Die letztjährige Epoxy River and Super Pool LP dieser mutmaßlichen Ein-Mann-Band aus Evesham, New Jersey war bereits ein massiver Qualitätssprung und erneut markiert auch dieser neue Langspieler eine stetige Verfeinerung, auf welchem Window Phase sich wieder etwas von den spät-2000er Fuzz Punk- und Noise Pop-Versatzstücken entfernen, die noch die letzte LP dominierten, und sich stattdessen umso mehr in eine oldschoolige von '80er und '90er College- und Indie Rock informierte Ästhetik reinlehnen mit Sounds die von klassischen Dinosaur Jr. und Sebadoh, Bitch Magnet und frühen Seam reichen hin zu '90er Standardinventar á la Superchunk und Polvo, mit einer ganz subtilen Note von 2nd wave Emo obendrein und nicht zuletzt auch einem zunehmenden Einfluss von Hardcore-basierten '80er Proto-Noise Rockern der Sorte Flipper, Big Black, Drunks With Guns und No Trend, insbesondere im Endspurt dieser Platte. Diesen Songs wohnt eine unberechenbare Qualität inne und eine aus allen Nähten platzende explosive Energie, eine unverblümte Freude daran, eine so euphorische wie auch kantige, überlebensgroße wie anachronistische Sorte von Lärm in den Äther zu pumpen, der heutzutage wundervoll aus der Zeit gefallen wirkt und auf ganz entzückende Weise noch weiter aus der Balance geworfen wird von den markerschütternden Schreien eines Typen der sich hier nicht mit halben Sachen zufrieden gibt, so viel ist klar.
Heilige Scheiße ist das was diese Band aus Wakefield, England auf ihrer Debüt-EP abziehen mal genau meine Baustelle! Geerdet in zeitlosem Post Punk und einem durchdringenden Kreissägen-Gitarrensound mit mehr als nur einer kleinen Big Black-Kante, beinhaltet das Zeug aber auch eine unmittelbare Garage Punk-Catchyness, eine Noise Rock-mäßige Klanggewalt und einen unnachgiebigen Hardcore-Vorschub, aber auch immer ausbalanciert mit unerwarteten melodischen Blitzen und Fragmenten. So was von meine Tasse Tee ist das und erinnert mich zumindest oberflächlich an ein paar andere UK Post Punk Bands, die entweder ein bisschen älter sind als die ziemlich gentrifizierte britische Schule der Gegenwart oder dieser zumindest entschlossen entgegenwirken… die besten Vergleiche die mir spontan einfallen wären dabei so Acts wie Cool Jerks und Coded Marking aus Leeds, aber das ist eigentlich auch nur ein winziger Teil des auf dieser Platte gebündelten Klangspektrums.
In einem kulturellen Umfeld von sich rapide wandelnden musikalischen Trends und Hypes und einem sich unnachgiebig drehenden Promo-Hamsterrad in den Sozialen Medien, dessen Zielgruppe nicht Menschen sind sondern ein Algorithmus… da hat es immer etwas heilendes eine Band wie diese zu Verfolgen, die sich komplett unbeeindruckt zeigt von der modernen Aufmerksamkeitsökonomie, die selbst schon ein gutes Jahrzehnt älter ist als dieses Blog und nach zweieinhalb Dakaden immer noch ihre ganz eigene abgefuckte Muse verfolgt. Erwartungsgemäß teilt sich auch die neueste LP viele der Quirks und Qualitäten die wir an dieser Band zu schätzen gelernt haben und ihrem Art Punk, der jederzeit gleichermaßen krude und catchy rüberkommt, bei alldem aber auch immer reichlich Abwechslung besorgt und so einige schlaue Ideen unter der primitiven Oberfläche verbirgt. Mögliche Einflüsse könnten sich dabei von uralten Krawallerzeugern wie Half Japanese, The Membranes, Feedtime, The Fall erstrecken, über diverse mit altem No Wave verbundene Artefakte oder auch ein paar krautige Spielereien, bis zu jüngeren, essenziellen Garage-Klassikern der Sorte The UV Race oder Eddy Current Suppression Ring. Aber ehrlich gesagt wäre es inzwischen einfach unangebracht, Subtle Turnhips nicht als die ganz ureigene und kompromisslose kreative Gewalt zu betrachten, als die sie sich wiederholt unter Beweis gestellt haben und auch diese Platte ist nicht weniger als ein weiterer sofortiger Klassiker für Freunde des etwas schrulligeren Garagenlärms.
