Wie gerade eben schon die Celebrators LP ist auch das Debütalbum von Cuticles aus Oamaru, Neuseeland eine saumäßig starke 21-Song LP, die eine vollkommen brilliante 15-Song LP sein könnte wenn man sie ein bisschen gestrafft hätte, aber wisst ihr... ich werde mich jetzt nicht über eine Fülle von so gutem Scheiß beschweren, insbesondere wenn er so verdammt meine Baustelle ist! Mit Mitgliedern an Bord unter anderem von den umtriebigen 2010er DIY Punk-Veteranen Moonrakers und Trendees, beinhaltet diese Band, die mich erstmals richtig aufhorchen ließ mit ihrer starken 2023er Pavlova EP, schon noch einiges von deren rumpeliger Avantgarde-DNA, aber kanalisiert das hier in ein ungleich eingängigeres und melodisches Ganzes, das viel von dem rohen, Half Japanese-mäßigen Chaos gegen eine vergleichsweise zugängliche Gesamtästhetik eintauscht mit starken Echos etwa von alten britischen DIY-Hausnummern im Swell Maps, Television Personalities, Mekons oder Desperate Bicycles-Dunstkreis, aber auch eine gute Dosis alter lokaler Flying Nun-Energie schwingt da mit sowie ein vereinzeltes Aufblitzen von Wire, insbesondere der stärker Pop-orientierten Seite ihres frühen Schaffens in so Songs wie Making Up Shit. Fragt ihr mich nach jüngeren Vergleichen, würde ich auch sagen dass Referenzen zu den New Yorkern Famous Logs In History, Society aus Philadelphia und dem frühem Werk von Adelaide's Exzentrikern Wireheads vermutlich nicht ganz fehl am Platz sind.
Diese Band aus Los Angeles hat hier einen bewusst rümpeligen und chaotischen Schlamassel von einem Album generiert, der vermutlich einige inspiration von so alten Helden der Art Punk-Welt bezieht, die sich etwa von The Pop Group, Pylon, ein paar Spuren von James Chance, Pere Ubu und gar einer Messerspitze von Wire erstrecken, hin zu deren potenziell etwas untergrundigeren, synth-lastigeren Gegenstücken der Sorte Minimal Man, Visitors, Neverous Gender... und oberndrein steckt da natürlich noch etwas offensichtliche Devo-DNA mit drin. Oder, in jüngerer Zeit, mag man da Gemeinsamkeiten mit so Acts wie Landowner, Cartoon oder Ismatic Guru wiederfinden. Die folkig-schrammelige Energie in 0126iii ruft dann wiederum den alten Krempel von Angst, Volcano Suns oder My Dad Is Dead ins Gedächtnis. Was aber niemand abstreiten wird ist dass hier eine beeindruckende Vielfalt abgedeckt wird, angetrieben von einem ruhelosen kreativen Bewegungsdrang der sich im Laufe des Albums Bahn bricht und auch wenn hier nicht absolut jedes Experiment in gleichwertigen Erfolgen mündet, bin ich angesichts der vergleichsweise stolzen Laufzeit und großzügigen 21 Songs doch mehr als gewillt, diese Platte anhand ihrer Fülle von Treffern zu beurteilen und nicht nach den raren Fehlschüssen.
Die Band aus Chicago hatte bereits einige Wellen geschlagen mit zwei vielversprechenden EPs in 2023. Ihr neues Langspieldebüt transportiert erneut viel von der gleichen chaotischen Energie in einem angemessen optimierten, griffigeren Klanggewand, das ehrlich gesagt irgendwie nicht mehr sooo originell klingt im Jahr 2026 nach einem Jahrzehntelangen, zwar nicht überwältigenden, aber doch konstanten Strom von artsy Post Punk und Weirdcore der von so 2010er Acts wie Vexxx, Warm Bodies oder Negative Scanner reicht bis zu jüngeren Beispielen á la Scud, Sniffany and the Nits, Judy and the Jerks oder Warp, und klar lassen sich auch die offensichtlichen Vergleiche zu Snooper nicht ganz vermeiden, auch wenn ich die hier nicht so sehr als das zentrale Element sehe für ihren nur schwerlich als Egg zu kategorisierenden, aber auch nicht komplett unverwandten Sound. Obendrein würde ich noch sagen dass alte Downtown Boys vermutlich ein Einflussfaktor für ihre Musik sind. Wie dem auch sei, ich glaube ich finde auch heute irgendwo noch einen Platz in meinem Herzen für eine weitere gute Platte in diesem Fahrwasser, auch wenn die Band für einen potenziellen Nachfolger vermutlich gut daran täte, ihr etwas penetrantes Chaos aus spontanen Ideen in ein weniger flüchtiges Gesamtbild zu kondensieren, weniger Scheiße auf einmal an die Wand zu werfen. Auch wenn ich zugeben muss dass aktuell noch erstaunlich viel davon kleben bleibt, bezweifle ich dass die Nummer ein zweites mal funktionieren wird.
