Brandon Monkey Fingers - Brandon Monkey Fingers

Bran­don Mon­key Fin­gers aus St. John's, Ka­na­da füh­len sich heut­zu­ta­ge ir­gend­wie fehl am Platz an und ihr wisst ja, dass mich der­ar­ti­ger Scheiß ma­gisch an­zieht. Ihr De­üt­al­bum be­wegt sich in ei­nem Klang­spek­trum ir­gend­wo zwi­schen old­schoo­li­gem Fuzz Punk, '80er und '90er (Pro­to-) Grunge und In­die Rock, ge­würzt mit sub­ti­len An­klän­gen an den leicht slud­gi­gen Am­Rep-Style Noi­se Rock. Vom al­ten In­ven­tar könn­te man z.B. U-Men und frü­he Mudho­ney zu den spi­ri­tu­el­len Vor­läu­fern zäh­len oder das ro­he­re En­de des Se­ba­doh-Spek­trums. In jün­ge­rer Zeit wie­der­um wür­de ich et­wa Dog Date und Hell­co als mög­li­che Re­fe­ren­zen an­füh­ren, au­ßer­dem frü­he Pa­le An­gels oder viel­leicht auch ei­ne we­ni­ger eu­pho­ri­sche, me­lo­die­ver­lieb­te Va­ri­an­te von Ca­li­for­nia X. Darth Vader's Boner hat ei­nen Vi­be nicht ganz un­ähn­lich zu den Ga­ra­ge-/Noi­se Rock-Hy­bri­den von The Cow­boy und Flat Worms. H.M.P. klingt ein we­nig als wür­den jün­ge­re Noi­se Ro­cker wie Metz, John (timestwo), Greys oder Van­gas mit psy­che­de­li­schen Folk-Ein­flüs­sen á la Angst ver­quirlt. Nor­bit hin­ge­gen steu­ert mit so ei­ni­ger Di­no­saur Jr.- und Cloud Not­hings-mä­ßi­ger En­er­gie un­ter der Hau­be auf ei­nen me­lo­di­sches Fi­na­le á la '90er Weezer zu.

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Disciplina Limitar - Yo tambi​é​n yo no

Die Band aus Ali­can­te und Va­len­cia, Spa­ni­en (die zu­vor auf ih­rer De­büt-EP auch noch als Dis­li ab­ge­kürzt wur­de) hat klar ein paar Ta­cken zu­ge­legt auf ih­rer neu­es­ten EP via Fle­xi­dis­cos, auf wel­cher sich simp­le­re At­ta­cken von Hard- und Post­co­re ab­wech­seln mit auf­wän­di­ge­ren Post Punk-Kon­struk­tio­nen, bei de­nen man nie ahnt was als nächs­tes pas­siert. Songs wie die Über­hym­ne Gla­mur In­te­ri­or ba­lan­cie­ren letz­te­re Ten­denz aus mit ei­ner Fül­le von me­lo­di­schen Un­ter­tö­nen, so­gar ei­nem Hauch von Wire-mä­ßi­ger Psy­che­de­lia im Raus­schmei­ßer-Track Ca­lambre Ex­qui­si­to. Der Ope­ner Est​á​s cans­ado wie­der­um hat ei­nen leich­ten Sau­na Youth-Vi­be und ins­ge­samt mag man auch ge­wis­se Echos von Bands wie Pyrex, Was­te Man, Sie­ve­head, Tu­be Al­loys, Cor­ker, Rank/​Xerox or Cri­mi­nal Code her­aus­hö­ren.

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Work Stress - Sever

Un­er­war­tet gei­les De­büt­al­bum von die­ser Band aus St. Pe­ters­burg, Flo­ri­da. Das spult sich in et­wa so ab wie ein um­fas­sen­des Kom­pen­di­um von so ziem­lich al­lem was sich den gän­gi­gen Kon­ven­tio­nen und Ka­te­go­rien des Post­co­re der 80er bis frü­hen 90er wi­der­set­ze. So viel gu­ter Scheiß spie­gelt sich da drin, an­ge­fan­gen von den ei­gen­wil­li­ge­ren Tel­ler­rän­dern der früh-'80er Sze­ne… man den­ke z.B. an Mi­nu­temen, Sac­cha­ri­ne Trust, Cru­ci­fucks, Re­al­ly Red, Dicks und Flip­per, eben­so wie die klas­si­sche Di­sch­ord-Ära so­wohl der 80er (Gray Mat­ter, Em­brace, Ri­tes Of Spring, One Last Wish) als auch der 90er (Crown­ha­te Ru­in ganz be­son­ders). Auch die Touch & Go-Schie­ne hat da was zu mel­den (sa­gen wir mal: Ra­pe­man, Scratch Acid, frü­he Shel­lac) und nicht zu­letzt schwingt hier auch das Er­be von Dri­ve Li­ke Je­hu mit… und all das ist ei­gent­lich nur die Spit­ze des Eis­bergs. In der ak­tu­el­len Land­schaft wür­de ich au­ßer­dem noch ei­ne ge­wis­se Geis­tes­ver­wandt­schaft zu Bands wie De­odo­rant, Op­tic Ner­ve, Big Bop­per und Straw Man Ar­my ver­mu­ten. Gleich­sam dre­hen Work Stress hier aber auch das schein­ba­re Cha­os, die un­be­re­chen­ba­re En­er­gie selbst im ver­gleich mit den meis­ten der ge­nann­ten Bands noch mal deut­lich auf, las­sen da­bei aber kei­nen Zwei­fel dass sie all dem zum Trotz durch­aus durch­dacht und ge­zielt agie­ren. Das bricht sich dann Bahn in so Songs wie Buil­ding From Ab­ject Fail­ure, in wel­chem dis­so­nant vor­wärts krie­chen­de Stak­ka­to-Rhyth­men sich naht­los mit un­ver­hofft me­lo­di­schen Punk­hooks ab­wech­seln.

