1-800-MIKEY – In Yun

Ein neuer Langspieler von 1-800-MIKEY ist jedes mal eine angenehm vorhersehbare Erfahrung ohne besondere Zwischenfälle von einem Typen, der ansonsten auch unter anderem als Teil von Gee Tee sein Unwesen treibt und dessen eigene kleine Nische auf dem Garage Punk-/Power Pop-Spektrum man inzwischen als sauber etabliert ansehen kann. Das wird niemanden mit Originalität und Innovation wegblasen, aber dafür mit der reinen und unschuldigen Power von geradliniger, schnörkelloser Songwriting-Brillianz! Genauso lassen sie auch auf ihrer neuen, dritten LP zuverlässig ein Bündel so infektiöser wie auch liebenswerter Pop-Ohrwürmer von der Leine die sicher niemanden überraschen, aber ohne Ausnahme jedermann verzaubern auf einer Platte, die Mikey von seiner bislang wohl entspanntesten Seite zeigt mit Momenten, die vereinzelt fast schon einen oldschooligen Dream Pop-Vibe transportieren insbesondere in der zweiten Hälfte und so Songs wie K-Style and Falling In Love.

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Anytime Cowboy – Gone By Now

Verschiedene Geschmacksvarianten von Cowpunk-verwandtem Lärm scheinen das verbindende Element zu sein für vieles was in den letzten Wochen erschienen ist und pünktlich als wenn man vom Teufel spricht, kommt da auch gleich noch eine neue LP angerollt von einer der eindrucksvollsten und eigenständigsten Stimmen in jenem Feld: Reuben Sawyers Soloprojekt Anytime Cowboy, veröffentlicht wie üblich ohne großes Tamtam oder auch nur die kleinste Vorwarnung in Sachen Promotion und das gefällt mir gut so - Anytime Cowboy ist definitiv keine Band die Gefahr laufen würde, als industry plant beschimpft zu werden von einer Generation, die zum ersten mal realisiert dass es so ein Ding wie eine Promoindustrie gibt und dass Geld und PR-Strategien im Musikbusiness eine Rolle spielen, haha. Wie dem auch sei, die letztjährige Demons Obey LP war echt mal so ein massiver Instant-Klassiker, dass es vielleicht etwas übertrieben wäre, gleich einen weiteren dieser Art zu erwarten und in der Tat versucht die neue Platte erst gar nicht da noch einen drauf zu setzen, sondern begnügt sich damit "nur" ein sehr, sehr gutes Album zu sein, das hier und da vielleich mal ein paar Songs zu lang erscheint aber auf der anderen Seite die Sache in Bewegung hält mit einem etwas leichtfüßigeren Gesamtvibe aus relaxtem Indie Rock, ohne dabei das unverwechselbar folkige und schrammelige Jangle Pop-Feel zu verlieren und die etwas unheimliche, surreale Qualität in diesen Songs. Bei satten achtzehn davon bekommt die Platte zwangsläufig einen etwas fragmentieteren, wechselhaften Charakter aber angesichts der schieren Masse an zertifizierten Bangern hier kann ich nicht anders als zum Schluss zu kommen: Das Teil ist schon wieder ein verdammter Gewinner!

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Lithophones – Lithophones

Diese Bostoner Band had sechs unwiderstehlich müffelnde Schlammpfützen aus oldschooliger Garage Punk-Action für uns die sich grob irgendwo zwischen den Parametern bewegt von klassischer Reatard(s)-Schule, der goldenen Ära von Liquids und stärker KBD-inspiriertem Zeug wie wir es von Bands wie Freakees und Launcher gehört haben. Obendrein sind dann noch ein paar schnörkellose Pop-Nuggets eingestreut die mich an so Scheiß á la Dark Thoughts und frühe Vaguess erinnern. Nichts furchtbar schlaues oder originelles also am Start hier, aber dafür treffen die Songs, Performance und Attitüde absolut ins Schwarze und wann immer mir der Appetit nach etwas simplem und ungewaschenem Garage Punk-Chaos steht, passt das hier super rein.

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The Easy Eight – The Easy Way Out

Chubby's noch immer halbwegs neue Band EZ8 hat jetzt also ihren Namen minimal geändert und auch schon die erste LP auf Static Shock Records veröffentlicht die, soviel sei gesagt, eigentlich nur die Songs der ersten EP mit vier neuen Tracks erweitert. Das ist aber total knorke, denn jene EP ist immer noch wunderbar und verdient es, erneut gehört zu werden. Die neuen Songs sind aber nicht weniger Fabelhaft in ihrer unverwechselbaren Oi!- / Power Pop-Fusion wie sie eigentlich nur Chubby und seine Mitverschwörer so infektiös abzuliefern verstehen. Ein starker eingängiger Song und eine unbeirrt tighte Performance ist alles was es hier braucht, denn was dachtest du sonst was dich auf einer neuen Chubby-Platte erwartet? Eine Progressive Rock-Oper in neun Kapiteln? Nö, stattdessen gibt es diese Wundertat hier und bei alldem sind dennoch ein paar nette und unerwartete Schnörkel zu erhaschen die wir bisher noch nicht von dieser und den Vorgängerbands gehört haben, wie etwa das leicht Dungeon-mäßige oldschool Heavy Metal-Geschredder in den Strophen von Fear As A Gift.

