TVO – All Aboard Choo Choo Fuck You

TVO aus Philadelphia stachen bereits auf ihren vorherigen EPs meilenweit heraus aus der Menge mit einer Machart des Post- und Garage Punk, der viel seiner im derzeitigen Umfeld eher ungewöhnlichen Inspiration von diversen Bands der Proto-Grunge / Proto-Noise Rock-ära zu schöpfen scheint wie etwa U-Men, Scientists, frühe Mudhoney, Feedtime, Fungus Brains, Scratch Acid und X (den Australiern), um nur ein paar der üblichen Verdächtigen zu erwähnen. Ihr erster Langspieler hat weiterhin all diese Qualitäten an Bord aber steuert das Schiff graduell auch in eine etwas unerwartete Richtung in Form einer ordentlichen Kelle von leicht schmierigem, bluesigem Rock’n’Roll und was soll ich sagen, ausnahmslos liefern sie hier die Songs und saumäßig tighten Performances ab, die den Scheiß böse im Gehörgang verkanten und in der Tat sind diese Tunes ein massiver Qualitätssprung, der eine eiserne Kontrolle über ihre jederzeit ins Schwarze treffenden Songwriting-Skills unter Beweis stellt.

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Jolana Star – May Day Promo Cassingle

Das 2024er Lo-Fi-Demo der New Yorker war ja schon die pure Glückseligkeit und hier bekommen wir nun zum ersten mal Aufnahmen in höherer Fidelität von der Band zu hören, welche sie in einem gerindfügig anderen Licht präsentieren mit weniger von einem Garage-Vibe und stattdessen stärker nach dem melodischeren Ende des SST Records-Spektrum und verwandtem Krempel klingend, irgendwo zwischen der mittleren Hüsker Dü-Phase, frühen Dinosaur Jr., Man Sized Action und auch einem Hauch von Angst. In jener Hinsicht – und ganz besonders im unbestreitbaren Überhit Combat Zone (Left For Dead) – erinnern mich die zwei Songs auch ganz schön an die unglaubliche erste Milk Music EP.

Brandon Monkey Fingers – Brandon Monkey Fingers

Brandon Monkey Fingers aus St. John’s, Kanada fühlen sich heutzutage irgendwie fehl am Platz an und ihr wisst ja, dass mich derartiger Scheiß magisch anzieht. Ihr Deütalbum bewegt sich in einem Klangspektrum irgendwo zwischen oldschooligem Fuzz Punk, ’80er und ’90er (Proto-) Grunge und Indie Rock, gewürzt mit subtilen Anklängen an den leicht sludgigen AmRep-Style Noise Rock. Vom alten Inventar könnte man z.B. U-Men und frühe Mudhoney zu den spirituellen Vorläufern zählen oder das rohere Ende des Sebadoh-Spektrums. In jüngerer Zeit wiederum würde ich etwa Dog Date und Hellco als mögliche Referenzen anführen, außerdem frühe Pale Angels oder vielleicht auch eine weniger euphorische, melodieverliebte Variante von California X. Darth Vader’s Boner hat einen Vibe nicht ganz unähnlich zu den Garage-/Noise Rock-Hybriden von The Cowboy und Flat Worms. H.M.P. klingt ein wenig als würden jüngere Noise Rocker wie Metz, John (timestwo), Greys oder Vangas mit psychedelischen Folk-Einflüssen á la Angst verquirlt. Norbit hingegen steuert mit so einiger Dinosaur Jr.- und Cloud Nothings-mäßiger Energie unter der Haube auf einen melodisches Finale á la ’90er Weezer zu.

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Dog Date – Zinger

Diese New Yorker Band ist irgendwie ein seltsames, dem Zeitgeist trotzendes Biest, das seiner Neigung zum Punk, Grunge und Indie Rock der späten ’80er bis frühen ’90er ungezügelten Lauf lässt. Auch wenn der erste Song hier ganz unsubtil Nirvana betitelt ist, würde ich sie eher mit frühen Mudhoney und der lärmigen, frühen Inkarnation der Pixies vergleichen, mit weiteren Anleihen von, sagen wir mal, U-Men, Scratch Acid und Drive Like Jehu. Im Grunde also genau die Art von Band, die vor so ca. 15 Jahren, auf dem vorübergehenden Gipfel der ersten 90er-Nostalgiewelle, diverse Pitchfork-Schreiberlinge feucht im Schritt werden ließ. Heute hingegen ist diese Platte eine obskure, schrullige Kuriosität und das macht sie für mich umso liebenswerter.

