Traumatologia – C​.​C.

Traumatologia - C​.​C.

Die aktu­elle digi­tale Sin­gle vom New Yor­ker Solo­künst­ler Zol­tán Sindhu aka Trau­ma­to­lo­gia (der wie’s scheint auch bei den Indie­ro­ckern Pom Pom Squad für den Bass zustän­dig ist) kommt nach zwei auf den ers­ten Blick deut­lich nebu­lö­se­ren, von dich­ten Nebel­wän­den, sinis­te­ren Stim­men und ver­dräng­ten Erin­ne­run­gen durch­zo­ge­nen EPs gera­dezu vor wie eine Pop­sin­gle. Greif­ba­rer als bis­her gewohnt, ver­lie­ren die zwei neuen Songs aber kei­nes­wegs ihren Blick auf die dunk­len Orte der Psy­che, die nach wie vor zwi­schen den Schich­ten aus Noise und Melo­dien ihr Unwe­sen trei­ben.

Die ers­ten bei­den EPs waren wie ein schwar­zer Abgrund, in den man erst mal ver­sin­ken, sich an die Dun­kel­heit gewöh­nen musste um die Schön­heit darin zu erken­nen. Hier nähert sich Sindhu schein­bar von der ande­ren Seite her. Die Musik wirkt im ers­ten Moment ein­la­dend und far­ben­froh, offen­bart erst nach und nach die Risse, den Ver­fall, die Wun­den die sich dahin­ter ver­ber­gen. Alle drei bis­he­ri­gen EPs tra­gen diese Gegen­sätz­lich­keit in sich, ohne jemals stump­fen Elends­tou­ris­mus zu betrei­ben. Es ist die mal offen­sicht­li­che, mal im Dun­keln ver­bor­gene Wärme und Mensch­lich­keit, die mich an die­ser Musik so fas­zi­niert und sie aus der gro­ßen Masse her­vor­hebt.

Trau­ma­to­lo­gia gehört der­zeit zu den inter­es­san­tes­ten Pro­jek­ten im Dunst­kreis von Noise, Ambi­ent und elek­tro­ni­schen Klän­gen. Ich bin sehr gespannt, wohin die Reise noch gehen wird.

Video Duct – Small Pets And Kitchenettes

Video Duct - Small Pets And Kitchenettes

Hier ist mal wie­der ein kru­der Bro­cken Lärm für fort­ge­schrit­tene Hörer. Oder für Hörer mit fort­ge­schrit­te­nem Dach­scha­den. Aus Colum­bia, Mis­souri kommt diese Band und erzeugt auf ihrem aktu­el­len Tape ein ange­piss­tes LoFi-Spek­ta­kel aus Noise, Garage und expe­ri­men­tel­lem Chaos, zwi­schen alten Bands á la Flip­per, Swell Maps und aktu­el­le­ren Ver­tre­tern wie Soup­cans oder City Yelps.



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Procrastinator – I Fuck Unicorns

Procrastinator - I Fuck Unicorns

Stil­vol­les Art­work! Die Musik dahin­ter könnte kaum pas­sen­der sein in ihrer Mischung aus klang­ge­wor­de­nen Fla­tu­len­zen, wei­ßem Rau­schen und der ver­ein­zel­ten brau­nen Note. Die ver­ant­wort­li­chen wol­len schein­bar anonym blei­ben, denn ich kann beim bes­ten Wil­len keine Infos über Her­kunft und Betei­ligte aus­fin­dig machen. Sollte man ver­bie­ten, so was! Und Leute denen Bands wie Soup­cans oder Gum­ming zu lasch sind soll­ten sich unbe­dingt mal in die­ser ein­la­den­den Pfütze wäl­zen.



