Rearranged Face - Far Green Arcade

Nach ei­ner Hand­voll schon au­ßer­ge­wöhn­lich Lau­ne ma­chen­der EPs bleibt die Band aus Los An­ge­les auch auf ih­rem ers­ten Lang­spie­ler ein an­ge­nehm schrä­ges Rät­sel, des­sen häu­fig mi­ni­ma­lis­ti­sche aber im­mer fi­li­gran kon­stru­ier­te Cha­os­at­ta­cken end­los neue Mit­tel und We­ge fin­den, die eta­blier­ten Gen­re-Tro­pes und Kon­ven­tio­nen zu um­ge­hen. Dar­in er­in­nern die mich an ei­nen gan­zen Arsch voll doch sehr un­ter­schied­li­cher Bands in ver­schie­de­nen Mo­men­ten. Was ich aber klar sa­gen kann ist, dass das hier ei­nen ähn­li­chen krea­ti­ven Geist ver­sprüht zu so Ver­tre­tern der hy­per­ak­ti­ven Ab­len­kung wie et­wa Rea­li­ty Group, Pat­ti, Skull Cult, R.M.F.C., Big Bop­per, frü­he Ura­ni­um Club, Print Head, Subt­le Turn­hips, Shark Toys, Pres­su­re Pin und Me­al.

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Shop Regulars - Shop Regulars

Ich fand es ein biss­chen schwie­rig, mich für die letz­ten paar von den zu­neh­mend bruch­stück­haf­ten, un­ge­zü­gelt jam­mi­gen EPs die­ser Band aus Port­land rund um Ho­ney Bu­cket-Front­mann Matt Ra­do­se­vich zu er­wär­men. Mit ih­rer ers­ten rich­ti­gen LP-Ver­öf­fent­li­chung mei­nen sie es aber ganz of­fen­sicht­lich ernst und kom­men mit ih­rem fo­kus­sier­tes­ten Bro­cken Mu­sik seit ei­ner gan­zen Wei­le da­her. We­ni­ger ist mehr scheint hier die De­vi­se zu lau­ten und bricht sich Bahn in fünf aus­ufern­den, glei­cher­ma­ßen mo­no­to­nen und ver­spiel­ten (na­he­zu-) Ein-Ak­kord-Wun­dern, in de­nen an Stel­le von Me­lo­dien die Tex­tu­ren und Rhyth­men als tra­gen­de Ele­men­te her­hal­ten müs­sen. In der Tat ist das ge­nau die Art von Mi­ni­ma­lis­mus, die frü­he The Fall im di­rek­ten Ver­gleich wie Pro­gres­si­ve Rock wir­ken las­sen. Pa­ra­do­xer­wei­se für ei­ne Plat­te, die sich so we­nig um her­kömm­li­che Vor­stel­lun­gen dar­über schert was ei­nen "Song" aus­macht, hat das gan­ze ei­nen durch­weg un­er­war­tet po­si­ti­ven Vi­be in den ver­mut­lich be­schwing­tes­ten drei­ßig Mi­nu­ten abs­trakt-ex­pe­ri­men­tel­ler Art Punk-Klang­kunst, die wir die­sen Som­mer zu hö­ren be­kom­men.

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Luxury Apartments - Luxury Apartments

Das ist ja mal 'ne be­ein­dru­cken­de De­büt-LP von die­ser Lon­do­ner Band, die of­fen­bar schon ei­ni­ge Jah­re ak­tiv ist aber sich reich­lich Zeit da­mit ge­las­sen hat, ihr Schaf­fen auf ei­nem Lang­spie­ler zu prä­sen­tie­ren. Vom ers­ten Mo­ment an hat das so ei­nen Vi­be von Sac­cha­ri­ne Trust mit ei­ner Pri­se Flip­per da­zu. Out­su­de Loo­king In ent­fal­tet sich et­wa so als wür­de ein ver­lo­re­ner Wire-Song mit Vol­ca­no Suns und Mis­si­on Of Bur­ma kol­li­die­ren, so­wie mit jün­ge­ren Krea­tio­nen von In­sti­tu­te, Peace de Ré­sis­tance. Ani­mals Eat For Free emu­liert zu Be­ginn vor­wie­gend The Fall der '80er Jah­re, nimmt dann aber ei­ne un­er­war­tet me­lo­di­sche Wen­dung im Cho­rus. Und so ähn­lich geht es wei­ter in die­ser so ek­lek­ti­zis­ti­schen wie auch ge­schmack­vol­len Schatz­kam­mer aus Ideen und Ein­flüs­sen, zu de­nen ich des­wei­te­ren so Bands X (AUS), Mem­bra­nes, Crava­ts, Fun­gus Brains, die frü­hen, noch nicht so stark Dub-ge­tränk­ten Swell Maps und noch vie­le wei­te­re Grö­ßen des DIY Post Punks zäh­len wür­de. Eben­so lie­ßen sich hier ak­tu­el­le­re Bands nen­nen wie Shark Toys, The Cow­boy, So­cie­ty, frü­he­re Slee­pies, die Weir­do-Fran­zo­sen Subt­le Turn­hips oder an­de­re Lon­do­ner Bands wie das Ga­ra­ge-Boll­werk der 2010er Jah­re, Sau­na Youth oder viel­leicht auch Ten­se Men, de­ren nach­träg­lich in 2018 ver­öf­fent­lich­ter Schwa­nen­ge­sang kla­re Ähn­lich­kei­ten auf­weist. Da ist ein­fach kein Platz für Lan­ge­wei­le zwi­schen den end­lo­sen Blitz­schlä­gen aus frei­dre­hen­der In­spi­ra­ti­on und Krea­ti­vi­tät.