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Day Residue – Day Residue

Mehr geiler Scheiß via Painters Tapes von einer Band aus Detroit, die hier mit einem ausgeprägten Proto-Grunge-Vibe aufwartet, welcher unter anderem bei frühen Mudhoney, U-Men, Feedtime, X (den Australiern) oder 80er Scientists nicht fehl am Platz wirken würde. Außerdem hat’s ein paar Spuren von amerikanischen Proto-Noise Rock / Hardcore-Acts á la Flipper, Broken Talent und nicht zuletzt auch von aktuelleren Bands grob im Orbit etwa von Vexx und TVO.

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Humanities & Low Sun – Human Sun

Eine tolles Split-Tape zweier Bands aus Toronto, die hier zwei recht unterschiedliche Auffassungen von olschooligem Indie-/Alternative Rock präsentieren. Humanities fielen mir schon mal vor einer Weile mit einer vielversprechenden ersten EP auf und ihr langsam aber kräftig daherkommender Sound bedient sich unter anderem bei Einflüssen aus Noise Rock, Sludge und dem Postcore der Jahrtausendwende.
Low Sun hingegen liefern mit ihren zwei Songs ihr Debüt ab und ziehen mich ebenfalls sofort auf ihre Seite mit psychedelisch-folkigen Harmonien und einem Vibe, dem eine ausgeprägte Seattle-Geruchsnote anhaftet.


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Ballad Of Geraldine – Ballad Of Geraldine

ballad of geraldine

Sehr unerwartete Klänge aus Sachsen-Anhalt. Ballad Of Geraldine kommen aus Halle an der Saale und ihre Debüt-EP kommt mit selbstbewusstem, garagig-grungigem Grrrlpunk daher. Das kann mal an frühe Hole erinnern oder aktuell auch Dilly Dally. Starkes Debüt auf jeden Fall, macht gespannt auf mehr.

Strange Wilds – Standing 7″

strange wilds

Eine neue Sub Pop Single, die auch ganz gut in den Output des Labels vor so zwanzig Jahren gepasst hätte. Daneben erinnert die Band aus Olympia aber auch an diverse Amphetamine Reptile-Geschichten und der Opener hat ’n bisschen den Vibe von Fudge Tunnel abbekommen.

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Chicago Typewriter – Chicago Typewriter

chicago typewriter

Eine schöne Bandeinreichung kam hier zuletzt an von diesem Quartett aus Köln und Umgebung. Ganz ehrlich, unsere Region kommt mir meistens ziemlich tot und abgefrühstückt vor was interessante Krachbands angeht und ich freue mich dann jedes mal um so mehr, wenn ich auf gute Sachen gestoßen werde, die nicht gerade aus Berlin oder Hamburg (oder neuerdings auch: Stuttgart) kommen. Hier haben wir’s mit eingängigem Noise-/Alternative Rock zu tun, der scheinbar irgendwann in den späten Neunzigern die Zeitmaschine betreten und die falsche Abfahrt genommen hat. Mit deutlichen Grungeeinflüssen und einem Hauch alter BluNoise-Schule. Nice.


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Sneeze – Wilt

sneeze
Punktrio aus Massachusetts, spielen Fuzz-lastigen Punkrock mit einer ausgeprägt grungigen Kante und leichten Spuren von Mittneunziger-Emogedöns. Wieder mal ein sehr überzeugender 90s-Flashback. Das trägt die Gene alter Haudegen wie etwa Rival Schools, Superchunk oder Dinosaur Jr in sich, passt aktuell aber auch halbwegs in eine Reihe mit Bands wie California X, Kicking Spit, Solids oder Pale Angels.


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