Que Lindo – Que Lindo

Nach einem bereits durchaus aufrengenden Demotape in 2023 löst die Band aus Oslo endlich die Erwartungen ein und beeindruckt mit einer voll ausgewachsenen Vision drei Jahre später auf ihrem ersten Langspieler, der ihren eklektischen Sound auf epische Maße auswalzt und dabei so Dinge aufgreift wie die ängstliche, zerbröckelnde Energie der frühen Iceage, einen Hauch von schlammversifftem Poison Ruïn Dungeon Punk-Drama, gekoppelt mit einem gewaltigen Vortrieb der irgendwie an Hank Woods & The Hammerheads der Stay Home-ära erinnert aber auch viel von einer weiteren Band unter seiner Beteiligung enthält, nämlich Murderer und ihren existenziell-psychedelischen Cowpunk-Albträumen. Weiter erinnert mit der Scheiß etwa an die unberechenbare Wucht der noch recht frischen Forcer-LP, die epischen Frankenstein-Songkonstrukte von Tom Lyngcoln's 2020er Soloalbum sowie dessen Quasi-Nachfolgeband Metho, deren Line-Up dann ja wiederum den großen Jackson Reid Briggs an Bord hat und mich auf diesem Weg realisieren lässt, dass hier manchmal auch einiges von einer Split System-Energie mitspielt. Also ja, was die Band hier abzieht deckt eine bemerkenswerte Bandbreite ab und was auch imme die hier anfassen verwandelt sich in pures Gold, wobei gleichzeitig die garagenmäßigere Mid-Fi-Produktion der vorherigen EP Platz machen muss für einen stärker Hard- und Postcore-fokussierten Vibe mit leicht metallischen Obertönen, dem perfekten Vehikel für eine angemessen giftige, unnachgiebige Performance die mal sowas von den Nagel auf den Kopf trifft. Das Album ist eine bodenlos kreative Wundertüte die aus allen Nähten platzt vor kleinen Wundern und atemloser Ekstase.

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Headcheese – Dump Run

Headcheese aus Kaloomps, British Columbia machen jetzt schon länger ihren Krawall als meine Intuition es mir sagt, fühlt es sich doch immer noch an als wären ihr erstes Demo und die (mini-)Debüt-LP erst ungefähr vorgestern erschienen. In Wirklichkeit ist ihre letzte Platte Expired bereits auch schon fast drei Jahre her. Whatever, die Band hat definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen in meiner fehlerhaften Erinnerung mit einem Arsch voll Platten die sich nach einem endlosen Tauziehen anfülen zwischen den Impulsen, ihren Sound konstant zu verfeinern und erweitern, und gleich anschließend auch wieder zu einem gesunden Minimum zu reduzieren und verdummen, auf eine Art die ich unglaublich spannend und anprechend finde. Die neueste Platte mag jetzt durchaus als ihr bisheriges Magnum Opus durchgehen, auf dem die Band als eine gleichermaßen tightere und räudigere Abrisscrew agiert, die ihren bislang kohärentesten, ausgefeiltesten Stapel chemisch instabiler Ausbrüche mit purer Dreistigkeit zum Gehorsam nötigt. Ein perverser Spaß, den sich kein Freund entgehen lassen sollte von so einfallsreichem wie auch zotteligen Lärm zwischen den Welten von KBD-beeinflusstem Garage Punk, treibendem oldschool Westküsten-Hardcore und vielleicht sogar ein paar Partikeln von No Trend-, Broken Talent- oder Flipper-mäßiger Proto Noise Rock-Verwüstung.

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Attest – 2 Track Promo

Normal übergehe ich ja gerne diese Sorte von einem Appetitanreger-Release, aber wir stecken sind immer noch im schlimmsten Musik-Sommerloch an das ich mich seit Beginn dieses Blogs erinnern kann und dieser Krempel von einer Band aus Glasgow ist einfach mal zu verdammt brilliant um ihn hier nicht zu posten - eine massive Steigerung von ihrem bereits sehr schicken Demo im letzten Jahr und ich kann einfach nicht warten, bis die volle 7" erscheinen soll mit diesen zwei Songs und hoffentlich noch mehr von diesem clever konzipierten, unvermittelt infektiösen und geradezu verboten eingängigen oldschool Hardcore-Lärmchaos.