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Plexi Stad - Siren Dance

Nach­dem ih­re durch­aus schon star­ke De­büt-EP die Band aus Ant­wer­pen noch stär­ker aus ei­nem ga­ra­gi­gen Win­kel prä­sen­tier­te, springt der Nach­fol­ger kopf­über in ei­ne Post Punk-Äs­the­tik, die sich klar ei­ni­ges bei Ja­mes Chan­ce und dem fun­ky En­de des al­ten No Wa­ve-Spek­trums ab­ge­schnit­ten hat. Glei­cher­ma­ßen lässt sich aber auch ei­ne kla­re Ver­wandt­schaft zur ak­tu­el­len Ber­li­ner Sze­ne fest­stel­len, ins­be­son­de­re zu so Bands wie Pi­ge­on und Li­iek. Ich den­ke es ist dann auch über­haupt kein Zu­fall, dass der Krem­pel als 7" beim Ber­li­ner Spe­zia­lis­ten Man­gel Re­cords er­schie­nen ist.

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DBR - DBR

Das Ber­li­ner Post Punk-So­lo­pro­jekt DBR ist jetzt schon ei­ne gan­ze Wei­le un­ter­wegs und hat bis­lang ei­ne Lang­spiel­kas­set­te und ein gan­zes Bün­del an EPs ver­öf­fent­licht, zu­erst un­ter dem Na­men Dee Bee Rich, auf spä­te­ren Re­leases dann zu DBR ab­ge­kürzt. Die neu­es­te, auf Tur­bo Dis­cos er­schie­ne­ne Kas­set­te ist da­bei mal ganz lo­cker Dee Bees an­spre­chends­tes und viel­fäl­tigs­tes Werk seit ei­ner gan­zen Wei­le, auf dem er die mi­ni­ma­lis­tisch-klein­lau­te Äs­the­tik, in die sich sein Sound gra­du­ell hin­ein­ent­wi­ckelt hat, mit ei­nem aus­ge­präg­ten Sinn für Me­lo­die und Ele­ganz aus­stat­tet, da­bei aber wei­ter­hin durch­weg ver­spielt bis ver­spult rü­ber­kommt.

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Dead Finks - Eve Of Ascension

Auf der ge­ra­de bei den Aus­tra­li­ern Ur­ge Re­cords er­schie­ne­nen drit­ten LP rückt das Ber­li­ner Duo be­stehend aus Er­in Vio­let und dem ehe­ma­li­gen Trust Punks-Front­mann Jo­seph Tho­mas ein Stück weit ab von den fol­ki­gen Ein­flüs­sen zu­guns­ten ei­nes et­was dunk­le­ren, schwer­mü­ti­ge­ren Sounds, be­hält da­bei aber die al­les über­span­nen­de Me­lan­cho­lie und die Song-ori­en­tier­ten Qua­li­tä­ten bei, die schon die zwei Vor­gän­ger weit über die meis­ten Gen­re­ver­tre­ter her­aus­ra­gen lie­ßen und nach wie vor aus­schieß­lich schmei­chel­haf­te Ver­glei­che mit so Bands wie Pu­blic In­te­rest, Marb­led Eye, Was­te Man, Tu­be Al­loys, Cor­ker, Glit­te­ring in­sects, Pu­blic Eye, Kitchen's Flo­or, VR Sex and Mo­thers Milk pro­vo­zie­ren.