Diese New Yorker Band ist schon eine Weile unterwegs, gewann aber erst mit der exzellenten 2024er EP Zinger wirklich meine Aufmerksamkeit, die erfolgreich den Charakter ihrer noch etwas schlafferen, unaufgeräumten frühen Platten zu einem ungleich aufregenderen, kohärenten Paket verschnürt hat. Ihre neueste EP verfolgt weiter diese angenehm anachronistische Laufbahn, fuzzy Garage Punk mit viel von spät-'80er bis mitt-'90er College-/Indie Rock- und (Proto-)Grunge geprägtem Geschrammel zu verschmelzen, wenngleich auch der zweite Track Cutie mich kurz etwas zweifeln ließ, der einfach etwas zu wenig Bindegewebe einbringt um Sinn zu ergeben und diesen fragilen, unförmigen Organismus wirklich zum Leben zu erwecken. Aber wie auch immer, alles was darauf folgt fühlt sich ungleich organischer und besser durchdacht an auf dieser Platte und wenn diese spezielle Sorte von oldschool Slacker Punk deine Baustelle ist, ist auch das hier ein würdiger neuer Koffeinkick!
Irgendein Typ aus Cincinnati hat fünf so berauschende wie explosive Garage Punk, Power- und Noise Pop-Nuggets für uns auf dieser Debüt-EP, die eingerahmt ist von zwei unbestreitbaren KO-Schlägen grob im Fahrwasser von alten Marked Men, Sonic Avenues, frühen Mind Spiders, Bad Sports oder Steve Adamyk Band, wohingegen die Songs in der Mitte sich dann eher in einen relaxteren Midtempo-Areal gemütlich machen mit ein bisschen Surf Twang, den sie in Dock mit einem Fundament aus '90er Indie-/Slacker Rock verschmelzen, einem Hauch von '80er Flying Nun Pop in Acid Angel und auch der Psychic TV-Coversong God Star pisst nicht neben die Schüssel. Alles in allem eine durchweg erfreuliche Angelegenheit, da kann ich auch noch mehr von haben.
Nach zwei famosen EPs in 2024 poppen Temporary Curse aus Austin wieder hier auf mit einer dritten, die für mich auf den ersten Blick dann doch tatsächlich etwas mehr nach 2024 klingt als mir lieb ist, dank der beschleunigten Kodifizierung von Eggpunk-Tropes und -Konventionen, Genre-Übersättigung, bla bla bla... ich hab mich darüber schon ausgelassen. Etwas blutarm fängt das hier an bevor die Platte erst mit ihrem dritten Song Monochrome richtig in die Gänge kommt, in welchem sich hier erstmals wieder die markant catchy psychedelischen Qualitäten der beiden Vorgänger Bahn brechen in einer Explosion furioser Hooks, gefolgt von einem makellosen Juwel des griffigen Midtempo Fuzz Punk namens Insect und dem einfach gebauten aber umfänglich funktionalen Garagensmasher Speedracer. Der instrumentale Rausschmeißer-Song tut danach nicht weiter weh aber ist auch schnell wieder vergessen. So da habt ihr's, drei Treffer und drei Fehlzündungen auf dieser Platte und irgendwie ein Zeichen der Zeit dass ich hiermit vermutlich das erste wirklich lauwarme Review einer Platte in diesem Blog ablade... nicht dass ich mein stümperhaftes Geschreibsel jemals wirklich als "Reviews" verstanden hätte (anstatt als fragwürdig formulierte aber ernstgemeinte Empfehlungen), aber an diesem Punkt komme ich um das Wort wohl nicht mehr herum, oder? Immer noch besser als Content, haha.