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Hammer and the Tools - Hamma

Das ex­zel­len­te De­büt die­ser Band aus Jack­son, Mis­sis­sip­pi lie­fert ei­nen bun­ten Strauß an ge­nüss­lich ent­gleis­ten klei­nen Ban­gern aus Ra­ke­ten­gr­trie­be­nem, Ga­ra­ge-in­ji­zier­tem, Fuzz-ver­seuch­tem Hard- und Post­co­re-Scheiß, der frag­los auf Zu­stim­mung tref­fen wird bei ge­schmacks­si­che­ren Ad­vo­ka­ten von so ka­put­ten Hard­core-Phä­no­me­nen wie et­wa Fried E/​m, Mys­tic In­a­ne, Cri­sis Man, Ro­lex, Head­cheese, ALF und noch vie­len mehr!

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Machiavellian Art - Population Control

Die Band aus Wal­sall, UK kon­fron­tiert uns hier mit ei­nem ab­sicht­lich über­wäl­ti­gen­den, kom­pro­miss­lo­sen und ma­xi­mal ver­siff­ten Klum­pen aus dis­so­nan­tem und zeit­wei­se mo­no­to­nem Lärm, an­ge­sie­delt ir­gend­wo an den streit­lus­ti­ge­ren Tel­ler­rän­dern von Post Punk, Noi­se Rock und Post­co­re. In­ter­es­san­ter­wei­se sind die meis­ten Ver­glei­che, die mir da­zu ein­fal­len, schon et­was an­ge­staubt und er­in­nern mich dar­an, was für ei­ne un­er­war­tet pro­duk­ti­ve De­ka­de die 2010er Jah­re für rau­en Noi­se Rock wa­ren, ein Gen­re in dem ich ak­tu­ell eher we­nig auf­re­gen­des fin­den kann nach die­ser zwei­ten gol­de­nen Ära mit Bands wie den frü­hen Metz, USA Nails, Kee­pers, Over­ti­me, De­ath Pa­nels, Greys oder - zum En­de der De­ka­de hin - Van­gas, Tu­nic und John (timestwo). Ei­ni­ge da­von ha­ben sich bis heu­te ge­hal­ten. An­de­rer­seits er­in­nert mich der kon­stan­te, dich­te Ne­bel aus dis­so­nan­ten Noi­se-Tex­tu­ren stark an die kurz­le­bi­ge US Post Punk-Sen­sa­ti­on Da­sher und der Sa­xo­phon­ein­satz wie­der­um hat et­was von Ne­ar­ly Dead, der re­la­tiv ob­sku­ren aus­tra­li­schen Post Punk-Grup­pe Fun­gus Brains oder, wenn ein paar un­ty­pisch me­lo­di­sche Ober­tö­ne da­zu kom­men wie in Crime, füh­le ich mich an das eben­falls aus­tra­li­sche Post Punk /​ Pro­to-Noi­se Rock-Boll­werk X er­in­nert.

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Fen Fen - National Threat

Fen Fen aus De­troit ha­ben schon mit ei­ner aus­ge­zeich­ne­ten EP in 2022 ei­ni­ge Wel­len ge­schla­gen und schie­ben jetzt ei­ne noch­mal deut­lich stär­ke­re LP hin­ter­her, die er­neut ein bi­schen lo­ka­len (Pro­to-) Punk-Flair mit Ge­schmacks­no­ten aus Ga­ra­ge Punk, Hard- und Post­co­re ver­bin­det. Das er­in­nert doch tat­säch­lich mal ein biss­chen an Ner­vo­sas in Ame­ri­can Lies und an Doll­house in Kill Your Par­ents und des­wei­te­ren spult sich das ab wie ei­ne gu­te Schnitt­men­ge aus di­ver­sen Ga­ra­ge/Hard­core-Hy­bri­den wie et­wa Laun­cher, Frea­k­ees, Li­quid As­sets und Mys­tic In­a­ne auf der stär­ker Ga­ra­ge- und KBD-in­fi­zier­ten Sei­te, so­wie Bands á la Im­plo­ders, Head­cheese, Hood Rats, Alf and Ce­ment Shoes von der stär­ker Hard­core-las­ti­gen Frak­ti­on.

