Nach einer schon durchaus appetitanregenden Teaser-EP vor geraumer Zeit gefällt mir das Langspieldebüt von Conditioner Disco Group aus Portland noch ein ganzes Stück besser als ich es eigentlich erwartet hätte. Irgendwie trifft er die richtige Mischung aus dreckigem Charme und infektiösen Grooves – ihr tanzflächengerechter Post Punk, der einerseits rüber kommt wie eine etwas raubeinigere Variante der Dancepunk-Welle um die Jahrtausendwende, ebenso aber auch den Bogen schlägt zu gegenwärtigen Vertretern des Spektrums wie etwa D.U.D.S. oder N0V3L.
Diese Band bringt Mitglieder der beiden isländischen Krawallerzeuger schlechthin zusammen: Dauðyflin und ROHT. Da ist natürlich von Anfang an klar, worauf man sich einzustellen hat. Eine kompromisslose Wucht aus maximal angepisstem Hardcore mit eingebautem Noise-Exzess par excellence gilt es zu verarbeiten.
Ich hatte mich schon gefragt, ob die Ein-Mann- Band von Matt Rendon aus Tucson, Arizona überhaupt noch existiert. Immerhin sind seid dem letzten Lebenszeichen vom ungekrönten König des British Invasion-Infizierten Garage Rock sage und schreibe sechs Jahre vergangen. Beantwortet wird die Frage nun in Form eines neuen Langspielers. Und der gute hat hier nichts verlernt, ganz im Gegenteil: Das mitreißende Powerpop-Songwriting, das die Band seit jeher meilenweit aus der Masse an ähnlich gelagerten Retrobands herausstechen lässt, hat eine spürbare Verjüngungskur verpasst bekommen, klingt so frisch und konsistent wie schon lange nicht mehr.
Launiges Zeug auf der ersten EP einer Band aus Atlanta. Das verschmilzt unter anderem an Sauna Youth oder Vintage Crop erinnernden Garage Punk mit einer guten Dosis Noise und leicht angeschrägtem Post Punk, wie er mir in jüngerer Zeit auch von so Bands wie Drool, Rolex, Patti und Labor begegnet ist.
Die letzte EP der Nightwatchers aus Tolouse machte bei mir bereits einen starken ersten Eindruck und ihre erste LP nimmt nun an gleicher Stelle die Fäden wieder auf. Zeug auf der Schwelle von Post Punk und straightem, kraftvollem Punkrock, der unter anderem die Red Dons channelt, ab und an auch mal eine Spur The Estranged oder Radioactivity. Aber ganz besonders hauen sie in eine Kerbe, die in den letzten Jahren ganz besonders in Frankreich Hochkonjunktur hat – gemeinsam mit dortigen Bands wie etwa Telecult, Litovsk oder Youth Avoiders.
Der erste Langspieler der Yups aus Los Angeles ist eine wild gemischte Wundertüte, deren Inhalt ausnahmslos Spaß macht. Begrüßt wird man mit powerpoppigem Garage Punk, wie er den Booji Boys, Datenight oder Vaguess nicht fernsteht, außerdem einem Hauch von British Invasion, den Resonars nicht unähnlich. Im weiteren Verlauf gibt’s unter anderem noch melodischen Noisepop á la No Age, Wavves, frühe Japandroids zu hören und relaxten oldschool Indie Rock, der ein bisschen klingt wie Swervedriver auf Valium. Bei all diesen Dingen lassen sie nix anbrennen.
Ein astreines Langspieldebüt hat hier eine Berliner Band hingelegt. Hochinfekziösen Garagepunk mit Synth-Zusatz gibt’s darauf zu hören, der in etwa nach einer Schnittmenge aus Spotting, Ausmuteants und Puff! – mit denen sie sich auch schon eine Splitsingle geteilt haben – klingt; außerdem erinnern mich insbesondere das Schlagzeugspiel und vereinzelte Schlenker in Richtung Post Punk (Hiroshima ist einfach ein Hammersong) öfter mal an den sehr speziellen Drive von Nots.
Nach einer Handvoll selbstveröffentlichter Tapes und EPs überrascht die neue Mini-LP auf Feel It Records der Garagepunks aus Toronto mit einem ausgeprägten Art-/Protopunk-Vibe. Modern Lovers fallen mir da am prominentesten auf und in der Gegenwart schlagen unter anderem David Nance und Apache Dropout in eine ähnliche Kerbe. Keine weltbewegende Neuheit also, aber nichts desto Trotz sehr, sehr gut.
