Finale – Yo-yo

Verdammt, ist es tatsächlich fast fünf Jahre her seit wir zuletzt von diesen spanischen Egg-/Garage Punk-Veteranen gehört haben? Wie dem auch sei, die neueste EP zeigt die Band erneut in Topform vom ersten Moment an, wenn Almos Perdidas eine Detailarbeit und Eleganz transportiert die man eher von, sagen wir mal, späten Fugazi erwarten würde als aus dem aktuellen Eggpunk-Umfeld und die mal definitiv die unscheinbaren Anfänge der Band transzendiert, wenngleich die Band hier auch keineswegs versucht ihre musikalischen Wurzeln zu verschleiern. Die spannenden polyrhythmischen Spielereien in Pues pues pues pues sind ein weiteres beeindruckendes Beispiel dieser Fusion aus Egg-mäßiger Launen und Eigentümlichkeiten mit einer gesunden Dosis von ausgefuchstem Postcore, bevor Yo Yo dann die Platte zu einem unverschämt ansprechenden Abschluss führt in der Form einer ausgesprochen energischen, vergleichsweise geradeaus konzipierten aber keinesfalls simplistischen Punkgranate. Das darf alles mal locker durchgehen als sowohl eines der ambitioniertesten und reifsten wie auch durchschlagendsten Dinge, die Finale bisher abgeliefert haben.

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Deathfakers – 2026 Demo

Heilige Scheiße ist das was diese Band aus Wakefield, England auf ihrer Debüt-EP abziehen mal genau meine Baustelle! Geerdet in zeitlosem Post Punk und einem durchdringenden Kreissägen-Gitarrensound mit mehr als nur einer kleinen Big Black-Kante, beinhaltet das Zeug aber auch eine unmittelbare Garage Punk-Catchyness, eine Noise Rock-mäßige Klanggewalt und einen unnachgiebigen Hardcore-Vorschub, aber auch immer ausbalanciert mit unerwarteten melodischen Blitzen und Fragmenten. So was von meine Tasse Tee ist das und erinnert mich zumindest oberflächlich an ein paar andere UK Post Punk Bands, die entweder ein bisschen älter sind als die ziemlich gentrifizierte britische Schule der Gegenwart oder dieser zumindest entschlossen entgegenwirken… die besten Vergleiche die mir spontan einfallen wären dabei so Acts wie Cool Jerks und Coded Marking aus Leeds, aber das ist eigentlich auch nur ein winziger Teil des auf dieser Platte gebündelten Klangspektrums.

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Pothole – Pothole

Die Debüt-EP dieser Band präsentiert Indiana DIY Punk von seiner besten Seite, der einerseits zumindest spirituell einiges mit frühen Eggpunk-Szene des Bundesstaats gemeinesam hat, ist das doch von einer ähnlichen Aura aus Chaos, wilden Einfällen und Unvorhersehbarkeit umgeben wie man sie etwa auf einer Skull Cult- oder Erik Nervous-Platte erwarten würde, wenngleich die rohen Klangparameter hier dann doch von einer ganz anderen Natur sind und von antriebsstark geradeaus gehendem Garage Punk reichen über eine no-bullshit Hardcore-Energie im Geiste einer anderen in der Region ansässigen Seltsamkeit - diesem unüberschaubaren Zhoop/Feed/Djinn/Brundle/etc.-Clusterfuck nämlich - hin zu geografisch dann wiederum komplett unverwandten Postcore-Vibes der Sorte Wymyns Prysyn oder oldschool Hot Snakes-/Drive Like Jehu, diverse Phasen und Inkarnationen der New Yorker Science Man oder den eingängigen Fuzz Punk-Exzess von frühen The Gobs. Absolut selbstredend passiert da jederzeit immer etwas aufregendes und unerwartetes auf dieser Platte.

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Fleon Sunoco – Naughty Chickens Lay Deviled Eggs

So ein Typ aus Bloomington, Indiana hat hier eine saumäßig ansprechendes Debüt mit dieser Mini-LP erschaffen, die mit einem Fuß im relativ Egg-mäßigen Garage Punk steht, mit dem anderen auf dem Gebiet des DIY Art Punk und die allgemeine Eierigkeit wird im Laufe der Platte zunehmend zurückgenommen, was dann auch klar hilft die drohende Eggpunk-Übersättigung zu umschiffen, sie sich selbst in einem langjährigen Befürworter des Genres wie mir zunehmend manifestiert. Nun, diese Platte vermeidet zumindest die häufigsten Klischees, Mängel und Fettnäpfchen des Genres und ihr deutlich roherer Sound im Vergleich mit vielen derzeitigen Bands erinnert mich hier stark an die formative 2010er Ära des Genres und die Bloomington-Connection legt dabei insbesondere Skull Cult als einen primären Einfluss nahe. Wie auch immer, nicht zuletzt dank einiger Killersongs wie 5:43 p.m., Giving Up und OCD braut sich so ein beeindruckendes Debüt zusammen, dass weit über der eigenen Gewichtsklasse austeilt und auf eigenen Beinen zu stehen vermag auch in einem empfindlich überfüllten Genre-Umfeld.

