Hammered Hulls - Careening

Das Lang­spiel­de­büt die­ser Band aus Wa­shing­ton ist mit ziem­li­cher Si­cher­heit die am meis­ten nach Di­schord klin­gen­de Ver­öf­fent­li­chung des be­sag­ten La­bels seit ge­rau­mer Zeit und plün­dert sich ge­nau­so frei­mü­tig wie auch kunst­voll durch vier­zig Jah­re Post­core-Tra­di­ti­on wie ein wun­der­sa­mer Ana­chro­nis­mus. Das macht mich al­ten Sack aus­ge­spro­chen glück­lich und an­ge­sichts der Lis­te von Be­tei­lig­ten hier - al­le da­von ha­ben in der Ver­gan­gen­heit selbst deut­li­che Spu­ren in der wa­shing­to­ner Sze­ne hin­ter­las­sen - bin ich auch kein biss­chen Über­rascht von der Stär­ke die­ses Al­bums.

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Wetnap - Gnarled

Das Lang­spiel­de­büt die­ser Band aus To­kyo fühlt sich un­ge­fähr an wie ei­ne Rund­rei­se durch die schram­me­ligs­ten, me­lo­dischs­ten Ecken des In­die Rock, Noi­se Pop, Post- und Emo­core der spä­ten 80er bis 90er - das be­schwört klar den Geist von Bands wie Pol­vo, Su­per­chunk, Un­wound, Bitch Ma­gnet, Lync, Di­no­saur Jr. und noch vie­len an­de­ren her­auf, mit der ge­le­gent­li­chen Do­sis Slint oben­drein und ein paar Shoe­ga­ze-Mo­men­ten die be­son­ders was von Swer­ve­dri­ver ha­ben. Das al­les, ab­ge­füllt mit an­ge­mes­sen räu­di­gen Lo­Fi-Pro­duk­ti­ons­wer­ten, ist in sei­ner un­ver­dünn­ten Kon­se­quenz ei­ne in jün­ge­rer Zeit ziem­lich ra­re und des­halb auch be­son­ders er­freu­li­che An­ge­le­gen­heit ge­wor­den.

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Headcheese - Best Before 2022

Die­se Band aus Ka­loo­mps, Ka­na­da be­sorgt auf ih­rer ak­tu­el­ler EP ei­ne durch­weg ver­gnüg­li­che Tour um die et­was aben­teu­er­li­che­ren Tel­ler­rän­der des Hard- und Post­core der frü­hen bis mitt­le­ren 80er, an­ge­rei­chert um ein paar fie­se Groo­ves und ei­nen leicht ga­ra­gi­gen Vi­be - um das Cha­os zu ver­foll­stän­di­gen be­kommt das gan­ze dann noch die pa­ten­tier­te KBD-Son­der­be­hand­lung. Das Re­sul­tat lässt aber durch­aus auch As­so­zia­tio­nen zu jün­ge­ren Bands der Sor­te Mys­tic Ina­ne oder Fried E/​m zu.

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Gluer - Gluer

Auf ih­rem ers­ten Lang­spie­ler tritt die­se Band aus Stock­holm ei­nen ex­zel­len­ten Ra­dau los, un­ter­teilt in un­ver­züg­lich auf den Punkt ge­brach­te De­to­na­tio­nen ir­gend­wo im Span­nungs­feld von Ga­ra­ge Punk, Hard- und Post­core mit ge­wis­sen Par­al­le­len et­wa zu Te­ne­ment Rats, Sick Thoughts und frü­hen Teen­an­ger auf der Ga­ra­ge-Sei­te der Glei­chung und - aus­ge­hend von je­ner Ten­denz - eher zum Post­core ori­en­tier­ten Acts wie Vi­deo, Cri­sis Man, As­cot Stab­ber, Bat­piss oder Flowers Of Evil.

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Coke Asian - Kegel Excess

Das wohl un­wahr­schein­lichs­te Schmuck­stück die­ser Wo­che kommt von ei­ner pa­ri­ser Band und die Auf­nah­men gam­mel­ten wohl schon seit 2018 ir­gend­wo rum. Ein ent­waff­nend schrä­ger Bro­cken aus chao­ti­schem Noi­se ist das, un­be­quem ver­kan­tet zwi­schen den Gren­zen von Ga­ra­ge Punk, al­ten KBD-mä­ßi­gen Aus­wüch­sen und den äu­ßers­ten Tel­ler­rän­dern des früh-80er Hard­core Punk. Der Ope­ner VVV ent­wi­ckelt ei­nen Vi­be wie ein Mix aus Sub­t­le Turn­hips und Lan­dow­ner wäh­rend Moo­se Lodge den Geist der Pro­to-Noi­se­rock-Acts vom Ka­li­ber Flip­per, Bro­ken Ta­lent oder Fun­gus Brains her­auf­be­schwört. Ci­ty Blocks ver­schnürt die Qua­li­tä­ten der Bad Brains mit ei­nem star­ken MC5-Vi­be zu ei­nem schön hand­li­chen Pa­ket. An an­de­rer Stel­le mag man an The Mental­ly Ill den­ken oder sie span­nen den de­fi­ni­ti­ven Bo­gen von Ne­os zu Neo Ne­os und ei­ne gan­ze Rei­he ak­tu­el­le­rer Bands á la To­tal Sham, Li­quid As­sets, Laun­cher, Cri­sis Man, Frea­kees oder Li­po­suc­tion liegt da auch nicht zu fern. Der Scheiß hier ist glei­cher­ma­ßen ori­gi­nell und pri­mi­tiv, weit­ge­hend un­be­re­chen­bar und er­weist sich bei je­dem Ver­such der Gen­re-Ein­ord­nung als ein äu­ßerst flut­schi­ges Ding.