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Solvent - Mockery Of Life

Ei­ne af­fen­gei­le De­büt-EP hat die­se New Yor­ker Band da ab­ge­lie­fert. Der Ope­ner No Re­cour­se be­schwört ei­nen star­ken Mitt­acht­zi­ger bis früh-'90er Di­sch­ord vi­be her­auf á la Ri­tes Of Spring, Na­ti­on Of Ulys­ses, Gray Mat­ter… plus ei­ne Spur von Dri­ve Li­ke Je­hu oder von jün­ge­ren Bands wie Wy­myns Pry­syn, Be­ast Fi­end und Laun­cher. Mit Fix­a­te än­dert sich die all­ge­mei­ne Marsch­rich­tung dann doch stark und er­in­nert vor al­lem an al­te aus­tra­li­sche Punk- und Ga­ra­ge-Le­gen­den wie X, Saints oder God. Scra­ping Away wen­det sich dann wie­der der klas­si­schen Post­co­re-Äs­the­tik zu und klingt da­bei et­was wie ei­ne Fu­si­on aus dem Pro­to-Post­co­re der frü­hen Sac­cha­ri­ne Trust mit dem Pro­to-Noi­se Rock von Flip­per.

Hevrat Ha'Hashmal - Banu La'avod

Nach ei­ner ziem­lich um­wer­fen­den EP im letz­ten Jahr hält die­se is­rae­li­sche Band das ho­he Ni­veau und den En­er­gie­le­vel in ih­rer ganz ei­ge­nen, ex­qui­si­ten Spiel­art des struk­tu­rier­ten Cha­os'. Das ist er­neut ein lär­mi­ger Tritt in die Weich­tei­le, der sei­nen Ur­sprung ir­gend­wo zwi­schen den gro­ben Spe­zi­fi­ka­tio­nen von Noi­se Rock, Post Punk, Hard- und Post­co­re hat und zu­min­dest ober­fläch­li­che Ähn­lich­kei­ten et­wa zu Cu­tie, Big Bop­per, Bran­dy, und frü­hen Pat­ti auf­weist… und als be­son­de­re Krö­nung ei­ne groß­zü­gi­ge Do­sis Big Black oben­drein!

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Woodstock '99 - '99 Ta Life

Die­se nach dem sehr un­rühm­li­chen Sum­mer Of Love ei­ner Al­li­anz aus Nu Me­tal-Bros und miso­gy­nen Dreck­sä­cken be­nann­te Band aus Cleve­land, Ohio war schon im­mer ein, sa­gen wir mal… et­was ge­wöh­nungs­be­dürf­ti­ges Ge­schmäck­le, aber auch ein un­er­hör­ter Spaß - vor­aus­ge­setzt sie über­trei­ben es nicht zu sehr mit dem Weed, dem Fred Durst und den ver­ein­zel­ten Stoner-An­lei­hen. Und neu­er­dings auch: Das zu­en­de spie­len ih­rer EP ei­ner be­schis­se­nen KI über­las­sen, ein ganz neu­es Las­ter in ih­rem Ar­se­nal! An­sons­ten prä­sen­tiert sich das hier aber pro­blem­los als ih­re stärks­te Ver­öf­fent­li­chung bis­lang und ab­so­lu­tes Pflicht­pro­gram für Freun­de des ein­falls­rei­chen, un­vor­her­seh­ba­ren Hard­core­lärms mit Ga­ra­gen­kan­te in ei­nem ähn­li­chen Fahr­was­ser wie et­wa Ce­ment Shoes, Cülo, Chain Whip, Head­cheese, Flea Col­lar… um nur ei­ni­ge der of­fen­sicht­li­chen und durch­weg schmei­chel­haf­ten Re­fe­ren­zen ab­zu­ha­ken.

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Dog Date - Zinger

Die­se New Yor­ker Band ist ir­gend­wie ein selt­sa­mes, dem Zeit­geist trot­zen­des Biest, das sei­ner Nei­gung zum Punk, Grunge und In­die Rock der spä­ten '80er bis frü­hen '90er un­ge­zü­gel­ten Lauf lässt. Auch wenn der ers­te Song hier ganz un­sub­til Nir­va­na be­ti­telt ist, wür­de ich sie eher mit frü­hen Mudho­ney und der lär­mi­gen, frü­hen In­kar­na­ti­on der Pi­xies ver­glei­chen, mit wei­te­ren An­lei­hen von, sa­gen wir mal, U-Men, Scratch Acid und Dri­ve Li­ke Je­hu. Im Grun­de al­so ge­nau die Art von Band, die vor so ca. 15 Jah­ren, auf dem vor­über­ge­hen­den Gip­fel der ers­ten 90er-Nost­al­gie­wel­le, di­ver­se Pitch­fork-Schrei­ber­lin­ge feucht im Schritt wer­den ließ. Heu­te hin­ge­gen ist die­se Plat­te ei­ne ob­sku­re, schrul­li­ge Ku­rio­si­tät und das macht sie für mich um­so lie­bens­wer­ter.

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