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Retired Boxer – Decay

Erneut ein hochwertiges Artefakt der Berliner Post Punk-Szene von vermutlich mal wieder einer durchaus etablierten Figur in jenem Feld, aber so geheimnisvoll wie man in diesen Kreisen zu agieren pflegt lässt sich auch hier nur mutmaßen wer jetzt schon wieder hinter diesem geradezu pervers düsteren, minimalistischen Brocken aus Dunkelheit steckt von dem eine seltsam gedämpfte, klaustrophobische Atmosphäre ausströmt, die mich nach Luft schnappen lässt. Die offensichtlichsten Vergleiche die mir da einfallen wären einige ältere Sachen von DBR / Dee Bee Rich oder vielleicht eine komplett sedierte Version von Bands wie Exit Group, Red Gaze, Imposition Man, Pigeon und späten Diät.

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Marbled Eye – Forever

Ich sag's mal ganz unverblümt: Der Opener der neuen Marbled Eye EP, wenngleich auch kein Totalausfall, gehört nicht zum hellsten was die Band aus Oakland bislang hervorgebracht hat und fühlt sich irgendwie dieser Band nicht ganz würdig an mit den üblichen Anzeichen von durchschnittlicher bis fauler Post Punk-Songkonstruktion wie etwa dieser willkürlichen Abfolge ziemlich abgestandener, durchgenormter Riffs und Genre-Tropes und die hier leider ebenfalls ziemlich uninspirierte Anwendung von polyrhythmischen Appregios - auch so ein typisches Klischee das man in dieser Form sonst eher von jungen, unerfahrenen Bands hört - drückt bei mir auf all die falschen Knöpfe in einem Song, dessen verstreute Einzelteile sich einfach nicht zu etwas kohärentem zusammenfügen wollen. Glücklicherweise ist dann aber alles was darauf folgt ungleich inspirierter, durchdachter und ausgefeilter - die restlichen fünf Songs zeigen genau die Eleganz und Detailverliebtheit in Sachen Songwriting und Arrangements die man von diesen Veteranen im aktuellen Post Punk-Umfeld erwartet, die es ja mit ihrer voherigen Read The Air EP tatsächlich noch mal fertiggebracht haben - fast ein Jahrzehnt in ihrem schon immer brillianten Schaffen - einen ganz neuen Qualitätslevel zu erklimmen. Diese EP klingt daraufhin ein bisschen wie ein goldener Mittelweg zwischen jener kunstvoll gehaltenen Balance und dem unmittelbaren Impact ihres früheren Schaffens. Ein würdiger Nachfolger eigentlich, wenn man den wackeligen Anfang ignoriert.

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Useless Eaters – Music For Clout // G2k – Concept

Ein stetiges Getröpfel neuer Songs auf ihrer Bandcamp-Seite hat schon länger angedeutet, dass da was neues auf uns zukommt von dieser unverzichtbaren Säule der 2010er Garage Punk-Szene aber dennoch fühlt man sich etwas überrumpelt von dieser neuen LP, die ohne explizite Ankündigung digital auf Bandcamp abgeladen wurde und irgendwan in diesem Jahr auch noch eine Vinyl-Veröffentlichung auf Total Punk Records bekommen soll. Ebenso schwebt auch die Frage über dieser Platte - nach ihrer glorreichen Rückkehr als Liveband im letzten Jahr - inwiefern Useless Eaters hier eigentlich als Band fungieren angesichts dieser elektrolastigen Heimstudio-Qualität, die diese Songs durchzieht und freimütig auf klassische Dub-Techniken, Synths und Drum-Samples zurückgreift, ansonsten aber doch seltsam Gitarrenzentriert erscheint. Klingt alles mal sehr danach, als ob sich Seth Sutton hier Solo im Studio austobt. Nicht dass es eine große Rolle spielen würde, resultiert es doch in einer durchaus faszinierenden Platte, die eine unerwartet surreale Spiegelversion von Useless Eaters präsentiert. Angenehm vertraut in manchen Aspekten aber auch ein bisschen eine Neuerfindung ihres Sounds, klingt das nur wenig nach irgendwas das sie zuvor schon mal unternommen hätten in seiner abstrakten, kalten Herangehensweise, einem unübersehbaren Industrial-Feel, der hier kompromissloser rüberkommt als selbst die exzentrischeren Ausläufer ihrer bisherigen Diskografie.

