DDR - The Morning Grey

Ei­ne ziem­lich un­er­war­te­te und aus­ge­zeich­ne­te Mu­sik­ein­rei­chung kam hier rein von ei­ner Band aus Za­greb, Kroa­ti­en. DDR spie­len ei­ne Ab­art des me­lan­cho­li­schen old­school Post Punk mit ei­nem Fit­zel­chen Go­th im Mix, was mich in ver­schie­de­nen Au­gen­bli­cken mal an ge­gen­wär­ti­ge Bands wie Day­light Rob­be­ry, The Est­ran­ged, Pri­mi­ti­ve Teeth, Anxious Li­ving, Cri­mi­nal Code oder Xe­tas er­in­nert, wäh­rend sich aus dem Alt­be­stand auch klar ein biss­chen Wi­pers-mä­ßi­ge Gi­tar­ren­ar­beit fest­stel­len lässt und viel­leicht et­was spä­te­re Na­ked Ray­gun? In der zwei­ten Halb­zeit wird man zu­neh­mend me­lo­di­scher, was der Sa­che ei­nen ge­wis­sen me­lan­cho­li­schen Vi­be á la Lea­ther­face, HDQ oder Go­vernment Is­sue der Mitt- bis Spät­acht­zi­ger hin­zu­fügt.

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Credit Bureau - Credit Bureau

Echt 'ne Men­ge eieri­ge Qua­li­tät un­ter­wegs die­se Wo­che. Um mich nicht zu wie­der­ho­len, fas­se ich mich kurz: Hier ist die jüngs­te Kas­set­te des im­mer ex­zel­len­ten La­bels De­lu­xe Bi­as, wel­che pas­sen­der­wei­se auch ziem­lich nach Bi­as-Reg­ler auf fünf Uhr klingt. Fragt eu­re El­tern was das be­deu­tet.

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Choke Boy - Chalk

Die Band kommt aus Dort­mund, macht aber kei­ne Mu­sik für die Neun­zi­ger (ja­ja, al­te Sä­cke wer­den sich er­in­nern…). Wohl eher für die spä­ten Nul­ler und frü­hen 2010er - ein sehr ge­rad­li­ni­ger, eher Me­lo­die-ge­trie­be­ner Post Punk-Sound, wie man ihn da­mals be­son­ders von The Est­ran­ged, teil­wei­se auch von Cri­mi­nal Code zu hö­ren be­kam und wo­von Aspek­te ge­le­gent­lich auch in jün­ge­ren Jah­ren von Bands wie Anxious Li­ving, VR Sex oder Ufo­sek­te wie­der auf­ge­grif­fen wur­den. Das ist jetzt si­cher nicht die Spit­ze der Ori­gi­na­li­tät und kann über die Lauf­zeit der sechs Songs schon et­was ein­tö­nig wer­den. An­de­rer­seits ist aber ganz klar schon ein grund­so­li­des Fun­da­ment vor­han­den, von dem aus­ge­hend man in Zu­kunft si­cher noch ex­pan­die­ren, er­for­schen und ela­bo­rie­ren wird.

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Meal - Jimmy

Das ir­gend­wo in New York /​ New Jer­sey um­trie­bi­ge La­bel Sta­te Cham­pion Re­cords hat mal wie­der ei­ne gei­le Kas­set­te für uns auf La­ger von ei­ner Band aus Hel­sin­ki, die dar­auf ei­nen voll aus­ge­form­ten Sound ge­ne­riert, der nach so viel gu­tem Zeug klingt dass ich gar nicht so recht weiß, wo ich an­fan­gen soll. Zum Ein­stieg hat das et­was von ei­ner Fu­si­on aus et­was dunk­le­rem Post Punk et­wa der Ran­k/­Xerox- oder Pi­geon-Mach­art und Rich­tung Art Punk schie­len­den Ga­ra­ge- und Post Punk-Acts der Sor­te Pat­ti, Li­thics, Rea­li­ty Group, Vin­ta­ge Crop oder Yam­me­rer. In den mitt­le­ren zwei Songs macht sich dann ein re­lax­te­rer Vi­be mit leich­ter In­die Rock-Ten­denz breit, was z.B. an Go­to­beds, Slee­pies, Tape/​Off oder B-Boys er­in­nern mag und im Raus­schmei­ßer-Song Plastic Ma­ri­ne fin­den bei­de Ten­den­zen dann zur per­fek­ten Sym­bio­se zu­sam­men.

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Optic Nerve - In A Fast Car Waving Goodbye

Die neu­es­te EP der Band aus Syd­ney knüpft naht­los an die Groß­ar­tig­keit ih­res De­büts von 2019 an und lässt er­neut ei­nen dich­ten Wir­bel aus Post Punk und -core vom Sta­pel, der glei­cher­ma­ßen In­spi­ra­ti­on aus den ei­gen­wil­li­ge­ren Ecken der 80er Sze­ne á la Sac­cha­ri­ne Trust, Re­al­ly Red oder Man Si­zed Ac­tion zu schöp­fen scheint wie aus dem Folk- und Cow­punk von Angst, aber auch ein deut­li­cher Hot Sna­kes-Fahrt­wind kommt ei­nem da ent­ge­gen.

