Real Shocks aus Philadelphia hatten schon ein durchweg überzeugendes Demo raus in 2024 aber hauen jetzt nochmal viel gekonnter auf den Putz mit ihrer neuen 7" auf Stupid Bag Records. Das ist ein unverschämt kreatives Bündel von oldschool Westküsten-Style Hardcore Punk-Knallkörpern randvoll mit catchy inspirierten Hooks und eigentümlichen Schlenkern die sich einerseits als eine etwas vereinfachte Variante von jüngeren Hard-/Artcore-Acts á la Rolex oder Mystic Inane beschreiben ließe, aber auch einige Geistesblizte vom Noise Rock-igen, abstrakten bis surrealen Postcore-meets-Art Punk-Geriffe der Atlanta-Szene und Bands wie Wymyns Prysyn, Mother's Milk (fka Uniform) und Glittering Insects aufweist, oder dem roheren Ende des Nag-Spektrums. Nicht zuletzt halluziniere ich mir dabei auch noch eine subtile Unterströmung von psychedelisch-cowpunkigem Lärm im Fahrwasser etwa von Leche und Murderer herbei. Wie auch immer, für eine relativ oldschoolige Hardcoreplatte könnte das kaum mehr meine Baustelle sein. Die digitale Veröffentlichung auf Bandcamp hat zwei Bonus-Songs die nicht weniger Ärsche treten und deren Exklusion auf der 7" klar der Laufzeit und nicht der Qualität geschuldet war. Starkes Ding.
Keine Vorstellung dieser Band nötig, schätze ich mal und ebenfalle keine Gefahr, dass man diese Platte mit irgendeiner anderen Band verwechselt, auch wenn die ersten beiden Songs hier für meinen Geschmack sich ein bisschen sehr nach '77er Autopilot anhören und nicht viel tun um aus etablierteren Garage-Schablonen auszubrechen. Aber wen juckt's, denn Drew Owen auf Autopilot ist für sich genommen immer noch eine verdammte Wucht und das eigentliche Zentrum dieser EP bilden dann doch eher die beiden im Hardcore-Tempo angesiedelten Schnellschüsse Drinking Drugging Watching TV and Feed You To The Dog mit denen diese Platte letztendlich ihre stärkste Daseinsberechtigung findet.
Es ist jetzt auch schon wieder ein paar Jahre her seit der letzten EP dieser Band aus Los Angeles und ganz klar hat ihr Handwerk eine starke Evolution durchlaufen seitdem, wie es ihr neues Langspieldebüt auf Under The Gun Records unter Beweis stellt. Dessen leicht Metal-injizierte Hard- und Postcore-Vibes mögen auf den ersten Blick vielleicht etwas unerwartet brutal, kalt und klinisch klingen für jene, die sich in ihren früheren Sound aus KBD-lastigen, Synth-unterstützten Garage Punk-Tunes vernarrt haben, die sich zuvor nur vereinzelt ins Hardcore-Spektrum verirrt haben. Ich meine, verdammt, da ist fast schon ein Hauch von klassichem Speed Metal am Start im einminütigen Opener For Now. Aber glücklicherweise ist die verschärfte Attacke nicht das definierende Merkmal dieser Platte und die fester angedrehten Schrauben arbeiten hier Hand in Hand mit reichlich smarten, ineinander greifender Nuancen, die insbesondere die derbere erste Halbzeit davon abhalten, zu einer allzu ermüdenden, gleichförmigen Angelegenheit zu verkommen. Aber es ist dann doch die zweite Hälfte, in welcher sich hier breitere Horizonte auftun, wenn die Songs komplexere Emotionen und ein Level von Melancholie durchscheinen lassen, wie etwa im Midtempo Post Punk-Stampfer Gridlock/Flatline der obendrein mit einem unerwartet psychedelischen Unterton aufwartet. Die Postpunkigen Vibes ziehen sich weiter durch Come Down bevor dann auch das folgende Uptempo-Material eine durchweg eingängige Qualität bewahrt, fast wie ein willkürlicher Ausgleich für die grimmige Eröffnung. Unter'm Strich bleibt das hier dennoch ein deutlich weniger freundlicher oder unmittelbar zugänglicher Brocken Lärm, der alte Bewunderer etwas abschrecken könnte. Aber wer sich trotzdem drauf einlässt, wird nicht weniger reich entlohnt!