Hier ist mal wieder so ein eigenwilliges Artefakt aus gleichermaßen unhandlichem wie auch seltsam eingängigem Noise Rock- und Postcore-Delirium für Liebhaber des rohen und sperrigen Krachs. Agita kommen aus Philadelphia und haben jetzt ihre bereits dritte EP als Kassette auf dem lokalen Label Strange Mono veröffentlicht, auf welcher sie fünfzehn meist weniger als eine Minute kurze Attacken aus krudem Chaos' von der Leine lassen, was mich genau so an frühe Proto-Noise Rocker á la Flipper, No Trend oder ganz frühe Rudimentary Peni erinnert wie auch an jüngere Seltsamkeiten der Sorte Soupcans und Soft Shoulder. Zwölf ausgesprochen reizende Minuten von Gerümpel chaotischem Lärm, der gleichsam aber auch von einem stabilen, rigiden Grundgerüst beisammen gehalten wird, vorwärts getrieben von einer rohen, hyperfokussierten Darbietung.
Erneut kommt ein ziemlich umwerfendes Tape zu uns von den verlässlichen New Yorker Lieferanten für Exzentrizitäten mit unterschiedlich starkem Punk-Bezug, Fuzzy Warbles Cassettes. Der Opener No Kill Means versprüht unmittelbar so einen Art Punk-Vibe á la Television-meets-Ruts oder, aus etwas jüngerer Zeit, Peace de Résistance und spätere Institute. Soft Change nimmt dann einen ungleich abstrakteren Kurs auf von minimalistischem Post Punk, relativ kühl und rigide und gleichzeitig auch ziemlich funky. Cave One ist ein relativ geradliniger aber keinesfalls dummer Krümel von Garage Punk und gleiches lässt sich auch über All Skill Levels sagen mit seinen gleichermaßen Proto- und Post Punk-igen Vibes und einer zusätzlichen Schicht von dissonantem Noise. Great Pastures verdichtet einige verwandte Eigenschaften zu einem unerwartet eingängigen und kompakten kleinen Paket von tangential Sonic Youth-mäßigem Lärm. Anticev überrascht dann hingegen mit einem offensichtlichen Surf Rock-Feel. Und so unvorhersehbar geht es weiter... das ist eine sehr gemischte Grabbeltüte von einer Platte, die hinter jeder Kurve eine neue Überraschung aus dem Hut zaubert und dabei wundersamerweise kein einziges mal daneben schießt, sondern seltsam kohärent und methodisch wirkt in seiner sich konstant im Flux befindlichen herangehensweise.
Unsere liebste Eggpunk-Anomalie aus der Ukraine Завірюга hat hier mal klar ihren Sound ein gutes Stück aufgewühlt, dabei die Gitarren komplett über Bord geworfen und den Bass in den Mittelpunkt gerückt auf ihrer neuesten EP, komplementiert von minimalistischen Synths und Samples, was ihren Sound diesmal zunehmend in eine ungewohnt Noise Rock- und Industrial-affine Richtung verschiebt. Das Ergebnis ist nicht weniger als ihre frischeste und stärkste Platte seit einiger Zeit. Haltet die im Auge, man weiß nie auf welche Ideen die als nächstes noch kommen.
