OSBO - OSBO

Die­se Band aus Syd­ney schleppt reich­lich lo­ka­les In­ven­tar mit, ha­ben Mit­glie­der doch un­ter an­de­rem in so Bands wie Bed Wet­tin' Bad Boys, Roy­al Hea­da­che, Tim and the Boys und Mun­do Pri­mi­tivo mit­ge­spielt. Aber ehr­lich ge­sagt klin­gen Os­bo nach über­haupt kei­ner die­ser Bands. Viel mehr er­in­nert mich ihr fuchs­teu­fels­wil­der Mix aus Post- und Hard­core stark an die Ab­riss­bir­nen Pre­da­tor und Nag aus At­lan­ta, so­wie wei­te­re ame­ri­ka­ni­sche Ver­tre­ter der Sor­te In­sti­tu­te, Acrylics, Tu­be Al­loys, Pyrex, Cor­ker und Cri­mi­nal Code… oder al­ter­na­tiv auch Sydney's ei­ge­ne Kra­wall­kol­le­gen Ar­se und Xilch. Denkt euch jetzt noch ei­ne pro­to-Noi­se Rock-Kan­te á la Flip­per oder No Trend da­zu und das kommt dann un­ge­fähr hin. Das voll­kom­men ent­gleis­te Ge­bell des Sän­gers hin­ge­gen er­in­nert mich sehr an die Eng­län­der Ak­ne.

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Mo egg on ya face (Paulo Vicious /​ Dårskap /​ Gurk)

In jün­ge­rer Zeit hat es noch nie so et­was ge­ge­ben wie ei­ne schlech­te Wo­che für Egg­punk, aber die­se Wo­che war mal wie­der ganz be­mer­kens­wert hoch­wer­tig mit drei über­durch­schnitt­li­chen Ver­öf­fent­li­chun­gen. Pau­lo Vicious aus Tel Aviv dürf­te euch ja be­reits von der Är­sche tre­ten­den De­büt-EP im letz­ten Win­ter ein Be­griff sein. Der Nach­fol­ger da­von nimmt naht­los des­sen Strän­ge wie­der auf und er­zeugt wei­ter kran­ken Spaß am lau­fen­den Band mit star­ken Echos von Pri­son Af­fair, Set-Top Box, Nubot555 und oben­drein ei­ner glit­zern­den Pa­ti­na aus 8.Bit Chip­tu­nes. Dårs­kap aus Os­lo wie­der­um nä­hern sich den Egg-ver­wand­ten Sounds mit ei­nem ge­wis­sen Dun­ge­on Punk-Un­ter­ton und der sub­ti­le De­ath­rock-Vi­be wirft die Fra­ge auf, ob hier viel­leicht per­so­nel­le Über­schnei­dun­gen zur eben­falls aus Os­lo stam­men­den Band Mol­bo be­stehen, die es erst letz­te Wo­che an die­ser Stel­le zu be­stau­nen gab. Zu gu­ter Letzt lie­fern die Schwe­den Gurk vier neue At­ta­cken des ul­tra-cat­chy Egg-in­du­zier­ten Wahn­froh­sinns auf ei­ner neu­en EP, die ich mal durch­aus als ih­re bis­lang stärks­te be­zeich­nen möch­te.

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Klint - Somebody Cut Out My Brain

Wie­der mal be­rau­schend wie Kleb­stoff, die neue 2-Track-Sin­gle von Schles­wigs füh­ren­dem Vi­king Syn­th Punk-Zau­be­rer Klint. Klar gibt es da wie­der reich­lich Schät­ze aus grif­fi­gem Lied­gut zu ber­gen so­fern man es le­bend bis auf den Grund die­ser von Rat­ten be­sie­del­ten Sta­chel­gru­be schafft. Letz­te­res ist kei­ne Über­trei­bung, denn ins­be­son­de­re im Ti­tel­track lässt sich hier Klint's ein­zig­ar­ti­ge Äs­the­tik zu ganz neu­en Ab­grün­den aus kan­ti­gem Elek­tro­punk-Lärm her­ab und lässt sich aber kei­ner­zeit da­von ab­hal­ten, dem Pro­zess die vol­le La­dung von un­ter­schwel­lig per­vers an­mu­ten­dem Spaß ab­zu­ge­win­nen.