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Cuticles – More Joy

Wie gerade eben schon die Celebrators LP ist auch das Debütalbum von Cuticles aus Oamaru, Neuseeland eine saumäßig starke 21-Song LP, die eine vollkommen brilliante 15-Song LP sein könnte wenn man sie ein bisschen gestrafft hätte, aber wisst ihr... ich werde mich jetzt nicht über eine Fülle von so gutem Scheiß beschweren, insbesondere wenn er so verdammt meine Baustelle ist! Mit Mitgliedern an Bord unter anderem von den umtriebigen 2010er DIY Punk-Veteranen Moonrakers und Trendees, beinhaltet diese Band, die mich erstmals richtig aufhorchen ließ mit ihrer starken 2023er Pavlova EP, schon noch einiges von deren rumpeliger Avantgarde-DNA, aber kanalisiert das hier in ein ungleich eingängigeres und melodisches Ganzes, das viel von dem rohen, Half Japanese-mäßigen Chaos gegen eine vergleichsweise zugängliche Gesamtästhetik eintauscht mit starken Echos etwa von alten britischen DIY-Hausnummern im Swell Maps, Television Personalities, Mekons oder Desperate Bicycles-Dunstkreis, aber auch eine gute Dosis alter lokaler Flying Nun-Energie schwingt da mit sowie ein vereinzeltes Aufblitzen von Wire, insbesondere der stärker Pop-orientierten Seite ihres frühen Schaffens in so Songs wie Making Up Shit. Fragt ihr mich nach jüngeren Vergleichen, würde ich auch sagen dass Referenzen zu den New Yorkern Famous Logs In History, Society aus Philadelphia und dem frühem Werk von Adelaide's Exzentrikern Wireheads vermutlich nicht ganz fehl am Platz sind.

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Kobe Thomas – True Self

Irgendein Typ aus Cincinnati hat fünf so berauschende wie explosive Garage Punk, Power- und Noise Pop-Nuggets für uns auf dieser Debüt-EP, die eingerahmt ist von zwei unbestreitbaren KO-Schlägen grob im Fahrwasser von alten Marked Men, Sonic Avenues, frühen Mind Spiders, Bad Sports oder Steve Adamyk Band, wohingegen die Songs in der Mitte sich dann eher in einen relaxteren Midtempo-Areal gemütlich machen mit ein bisschen Surf Twang, den sie in Dock mit einem Fundament aus '90er Indie-/Slacker Rock verschmelzen, einem Hauch von '80er Flying Nun Pop in Acid Angel und auch der Psychic TV-Coversong God Star pisst nicht neben die Schüssel. Alles in allem eine durchweg erfreuliche Angelegenheit, da kann ich auch noch mehr von haben.

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Hard Looks – Hard Looks

Hard Looks aus Springfield, Illinois haben hier eine unverschämt ansprechende, süchtig machende Debüt-EP hervorgezaubert die, ungeachtet eines subtil Rudimentary Peni-mäßigen Death Rock-Vibes im Opener The Stain, es sich doch schnell gemütlich macht in einer oldschooligen Nische klar beeinflusst von den melodischeren Randbereichen der Punklandschaft in den mittleren bis späten '80er Jahren, mit einer guten Dosis von prä-'90er Pop Punk-Handwerk etwa der Fastbacks-Schule, noch unbelastet von der faden Gleichförmigkeit einer späteren Ära und stattdessen geerdet in geschmackvollen Tugenden von ultraklassischer Pop-Songkunst. Als ein ungleich jüngerer Vergleich würden sich aber auch ganz gut die noch relativ frischen EPs von Psychic Armour aus Montreal anbieten, zumindest wenn man sich bei denen die altertümlichen Heavy Metal-Versatzstücke wegdenkt.

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Cherry Cheeks – D.O. & The Bytes