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Chemical Wire – Chemical Wire

Chemical Wire - Chemical Wire

Eine exzel­lente Debüt-EP haben Che­mi­cal Wire aus Somer­ville, Mas­sa­chu­setts da abge­lie­fert. Ein Sound den man vage als Dino­saur Jr meets Wipers plus ein Hauch von Live Skull umschrei­ben könnte erzeugt dar­auf einen ganz schö­nen Fahrt­wind. Oder um einen etwas aktu­el­le­ren und ver­mut­lich auch tref­fen­de­ren Ver­gleich zu bemü­hen: Cali­for­nia X mit etwas mehr Punk-Feuer unter’m Arsch, ver­fei­nert mit einer leich­ten Note von Stoner- und Sludge Punk.



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Contributors – Contributors

Contributors - Contributors

Hin­ter dem Alias Con­tri­bu­tors ver­birgt sich die Kol­la­bo­ra­tion von einer alt­ein­ge­ses­se­nen Sze­ne­größe und einer weit­aus jün­ge­ren Under­ground-Haus­num­mer; beide haben einen uner­müd­li­chen Out­put, den Hang zum Expe­ri­ment und eine voll­kom­mene Gleich­gül­tig­keit gegen­über den Lau­nen und Trends der gegen­wär­ti­gen Musik­szene gemein­sam. Und doch könn­ten sie unter­schied­li­cher kaum sein. Dabei ist es erstaun­lich, wie gut sie sich auf die­ser Platte ergän­zen.

Also Katze aus dem Sack: Es han­delt sich um die Gara­gen­in­sti­tu­tion Dan Mel­chior, der aktu­ell mit sei­ner Band Das Menace unter­wegs ist und um die Texa­ni­sche Expe­ri­men­tal-, Noise- und Post­punk-For­ma­tion Spray Paint, die an Beob­ach­tern die­ses Blogs und gen­rell an Freun­den des etwas absei­ti­ge­ren Lärms sicher nicht vor­bei gegan­gen ist. Die sechs aus­ufern­den Songs auf Con­tri­bu­tors wei­sen einen aus­ge­präg­ten Jam-Cha­rak­ter auf und in der Tat ent­stand diese Musik spon­tan im Laufe einer ein­wö­chi­gen Auf­nah­me­ses­sion.

Auf Son­ge­bene klingt das immer erstaun­lich homo­gen, aber man kann auch ziem­lich gut aus­ma­chen, wes­sen Song­ideen wann das musi­ka­li­sche Fun­da­ment bil­den. Das Album ist offen­sicht­lich zwei­ge­teilt. In der ers­ten Hälfte domi­niert der Klang­tep­pich aus mini­ma­lis­ti­schen, repe­ti­ti­ven Groo­ves, Dro­nes und Quasi-Loops, so wie die sich auch auf den ver­gan­ge­nen Spray Paint-Plat­ten wie­der­fin­den. In Ver­bin­dung mit Dan Mel­chi­ors mar­kan­ter Fuzz-Gitarre und sei­nem unauf­ge­reg­tem Gesang bekommt das Ganze aber auch einen sehr krau­ti­gen, Neu!sigen Vibe ver­passt.

In der zwei­ten Hälfte dre­hen sich die Ver­hält­nisse dann spür­bar um. Hier domi­nie­ren Mel­chi­ors Gitar­ren­spiel und aus­ge­spro­chen blue­sige Song­fun­da­mente, die eigent­lich nur aus sei­ner Feder stam­men kön­nen. Jetzt ist es an Spray Paint, die Lücken aus­zu­fül­len. Und auch das muss man als durch­weg gelun­gen bezeich­nen. Sel­ten erlebt man es, dass zwei der­art gegen­sätz­li­che Acts sich selbst abso­lut treu blei­ben und den­noch eine so tadel­los funk­tio­nie­rende Sym­biose ein­ge­hen.



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Észlelés – Demo

Észlelés - Demo

Mit sehr schön häss­li­chem Lärm kommt das Demo von Észlelés aus Buda­pest daher, den man irgendwo zwi­schen Fuzz- und Garage Punk, Noise, Hard­core und außer­dem in der Nähe ande­rer Kra­wall­ka­pel­len á la Fried Egg, Ivy, Anxiety oder frü­hen S.H.I.T. ein­ord­nen kann.


