Guiding Light aus Austin, Texas hatten bereits eine ziemlich aufregende, wenngleich noch etwas unaufgeräumte Debüt-EP via Stucco / Down South Tapes raus im vorletzten Jahr und jenes Label zeichnet jetzt auch wieder verantwortlich für den Kassetten-Release ihres ersten Langspielers (Vinyl gibt's auch, und zwar von Post Present Medium), auf welchem die Band in so ziemlich allen Aspekten ihres Sounds massives Wachstum beweist wie es bereits die folkig-schrammelige Melancholie des Openers Shackled By Lust unmittelbar klar macht und auch wenn der Song nicht so hundertprozentig repräsentativ für den Rest der Platte ist, klingt er doch als durchweg beeindruckender Eröffnungsschlag noch lange Zeit nach. Die gleiche Klasse zieht sich auch durch das restliche Material, in dem ihre Folk- und Cowpunk-verbundene Schrammelei irgendwo zwischen Angst und Volcano Suns auf '80er Post Punk zwischen den Stühlen von sagen wir mal Burma, Saccharine Trust, Man Sized Action und frühen Minutemen trifft, aber obendrein noch gewürzt mit einer Note von Flying Nun-mäßiger Post Punk-Psychedelia, catchy Jangle Pop-Gitarrenleads und -harmonien. Solltest du dich stattdessen aber an jüngere Folk-/Cowpunk/Post Punk-Hybride erinnert fühlen wie z.B. Leche, Cardi O., jüngere Rolex oder Optic Nerve, dann würde ich sagen trifft das auch genauso zu. Nicht verpassen den Scheiß, wenn dich irgendwas davon anfixt.
Verschiedene Geschmacksvarianten von Cowpunk-verwandtem Lärm scheinen das verbindende Element zu sein für vieles was in den letzten Wochen erschienen ist und pünktlich als wenn man vom Teufel spricht, kommt da auch gleich noch eine neue LP angerollt von einer der eindrucksvollsten und eigenständigsten Stimmen in jenem Feld: Reuben Sawyers Soloprojekt Anytime Cowboy, veröffentlicht wie üblich ohne großes Tamtam oder auch nur die kleinste Vorwarnung in Sachen Promotion und das gefällt mir gut so - Anytime Cowboy ist definitiv keine Band die Gefahr laufen würde, als industry plant beschimpft zu werden von einer Generation, die zum ersten mal realisiert dass es so ein Ding wie eine Promoindustrie gibt und dass Geld und PR-Strategien im Musikbusiness eine Rolle spielen, haha. Wie dem auch sei, die letztjährige Demons Obey LP war echt mal so ein massiver Instant-Klassiker, dass es vielleicht etwas übertrieben wäre, gleich einen weiteren dieser Art zu erwarten und in der Tat versucht die neue Platte erst gar nicht da noch einen drauf zu setzen, sondern begnügt sich damit "nur" ein sehr, sehr gutes Album zu sein, das hier und da vielleich mal ein paar Songs zu lang erscheint aber auf der anderen Seite die Sache in Bewegung hält mit einem etwas leichtfüßigeren Gesamtvibe aus relaxtem Indie Rock, ohne dabei das unverwechselbar folkige und schrammelige Jangle Pop-Feel zu verlieren und die etwas unheimliche, surreale Qualität in diesen Songs. Bei satten achtzehn davon bekommt die Platte zwangsläufig einen etwas fragmentieteren, wechselhaften Charakter aber angesichts der schieren Masse an zertifizierten Bangern hier kann ich nicht anders als zum Schluss zu kommen: Das Teil ist schon wieder ein verdammter Gewinner!
Die sind schon länger unterwegs als ich das zuerst realisiert habe, die Band aus Cleveland, Ohio zu deren Mitgliedern unter anderem Mickey Mocnik von den großartigen Nervosas gehört und die später zum Beispiel auch mit The Missed und, erst neulich, Vital Stress tollen Lärm gemacht hat. Nu ja, die letztjährige Adaptor EP sah die Band definitiv ein bisschen wegrücken von ihrem früheren Sound, dominiert von Echos des spät-'80er, früh-'90er Punk und Indie Rock mit diesem speziellen Fastbacks-Zusatz, hin zu einer etwas voller ausgeformten und irgendwie recht aktuell wirkenden, gleichzeitig aber auch sehr zeitlosen Machart des fuzzig-garagigen Noise Pop mit leichten Spuren von Psychedelia und Post Punk obendrauf. Auch auf der neuen EP channelt die Band ihre Energien in ein sogar noch etwas eingängigeres, kompakteres Bündel neuer Tunes die erneut ganz besonders an so Bands der 2010er Jahre wie Feature, UV-TV, Slowcoaches oder Monster Treasure erinnern.