Molbo - Rettferdighetens Ridder /​/​ Kerozine - Living In A Nightmare

Zwei be­acht­li­che Ver­öf­fent­li­chun­gen mit mehr oder we­ni­ger star­kem Dun­ge­on Punk-Be­zug sind hier die­se Wo­che ge­lan­det. Erst­mal wä­re da die De­büt­kas­set­te von den Nor­we­gern Mol­bo, die ober­fläch­lich be­trach­tet vor al­lem die in letz­ter Zeit ja wie­der sehr schick­li­chen Ein­flüs­se aus '80er Goth, De­ath Rock und Post Punk vor sich her tra­gen. Gleich­zei­tig set­zen sie dem aber auch ei­ne un­wahr­schein­lich wir­ken­de, lau­ni­ge Egg­punk-Äs­the­tik ent­ge­gen und be­zie­hen reich­lich schrä­gen Spaß aus ei­nem Gen­re, das sich sonst ger­ne mal et­was zu ernst nimmt - was zu­ge­ge­be­ner­ma­ßen auch manch­mal sei­ne ganz ei­ge­ne un­frei­wil­li­ge Ko­mik mit sich bringt.

Das Duo Ke­ro­zi­ne aus Ips­wich, Eng­land hin­ge­gen nä­hert sich ei­ner ge­wis­sen Dun­ge­on-Äs­the­tik mehr aus dem Win­kel von glei­cher­ma­ßen ge­rad­li­ni­gem und be­zau­bernd noi­se-las­ti­gem Syn­th- und Elek­tro­punk, so ein­gän­gig wie auch trei­bend und schlag­kräf­tig. Die bes­ten halb­wegs ak­tu­el­len Ver­glei­che, die mir auf die Schnel­le so ein­fal­len wä­ren wie­der­um Bands wie et­wa Spy­ro­ids, O-D-EX, Drý­sild­jöfull, Chan­nel 83, C57BL/​6, Ex­po­se und Beef.

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Chaos OK - Demo /​/​ Valtatyhjiö - Kuristusleikki

Die Hard-/Post­co­re-In­sti­tu­ti­on Sor­ry Sta­te Re­cords aus Ral­eigh, North Ca­ro­li­na hat zwei neue Le­cker­bis­sen für uns auf La­ger. Zu­erst wä­re da mal die De­mo­kas­set­te von Cha­os OK aus At­lan­ta zu nen­nen. Der Na­me sug­ge­riert ja schon mal old­school bri­ti­schen Lärm und in der Tat hat das zu Be­ginn so ei­nen leicht UK82-mä­ßi­gen Vi­be, wel­cher dar­auf­hin aber recht schnell in ei­ne et­was ak­tu­el­ler wir­ken­de Form über­geht, nicht un­ähn­lich zu leicht Ga­ra­ge-in­fi­zier­ten Hard­core-Acts á la frü­he Elec­tric Chair oder Ka­lei­do­scope. Die letz­ten zwei Songs kom­men hin­ge­gen rü­ber wie ei­ne Mi­schung aus zeit­lo­sem Noi­se, Post Punk und Post­co­re, ir­gend­wo zwi­schen den Wel­ten et­wa von Crass, Flip­per und Dri­ve Li­ke Je­hu. Auf­re­gen­der Scheiß!

Ei­ne ähn­lich old­schoo­li­ge, wenn­gleich auch bei wei­tem pri­mi­ti­ve­re Na­tur­ge­walt ist die neu­es­te 7" der Fin­nen Val­ta­ty­h­jiö, die hier vor al­lem mit­tels schie­rer Kraft­ein­wir­kung über­zeu­gen und di­ver­se Ei­gen­schaf­ten von über­wie­gend eu­ro­päi­schem '80er Hard­core mit - und da­mit schließt sich der Kreis be­züg­lich bri­ti­scher Ein­flüs­se - klar NWOBHM-in­spi­rier­ten (Speed-)Metal-Versatzstücken an­rei­chern.

