Guiding Light aus Austin, Texas hatten bereits eine ziemlich aufregende, wenngleich noch etwas unaufgeräumte Debüt-EP via Stucco / Down South Tapes raus im vorletzten Jahr und jenes Label zeichnet jetzt auch wieder verantwortlich für den Kassetten-Release ihres ersten Langspielers (Vinyl gibt's auch, und zwar von Post Present Medium), auf welchem die Band in so ziemlich allen Aspekten ihres Sounds massives Wachstum beweist wie es bereits die folkig-schrammelige Melancholie des Openers Shackled By Lust unmittelbar klar macht und auch wenn der Song nicht so hundertprozentig repräsentativ für den Rest der Platte ist, klingt er doch als durchweg beeindruckender Eröffnungsschlag noch lange Zeit nach. Die gleiche Klasse zieht sich auch durch das restliche Material, in dem ihre Folk- und Cowpunk-verbundene Schrammelei irgendwo zwischen Angst und Volcano Suns auf '80er Post Punk zwischen den Stühlen von sagen wir mal Burma, Saccharine Trust, Man Sized Action und frühen Minutemen trifft, aber obendrein noch gewürzt mit einer Note von Flying Nun-mäßiger Post Punk-Psychedelia, catchy Jangle Pop-Gitarrenleads und -harmonien. Solltest du dich stattdessen aber an jüngere Folk-/Cowpunk/Post Punk-Hybride erinnert fühlen wie z.B. Leche, Cardi O., jüngere Rolex oder Optic Nerve, dann würde ich sagen trifft das auch genauso zu. Nicht verpassen den Scheiß, wenn dich irgendwas davon anfixt.
Nach einem bereits durchaus aufrengenden Demotape in 2023 löst die Band aus Oslo endlich die Erwartungen ein und beeindruckt mit einer voll ausgewachsenen Vision drei Jahre später auf ihrem ersten Langspieler, der ihren eklektischen Sound auf epische Maße auswalzt und dabei so Dinge aufgreift wie die ängstliche, zerbröckelnde Energie der frühen Iceage, einen Hauch von schlammversifftem Poison Ruïn Dungeon Punk-Drama, gekoppelt mit einem gewaltigen Vortrieb der irgendwie an Hank Woods & The Hammerheads der Stay Home-ära erinnert aber auch viel von einer weiteren Band unter seiner Beteiligung enthält, nämlich Murderer und ihren existenziell-psychedelischen Cowpunk-Albträumen. Weiter erinnert mit der Scheiß etwa an die unberechenbare Wucht der noch recht frischen Forcer-LP, die epischen Frankenstein-Songkonstrukte von Tom Lyngcoln's 2020er Soloalbum sowie dessen Quasi-Nachfolgeband Metho, deren Line-Up dann ja wiederum den großen Jackson Reid Briggs an Bord hat und mich auf diesem Weg realisieren lässt, dass hier manchmal auch einiges von einer Split System-Energie mitspielt. Also ja, was die Band hier abzieht deckt eine bemerkenswerte Bandbreite ab und was auch imme die hier anfassen verwandelt sich in pures Gold, wobei gleichzeitig die garagenmäßigere Mid-Fi-Produktion der vorherigen EP Platz machen muss für einen stärker Hard- und Postcore-fokussierten Vibe mit leicht metallischen Obertönen, dem perfekten Vehikel für eine angemessen giftige, unnachgiebige Performance die mal sowas von den Nagel auf den Kopf trifft. Das Album ist eine bodenlos kreative Wundertüte die aus allen Nähten platzt vor kleinen Wundern und atemloser Ekstase.
Verschiedene Geschmacksvarianten von Cowpunk-verwandtem Lärm scheinen das verbindende Element zu sein für vieles was in den letzten Wochen erschienen ist und pünktlich als wenn man vom Teufel spricht, kommt da auch gleich noch eine neue LP angerollt von einer der eindrucksvollsten und eigenständigsten Stimmen in jenem Feld: Reuben Sawyers Soloprojekt Anytime Cowboy, veröffentlicht wie üblich ohne großes Tamtam oder auch nur die kleinste Vorwarnung in Sachen Promotion und das gefällt mir gut so - Anytime Cowboy ist definitiv keine Band die Gefahr laufen würde, als industry plant beschimpft zu werden von einer Generation, die zum ersten mal realisiert dass es so ein Ding wie eine Promoindustrie gibt und dass Geld und PR-Strategien im Musikbusiness eine Rolle spielen, haha. Wie dem auch sei, die letztjährige Demons Obey LP war echt mal so ein massiver Instant-Klassiker, dass es vielleicht etwas übertrieben wäre, gleich einen weiteren dieser Art zu erwarten und in der Tat versucht die neue Platte erst gar nicht da noch einen drauf zu setzen, sondern begnügt sich damit "nur" ein sehr, sehr gutes Album zu sein, das hier und da vielleich mal ein paar Songs zu lang erscheint aber auf der anderen Seite die Sache in Bewegung hält mit einem etwas leichtfüßigeren Gesamtvibe aus relaxtem Indie Rock, ohne dabei das unverwechselbar folkige und schrammelige Jangle Pop-Feel zu verlieren und die etwas unheimliche, surreale Qualität in diesen Songs. Bei satten achtzehn davon bekommt die Platte zwangsläufig einen etwas fragmentieteren, wechselhaften Charakter aber angesichts der schieren Masse an zertifizierten Bangern hier kann ich nicht anders als zum Schluss zu kommen: Das Teil ist schon wieder ein verdammter Gewinner!