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Tarantüla – Weird Tales of Radiation and Hate

Tarantüla - Weird Tales of Radiation and Hate

Eine wei­tere aus­ge­zeich­nete EP von der Band aus Chi­cago. Die auf dem Vor­gän­ger noch deut­lich wahr­nehm­ba­ren, der Vor­gän­ger­band Cülo geschul­de­ten Hard­core-Wur­zeln tre­ten dar­auf wei­ter in den Hin­ter­grund, dafür ent­fal­tet sich der neue Sound aus Garage- und Post­punk, mitt-80er Post­core (Naked Ray­gun las­sen grü­ßen…) und ein wenig Noise in vol­ler Pracht. Ihr kom­pak­tes­tes und zugäng­lichs­tes Stück Lärm bis­her.


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Nots – Anxious Trend /​ In Glass 7″

Nots - Anxious Trend / In Glass 7"

Mal wie­der ein neuer Sie­ben­zöl­ler von dem Kra­wall-Quar­tett aus Mem­phis, dies­mal aus dem guten Hause Famous Class Records. Da brauch ich ja wohl nicht mehr viele Worte ver­lie­ren. Die Band und ihr ganz eige­ner Klang­kos­mos aus Noise und Post Punk, der auch mit jedem Release etwas wüten­der und unge­müt­li­cher zu wer­den scheint, sollte für Ken­ner inzwi­schen ja eine ver­traute und ver­läss­li­che Kon­stante dar­stel­len. Und auch hier sind mal wie­der zwei starke, mini­ma­lis­tisch-repe­ti­tive Angriffe auf Ner­ven und Trom­mel­fell am Start, die man ver­mut­lich nur lie­ben oder has­sen kann. Ich fahr nach wie vor ziem­lich drauf ab!

Trauma Harness – Walt’s Crawlers

Trauma Harness - Walt's Crawlers

Album Num­mer drei der ganz offen­sicht­lich von Hor­ror und B-Movies beein­fluss­ten Post­pun­ker aus St. Louis führt die zwie­ge­spal­tene Marsch­rich­tung der ver­gan­ge­nen paar EPs fort, wech­selt sich wie selbst­ver­ständ­lich zwi­schen quir­li­gem Syn­th­pop mit einem gele­gent­li­chen John Car­pen­ter-Vibe und vor­züg­lich knar­zen­den Punk­num­mern ab, die häu­fig wie eine Ver­quir­lung aus frü­hen Mis­fits und Naked Ray­gun klin­gen, ver­edelt mit einem Kreis­sä­gen-/Gi­tar­ren­sound, den man eher bei Hüs­ker Dü oder Big Black ein­ord­nen würde. In bei­den Betriebs­modi fällt hier das deut­lich geschärfte und teil­weise fan­tas­ti­sche (Organ Donor ist sowas von per­fekt!), min­des­tens aber immer solide Song­ma­te­rial auf. Etwas ambi­va­lent stehe nur ich dem grenz­wer­ti­gen Kalauer am Ende ent­ge­gen…



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Lumpy & The Dumpers – Those Pickled Fuckers

Lumpy & The Dumpers - Those Pickled Fuckers

Äh… Wei­ter­ent­wick­lung? In einem Atem­zug mit die­ser Band? Jeden­falls haben Lumpy & The Dum­pers aus Saint Louis mal wie­der ein neues Häuf­chen Dung fal­len las­sen. Nach wie vor ist das im Umfeld von Noise, Punk und Garage zu ver­or­ten, aber was sie auf ihrer neu­es­ten EP fabri­zie­ren könnte man teil­weise schon als semi-kom­pe­tent bezeich­nen. Neu dazu kommt außer­dem ein zag­haf­ter Ein­satz elek­tro­ni­scher Lär­mer­zeu­gung und in Someone’s in the House hat sich über­ra­schend ein No-Wavi­ges Saxo­fon ver­irrt. Aber zu kei­nem Zeit­punkt droht das ganze auch nur annä­hernd nor­mal zu klin­gen. L&TD bewah­ren ihren rohen, abge­fuck­ten Charme.



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