Bequest – On Hills Will Death Play

Nach der derben Enttäuschung einer irgendwie doch ein bisschen zu aalglatten neuen Poison Ruïn-LP bin ich doch sehr erfreut, auf diese nette Ersatzdroge gestoßen zu sein. Die verantwortliche Band kommt aus Philadelphia und bedient ein paar doch durchaus verwandte Gelüste von stark ’80er Heavy Metal-beeinflusstem, Dungeon-verwandtem Punk, auch wenn die grundlegenden Klangparameter sich hier stärker in der etwas weiter gefassten Hardcore- und D-Beat-Landschaft zuhause anfühlen. Nichtsdestotrotz offenbaren diese Songs eine überdurchschnittliche Fülle an Raffinesse, Detailarbeit und tonnenweise süchtig machender Hooks um diese sieben Wetterfronten aus halsbrecherischer Ekstase fest zu verankern und gleichsam auf ein durchweg fortschrittliches Level anzuheben.

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Brainwash Victims – Brainwash Victims / Yambag – The Psycho

Die letzten Wochen hatten zwei herausragende Hardcoreveröffentlichungen für uns auf Lager und ich nehme mal die Abkürzung, sie hier in einem Post zu verbraten. Brainwash Victims aus Milwaukee, Wisconsisn haben eine neue Kassette auf Unlawful Assembly raus mit einem Sound der nicht nur maximal noisy, abgefuzzt und angepisst ist, sondern auch mit immer wieder mit einfallsreichen Wendungen, catchy Hooks und melodischen Obertönen um die Ecke kommt. Die Typen spielen nicht nur hart und schnell, sondern sie haben auch die Songs an Bord um dabei nicht umzukippen.

Yambag aus Cleveland, Ohio sind dagegen eine Band, zu der ich über die Jahre ein etwas wackeliges Verhältnis gehegt hab, nicht zuletzt weil es auf einigen ihrer jüngeren Veröffentlichungen häufig den Anschein hatte als würden sie sich umso weniger um die Songs und Arrangements scheren, je härter sie auf den Putz hauen, so als versuche man hier für einen Mangel an kompositorischer Substanz zu kompensieren. Aber wie auch immer, jetzt haben sie eine neue 8-Song-EP draußen die sie mal wieder ausschließlich von ihrer besten Seite zeigt mit einem starken Bündel neuer Songs die so einfach gestrickt wie auch schlagkräftig und catchy rüberkommen und schlicht einen Sweet Spot in ihrem stilistischen Venn-Diagramm treffen, bei dem alles vorhanden ist was den Reiz dieser Band ausmacht und die beweglichen Teile rüttelfest und kunstvoll verarbeitet an ihrem Platz sitzen.

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Mortuary Ritual – Demo Tape

Neuer Hardcorescheiß aus Athens, Georgia, der seine überwältigende what-the-fuckness und disorientierenden Qualitäten nicht unwesentlich der komplett ausgebombten Produktionsästhetik zu verdanken hat, aber die noise-verseuchten Big Black-Versatzstücke, die aus allen Ritzen einer brüchigen Oberfläche aus weißem Rauschen heraussickern, tun sicher auch ihr übriges. Nimmst du all den Dreck weg, mag sich sich dahinter entweder die großartigste oder die fragwürdigste Hardcore-Performance der Welt offenbaren und irgendwie ist es mir fast egal, denn in all seiner Schäbigkeit klingt das für mich schon nach purer Ekstase.

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Stabber – II

Die zweite EP dieser Metal Punks aus Oslo ist erneut eine absolut arschtretende Angelegenheit von NWOBHM-inspiriertem Hardcore, der sich ein bisschen zu altmodisch anfühlt um in die Dungeon Punk-Kategorie zu passen, zu thrash-lastig um als Motörpunk durchzugehen. Obendrein ist da eine unerwartete ’90er Postcore-Qualität mit am Start im Rausschmeißer-Song Shallow Grave. Das sitzt ziemlich komfortabel mit dem Arsch zwischen einer ganzen Reihe angrenzender Nischen und massiert entsprechend viele auffällig unterschiedlich gelagerte Geschmacksnerven in einem Aufwasch… und da bin ich ja mal sowas von dabei!

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Physicalist – Physicalist

Physicalist sind eine neue Band aus (vermutlich) Vancouver, die sich um Dave P von der lokalen Power Pop-Sensation Night Court dreht. Deren Qualitäten schwingen auch auf dieser Platte mit, aber das zentrale Klangkostüm ist hier doch ein ganz anderes, eine infektiöse Verschmelzung von Hard-, Art- und Postcore mit einer unübersehbaren Garage Punk-Kante und melodischen Obertönen, was mich auf der Artcore-Seite der Gleichung etwa an Mystic Inane, Rolex oder Launcher erinnert und an Dumpies, Sauna Youth und Eyeball in seinen poppig-garagigen Tendenzen.

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Cruciflys – The Became What They Beheld

Nicht furchtbar schwer zu beschreiben was die Band aus Atlanta da auf ihrer Debüt-LP veranstaltet, deren Titel genau so gut A Crass Discharge of Rudimentary Peni lauten könnte, aber wenngleich das alles ausgesprochen spezifisch und geradeaus klingt, ziehen Cruciflys diesen Scheiß in durch und durch überzeugender Manier ab mit reichlich Intelligenz und Variation in ihren Songstrukturen, die die sich einerseits weitgehend in den üblichen Parametern ihres gewählten Rahmens aus frühem Hardcore, 1st gen Anarcho Punk und Death Rock bewegen, sich dabei aber niemals wiederholen und ein ungewöhnlich großes Maß an frischer Energie und unerwarteten Wendungen aus den jahrzehntealten Genre-Tropes herausholt. Alles an dieser Platte operiert auf einem Level meilenweit über’m Durschschnitt was oldschoolige Genre-Flashbacks angeht.