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Marbled Eye - Read The Air

Was ich zu­letzt über Ura­ni­um Club und ih­re Wir­kung auf die Ga­ra­ge­punk-Sze­ne ge­sagt ha­be, lie­ße sich so än­lich auch auf die­se Band aus Oak­land und ihr spe­zi­fi­sches (Sub-)Genre an­wen­den. Hier ist al­so ei­ne neue LP ei­ner wei­te­ren Band, die zwar unter'm Strich bis­lang gar nicht sooo viel Mu­sik ver­öf­fent­licht hat, aber den­noch spür­ba­re Wel­len durch die Art- und Post Punk-Sze­ne der letz­ten Jah­re ge­hen ließ. Ihr letz­ter und bis da­to ein­zi­ger Lang­spie­ler liegt jetzt schon über fünf Jah­re zu­rück und die ver­stri­che­ne Zeit wird sehr deut­lich spür­bar auf dem Nach­fol­ger, bricht sich Bahn in ei­nem stark ge­reif­ten Sound der sie er­neut als ei­ne Band prä­sen­tiert, die sich selbst­be­wusst ge­gen Gren­zen des ei­ge­nen Gen­res stemmt. Ein Sound, den sie hier ge­konnt wei­ter­ent­wi­ckeln und vor­an­trei­ben, oh­ne da­bei je­doch die Tu­gen­den zu ver­nach­läs­si­gen, die sie von An­fang an zu ei­ner be­son­de­ren Band ge­macht ha­ben. Was auf der 2022er di­gi­ta­len Sin­gle Dir­ty Wa­ter be­reits sei­ne Schat­ten vor­aus warf, ent­fal­tet sich hier zur vol­len Blü­te - die Songs und Ar­ran­ge­ments, wenn­gleich im­mer noch stark ver­win­kel­te und kom­ple­xe Kon­struk­tio­nen, ha­ben viel an Ele­ganz und me­lo­di­scher Schön­heit ge­won­nen, im­mer ge­er­det in fi­li­gra­ner Song­wri­ting-Kunst. Songs wie die ab­so­lut bril­li­an­te Vor­ab­sin­gle See It Too chan­neln da­bei ei­ni­ge der me­lo­di­sche­ren und ein­gän­gigs­ten Aspek­te von '70er Wire aber voll­zie­hen da­bei das Kunst­stück, die Schlau­mei­er­äs­the­tik mit ei­nem sat­ten Maß mensch­li­cher Wär­me und auf­rich­ti­ger Emo­ti­on aus­zu­ba­lan­cie­ren.

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Cartoon - Nyuck Nyuck Boing!

Das ist ja mal ein bril­li­an­ter Scheiß, auf den ich so nicht vor­be­rei­tet war. Ent­spricht mal so­was von gar nicht dem Zeit­geist und hat klar sei­nen ganz ei­ge­nen Wil­len. Jau, das Zeug fühlt sich ir­gend­wie alt an. Ich bin auch ir­gend­wie alt, des­halb mag ich das. Man stel­le sich vor, Sac­cha­ri­ne Trust, Mi­nu­temen, Swell Maps und The Pop Group trä­fen sich für ein ok­kul­tes Ri­tu­al, um ei­nen ver­ges­se­nen Acid Rock-Dä­mon aus den 60ern zu be­schwö­ren, das Re­sul­tat ei­ner un­hei­li­gen Ver­mäh­lung von Psych- und Math-Rock. Klar steckt des­sen Na­se ein paar Mil­li­me­ter weit im ei­ge­nen Arsch­loch, aber das ge­hört ja auch zum gu­ten Ton in die­sen Gen­res. Ver­mut­lich habt ihr an die­sem Punkt schon ent­schie­den, ob ihr den Krem­pel liebt oder hasst. Ich per­sön­lich fin­de das, was die Grup­pe aus Phil­adel­phia hier hal­lu­zi­niert aus­ge­spro­chen knor­ke! Das ge­hört ein­fach… le­ga­li­siert, so­was!