Ähnlich unverhofft kam übrigens ein paar Tage zuvor die Debüt-EP von G2K daher, einer Band die soweit ich das vermuten kann eine Kollaboration zwischen Sutton und Sal Go von der Washingtoner Band Sexfaces darstellt. Wie auch immer, die Songs klingen wie ein ausgezeichnetes Begleitmaterial zur Useless Eaters LP und teilen so einiges von dessen roher Produktionsästhetik, betätigen sich ansonsten aber in einer ungleich roheren und primitiven Schule von Garage-, Art- und Proto Punk-beeinflusstem Lärm, verhüllt in einen aus diesem Universum angenehm vertrauten, psychedelischen Nebel.

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Providers – Demo

In einer Woche geprägt von unerwarteten Bandcamp-Drops kommt hier ein weiterer seiner Art, welcher diesmal den Weg zu uns findet über die Bandcamp-Seite der folkigen Post-Punker Chronophage aus Austin, Texas. Soweit ich es erkennen kann handelt es sich bei Providers um eine New Yorker Band und die klanglichen Parameter ihrer auf spanisch gesungenen Songs sind eine etwas schräg anmutende Mischung aus klaren Oi!-Einflüssen einerseits, aber auch reichlich von einer alten Mitt-'80er Punk, Indie- und College Rock-Qualität mit Echos so unterschiedlicher Bands wie klassischen Hüsker Dü, späten Naked Raygun, Dinosaur Jr., Angst und The Replacements, ihre melodien und Arrangements aufgeladen mit einer Melancholie die ebenso typisch ist für jene Ära wie sie gleichsam auch an eine kurze Phase der frühen 2010er erinnert, in der so Bands wie Milk Music, Happy Diving und California X für ein kurzlebiges Revival dieses Sounds gesorgt hatten. Ebenfalls lassen sich aber auch einige Elemente des melodischen Fuzz Punk und Noise Pops in etwa der gleichen Ära erkennen von so Bands wie Male Bonding, Joanna Gruesome, No Age und Wavves.

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Auditing – Pinged

Die 2025er Modern Tension EP dieser aus der Asche der psychedelischen Garage- und Post Punk-Sensation Mononegatives entstandenen Band aus London, Ontario war bereits eine vielversprechende, wenn auch noch etwas chaotische, inkonsistente Angelegenheit. Diese zwei neuen Songs signalisieren jetzt einigen Fortschritt für die Band mit einer ausgefeilteren Herangehensweise an ihr Songwriting und einem fokussierteren, gut ausbalancierten Sound, der sich deutlich stärker in die Post Punk-Richtung reinlehnt als in die Garage Punk-Attacken alter Tage für eine Ästhetik, die nicht viel weniger weniger nebelig und abgespaced klingt als die alten Mononegatives Platten, aber gleichzeitig einen ganz eigenen, neuen Pfad betritt der eher ein paar oberflächliche Gemeinsamkeiten mit aktuellen Post Punk-Acts der Sorte Corker, Marbled Eye oder Tube Alloys nahelegt.

Subtle Turnhips – Septentinoriel

In einem kulturellen Umfeld von sich rapide wandelnden musikalischen Trends und Hypes und einem sich unnachgiebig drehenden Promo-Hamsterrad in den Sozialen Medien, dessen Zielgruppe nicht Menschen sind sondern ein Algorithmus… da hat es immer etwas heilendes eine Band wie diese zu Verfolgen, die sich komplett unbeeindruckt zeigt von der modernen Aufmerksamkeitsökonomie, die selbst schon ein gutes Jahrzehnt älter ist als dieses Blog und nach zweieinhalb Dakaden immer noch ihre ganz eigene abgefuckte Muse verfolgt. Erwartungsgemäß teilt sich auch die neueste LP viele der Quirks und Qualitäten die wir an dieser Band zu schätzen gelernt haben und ihrem Art Punk, der jederzeit gleichermaßen krude und catchy rüberkommt, bei alldem aber auch immer reichlich Abwechslung besorgt und so einige schlaue Ideen unter der primitiven Oberfläche verbirgt. Mögliche Einflüsse könnten sich dabei von uralten Krawallerzeugern wie Half Japanese, The Membranes, Feedtime, The Fall erstrecken, über diverse mit altem No Wave verbundene Artefakte oder auch ein paar krautige Spielereien, bis zu jüngeren, essenziellen Garage-Klassikern der Sorte The UV Race oder Eddy Current Suppression Ring. Aber ehrlich gesagt wäre es inzwischen einfach unangebracht, Subtle Turnhips nicht als die ganz ureigene und kompromisslose kreative Gewalt zu betrachten, als die sie sich wiederholt unter Beweis gestellt haben und auch diese Platte ist nicht weniger als ein weiterer sofortiger Klassiker für Freunde des etwas schrulligeren Garagenlärms.

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