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Big Bopper - Introducing Big Bopper

Puh.. wer auch im­mer die­ses Al­bum ge­mischt und/​oder ge­mas­tert hat muss ge­ra­de­zu taub sein. Ich bin ja ei­ni­ges an klang­li­chen Ex­tre­men ge­wohnt und las­se nor­mal im­mer die Fin­ger von den Klang­reg­lern, aber hier pas­siert es mir zum ers­ten mal, dass ich ei­ne Ver­öf­fent­li­chung nicht er­tra­ge oh­ne bru­tal die Hö­hen run­ter zu dre­hen. Un­ter Um­stän­den mag das phy­si­sche Tape dies­be­züg­lich we­ni­ger schmerz­haft sein als die di­gi­ta­le Ver­öf­fent­li­chung.

Da­von ab­ge­se­hen tritt das hier aber or­dent­lich Arsch. Kei­ne Ah­nung war­um das bei mir so lan­ge ge­dau­ert hat - ich bin mir si­cher, über die­ses Ding schon mal ge­stol­pert zu sein, aber ir­gend­wie brauch­te mein ka­put­tes Ge­hirn noch­mal ei­ne Er­in­ne­rung in Form ei­ner er­neu­ten (nur di­gi­ta­len?) Ver­öf­fent­li­chung bei Good­bye Boo­zy um die Qua­li­tä­ten der Te­xa­ner zu re­gis­trie­ren. Die spie­len je­den­fal­le ei­nen ziem­lich wil­den, schwer vor­her­seh­ba­ren Misch­ling mit Ele­men­ten aus Ga­ra­ge Punk, Noi­se Rock, Post Punk und Post­core, den man je nach Lau­ne mal mit Pat­ti, Ro­lex, Cu­tie, Mys­tic Ina­ne or Bran­dy ver­glei­chen mag.

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TVO - Fall In A Pit

Ei­ne wei­te­re Ham­mer-EP von TVO aus Phil­adel­phia. Die­ses­mal wird der Ga­ra­gen­fak­tor deut­lich hoch­ge­fah­ren, oh­ne den Hun­ger der Band nach old­schoo­li­gem pro­to-noi­se rock und -sludge zu ver­nach­läs­si­gen. Man stel­le sich ei­ne selt­sa­me Mi­schung aus den New Yor­kern Cu­tie und aus­tra­li­schen Ga­ra­gen­bands wie Mi­ni Skirt, Pist Idi­ots vor, wel­che dann seit­wärts mit al­tem Kra­wall vom Schla­ge U-Men, Sci­en­tists, X (Syd­ney, nicht L.A.) kol­li­diert und viel­leicht auch noch ei­nem lei­sen Hauch von Mud­ho­ney.

Puritans - Puritans

Rund vier Jah­re nach ih­rem letz­ten Le­bens­zei­chen be­kom­men wir recht über­ra­schend ei­nen neu­en Kurz­spie­ler der Band aus Van­cou­ver vor­ge­setzt, die im Jah­re 2016/​17 mit ei­ner ma­kel­lo­ses EP über­zeug­te, ge­folgt von ei­nem et­was ent­täu­schen­den, un­aus­ge­go­re­nen Nach­fol­ger. Die vier neu­en Songs prä­sen­tie­ren sie hin­ge­gen wie­der ganz in ih­rem Ele­ment, al­ter­nie­rend zwi­schen zwei en­er­gi­schen Lär­me­rup­tio­nen und ei­nem ge­tra­ge­ne­ren, me­lan­cho­li­schen Dop­pel­pack, das ein biss­chen mehr Ge­duld ein­for­dert um sich dann aber ganz vor­züg­lich zu ent­fal­ten. Wie schon zu­vor er­in­nert mich das an ei­ne et­was me­lan­cho­li­sche­re, un­auf­ge­reg­te und me­lo­di­sche In­kar­na­ti­on von Rank/​Xerox, Sar­casm oder Sie­ve­head.

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Skeleton Glove - Skeleton Glove

Die Ber­li­ner wa­ren mir bis­her von ei­ner Hand­voll De­mos be­kannt, die al­le­samt mehr oder we­ni­ger an den schä­bi­gen Pro­duk­ti­ons­wer­ten krank­ten. Um­so schö­ner des­halb, sie jetzt mal in ei­nem Sound zu hö­ren, der ih­rer schie­ren Wucht ge­recht wird. Das Re­sul­tat ist min­des­tens so gut wie ich es ver­mu­tet hät­te - ih­re ul­tra-räu­di­ge Mi­schung aus Post- und Hard­core­punk mit An­lei­hen von De­ath Rock und Ga­ra­ge schlägt zu­ver­läs­sig ge­nau da ein wo es weh­tut.

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LLRR - < = >

Ein ech­ter Le­cker­bis­sen von ei­ner Band aus Kyo­to! LLRR ma­chen Post Punk, der sich glei­cher­ma­ßen catchy und kan­tig gibt. Häu­fig tanz­bar, manch­mal mit Mathrock-Struk­tu­ren spie­lend, in an­de­ren Mo­men­ten aus­ge­spro­chen old­school No Wa­ve-fun­ky. Ei­ne bom­ben­fes­te Rhyth­mus­sek­ti­on rollt den idea­len Klang­tep­pich aus, auf dem sich die wi­der­spens­ti­gen und doch manch­mal un­er­war­tet me­lo­di­schen Erup­tio­nen vom Gi­tar­ris­ten Yu­zu­ru Sa­no und hyp­no­ti­sche Vo­cals von Min­a­mi Yo­ko­ta aus­brei­ten kön­nen, wel­che oft so in­te­gral in das rhyth­mi­sche Fun­da­ment ver­wo­ben sind wie man es sel­ten von ak­tu­el­len Bands hört.

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