Polish Gifts – It’s Not Just Beginning

Verdammt, muss der Lärm dieser Band aus Chicago schon altertümlich geklungen haben zu der Zeit als ihre erste LP im Jahr 2013 erschien aber jetzt, über ein Jahrzehnt nach ihrer letzten Veröffentlichung, vollendet ihr Sound letztendlich den Kreis zu einem so angenehm altmodischen wie auch zeitlosen Strang des anachronistischen Krachs, einer Klangwelt die sicher einige Inspiration von Lync, frühen Jawbreaker, Superchunk bezieht und in geringerem Umfang wohl auch Dag Nasty, Rites Of Spring und vielleicht ein paar Anzeichen von frühen Unwound und Hoover? Wie dem auch sei, diese Songs operieren auf einem Level ein paar Etagen höher als das durchschnittliche '90er Punk-Throwback, nicht zuletzt dank einem nie versiegenden Reichtum aus felsenfestem Songhandwerk und einer unerschütterlichen Intuition für zeitlose und robust gebaute, strukturell tragfähige Hooks, die dennoch reichlich Rangierfläche haben für ein paar nette Überraschungen und Ablenkungsmanöver die sich nicht ohne weiteres in die etablierten '90er Postcore / Emo / Indie Rock-Schablonen fügen wollen wie zum Beispiel dieser gewisse Wipers- und Dead Moon-mäßige Garagenvibe in Songs wie Caustic Dreams. Es ist genau diese gekonnte Balance zwischen einer offensichtlich intimen, enzyklopädischen Kenntnis dieses speziellen Fleckchens der '90er Punkgeschichte und gleichzeitig einer klaren Abneigung, sich allzu sklavisch an dessen Tropes und Konventionen zu halten, was letztendlich einen ganz eigenen Flavor ausmacht auf dieser Platte, die sich nicht dafür schämt zeitweise durchaus nostalgisch und retro zu klingen, ohne dabei jemals wie ein ausgelutschter Neuaufguss rüberzukommen, jederzeit dazu fähig dort wo es drauf ankommt die Erwartungen zu erfüllen oder auch zu subvertieren. Altmodisch aber durchweg inspiriert.

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Aidmoozic – Manila Folders

Gerade mal ein halbes Jahr nach der brillianten vorherigen Weston-le-Clay EP, legt der Nachfolger erneut die Messlatte ein gutes Stück höher für die Band aus Watford, England was sowohl die Vielfalt, Kompaktheit als auch Catchyness ihres beizeiten subtil Math-infizierten Post Punks angeht und insbesondere expandieren sie hier die relaxtere Midtempo-Sektion ihres stilistischen Reportoires. Wie zu erwarten funktioniert der Scheiß wieder mal vortrefflich, denn dieser Typ (oder Typen?) ist klar im Besitz des kreativen Brennstoffs und der rohen Musikalität, um so ein Ding abzuziehen. Wie gehabt werfen hier jüngere Einflüsse des smarten Post Punks á la Landowner ihre Schatten, aber ganauso melden sich auch so einschlägige Hausnummern der alten britischen DIY Art Punk-Schule wie, sagen wir mal, Mekons, Blurt und Television Personalities zu Wort und letztendlich klingen Aidmoozic hier bei all dem doch klarer nach sich selbst als je zuvor. Die Wurzeln dieser Brillianz ließen sich bereits auf ihren zwei 2024er EPs erkennen, aber im Jahr 2026 spielen Aidmoozic definitiv noch mal auf einem ganz anderen Level und ich würde echt sagen, dass sich sich in diesen kurzen paar Monaten mit so rasiermesserscharfer wie auch scheinbar müheloser Präzision an die Speerspitze des aktuellen Art Punk-Felds katapultiert haben.

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Roo Stafford – Stoned & Running

Roo Stafford aus Leicester, England hat jetzt schon einige Jahre rumgemacht an einer Reihe von durchaus erfreulichen EPs, aber er trifft mal sowas von den Nagel auf den Kopf mit seinem neuesten Bündel von unprätetiösen Garage Punk-Einschlagkratern, die sich stärker zuhause anfühlen in einer Ära so grob zwischen 2014 und 2020 als in der Gegenwart und nahtlos das unkontrollierbare Chaus und den kreativen Trieb der frühen (proto-)Eggpunk-Generation á la Erik Nervous, Skull Cult, Neo Neos, Hobocop, Coneheads mit der saumäßig tighten Performance bereits etablierterer Garagenbands der Zeit wie Sauna Youth, Ex-Cult oder frühen Useless Eaters zu einem kräftigen Sprengsatz verschweißt, der sich inzwischen wieder ausgesprochen erfrischend anfühlt in dieser doch häufig etwas zu vereinheitlicht und vorhersehbar klingenden Ära jenes Genre-Komplexes.