Arschtretender neuer Scheiß von einem Duo aus Melbourne... oder einem Trio? Keine Ahnung, die Infos auf Bandcamp sind diesbezüglich etwas ambivalent. Außerdem war Billiam an diesen Aufnahmen beteiligt, was bisher ja auch schon immer ein gutes Omen war. Wie dem auch sei, die zwei Songs sind mal so richtig meine Baustelle mit diesem Noise-versifften und ordentlich angefackelten Fuzz- und Garage Punk-Sound, der ein bisschen so klingt wie eine Kombination von The Gobs mit einer Spur von Bands der '80er Noise Rock- und Proto Grunge-Ära wie X (AUS), Scratch Acid, Fungus Brains, U-Men oder Feedtime.
Diese Band aus Baltimore hat Mitglieder von Nag und Quitter an Bord, was ja schon mal ordentlich die Erwartungshaltung hochschraubt, aber es scheint eher so als zögen sie auf ihrer ersten EP alle Register, um besagte Erwartungen zu subvertieren. Die Platte hat fraglos eine etwas zersplitterte Persönlichkeit - jeder Song hier könnte genauso gut von einer jeweils anderen Band kommen und ich sag mal der Scheiß knallt rein! Carte Blanche ist vier Minuten Math-angehauchter Noise Rock wie man ihn etwa von so Bands wie John (timestwo), Luggage, den frühen Werken von Tunic oder Help erwarten würde. Vertices ist dann vielleicht ein kleines bisschen näher an dem tristen, monotonen Post Punk-Sound, den ich zuerst von ihnen vermutet hätte, aber da ist außerdem noch so ein staubiger Americana-Vibe mit dabei wie man ihn zuletzt etwa auf dem jüngst erschienenen The III tape gehört hat. Cranberry ist ein dissonant lärmender Brocken Hardcore, gefolgt von drei Minuten des experimentellen Drone/Noise in The Gate. Zu guter Letzt mündet dann in Kept Bread ein Doom-/Drone-mäßiges Intro in einen Song, der hier vielleicht noch die größte Ähnlichkeit zu den erwähnten Nag aufweist, zumindest wenn man jene auf zwei Drittel der Geschwindigkeit verlangsamt. Eine rätselhafte Veröffentlichung ist das hier und ich bin durchaus gespannt wo das Ganze die Band noch hin führen wird.
Seltsames Geschöpf, die Debüt-EP dieser Band, deren Mitglieder über Australien und die Vereinigten Staaten verstreut leben (oder etwas spezifischer: Sydney, Portland und Melbourne). Alles darauf fühlt sich ein kleines bisschen falsch an... auf die beste Art! Gleich vom Start Weg fällt da ein unübersehbarer Mission Of Burma- und Moving Targets-Vibe ins Auge und Echos weiterer '80er-Eigentümlichkeiten wie Really Red, Angst und Saccharine Trust. Desweiteren hat das auch eine leichte Unterströmung von Sonic Youth-mäßigen Gitarrenharmonien und '90er Postcore-Elemente á la Unwound, Drive Like Jehu oder spätere Gray Matter greifen dabei ineinander mit deren melodischeren Gegenstücken wie Chavez und Polvo - zwei Bands, deren Werk auch besonders stark durch die noch stärkere zweite Hälfte dieser Platte wederhallt, wenn ihr ganzer Sound sich deutlich in Richtung von stark Seam- und Superchunk-infiziertem, melodischem Indie Rock verschiebt mit vielleicht noch ein paar leichten Spuren von No Age und Swervedriver? Auf jeden Fall ist das irre ansprechender Stoff.
Hier ist mal wieder so eine vage Hardcore-verwandte Seltsamkeit von einer Band aus Athens, Georgia, deren Musik einen Bogen spannt zwischen stockfinsterem mitt-'80er Hardcore und Sludge-verseuchtem '90er AmRep-style Noise Rock sowie den diversen Proto-Phasen, die dem letzteren Genre vorausgingen. Insbesondere sehe ich mich stark an die '80er LoFi-Noiserocker Drunks With Guns erinnert aber auch die obligatorischen Flipper- und No Trend-Referenzen passen hier wie Arsch auf Eimer, wohingegen sich in den flotteren Hardcoreparts ein gelegentlicher oldschool Death Rock-Vibe einschleicht. Das ist mal sowas von meine Baustelle!