Verdammt, muss der Lärm dieser Band aus Chicago schon altertümlich geklungen haben zu der Zeit als ihre erste LP im Jahr 2013 erschien aber jetzt, über ein Jahrzehnt nach ihrer letzten Veröffentlichung, vollendet ihr Sound letztendlich den Kreis zu einem so angenehm altmodischen wie auch zeitlosen Strang des anachronistischen Krachs, einer Klangwelt die sicher einige Inspiration von Lync, frühen Jawbreaker, Superchunk bezieht und in geringerem Umfang wohl auch Dag Nasty, Rites Of Spring und vielleicht ein paar Anzeichen von frühen Unwound und Hoover? Wie dem auch sei, diese Songs operieren auf einem Level ein paar Etagen höher als das durchschnittliche '90er Punk-Throwback, nicht zuletzt dank einem nie versiegenden Reichtum aus felsenfestem Songhandwerk und einer unerschütterlichen Intuition für zeitlose und robust gebaute, strukturell tragfähige Hooks, die dennoch reichlich Rangierfläche haben für ein paar nette Überraschungen und Ablenkungsmanöver die sich nicht ohne weiteres in die etablierten '90er Postcore / Emo / Indie Rock-Schablonen fügen wollen wie zum Beispiel dieser gewisse Wipers- und Dead Moon-mäßige Garagenvibe in Songs wie Caustic Dreams. Es ist genau diese gekonnte Balance zwischen einer offensichtlich intimen, enzyklopädischen Kenntnis dieses speziellen Fleckchens der '90er Punkgeschichte und gleichzeitig einer klaren Abneigung, sich allzu sklavisch an dessen Tropes und Konventionen zu halten, was letztendlich einen ganz eigenen Flavor ausmacht auf dieser Platte, die sich nicht dafür schämt zeitweise durchaus nostalgisch und retro zu klingen, ohne dabei jemals wie ein ausgelutschter Neuaufguss rüberzukommen, jederzeit dazu fähig dort wo es drauf ankommt die Erwartungen zu erfüllen oder auch zu subvertieren. Altmodisch aber durchweg inspiriert.
Der bisherige Output dieser Band aus Dublin war eine, wie soll ich sagen... etwas inkonsistente, unaufgeräumte Angelegenheit, aber andererseits auch ganz sicher niemals langweilig. Die neue digitale 2-Track Single markiert jetzt wohl den erfolgreichsten Versuch der Band, ihre kreative Vision zu entrümpeln und ich bin nicht weniger als beeindruckt von der Klasse der oldschooligen Indie Rock-Vibes die sich darauf entfalten und deren folkiges Geschrammel mich stark an die goldene Ära von Volcano Suns denken lässt oder deren immer noch aktive, spirituelle quasi-Nachfolgerband The Martha's Vineyard Ferries. Die A-Seite Secret Bench In The Bardo ist so ein durchschlagendes Beispiel davon, dass der zweite Song Abacus Rubicon hier zwangsläufig die zweite Geige spielen muss, aber das heißt keineswegs dass jener für sich selbst genommen nicht auch als ein saumäßig ansprechendes mitt-'90er Postcore Retro-Vehikel entzückt.
Wie gerade eben schon die Celebrators LP ist auch das Debütalbum von Cuticles aus Oamaru, Neuseeland eine saumäßig starke 21-Song LP, die eine vollkommen brilliante 15-Song LP sein könnte wenn man sie ein bisschen gestrafft hätte, aber wisst ihr... ich werde mich jetzt nicht über eine Fülle von so gutem Scheiß beschweren, insbesondere wenn er so verdammt meine Baustelle ist! Mit Mitgliedern an Bord unter anderem von den umtriebigen 2010er DIY Punk-Veteranen Moonrakers und Trendees, beinhaltet diese Band, die mich erstmals richtig aufhorchen ließ mit ihrer starken 2023er Pavlova EP, schon noch einiges von deren rumpeliger Avantgarde-DNA, aber kanalisiert das hier in ein ungleich eingängigeres und melodisches Ganzes, das viel von dem rohen, Half Japanese-mäßigen Chaos gegen eine vergleichsweise zugängliche Gesamtästhetik eintauscht mit starken Echos etwa von alten britischen DIY-Hausnummern im Swell Maps, Television Personalities, Mekons oder Desperate Bicycles-Dunstkreis, aber auch eine gute Dosis alter lokaler Flying Nun-Energie schwingt da mit sowie ein vereinzeltes Aufblitzen von Wire, insbesondere der stärker Pop-orientierten Seite ihres frühen Schaffens in so Songs wie Making Up Shit. Fragt ihr mich nach jüngeren Vergleichen, würde ich auch sagen dass Referenzen zu den New Yorkern Famous Logs In History, Society aus Philadelphia und dem frühem Werk von Adelaide's Exzentrikern Wireheads vermutlich nicht ganz fehl am Platz sind.