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Headcheese – Dump Run

Headcheese aus Kaloomps, British Columbia machen jetzt schon länger ihren Krawall als meine Intuition es mir sagt, fühlt es sich doch immer noch an als wären ihr erstes Demo und die (mini-)Debüt-LP erst ungefähr vorgestern erschienen. In Wirklichkeit ist ihre letzte Platte Expired bereits auch schon fast drei Jahre her. Whatever, die Band hat definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen in meiner fehlerhaften Erinnerung mit einem Arsch voll Platten die sich nach einem endlosen Tauziehen anfülen zwischen den Impulsen, ihren Sound konstant zu verfeinern und erweitern, und gleich anschließend auch wieder zu einem gesunden Minimum zu reduzieren und verdummen, auf eine Art die ich unglaublich spannend und anprechend finde. Die neueste Platte mag jetzt durchaus als ihr bisheriges Magnum Opus durchgehen, auf dem die Band als eine gleichermaßen tightere und räudigere Abrisscrew agiert, die ihren bislang kohärentesten, ausgefeiltesten Stapel chemisch instabiler Ausbrüche mit purer Dreistigkeit zum Gehorsam nötigt. Ein perverser Spaß, den sich kein Freund entgehen lassen sollte von so einfallsreichem wie auch zotteligen Lärm zwischen den Welten von KBD-beeinflusstem Garage Punk, treibendem oldschool Westküsten-Hardcore und vielleicht sogar ein paar Partikeln von No Trend-, Broken Talent- oder Flipper-mäßiger Proto Noise Rock-Verwüstung.

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Search Results – Secret Bench in the Bardo / Abacus Rubicon

Der bisherige Output dieser Band aus Dublin war eine, wie soll ich sagen... etwas inkonsistente, unaufgeräumte Angelegenheit, aber andererseits auch ganz sicher niemals langweilig. Die neue digitale 2-Track Single markiert jetzt wohl den erfolgreichsten Versuch der Band, ihre kreative Vision zu entrümpeln und ich bin nicht weniger als beeindruckt von der Klasse der oldschooligen Indie Rock-Vibes die sich darauf entfalten und deren folkiges Geschrammel mich stark an die goldene Ära von Volcano Suns denken lässt oder deren immer noch aktive, spirituelle quasi-Nachfolgerband The Martha's Vineyard Ferries. Die A-Seite Secret Bench In The Bardo ist so ein durchschlagendes Beispiel davon, dass der zweite Song Abacus Rubicon hier zwangsläufig die zweite Geige spielen muss, aber das heißt keineswegs dass jener für sich selbst genommen nicht auch als ein saumäßig ansprechendes mitt-'90er Postcore Retro-Vehikel entzückt.

Attest – 2 Track Promo

Normal übergehe ich ja gerne diese Sorte von einem Appetitanreger-Release, aber wir stecken sind immer noch im schlimmsten Musik-Sommerloch an das ich mich seit Beginn dieses Blogs erinnern kann und dieser Krempel von einer Band aus Glasgow ist einfach mal zu verdammt brilliant um ihn hier nicht zu posten - eine massive Steigerung von ihrem bereits sehr schicken Demo im letzten Jahr und ich kann einfach nicht warten, bis die volle 7" erscheinen soll mit diesen zwei Songs und hoffentlich noch mehr von diesem clever konzipierten, unvermittelt infektiösen und geradezu verboten eingängigen oldschool Hardcore-Lärmchaos.

Tense – No Cure

No Cure erscheint am 3. September auf Mangel Records.

The Drin – Haven’t Lived It Yet

I Lost My Way For Centuries erscheint am 18. September auf Feel It Records.

Loose Lips – Beehive Teardrop

Love You erscheint am 4. September auf DIG! Records.

Traps PS – Wide Rule

Industrial Language erscheint am 25. August auf Depression Glass Records.

The Mightees – I Don’t Agree

I Don't Agree With The Mightees erscheint am 11. September auf Safe Suburban Home Records.

Fruited Planes – So You Say

Dismal Nitch erscheint am 4. September auf Dot Dash Sounds.

The Tangees – Monster Trucks

Shotgun erscheint am 25. September.

Es War Mord – 1000 Jahre

Frühling der Verräter erscheint am 18. Septermber auf Sabotage Records.

Losses – Life-Like

Life-Like erscheint am 28. August auf Stanze Fredde Records.