Leche – Domestic Economic Terrorism

Die zeitgenössischen Cowcore-Veteranen aus Austin, Texas sind zurück, gerade mal ein Jahr nach ihrer guten, wenn auch etwas unnötig langen und zerrissenen letzten Dosis des puren Chaos' in Form der Miracle Whip-It LP auf Digital Hotdogs. Die neue EP kommt jetzt in etwa rüber wie das komplette Gegenteil davon - ihre wohl kompakteste und kohärenteste Platte bisher befreit von jeglichen Fetträndern. Acht Minuten von ultra-verdichteter Exzellenz die aus allen Nähten platzt vor cleveren Ideen, schlagkräftigen Hooks und Melodien in einem wilden Anfall von deutlich Dicks-inspiriertem Wahnsinn.

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4d8K – D1

Eine durchweg überzeugende Debüt-EP haben wier hier von einer Band aus Providence, Rhode Island, die hier reichlich von einer KBD-getränkten Garage Punk-Räudigkeit in einen Sound pumpt, der ansonsten mehr von einer alten Hardcore-Energie dominiert wird aus zeitlos effektiven früh-'80er Hooks. Ein bodenloses Fass von entzückendem Chaos, das eine perfekte Balance hält aus ungekämmt chaotischem Lärm einerseits und zugleich einer gefährlich catchy ansprechenden Qualität, die mich vom ersten Moment anfixt.

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Total Vacation / Animated Violence – Split

Zwei Bands aus dem weiteren Umfeld von Los Angeles haben hier ihre Ressourcen gebündelt für eine wahrhaft göttliche Harcore Split-LP, die sicher irgendwann als eine der großen Splitveröffentlichungen der Roaring Twenties gehandelt wird in einer Liga mit, sagen wir mal, der massiven Stunted Youth & Save Our Children LP aus dem letzten Jahr. Natürlich fallen mir dabei zuerst die Songs von Animated Violence ins Auge, die nicht nur schon länger mit zwei arschtretenden Tapes seit 2022 begeisterten sondern hier gleich noch mal ein neues Level aus purem Wahnsinn und schlauem Handwerk erklimmen mit einer Sound so eklektisch, verspielt und einfallsreich wie er auch unverschämt catchy und melodisch daherkommt und gleichzeitig noisy-as-fuck, ein wilde und unberechenbare Fahrt bei der die zahlreichen Schlaglöcher Teil des Spaßes sind. Aber so sehr das auch mal komplett meine Baustelle ist, soll das bitte nicht davon ablenken wie stark auch die Tracks von Total Vacation sind, die sich oberflächlich betrachtet an einer einfacher gestrickten früh-'80er-Schule orientieren aber keineswegs weniger aufregend sind, bis zum bersten gefüllt mit smarten Ideen und bunten Schnörkeln... nur das jene sich hier halt über doppelt so viele, kürzere Songs verteilen und solche Instant-Hits wie Chimera and Perspective / For Once lassen keinen Zweifel daran dass wir es hier mit etwas besonderem zu tun haben.

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Alien Nosejob – How A Mosquito Operates

Okay, da hätten wir jetzt also mal wieder eine neue Alien Nosejob-Platte die Jake Robertson und seine Komplizen im Hardcore-Modus präsentiert nicht unähnlich zu dem, was wir zuvor am deutlichsten schon auf ihren zwei HC45 7"s aus dem Hause Iron Lung Records gehört haben, aber dann wiederum wäre es auch keine richtige Alien Nosejob-Veröffentlichung, wenn da nicht auch eine Fülle von netten Überraschungen und flotten ideen am Start wäre. Keineswegs ist das hier ein schlichter Neuaufguss der besagten Siebenzöller, die sich obendrein stärker an derberen '80er-Einflüssen orientierten wie sie sich ja auch durch große Teile des weiteren Iron Lung Records-Kataloges ziehen. Hier ist liegt der Fokus dann doch stärker auf den früheren Inkarnationen der US-Westküstenszene, die üblichen Verdächtigen der Sorte Germs, Circle Jerks und Adoloscents werfen klar ihre Schatten über diese Songs und so sehr selbst jene Kurzspieler als die rohesten Artefakte in ihrer Diskografie - wie eigentlich alles von dieser Band - auch schon aus allen nähten platzten vor catchy melodischen Hooks, umso weniger lässt sich das Ohrwurmpotenzial dieser neuen Songs eindämmen und es wäre einfach falsch, die (oder irgendeine Alien Nosejob-Platte) Platte nur als eine weitere verschrobene Genre-Fingerübung zu verstehen, steckt die Band doch selbst am räudigeren Ende ihres eklektischen und verschrobenen Klangspektrums die gleiche rohe Menge an überlegener Handwerkskunst und Songwriting-Raffinesse in ihren Lärm wie wie eigentlich auf jeder Veröffentlichung bisher. Nein, diese Platten sind keine isolierten Quirks in ihrem Schaffen sondern tragende Säulen in ihrer beeindruckenden Diskografie, die im gleichen Maße die unverkennbare Handschrift der unverzichtbaren Garage Punk-Auteure aufweisen.