Wie auch immer, wenn ihr euch gefragt habt warum ich mich in jüngerer Zeit ungewohnt kritisch zu manchen Platten äußere, dann ist es einfach der Tatsache geschuldet, dass das Musikjahr 2026 bisher die enttäuschendste, kreativ stagnierende Hundescheiße war an die ich mich erinnern kann seit ich das Blog angefangen hab und es mir zunehmend schwerer fällt noch jede Woche etwas zu finden, für das ich mich uneingeschränkt begeistern kann - sicher auch einer von mehreren Faktoren dafür, dass ich hier weniger und unregelmäßiger poste und irgendwie passend für Zeiten, in denen auch außerhalb der eigenen Bubble alles gute in der Welt zu verrotten und verrohen scheint und sich für absehbare Zeit wenig plausible Lichtblicke auftun. Whatever man, ich hoffe dass wenigstens der kommende Herbst das Jahr etwas rehabilitieren wird mit einer würdigen Flut herausragender VÖs, denn sonst kann ich nicht anders als zu hinterfragen warum ich den Scheiß hier eigentlich mache und wie viel Sinn es noch macht, mich Woche um Woche diesem nicht unsubstanziellen Grind auszusetzen, von dem ich eh nicht weiß wie lange ich ihn in meiner Situation noch realistisch aufrechterhalten kann. Überhaupt, ein Musikblog zu starten im Jahr 2013, zu einer Zeit in der die meisten anderen Blogs der 2000er Ära schon wieder verschwunden oder in ihren letzten Atemzügen waren und die potentielle Leserschaft zunehmend das offene Web zugunsten der dunklen Dystopie sozialer Medien verließ... was für eine verfickte Schnappsidee war das denn eigentlich? Jetzt fühlt sich 2026 irgendwie zunehmend nach dem Jahr an, in dem das alles für mich zu zerbrechen droht nicht zuletzt angesichts langjähriger persönlicher, ökonomischer und auch die seelische Gesundheit betreffender Realitäten. Wie auch immer in der Zwischenzeit, kann mal irgendwer was tun um mich von diesem nagenden Ende-einer-Ära-Vibe abzulenken?
Die irgendwo aus South Carolina operierenden UTI's sind definitiv schwer in Bewegung in letzter Zeit und lassen auf ihrer neuesten EP auch schon wieder weitgehend die abgespacete Psychedelia ihrer This Has To Be Hell EP wie auch die quirligen, Synth-lastigen Eierkartons von Migraine Music - beide früher in diesem Jahr erschienen - hinter sich, machen stattdessen Platz für eine deutlich rohere, vollwertige Band-Inkarnation ihres Sounds in einem Spektrum des angenehm gehirnlosen, lärmigen Fuzz Punk, der hier gar nicht erst versucht irgendwas smartes abzuziehen aber doch weit über seiner Gewichtsklasse spielt durch die schiere Kraft ihrer Perforance, unterstützt von den soliden, funktionalen Songfundamenten ihrer einfachen aber saumäßig eingängigen Tunes.
Eine durchweg überzeugende Debüt-EP haben wier hier von einer Band aus Providence, Rhode Island, die hier reichlich von einer KBD-getränkten Garage Punk-Räudigkeit in einen Sound pumpt, der ansonsten mehr von einer alten Hardcore-Energie dominiert wird aus zeitlos effektiven früh-'80er Hooks. Ein bodenloses Fass von entzückendem Chaos, das eine perfekte Balance hält aus ungekämmt chaotischem Lärm einerseits und zugleich einer gefährlich catchy ansprechenden Qualität, die mich vom ersten Moment anfixt.
Eine Reihe von Veröffentlichungen weitgehend geprägt von Neuaufnahmen alter Songs wies zuletzt schon darauf hin, dass Lansing, Michigan's ausgesprochen produktive Schöpfer ausgefranster Noise Pop, Fuzz- und Garage Punk-Miniaturen stark an einem weichen Update ihres Sounds interessiert waren und entsprechend dieser Tendenz, beginnt auch ihre neueste EP mit einer Neuinterpretation - ihrer wohl drastischsten bisher - ihres alten Highlights ABV, die hier mal deutlich die Beine ausstreckt, das Tempo drosselt und damit die melodischen Qualitäten des Materials stärker in den Mittelpunkt rückt, ohne dabei etwas von ihrer alten Magie zu verlieren. Der Krempel hier klingt nach wie vor unverkennbar nach einer Snarewaves-Platte, wenn auch einer etwas aufgeräumteren, weniger hektischen Version davon, die mehr Luft zum Atmen lässt sowohl in den Performances als auch der etwas transparenteren Produktionsästhetik. Guter Scheiß wie immer, freu mich auf mehr davon!