Cubano Vale - Cubano Vale

Cubano Vale - Cubano Vale

Ser­gio, der Mann hin­ter dem immer span­nen­den und mas­siv 12XU-kom­pa­ti­blen Musik­blog Retrat­ando Voces, hat neu­er­dings auch ein eige­nes Label am Start und mit sei­ner ers­ten  Ver­öf­fent­li­chung, dem Debüt­al­bum von Cubane Vale aus Madrid, bereits einen aus­ge­zeich­ne­ten Tref­fer gelan­det. Der Lärm dar­auf ist mehr als nur ein biss­chen schräg - irgendwo in den etwas eigen­wil­li­ge­ren Rand­ge­bie­ten von Post Punk, Noise und Post­core zu ver­or­ten, erweist sich das Album als ein hyper­ak­ti­ver Spring­teu­fel, der aber trotz einer aus­ge­präg­ten Affi­ni­tät für chao­ti­sche Struk­tu­ren und Arran­ge­ments jeder­zeit die Kon­trolle über das Gesche­hen behält. Das hat ein biss­chen was von aktu­el­len Genre- Grenz­gän­gern wie Gum­ming, Labor oder Soup­cans, hat außer­dem auch gewisse Par­al­le­len zu ihren Stadt­nach­barn Juventud Juché. Aber nicht zuletzt finde ich mich auch öfter mal an etwas absei­ti­gere Ver­tre­ter der älte­ren Noi­se­rock-Geschichte á la Brai­niac oder Slug erin­nert und ver­ein­zelt gibt's auch Anklänge an Sonic Youth in der wil­den Mit­tacht­zi­ger-Phase zu erah­nen.

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Spray Paint And The Rebel - Charles And Roy's Purple Wang

Spray Paint And The Rebel - Charles And Roy's Purple Wang

Für das (wenn ich nichts ver­pass hab) dritte Kapi­tel ihrer Kol­la­bo­ra­ti­ons-Serie bege­ben sich die expe­ri­men­tel­len Noi­sero­cker Spray Paint aus Aus­tin, Texas auf Kol­li­si­ons­kurs mit dem Lon­do­ner Weirdo Folk- und Gara­gen­blues-Pro­jekt The Rebel. Was dabei her­aus­kam ist bis­lang mein Favo­rit der Reihe, aber ich bin ja auch nicht mehr ganz rich­tig im Kopf. Wie schon Dan Mel­chior auf der Con­tri­bu­ters-Platte lockert auch The Rebel aka Coun­try Teasers Front­mann Ben Wal­lers den Sound deut­lich auf, ver­passt ihm gleich­zei­tig aber eine noch viel schrä­gere Kante. Zwi­schen­zeit­lich kann das mal ein biss­chen so klin­gen als wären frühe The Fall in einen Pot(t) aus hal­lu­zi­no­ge­nem Kraut gefal­len.

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Stone Witches - Machine Efficient

Stone Witches - Machine Efficient

Star­kes Zeug zwi­schen Post- und Gara­ge­punk, das einer drei­köp­fi­gen Mensch­ma­schine aud dem aus­tra­li­schen Gold Coast ent­springt. Das hat in den etwas strai­gh­ter rocken­den Momen­ten etwas von Pow! oder S.B.F., noch stär­ker erin­nert es mich aber an die fies mecha­ni­schen Groo­ves aktu­el­le­rer Useless Eaters oder an Exit Group.

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Neurotic Fiction - Pulp Music

Neurotic Fiction - Pulp Music

Ein etwas eigen­wil­li­ger Genre-Grenz­gän­ger ist das Lang­spiel­de­büt die­ser Band aus Bris­tol. Melan­cho­li­scher Jangle Pop fließt mit klas­si­schem Indie­rock und Sur­fein­flüs­sen zusam­men, ange­rei­chert um ver­ein­zelte Anflüge von (Post-)Punk und gar ein wenig vom etwas ent­spann­te­ren Dischord Sound der 00er Jahre. Als sehr vage Ori­en­tie­rungs­hilfe hätte ich da Flesh World im Ange­bot, aber eigent­lich klin­gen Neu­ro­tic Fic­tion wie keine andere Band der­zeit, kochen ihr ganz eige­nes und frag­los sehr schmack­haf­tes Süpp­chen.

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D.U.D.S. - Immediate

D.U.D.S. - Immediate

D.U.D.S. kamen mir erst­mals mit einer sehr anspre­chen­den 7" auf Mater­nal Voice unter. Es folgte ein Lang­spie­ler auf Castle Face, der - wenn ich auch das Mate­rial teil­weise noch etwas unaus­ge­go­ren fand - den­noch ein star­kes Inter­esse am wei­te­ren Schaf­fen der Band aus Man­ches­ter in mir weckte. Inzwi­schen ist auch schon der Nach­fol­ger via Opal Tapes zu bekom­men und der trifft ein­fach nur kon­stant ins Schwarze mit sei­nen zacki­gen Groo­ves, die unver­meid­li­che Asso­zia­tio­nen zum bri­ti­schen Post­punk der uralten Schule á la Fire Engi­nes, Trans­mit­ters oder Despe­rate Bicy­cles her­vor­ru­fen, aber auch bewun­de­rern aktu­el­ler Bands wie Pill oder The World sicher gut in den Kram pas­sen.