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Yankee Bastard – Senogun / U.A.V. – U.A.V.

Das ’24er Fucking USA Tape der Band aus Richmond, Virginia zeigte bereits die frühen Zeichen von etwas gutem, aber erst auf ihrer neuen EP via Sex Fiend Abomination entfalten sich die Qualitäten voll, die sich zuvor schon andeuteten und was die Band hier verzapft klingt für mich wie ein frischer Windhauch in einem bodenlosen Ozean von ziemlich oldschool agierenden Bands, die irgendwie alles dransetzen um möglichst schnell und hart zu spielen aber mich letztendlich nur jedes mal von neuem Langweilen mit ihren ultra-generischen, schmerzhaft einfallslosen Songs und Arrangements. Yankee Bastard verweigern sich diesem alten Spiel des Hardcore-Konformismus, nicht indem sie hier etwas grundlegend neues erfinden, sondern einfach indem sie jederzeit ein grundlegendes Level an Kreativität und Abenteuerlust anwenden, das im Punk eingentlich selbstverständlich sein sollte – jeder Song hier wird durch irgendeine Seltsamkeit, eine fixe Idee oder einen Blitz von melodischer Brillianz aufgewertet. So soll es sein, Musik kann und darf grimmig und angepisst sein und zugleich dennoch Spaß machen. Und meine Fresse, so schwer wie es nötig ist, dass Punk die hässliche Wahrheit spricht, so sehr müssen wir auch irgendeine Freude und Vergnügen daraus ziehen in Zeiten, in denen die täglichen Nachrichten alleine schon mehr als genug sind, um in einem persönlichen Strudel der Verzweilflung zu versinken. Man sagt ein Kernfeature des Faschismus sei das komplette versagen der kollektiven Vorstellungskraft und genau deshalb erwarte ich von Punkrock umso mehr ein gewisses mindestmaß an Fantasie. Wer das nicht hat, verschwendet meine Zeit und Aufmerksamkeit und ich lese stattdessen lieber mehr von den deprimierenden Nachrichten, denn wenigstens muss ich mir dazu üblicherweise keine blutleere, geschmacksneutrale Musik anhören.

Bevor ich es vergesse, da kam ja gleich noch eine arschtretende Ladung aus definitiv nicht langweiligem Hardcore Punk am gleichen Tag raus, aus der gleichen Stadt und auf dem gleichen Label. Darauf brillieren U.A.V. dank einer garagigen und KBD-mäßigen Basis für ihrem unprätentiösen Oldschool-Sound, einer fuzzlastigen und wandlungsfähigen Qualität in der Gitarrenarbeit und einer so wuderbar entgleisten wie auch angepissten Performance des Sängers. Es braucht eigentlich so wenig, um aus dem Genre-Durchschnitt herauszustechen. Eine gute Idee oder zwei, ein gesundes Minimum an Aufmerksamkeit für Songs und Arrangements… und das ist warum ich in Sachen Hardcore heutzutage ein paar Ansprüche hege. Ist davon nichts am Start, interessiert es mich auch kein bisschen wie schnell und hart ihr euren DIN-genormten Borecore spielt und wie mega Punk ihr dabei ausseht. Keine Geduld mehr übrig für sowas.

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Gunner – Reality Soldier

Diese Band aus Perth, Australien, bestehend unter anderem aus Mitgliedern von Semtex 87, stellt das bereits ziemlich wuchtige Schaffen jener Vorgängerband noch mal locker in den Schatten in Sachen überwältigender Lärmattacke, eine maximal giftige Wetterfront verpackt in eine dicke Schicht aus Noise, Feedback und Distortion, Dreck, Öl und Ruß. Wer aber genauer hinhört, dem offebart sich darunter ein ungeahnt reichhaltiger Kern voller Nuancen und Details, die das hier zu einem ausgesprochen lohnenden Unterfangen machen das fraglos auf einem höheren Level agiert als irgendeine beliebige Hard-/Noisecore-Veröffentlichung.

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Excited To Die – Sick Til Death

Mehr exzellenter Hardcorescheiß von einer Band aus Dartmouth, Nova Scotia, Kanada und was ich mal als ihre bislang ansprechendste Veröffentlichung bezeichnen möchte. Darauf vermischen sie etwas von einer klassischen ’80er Hardcoreattacke mit reichlich garagigen Hooks, ’77er Melodien und der rohen Energie der KBD-ära. So ungefähr würde ich es mir vorstellen wenn so puristische Garagenacts wie Jacket Burner, Buck Biloxi oder Bart And The Brats eine Hardcore-Platte aufnähmen.

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Underats – Even Scum Can Dream

Qualitätshardcore von einer Band aus Tokyo, die hier Elemente aus früh-’90er Hardcore-Riffing der post-Thrash-Ära (nicht die Website, haha…) mit einer doch sehr speziell japanisch klingenden Melange aus NWOBHM-infiziertem Garage-, Speed- und Motörpunk vermischt… man könnte sagen geradezu pünklich zur neuen Guitar Wolf-Platte um uns daran zu erinnern, auf welchem Flecken der Welt diese spezielle Art von Leckerei jetzt schon seit vielen, vielen Jahren besonders schmackhaft und konsistent zubrereitet wird.

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