2026 ist das Jahr in dem ich langsam darauf klarkommen muss, dass Egg Punk seinen kreativen Höhepunkt definitiv überschritten hat irgendwann in den letzten Jahren. Das Genre erscheint mir zunehmend gentrifiziert und überspannt und immer mehr warte ich darauf, dass die nächste kreative Explosion aus irgendeiner anderen Subnische aufpoppt. Nur um das klar zu stellen, es ist nicht so dass ich das Genre plötzlich nicht mehr mag oder das Interesse daran verloren hätte - das wird hier keine Neuauflage eines berüchtigt dummen "Eggpunk saugt"-Manifests, haha. Das wundervolle Chaos, dem wir irgendwann rückwirkend das Eggpunk-Etikett aufgedrückt haben war und ist eine Quelle der Freude und Kreativität, die einen großen Anteil daran hatte, Garage Punk frisch und spannend zu halten für ein gutes Jahrzehnt und es sieht auch keineswegs so aus, als ob das alles in absehbarer Zeit wegkommen wird. Und überhaupt, wer alt genug ist um zu beobachten wie einige (Sub-)Genres kommen und gehen, der weiß auch dass kein Genre jemals wirklich stirbt - alles findet irgendwann in einer unterschiedlich stark mutierten Form wieder den Weg zurück ins Zeitgeschehen. Was sich für mich verändert hat ist lediglich ein zunehmendes Gefühl von Übersättigung und die Tatsache, dass viel vom Genre sich zu einer Reihe von einfach quantifizier- und reproduzierbaren Strickmustern konsolidiert hat, die mit der Zeit einfach viel von ihrem anfänglichen Reiz verloren haben - eine bedauernswerte klangliche Entsprechung zu einer oberflächlichen Instagram-"Ästhetik" . Wenn aktuell es ein Punk-Subgenre gibt, das in plausibler Gefahr einer feindlichen AI Slop-Übernahme steht... Eggpunk wäre vermutlich der beste Kandidat dafür mit seiner zunehmend generischen Bibliothek an Tropes und Versatzstücken. Wie auch immer, was ich eigentlich sagen will ist, dass ich langsam an Gedult und Toleranz einbüße für die weniger inspirierten 08/15-Artefakte des Genres und wer mit einer Eggpunk-Veröffentlichung meine Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen will, muss zukünftig ein bisschen mehr kreative Anstrengung zeigen als nur den tausendsten Neuaufguss einer reichlich etablierten Genre-Grundformel.

Vor diesem rückläufigen Genre-Hintergrund kommt uns hier ein neuer Langspieler von Cherry Cheeks entgegen und ich muss sagen, dass ich doch mehr als beeindruckt bin wie gut sich die Musik dieser Band über die Jahre gehalten hat (und überhaupt gilt das eigentlich für die meisten Veteranen, Vorläufer und primären Einflüsse des Genres), obwohl es sich dann wiederum auch irgendwie genau um einen Strang von Egg Punk handelt, der rückwirkend immer Gefahr läuft sich etwas zu nah an dem zu bewegen, was sich mit der Zeit als sowas wie eine Standardformel herausgeschält hat, immer bedroht in einer lauwarmen Masse ähnlich gelagerter aber weniger inspirierter Bands unterzugehen. Der Fluch, seiner Zeit voraus zu sein würde ich dazu sagen... Was die Band aber immer über Wasser gehalten hat sind ihre überdurchschnittlichen Songwriting-Kapazitäten und mehr als je zuvor kommt diese Stärke auf ihrer neuesten LP zur Geltung in ihrem bislang potentesten all-killer Set von unverschämt eingängigen, süchtig machenden Noise- und Power Pop-Tunes, die genau zum richtigen Zeitpunkt auch an der Produktionsfront die Sache vorsichtig aufmischen mit einem geringfügig erdigeren, kräftigeren Drive, der ihren Sound mit einer halbvollen Schippe Dreck erfolgreich in die Gegenwart transportiert, wenngleich auch nichts davon im Jahr 2026 sonderlich neu oder innovativ rüberkommt. Am Ende kommt es auf die Songs an Dummerchen, und die sind hier mal sowas von am Start!

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Electric Prawns 2 – City Streets

Die Erwartungen sind eigentlich immer unfair hoch anlässlich einer neuen Veröffentlichung von Electric Prawns 2, aber tatsächlich hat diese Band noch nie enttäuscht und zeigt sich auch mit diesen zwei Songs zu 100% in ihrem Element. City Streets ist genau diese Art von einem psychedelisch angehauchten, um ein simples aber durchschlagendes Hook konstruierten Garage Punk-Smasher in dem die Band schon immer brilliert hat, woraufhin dann Be With You Tonight erneut die göttlichen Power Pop-Instinkte der Band unter Beweis stellt. Nach einer halbjährigen Pause, die sich für diese Band fast wie eine Ewigkeit anfühlt nach ihrem rastlosen 2024-2025 Veröffentlichungsmarathon, zeigt unsere liebste halluzinogene Hitfabrik noch immer keine Spuren von Abnutzung.

Brash Habits – Feeling The Light

Diese Band aus Maumee, Ohio hat eine gesalzene Ladung Synth-lastiger, powerpoppiger Garage Punk-Qualität für uns auf Lager in Form ihrer Debüt-LP, dessen saumäßig eingängige Pop-Nuggets durchweg durchzogen sind von einer nebeligen bis surrealen Atmosphäre und dabei ein ganz respektables Spektrum abdecken das sich von alten Lost Sounds, solo Jay Reatard oder Digital Leather über die Songexplosionen von King Tuff oder frühen Vaguess hin zu so aktuellen Zeiterscheinungen wie Monda, Booji Boys oder der phänomenalen Emmet O'Conner LP aus dem letzten Jahr erstreckt. Ein Dauerfeuer aus hartnäckigen Ohrwürmern deren potenziell überwältigender Hang zur Melancholie sich hier aber genauso häufig auch mit einer durchaus euphorisch zu nennenden Energie ausbalanciert.

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