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Pill - Soft Hell

Pill - Soft Hell

Auf ihrem zwei­ten Lang­spie­ler gibt die New Yor­ker Post­punk-Band ihrem Sound eine unge­ahnt grif­fige Kon­tur und jede Menge Fein­schliff. Dabei muss natür­lich die expe­ri­men­telle Kante der Vor­gän­ger deut­lich kür­zer tre­ten, dafür wirkt jeder Song sorg­fäl­tig kon­stru­iert und aus­ba­lan­ciert. Das Ergeb­nis ist ihre stärkste Platte bis­her; über­ra­schend homo­gen und zugäng­lich, den­noch abwechs­lungs­reich und viel­schich­tig, jeder Song  ein Voll­tref­fer. Reife Leis­tung.

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Pigeon - Bug

Pigeon - Bug

Die Ber­li­ner Noise- und Post­punk-Combo bleibt eine span­nende Ange­le­gen­heit. Ihr neues Tape geht jetzt einen Tick räu­di­ger zur Sache als schon ihr star­kes Debüt­al­bum im Früh­ling, was mei­nen per­sön­li­chen Vor­lie­ben natür­lich sehr ent­ge­gen kommt. Der Sound ver­schiebt sich nun stär­ker auf die Post­punk-Seite ihrer Glei­chung. Teil­weise erin­nert das stark an Nega­tive Space oder Insti­tute… oder gar an die erste Lower EP, deren Nach­wir­kun­gen vor allem in Less deut­lich spür­bar sind.

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Eyesøres - Eyesøres

Eyesøres - Eyesøres

Mit ver­dammt arsch­tre­ten­dem Post Punk wie er kaum druck­vol­ler sein könnte zieht mich das Debüt-Tape der Eyesø­res aus Mel­bourne vom ers­ten Moment an auf ihre Seite. Das hat in etwa die kom­pro­miss­lose Atta­cke der Pretty Hurts an Bord, den tief­schwar­zen Blick von Cri­mi­nal Code. Außer­dem Dark Punk/​Death Rock-Ver­satz­stü­cke á la Hal­dol und zwi­schen­drin gibt's immer wie­der kleine Über­ra­schun­gen wie die melan­cho­li­schen, Red Dons-arti­gen Melo­dien im Ope­ner oder einen Hauch von Sonic Youth in Gol­den Soil. Einen der­art star­ken ers­ten Ein­druck hab ich in die­sem Genre-Umfeld schon län­ger nicht mehr gebo­ten bekom­men.

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Mope Grooves - The Waves /​ L.O.X. - L.O.X. Time

Mope Grooves - The Waves / L.O.X. - L.O.X. Time
Mope Grooves - The Waves / L.O.X. - L.O.X. Time

Zwei neue Ver­öf­fent­li­chun­gen aus Port­land und dem Mikro­kos­mos um die Woo­len Men und Honey Bucket. Deren Raf Spiel­man respek­tive Matt Rado­se­vich sind auf eini­gen Tracks des neuen Albums der Mope Groo­ves zu hören, bei denen es sich aber vor allem um ein Pro­jekt von Ste­vie Pohl­man han­delt, der wie­derum mit den bei­den erst­ge­nann­ten die Shop Regu­lars bil­det. Ver­wir­rend, ich weiß.

So weit weg klingt das von kei­ner der genann­ten Bands. Exzen­tri­scher, häu­fig abs­trak­ter Post­punk also, der zwi­schen­drin aber auch ein geschick­tes Händ­chen für tolle Melo­dien zeigt und einen aus­ge­spro­chen rus­ti­ka­len Vibe ver­sprüht. Etwas anders als besagte Grup­pen liegt hier sound­mä­ßig aber ein unge­wohnt star­ker Fokus auf Ana­log­syn­ths, Orgeln und ande­ren anti­quier­ten Tas­ten­in­stru­men­ten.

Alle drei spie­len wie­derum bei L.O.X. mit. Deren neue LP kommt daher wie eine leicht ange­krau­tete, aber dabei erstaun­lich zugäng­li­che Ver­schmel­zung von allem zuvor genann­ten. Die geballte Krea­ti­vi­tät die­ser klei­nen, ver­schro­be­nen Nische in einer sonst ja eher als hyper­gen­tri­fi­ziert ver­schrie­nen Stadt erstaunt mich jedes mal aufs neue.

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Popper Burns - Pure Disgust

Popper Burns - Pure Disgust

Schon etwas län­ger her, seit­dem das Queer­core-Wun­der Pop­per Burns aus Aus­tin sei­nen zwei­ten Lang­spie­ler ange­kün­digt hat. Gute andert­halb Jahre um genau zu sein. Jeden­falls gehört die Platte zu den von mir am hei­ßes­ten erwar­te­ten Ver­öf­fent­li­chun­gen seit­dem die ers­ten Klänge des per­fek­ten Ope­ners Apollo 11 mein Trom­mel­fell erreich­ten und ich fragte mich schon, ob das Ding jemals erschei­nen würde. Offen­bar sind sie immer noch auf Label­su­che. Ich würde mich ja um die Band und das Album rei­ßen, aber ich bin nun mal (noch?) kein Plat­ten­ver­ti­cker.
Jetzt ist Pure Dis­gust jeden­falls schon mal digi­tal auf Band­camp zu bekom­men und bestä­tigt meine Ver­mu­tung, dass wir es mit einem unge­schlif­fe­nen Roh­dia­man­ten zu tun haben. Ihr vor Ärger und Frust bers­ten­der Post Punk gibt sich dabei durch­aus wand­lungs­fä­hig, erin­nert mich sehr an Shit Giver, ein wenig an ganz frühe Pro­tomar­tyr und das mit­rei­ßende Drama von Bam­bara oder Iceage. Das ganze kommt in einem wun­der­bar direk­ten und dre­cki­gen Sound daher, des­sen lose Fäden, Ecken und Kan­ten nur noch wei­ter zum spe­zi­el­len Charme die­ser Band bei­tra­gen.

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