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Ra!d - Ra!d

Wie der Zu­fall es will kommt hier so­fort schon die nächs­te Band, de­ren ge­naue Her­kunft et­was schwam­mig bleibt, wenn­gleich auch die vor­han­de­ne Evi­denz grob in Rich­tung des Bun­des­staa­tes Penn­syl­va­nia deu­tet. Auf ih­rem jüngs­ten Lang­spie­ler lei­tet ein aus­ge­frans­tes Lo-Fi akus­tik-In­tro ei­ne Na­tur­ge­walt ein, die in et­wa so rü­ber­kommt als trä­fe der hal­lu­zi­no­gen ver­ne­bel­te Post Punk von Pi­les oder Die! Die! Die! auf die pech­schwar­zen Wel­ten von Nag. An an­de­ren Stel­len gibt es et­was kon­ven­tio­nel­le­re - aber kein biss­chen we­ni­ger gut schep­pern­de - Sounds ir­gend­wo zwi­schen dem Doom- und Sludge-las­ti­gen Noi­se Rock der al­ten Am­Rep-Schu­le und dem ab­ge­spa­ce­ten Acid Punk-Ex­zess vom Schla­ge De­st­ruc­tion Unit, Ha­mer oder Su­per-X.

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Night Babes - NBEP

Ich hab mal gar kei­nen Schim­mer, wo die­se Band jetzt her­kommt und war­um ih­re schon im letz­ten Jahr er­schie­ne­ne De­büt-EP bis­her so un­be­merkt ge­blie­ben ist, denn es han­delt sich hier de­fi­ni­tiv um kei­ne ty­pi­sche Gen­re­kost. Ihr Sound aus glei­chen Tei­len Post Punk und -core mit dem ge­wis­sen Ga­ra­ge Punk-Nach­bren­ner spannt un­ter an­de­rem Bö­gen zwi­schen so Zeug wie frü­hen Pro­tomar­tyr oder Con­stant Mon­grel und et­was Ga­ra­ge-las­ti­ge­ren Bands aus der Ty­vek-, Par­quet Courts- oder Go­to­beds-Ni­sche. Au­ßer­dem gibt's reich­lich Post­core-Vi­bes et­wa im Sin­ne von Hot Sna­kes /​ Dri­ve Li­ke Je­hu und ver­ein­zelt se­he ich da so­gar ein biss­chen Mis­si­on Of Bur­ma oder Mo­ving Tar­gets drin auf­blit­zen.

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Sniffany & The Nits - The Unscratchable Itch

Der ers­te Lang­spie­ler der Lon­do­ner ist ein über­lau­fen­des Fass aus wur­der­bar ent­gleis­tem Hard- und Post­core mit ei­nem oft un­er­war­tet me­lo­di­schen Un­ter­bau. Auf den ers­ten Blick hat das et­was von ei­nem Mit­tel­weg zwi­schen Ju­dy and the Je­rks und der Weird­core-Ka­no­ne Warm Bo­dies, aber da ist auch noch mehr Zun­der am Start hier mit Mo­men­ten, die Ver­glei­che zu ei­nem dif­fu­sen Klum­pen recht un­ter­schied­li­cher Bands á la Acry­lics, Cri­sis Man, Mur­de­rer, Ka­lei­do­scope oder Straw Man Ar­my na­he­le­gen.

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McQQeen - II

Ein ex­qui­sit ra­ke­ten­ge­trie­be­ner Kra­wall, der zwei­te Lang­spie­ler von Mc­Q­Qeen aus Athens, Geor­gia, wel­cher jetzt auch noch stolz das Qua­li­täts­sie­gel von Big Neck Re­cords tra­gen darf. Was ein biss­chen so an­fängt wie ei­ne Mi­schung aus Bands á la Flat Worms, The Cow­boy oder Fa­shion Pimps & The Glama­zons mit ei­nem ver­däch­ti­gen Psy­che­de­lic-/S­pace Rock-Un­ter­ton, ballt dann sei­ne Faust zu ei­nem wei­ten Rund­um­schlag durch so ei­ni­ges im Um­feld von Ga­ra­ge Punk, Noi­se Rock, Post Punk und Post­core - mit da­bei sind et­wa An­klän­ge an jün­ge­re Er­schei­nun­gen wie Metz, John (Timest­wo) oder Spray Paint, so­wie den Space Punk-Ex­zess von De­st­ruc­tion Unit und die Fuzz Punk-Es­ka­pa­den der frü­hen The Men. Auch ein paar Spu­ren von McLus­ky und ver­ein­zel­te U-Men Ver­satz­stü­cke kann man sich da noch raus­zie­hen.

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Rip Room - Alight and Resound

Die­se Band aus San Fran­cis­co hat hier ein ver­blüf­fend selbst­si­che­res De­büt­al­bum ab­ge­lie­fert im Spek­trum von Post Punk und Post­core, bis zum bers­ten voll­ge­stopft mit dra­ma­tur­gisch dich­ten Song­struk­tu­ren, stramm ver­zahn­ten Groo­ves und Ar­ran­ge­ments. In der ge­gen­wär­ti­gen Land­schaft kann man da als Ver­gleich ein ziem­lich di­ckes Fass auf­ma­chen aus so Bands wie Bat­piss, Me­at Wa­ve, Bloo­dy Ge­ars, Stuck, Bench Press, Noughts, Li­thics oder Tu­nic. Schaut man et­was wei­ter zu­rück, darf man na­tür­lich auch Mo­men­te von Dri­ve Li­ke Je­hu, Fu­ga­zi oder Jaw­box wie­der­erken­nen und so­gar ein par Wire-mä­ßi­ge Stil­blü­ten las­sen sich aus­ma­chen, wenn man laut ge­nug auf­dreht.

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