Gepäck, die der energischen Darbietung absolut würdig sind.

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Physicalist – Physicalist

Physicalist sind eine neue Band aus (vermutlich) Vancouver, die sich um Dave P von der lokalen Power Pop-Sensation Night Court dreht. Deren Qualitäten schwingen auch auf dieser Platte mit, aber das zentrale Klangkostüm ist hier doch ein ganz anderes, eine infektiöse Verschmelzung von Hard-, Art- und Postcore mit einer unübersehbaren Garage Punk-Kante und melodischen Obertönen, was mich auf der Artcore-Seite der Gleichung etwa an Mystic Inane, Rolex oder Launcher erinnert und an Dumpies, Sauna Youth und Eyeball in seinen poppig-garagigen Tendenzen.

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M-Chev – The Jenkem Incident

Ich hab nicht viel neues oder aufschlussreiches über diese EP zu erzählen außer dass die Band aus Boise, Idaho sich halt in einer spezifischen Subnische betätigt, die zuvor von so Bands wie Prison Affair, Beer und vielleicht Set-Top Box etabliert wurde und sich hier abspielt wie eine extra krude Variante dieses speziellen Fleckchens in der Eggpunk-Landschaft und nicht trotz, sondern gerade wegen besagter dissonanter Rohheit den Nagel auf den Kopf trifft, auch wenn man eigentlich dem Genre hier nichts neues hinzufügt.

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