Diese New Yorker Band ist schon eine Weile unterwegs, gewann aber erst mit der exzellenten 2024er EP Zinger wirklich meine Aufmerksamkeit, die erfolgreich den Charakter ihrer noch etwas schlafferen, unaufgeräumten frühen Platten zu einem ungleich aufregenderen, kohärenten Paket verschnürt hat. Ihre neueste EP verfolgt weiter diese angenehm anachronistische Laufbahn, fuzzy Garage Punk mit viel von spät-'80er bis mitt-'90er College-/Indie Rock- und (Proto-)Grunge geprägtem Geschrammel zu verschmelzen, wenngleich auch der zweite Track Cutie mich kurz etwas zweifeln ließ, der einfach etwas zu wenig Bindegewebe einbringt um Sinn zu ergeben und diesen fragilen, unförmigen Organismus wirklich zum Leben zu erwecken. Aber wie auch immer, alles was darauf folgt fühlt sich ungleich organischer und besser durchdacht an auf dieser Platte und wenn diese spezielle Sorte von oldschool Slacker Punk deine Baustelle ist, ist auch das hier ein würdiger neuer Koffeinkick!
Irgendein Typ aus Cincinnati hat fünf so berauschende wie explosive Garage Punk, Power- und Noise Pop-Nuggets für uns auf dieser Debüt-EP, die eingerahmt ist von zwei unbestreitbaren KO-Schlägen grob im Fahrwasser von alten Marked Men, Sonic Avenues, frühen Mind Spiders, Bad Sports oder Steve Adamyk Band, wohingegen die Songs in der Mitte sich dann eher in einen relaxteren Midtempo-Areal gemütlich machen mit ein bisschen Surf Twang, den sie in Dock mit einem Fundament aus '90er Indie-/Slacker Rock verschmelzen, einem Hauch von '80er Flying Nun Pop in Acid Angel und auch der Psychic TV-Coversong God Star pisst nicht neben die Schüssel. Alles in allem eine durchweg erfreuliche Angelegenheit, da kann ich auch noch mehr von haben.
Die letztjährige Epoxy River and Super Pool LP dieser mutmaßlichen Ein-Mann-Band aus Evesham, New Jersey war bereits ein massiver Qualitätssprung und erneut markiert auch dieser neue Langspieler eine stetige Verfeinerung, auf welchem Window Phase sich wieder etwas von den spät-2000er Fuzz Punk- und Noise Pop-Versatzstücken entfernen, die noch die letzte LP dominierten, und sich stattdessen umso mehr in eine oldschoolige von '80er und '90er College- und Indie Rock informierte Ästhetik reinlehnen mit Sounds die von klassischen Dinosaur Jr. und Sebadoh, Bitch Magnet und frühen Seam reichen hin zu '90er Standardinventar á la Superchunk und Polvo, mit einer ganz subtilen Note von 2nd wave Emo obendrein und nicht zuletzt auch einem zunehmenden Einfluss von Hardcore-basierten '80er Proto-Noise Rockern der Sorte Flipper, Big Black, Drunks With Guns und No Trend, insbesondere im Endspurt dieser Platte. Diesen Songs wohnt eine unberechenbare Qualität inne und eine aus allen Nähten platzende explosive Energie, eine unverblümte Freude daran, eine so euphorische wie auch kantige, überlebensgroße wie anachronistische Sorte von Lärm in den Äther zu pumpen, der heutzutage wundervoll aus der Zeit gefallen wirkt und auf ganz entzückende Weise noch weiter aus der Balance geworfen wird von den markerschütternden Schreien eines Typen der sich hier nicht mit halben Sachen zufrieden gibt, so viel ist klar.
In einer Woche geprägt von unerwarteten Bandcamp-Drops kommt hier ein weiterer seiner Art, welcher diesmal den Weg zu uns findet über die Bandcamp-Seite der folkigen Post-Punker Chronophage aus Austin, Texas. Soweit ich es erkennen kann handelt es sich bei Providers um eine New Yorker Band und die klanglichen Parameter ihrer auf spanisch gesungenen Songs sind eine etwas schräg anmutende Mischung aus klaren Oi!-Einflüssen einerseits, aber auch reichlich von einer alten Mitt-'80er Punk, Indie- und College Rock-Qualität mit Echos so unterschiedlicher Bands wie klassischen Hüsker Dü, späten Naked Raygun, Dinosaur Jr., Angst und The Replacements, ihre melodien und Arrangements aufgeladen mit einer Melancholie die ebenso typisch ist für jene Ära wie sie gleichsam auch an eine kurze Phase der frühen 2010er erinnert, in der so Bands wie Milk Music, Happy Diving und California X für ein kurzlebiges Revival dieses Sounds gesorgt hatten. Ebenfalls lassen sich aber auch einige Elemente des melodischen Fuzz Punk und Noise Pops in etwa der gleichen Ära erkennen von so Bands wie Male Bonding, Joanna Gruesome, No Age und Wavves.