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Nervous Tick and the Zipper Lips - The Monochromatic Mind Of… /​ More Monochromatic

Nach ei­ner noch et­was wech­sel­haf­ten Kas­set­te vor vier Jah­ren und an­schlie­ßend ei­ner Rei­he von Kol­la­bo­ra­ti­ons-EPs mit Leu­ten wie Eyes And Flies, Sci­ence Man und Ri­cky Hell, kommt nun das neu­es­te Al­bum so­wie ei­ne be­glei­ten­de Ex­ten­ded Play-Kas­set­te von Ner­vous Tick and the Zip­per Lips aus Buf­fa­lo, New York hier an­ge­spült. Ih­re bis­lang run­des­te Ver­öf­fent­li­chung ist das ge­wor­den und die Mi­schung aus Post-, Ga­ra­ge- und Syn­th-Punk plus ei­nem leich­ten An­flug von In­dus­tri­al kommt so in et­wa rü­ber wie ein ge­sun­der Kon­sens aus, sa­gen wir mal, Dro­ids Blood, Beef und The Spits. Weit da­von ent­fernt, das Rad neu zu er­fin­den, aber im­mer or­dent­lich ern­er­gisch, ein­gän­gig und ef­fek­tiv.

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Arse - Kaputt.

Es hat für die Band aus Syd­ney so et­wa ein hal­bes Jahr­zehnt da­für ge­braucht aber tat­säch­lich gibt's hier nun ih­re drit­te EP zu be­glup­schen, in ih­rem vol­len Glanz und end­lo­sen Spek­ta­kel. Ih­re ur­ei­ge­ne Fu­si­on aus Noi­se Rock, Hard- und Post­co­re hält die ner­vö­se En­er­gie der Vor­gän­ger auf­recht aber schraubt gleich­wohl ge­nug an den Pa­ra­me­tern rum um span­nend zu blei­ben, zum Bei­spiel in Shame Bomb, wor­in sich ein von ih­nen bis­lang un­ge­hör­ter Sinn für Me­lan­cho­lie breit macht. An­de­rer­seits kommt man jetzt in Songs wie Le­vel Skip­per und Prick in the Fran­ger wie­der ziem­lich nah an das Tem­po und den Zer­stö­rungs­le­vel des De­büts her­an nach der et­was zu­rück­hal­ten­de­ren Safe Word-EP, wäh­rend Tracks wie Night Shift Blues er­neut all den Dreck und Schmod­der des old­schoo­li­gen Am­phet­ami­ne Rep­ti­le-mä­ßi­gen Ge­rif­fes mit zwei Fäus­ten voll un­nach­gie­bi­ger Hard­core-En­er­gie ver­ei­nen.

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Pork Belly - I'm Okay, You're Okay, Everything is Okay

Die zwei­te EP der Band aus San Fran­cis­co kommt zu uns aus der Schmie­de der kran­ken Schreib­tisch­tä­ter von Dis­con­ti­nuous In­no­va­ti­on Inc. und mar­kiert ei­ne be­ein­dru­cken­de Stei­ge­rung in Sa­chen En­er­gie, Struk­tur, Ele­ganz und sti­lis­ti­scher Viel­falt nach ei­ner be­reits aus­ge­spro­chen ap­pe­tit­li­chen De­büt-Cas­sin­gle in 2020. Im Jahr 2024 ruft ih­re chao­tisch-struk­tu­rier­te Mi­schung aus Post­co­re, Post- und Art Punk mit ei­ner mi­ni-Do­sis Ga­ra­ge mehr als je zu­vor die schmei­chel­haf­tes­ten Ver­glei­che her­vor zu Kra­wall­ma­chern im Fahr­was­ser et­wa von Ro­lex, Pat­ti, Rea­li­ty Group, Big Bop­per, Warm Bo­dies, Ura­ni­um Club und Bran­dy.