Sauguter Postpunk mal wieder, in Form des ersten Tapes von Public Body aus Brighton. Man bewegt sich hier auf der verwinkelt-verschwurbelten Seite des Genres, welche derzeit ja von zahlreichen Bands beschritten wird. Unter anderem hat’s was von Patti und Exit Group. Dennoch bringt die Band ein paar eigene Marotten ins Spiel und hält die Sache spannend. Besonders fällt da der Rauswerfer Hard To Concentrate auf, der – ungewöhnlich in diesem Subgenre – erstaunlich melodische Parts integriert, ohne dabei bemüht zu klingen.
Manischer Garage Punk mit Synth-Zuastz, vermutlich aus Sydney und Umgebung. Der reiht sich perfekt in die Schwemme an LoFi-Kassettenbands ein, wie sie das Genre derzeit vermehrt zutage fördert. Insbesondere will ich hier mal die erste R.M.F.C.-EP, Powerplant oder Skull Cult als Vergleiche bemühen.
Keine Ahnung, warum ich Isotope Soap bisher noch nicht hier drin hatte. Jetzt bietet sich jedenfalls wieder eine Gelegenheit, denn via Emotional Response ist neulich eine Compilation ihrer bisherigen EPs ershienen. Hinter dem ganzen verbirgt sich ein Projekt des schwedischen Punkveteranen Peter Swedenhammar (!!!), der vor langer Zeit mal bei Raped Teenagers (meine Fresse, würden die heute auf die selbige bekommen mit dem Namen…) und Pusrad aktiv war, in den vergangenen Jahren aber vor allem mit seinem Blog Killed By Death Records eine Anlaufstelle von starkem historischen Wert geschaffen hat. Mit den namensgebenden Bootleg-Compis hat der gute nach meinem Wissen aber nix zu tun, obwohl auch die ja zuerst in Schweden ihren Lauf nahmen. Okay, viele Worte zu dem Typen. Die Musik von Isotope Soap ist hingegen sehr leicht zu umschreiben. Synth- und Garage Punk, der an Devo von gestern (die alten Leute finden die jetzt wieder cool, hab ich gehört…), an Ausmuteants und Andy Human & The Reptoids von heute erinnert. So einfach wie gut.
Das Londoner Trio Witching Waves hat bei mir in der Vergangenheit schon mit ihren bisherigen zwei Alben einen exzellenten Eindruck hinterlassen, transportieren mit ihrem neuesten Langspieler aber einen weitaus höheren Dringlichkeitslevel. Passend dazu ist auch die Produktionsweise der Platte. Ohne Schnörkel und überflüssigen Feinschliff innerhalb von zwei Tagen aufgenommen, klingen sie deutlich roher, energischer als zuvor; auch die Songs und Arrangements sind aufs wesentliche reduziert, qualitativ jedoch über jeden Zweifel erhaben. Hab ich die Musik des letzten Albums noch als Indie Rock mit Spuren von Post Punk bezeichnet, verhält sich die Sache nun eher umgekehrt. Straighter, kräftig rockender Post Punk ist das, der ein bisschen was von Daylight Robbery inne hat, vielleicht auch eine leise Ahnung von The Estranged und Sauna Youth. Dabei klingen sie unter’m Strich aber absolut eigenständig in der gegenwärtigen Musiklandschaft.
Auch die neuese EP des Duos Haunted Horses aus Seattle ist mal wieder ein kompromissloser Brocken geworden: ein Albtraum aus pechschwarzem Postpunk, experimentellem Noise und industriellen Soundscapes, der unter Bewunderern von Bands wie etwa Exhaustion, Narrow Lands, Spray Paint oder Housewives für ganz ausgezeichnet schlechte Laune sorgen wird.
Auch wenn ich damit wohl etwas spat dran bin (jau, mein Blogrückstand ist schrecklich gerade) muss dies Platte noch unbedingt hier rein. War der Vorgänger noch ein einziges, wenn auch endlos charmantes und spannendes Chaos, fließt der ambitionierte Art- und Post Punk der Kölner auf ihrem zweiten Album zu einer kompakteren, aber nach wie vor unvorhersehbaren Form zusammen; der titelgebende Funk spielt natürlich auch wieder eine zentrale Rolle. Aktuell klingen die wie niemand anders.
Dieses New Yorker Ein-Mann-Projekt richtet ein so saumäßiges Garagen-Blutbad an, dass es nur so platsch macht. Dessen Intensität lässt mich z.B. an das Geschredder von Kid Chrome, S.B.F. oder Race Car denken. Angesichts der durchgängig elektrischen oder gesampelten Drums und eines gewissen Noise-Faktors kommt man aber stellenweise auch um den abgedroschenen Vergleich zu Big Black nicht herum.