Eine der unkorrumpierbarsten Bands der letzten Jahre ist wieder am Start mit einem neuen Arschtritt von einer EP auf der sie erneut wie wenig anderes aus unserer Zeit klingen, weil sie schrottseidank immer noch keinen Drang verspüren, ihren Sound nennenswert aufzupolieren, was natürlich keineswegs heißt, dass da nicht auch durchaus beeindruckendes Wachstum und Verfeinerung über die Jahre feststellbar wären in ihrer Musik, die hier mehr als je zuvor rüberkommt wie eine umfassende Rundreise durch vieles was sich irgendwann mal so an den seltsameren Tellerrändern des früh-'80er Punk- und Hardcoreuntergrunds getummelt hat. Aber selbst für die Band aus Olympia, Washington gehört das hier mal klar zum am rohesten klingenden Material das sie in jüngerer Zeit abgelifert haben, gleichzeitig lässt ihr Klangchaos jedoch niemals eine sorgfältig und zielbewusst kreierte Qualität vermissen, wie sie nur eine so überlegene Band wie Fugitive Bubble derart konsistent und mühelos aus dem Ärmel schütteln kann.
Nach einem bereits durchaus aufrengenden Demotape in 2023 löst die Band aus Oslo endlich die Erwartungen ein und beeindruckt mit einer voll ausgewachsenen Vision drei Jahre später auf ihrem ersten Langspieler, der ihren eklektischen Sound auf epische Maße auswalzt und dabei so Dinge aufgreift wie die ängstliche, zerbröckelnde Energie der frühen Iceage, einen Hauch von schlammversifftem Poison Ruïn Dungeon Punk-Drama, gekoppelt mit einem gewaltigen Vortrieb der irgendwie an Hank Woods & The Hammerheads der Stay Home-ära erinnert aber auch viel von einer weiteren Band unter seiner Beteiligung enthält, nämlich Murderer und ihren existenziell-psychedelischen Cowpunk-Albträumen. Weiter erinnert mit der Scheiß etwa an die unberechenbare Wucht der noch recht frischen Forcer-LP, die epischen Frankenstein-Songkonstrukte von Tom Lyngcoln's 2020er Soloalbum sowie dessen Quasi-Nachfolgeband Metho, deren Line-Up dann ja wiederum den großen Jackson Reid Briggs an Bord hat und mich auf diesem Weg realisieren lässt, dass hier manchmal auch einiges von einer Split System-Energie mitspielt. Also ja, was die Band hier abzieht deckt eine bemerkenswerte Bandbreite ab und was auch imme die hier anfassen verwandelt sich in pures Gold, wobei gleichzeitig die garagenmäßigere Mid-Fi-Produktion der vorherigen EP Platz machen muss für einen stärker Hard- und Postcore-fokussierten Vibe mit leicht metallischen Obertönen, dem perfekten Vehikel für eine angemessen giftige, unnachgiebige Performance die mal sowas von den Nagel auf den Kopf trifft. Das Album ist eine bodenlos kreative Wundertüte die aus allen Nähten platzt vor kleinen Wundern und atemloser Ekstase.
Headcheese aus Kaloomps, British Columbia machen jetzt schon länger ihren Krawall als meine Intuition es mir sagt, fühlt es sich doch immer noch an als wären ihr erstes Demo und die (mini-)Debüt-LP erst ungefähr vorgestern erschienen. In Wirklichkeit ist ihre letzte Platte Expired bereits auch schon fast drei Jahre her. Whatever, die Band hat definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen in meiner fehlerhaften Erinnerung mit einem Arsch voll Platten die sich nach einem endlosen Tauziehen anfülen zwischen den Impulsen, ihren Sound konstant zu verfeinern und erweitern, und gleich anschließend auch wieder zu einem gesunden Minimum zu reduzieren und verdummen, auf eine Art die ich unglaublich spannend und anprechend finde. Die neueste Platte mag jetzt durchaus als ihr bisheriges Magnum Opus durchgehen, auf dem die Band als eine gleichermaßen tightere und räudigere Abrisscrew agiert, die ihren bislang kohärentesten, ausgefeiltesten Stapel chemisch instabiler Ausbrüche mit purer Dreistigkeit zum Gehorsam nötigt. Ein perverser Spaß, den sich kein Freund entgehen lassen sollte von so einfallsreichem wie auch zotteligen Lärm zwischen den Welten von KBD-beeinflusstem Garage Punk, treibendem oldschool Westküsten-Hardcore und vielleicht sogar ein paar Partikeln von No Trend-, Broken Talent- oder Flipper-mäßiger Proto Noise Rock-Verwüstung.