Das New Yorker Duo Ismatic Guru gehört zu einer raren Brut von Post Punk-Acts, die nicht nur konstant mit jeder Veröffentlichung die Messlatte höher legt und das eigene Handwerk rapide verfeinert über ihre bislang sechs EPs - ungefähr eine pro Jahr seit 2021 - sondern dabei auch ihre ureigene, unverwechselbare Nische geschaffen hat und immer noch heraussticht, selbst in einem Genre-Umfeld, dass aktuell so belebt und kreativ ist wie vermutlich schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Wie gehabt hat das ihre patentierten verwinkelten, funky-bis-math-mäßigen Rhythmen und verpielten Grooves, reichlich an krautigen Eigentümlichkeiten, farbenfroh-kaleidoskopische Psychedelia und einen stark dubbigen Unterbau und erneut operiert das hier einen halben Tacken über allem, was die Band bisher gemacht hat. Die anfänglichen Quirks und Unwuchten schon im Laufe ihrer frühesten Platten ausgebügelt, klingt die Band jetzt einfach angemessen selbstbewusst und kann scheinbar einfach nichts mehr falsch machen. Wenn du auf Art Punk stehst, der gleichermaßen quirlig und classy, lebhaft und raffiniert ist, geht niemals ein Weg vorbei an einer neuen Ismatic Guru-Platte.
Diese Bostoner Band had sechs unwiderstehlich müffelnde Schlammpfützen aus oldschooliger Garage Punk-Action für uns die sich grob irgendwo zwischen den Parametern bewegt von klassischer Reatard(s)-Schule, der goldenen Ära von Liquids und stärker KBD-inspiriertem Zeug wie wir es von Bands wie Freakees und Launcher gehört haben. Obendrein sind dann noch ein paar schnörkellose Pop-Nuggets eingestreut die mich an so Scheiß á la Dark Thoughts und frühe Vaguess erinnern. Nichts furchtbar schlaues oder originelles also am Start hier, aber dafür treffen die Songs, Performance und Attitüde absolut ins Schwarze und wann immer mir der Appetit nach etwas simplem und ungewaschenem Garage Punk-Chaos steht, passt das hier super rein.
Die sind schon länger unterwegs als ich das zuerst realisiert habe, die Band aus Cleveland, Ohio zu deren Mitgliedern unter anderem Mickey Mocnik von den großartigen Nervosas gehört und die später zum Beispiel auch mit The Missed und, erst neulich, Vital Stress tollen Lärm gemacht hat. Nu ja, die letztjährige Adaptor EP sah die Band definitiv ein bisschen wegrücken von ihrem früheren Sound, dominiert von Echos des spät-'80er, früh-'90er Punk und Indie Rock mit diesem speziellen Fastbacks-Zusatz, hin zu einer etwas voller ausgeformten und irgendwie recht aktuell wirkenden, gleichzeitig aber auch sehr zeitlosen Machart des fuzzig-garagigen Noise Pop mit leichten Spuren von Psychedelia und Post Punk obendrauf. Auch auf der neuen EP channelt die Band ihre Energien in ein sogar noch etwas eingängigeres, kompakteres Bündel neuer Tunes die erneut ganz besonders an so Bands der 2010er Jahre wie Feature, UV-TV, Slowcoaches oder Monster Treasure erinnern.
Vague Fugue hatten im letzten Jahr schon eine nette EP, die aber noch ein bisschen an ihrer etwas schnöden Produktionsästhetik litt, welche sich für meinen Geschmack doch etwas zu offensichtlich in einem middle-of-the-road Dadpunk-Garagenvibe äußerte um mich vollends zu überzeugen. Keine Ahnung, das fühlte sich einfach alles etwas unangemessen und unschmeichelhaft an für ihren Sound, ein derber Konstrast jetzt zu der schlickigen LoFi-Präsentation ihres neuen Tapes, die ihren anachronistischen Lärm jetzt genau ins richtige Licht rückt als genau die drogenvernebelte, ausgefuzzte, Satan huldigende Acid Rock-Ekstase die das Debüt schon andeutete, aber noch nicht so recht zu verkaufen wusste. Der Scheiß klingt perfekt hier und es hilft definitiv auch, dass das zugrundeliefende Songmaterial - wenngleich noch immer einfach gestrickt, roh und primitiv - einen Treffer nach dem anderen Landet und auf jegliches unnötiges Genudel und Jam Band-Rumgewichse verzichtet.
Chubby's noch immer halbwegs neue Band EZ8 hat jetzt also ihren Namen minimal geändert und auch schon die erste LP auf Static Shock Records veröffentlicht die, soviel sei gesagt, eigentlich nur die Songs der ersten EP mit vier neuen Tracks erweitert. Das ist aber total knorke, denn jene EP ist immer noch wunderbar und verdient es, erneut gehört zu werden. Die neuen Songs sind aber nicht weniger Fabelhaft in ihrer unverwechselbaren Oi!- / Power Pop-Fusion wie sie eigentlich nur Chubby und seine Mitverschwörer so infektiös abzuliefern verstehen. Ein starker eingängiger Song und eine unbeirrt tighte Performance ist alles was es hier braucht, denn was dachtest du sonst was dich auf einer neuen Chubby-Platte erwartet? Eine Progressive Rock-Oper in neun Kapiteln? Nö, stattdessen gibt es diese Wundertat hier und bei alldem sind dennoch ein paar nette und unerwartete Schnörkel zu erhaschen die wir bisher noch nicht von dieser und den Vorgängerbands gehört haben, wie etwa das leicht Dungeon-mäßige oldschool Heavy Metal-Geschredder in den Strophen von Fear As A Gift.