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Deathfakers – 2026 Demo

Heilige Scheiße ist das was diese Band aus Wakefield, England auf ihrer Debüt-EP abziehen mal genau meine Baustelle! Geerdet in zeitlosem Post Punk und einem durchdringenden Kreissägen-Gitarrensound mit mehr als nur einer kleinen Big Black-Kante, beinhaltet das Zeug aber auch eine unmittelbare Garage Punk-Catchyness, eine Noise Rock-mäßige Klanggewalt und einen unnachgiebigen Hardcore-Vorschub, aber auch immer ausbalanciert mit unerwarteten melodischen Blitzen und Fragmenten. So was von meine Tasse Tee ist das und erinnert mich zumindest oberflächlich an ein paar andere UK Post Punk Bands, die entweder ein bisschen älter sind als die ziemlich gentrifizierte britische Schule der Gegenwart oder dieser zumindest entschlossen entgegenwirken… die besten Vergleiche die mir spontan einfallen wären dabei so Acts wie Cool Jerks und Coded Marking aus Leeds, aber das ist eigentlich auch nur ein winziger Teil des auf dieser Platte gebündelten Klangspektrums.

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Pothole – Pothole

Die Debüt-EP dieser Band präsentiert Indiana DIY Punk von seiner besten Seite, der einerseits zumindest spirituell einiges mit frühen Eggpunk-Szene des Bundesstaats gemeinesam hat, ist das doch von einer ähnlichen Aura aus Chaos, wilden Einfällen und Unvorhersehbarkeit umgeben wie man sie etwa auf einer Skull Cult- oder Erik Nervous-Platte erwarten würde, wenngleich die rohen Klangparameter hier dann doch von einer ganz anderen Natur sind und von antriebsstark geradeaus gehendem Garage Punk reichen über eine no-bullshit Hardcore-Energie im Geiste einer anderen in der Region ansässigen Seltsamkeit - diesem unüberschaubaren Zhoop/Feed/Djinn/Brundle/etc.-Clusterfuck nämlich - hin zu geografisch dann wiederum komplett unverwandten Postcore-Vibes der Sorte Wymyns Prysyn oder oldschool Hot Snakes-/Drive Like Jehu, diverse Phasen und Inkarnationen der New Yorker Science Man oder den eingängigen Fuzz Punk-Exzess von frühen The Gobs. Absolut selbstredend passiert da jederzeit immer etwas aufregendes und unerwartetes auf dieser Platte.

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Forcer – Forcer

Hier ist mal ein im absolut positiven Sinne seltsames Album für euch von einer Band aus Charlotte, North Carolina. Das Ding beginnt ziemlich eindeutig als ein derbes Hardcore-Brett, auch wenn sich vom ersten Moment an auch ein unübersehbarer, psychedelish-abgespaceter Unterton breit macht, eine zunehmend melodische Qualität und ein fundament aus unbestreitbar hochwertiger Songkonstruktion, das sich spätestens im vierten Song Misery komplett Bahn bricht bevor die LP dann mit jedem folgenden Song das Tempo ein Stück zurücknimmt und sich ein Acid Rock-beeinflusster Post Punk-, Postcore- und Art Punk-Vibe herausschält, der mich ein bisschen an jüngere Science Man oder Optic Nerve erinnert und sogar ein bisschen ältere Poison Ruïn schwingt etwa in Make A Case mit. Unvermeidlich bewegt sich die LP letztendlich auf vollwertiges Space Rock-Territorium zu ohne dabei aber jemals den subtil emofizierten, melancholischen Unterton und seine melodische Brillianz zu vernachlässigen und zu keinem Zeitpunkt klingt die Band dabei nach irgendwem außer sich selbst - die belastbarsten Vergleiche dir mir auf die Schnelle einfallen wären dabei so Bands wie Shrudd oder Electric Prawns 2, aber ganz ehrlich bewegt man sich damit schon auf sehr glattem Eis. Außerdem könnte man das emotionale Breitwand-Drama im Mittelteil ein bisschen mit Tom Lyngcoln's Raging Head vergleichen oder dem spirituellen Nachfolger davon, seiner jüngsten Band namens Metho. Aber keiner dieser Vergleiche hält wirklich stand. Forcer haben hier ein im aktuellen Genre-Umfeld komplett eigenständiges Werk erschaffen, würde ich mal sagen.

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