Normal übergehe ich ja gerne diese Sorte von einem Appetitanreger-Release, aber wir stecken sind immer noch im schlimmsten Musik-Sommerloch an das ich mich seit Beginn dieses Blogs erinnern kann und dieser Krempel von einer Band aus Glasgow ist einfach mal zu verdammt brilliant um ihn hier nicht zu posten - eine massive Steigerung von ihrem bereits sehr schicken Demo im letzten Jahr und ich kann einfach nicht warten, bis die volle 7" erscheinen soll mit diesen zwei Songs und hoffentlich noch mehr von diesem clever konzipierten, unvermittelt infektiösen und geradezu verboten eingängigen oldschool Hardcore-Lärmchaos.
Die zeitgenössischen Cowcore-Veteranen aus Austin, Texas sind zurück, gerade mal ein Jahr nach ihrer guten, wenn auch etwas unnötig langen und zerrissenen letzten Dosis des puren Chaos' in Form der Miracle Whip-It LP auf Digital Hotdogs. Die neue EP kommt jetzt in etwa rüber wie das komplette Gegenteil davon - ihre wohl kompakteste und kohärenteste Platte bisher befreit von jeglichen Fetträndern. Acht Minuten von ultra-verdichteter Exzellenz die aus allen Nähten platzt vor cleveren Ideen, schlagkräftigen Hooks und Melodien in einem wilden Anfall von deutlich Dicks-inspiriertem Wahnsinn.
Eine durchweg überzeugende Debüt-EP haben wier hier von einer Band aus Providence, Rhode Island, die hier reichlich von einer KBD-getränkten Garage Punk-Räudigkeit in einen Sound pumpt, der ansonsten mehr von einer alten Hardcore-Energie dominiert wird aus zeitlos effektiven früh-'80er Hooks. Ein bodenloses Fass von entzückendem Chaos, das eine perfekte Balance hält aus ungekämmt chaotischem Lärm einerseits und zugleich einer gefährlich catchy ansprechenden Qualität, die mich vom ersten Moment anfixt.
Zwei Bands aus dem weiteren Umfeld von Los Angeles haben hier ihre Ressourcen gebündelt für eine wahrhaft göttliche Harcore Split-LP, die sicher irgendwann als eine der großen Splitveröffentlichungen der Roaring Twenties gehandelt wird in einer Liga mit, sagen wir mal, der massiven Stunted Youth & Save Our Children LP aus dem letzten Jahr. Natürlich fallen mir dabei zuerst die Songs von Animated Violence ins Auge, die nicht nur schon länger mit zwei arschtretenden Tapes seit 2022 begeisterten sondern hier gleich noch mal ein neues Level aus purem Wahnsinn und schlauem Handwerk erklimmen mit einer Sound so eklektisch, verspielt und einfallsreich wie er auch unverschämt catchy und melodisch daherkommt und gleichzeitig noisy-as-fuck, ein wilde und unberechenbare Fahrt bei der die zahlreichen Schlaglöcher Teil des Spaßes sind. Aber so sehr das auch mal komplett meine Baustelle ist, soll das bitte nicht davon ablenken wie stark auch die Tracks von Total Vacation sind, die sich oberflächlich betrachtet an einer einfacher gestrickten früh-'80er-Schule orientieren aber keineswegs weniger aufregend sind, bis zum bersten gefüllt mit smarten Ideen und bunten Schnörkeln... nur das jene sich hier halt über doppelt so viele, kürzere Songs verteilen und solche Instant-Hits wie Chimera and Perspective / For Once lassen keinen Zweifel daran dass wir es hier mit etwas besonderem zu tun haben.