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Continuals - Continuals

Ei­ne neue (Co-)Veröffentlichung auf Di­sch­ord und wie das ja dort üb­lich ist, ha­ben wir es er­neut mit ei­ner Band zu tun, de­ren Mit­glie­der schon ih­re Fin­ger in ei­nem gan­zen Arsch voll be­deut­sa­mer Bands über meh­re­re Jahr­zehn­te der lo­ka­len Punk­sze­ne drin hat­te. Zu den ge­läu­figs­ten da­von dürf­ten Ke­ro­se­ne 454, Chan­nels, Be­au­ty Pill, Soc­cer Team, Of­fice of Fu­ture Plans, Alarms And Con­trols ge­hö­ren und um das Na­me­drop­ping-Kreis­ge­wich­se zu voll­enden, ist das gan­ze auch noch von J. Rob­bins (Jaw­box) pro­du­ziert. Aber hier ist die Sa­che mit so vie­len jün­ge­rer Di­sch­ord-Ver­öf­fent­li­chun­gen: Die klin­gen sel­ten nach ei­nem mü­den Neu­auf­guss oder ei­ner ren­ta­blen Nost­al­gie-Ver­an­stal­tung. Das ist ei­ne un­gleub­li­che Qua­li­tät die­ser spe­zi­el­len Sze­ne: die Fä­hig­keit, ei­ner­seits die ei­ge­ne Tra­di­ti­on nicht zu ver­leug­nen und gleich­zei­tig im­mer noch so dring­lich und lei­den­schaft­lich zu klin­gen wie am ers­ten Tag. Be­reit, im krea­ti­ven Pro­zess die nö­ti­gen Ex­tramei­len zu ge­hen, macht man hier kei­ne hal­ben Sa­chen und "gut ge­nug" ist nie­mals gut ge­nug.

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Marbled Eye - Read The Air

Was ich zu­letzt über Ura­ni­um Club und ih­re Wir­kung auf die Ga­ra­ge­punk-Sze­ne ge­sagt ha­be, lie­ße sich so än­lich auch auf die­se Band aus Oak­land und ihr spe­zi­fi­sches (Sub-)Genre an­wen­den. Hier ist al­so ei­ne neue LP ei­ner wei­te­ren Band, die zwar unter'm Strich bis­lang gar nicht sooo viel Mu­sik ver­öf­fent­licht hat, aber den­noch spür­ba­re Wel­len durch die Art- und Post Punk-Sze­ne der letz­ten Jah­re ge­hen ließ. Ihr letz­ter und bis da­to ein­zi­ger Lang­spie­ler liegt jetzt schon über fünf Jah­re zu­rück und die ver­stri­che­ne Zeit wird sehr deut­lich spür­bar auf dem Nach­fol­ger, bricht sich Bahn in ei­nem stark ge­reif­ten Sound der sie er­neut als ei­ne Band prä­sen­tiert, die sich selbst­be­wusst ge­gen Gren­zen des ei­ge­nen Gen­res stemmt. Ein Sound, den sie hier ge­konnt wei­ter­ent­wi­ckeln und vor­an­trei­ben, oh­ne da­bei je­doch die Tu­gen­den zu ver­nach­läs­si­gen, die sie von An­fang an zu ei­ner be­son­de­ren Band ge­macht ha­ben. Was auf der 2022er di­gi­ta­len Sin­gle Dir­ty Wa­ter be­reits sei­ne Schat­ten vor­aus warf, ent­fal­tet sich hier zur vol­len Blü­te - die Songs und Ar­ran­ge­ments, wenn­gleich im­mer noch stark ver­win­kel­te und kom­ple­xe Kon­struk­tio­nen, ha­ben viel an Ele­ganz und me­lo­di­scher Schön­heit ge­won­nen, im­mer ge­er­det in fi­li­gra­ner Song­wri­ting-Kunst. Songs wie die ab­so­lut bril­li­an­te Vor­ab­sin­gle See It Too chan­neln da­bei ei­ni­ge der me­lo­di­sche­ren und ein­gän­gigs­ten Aspek­te von '70er Wire aber voll­zie­hen da­bei das Kunst­stück, die Schlau­mei­er­äs­the­tik mit ei­nem sat­ten Maß mensch­li­cher Wär­me und auf­rich­ti­ger Emo­ti­on aus­zu­ba­lan­cie­ren.

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Cartoon - Nyuck Nyuck Boing!

Das ist ja mal ein bril­li­an­ter Scheiß, auf den ich so nicht vor­be­rei­tet war. Ent­spricht mal so­was von gar nicht dem Zeit­geist und hat klar sei­nen ganz ei­ge­nen Wil­len. Jau, das Zeug fühlt sich ir­gend­wie alt an. Ich bin auch ir­gend­wie alt, des­halb mag ich das. Man stel­le sich vor, Sac­cha­ri­ne Trust, Mi­nu­temen, Swell Maps und The Pop Group trä­fen sich für ein ok­kul­tes Ri­tu­al, um ei­nen ver­ges­se­nen Acid Rock-Dä­mon aus den 60ern zu be­schwö­ren, das Re­sul­tat ei­ner un­hei­li­gen Ver­mäh­lung von Psych- und Math-Rock. Klar steckt des­sen Na­se ein paar Mil­li­me­ter weit im ei­ge­nen Arsch­loch, aber das ge­hört ja auch zum gu­ten Ton in die­sen Gen­res. Ver­mut­lich habt ihr an die­sem Punkt schon ent­schie­den, ob ihr den Krem­pel liebt oder hasst. Ich per­sön­lich fin­de das, was die Grup­pe aus Phil­adel­phia hier hal­lu­zi­niert aus­ge­spro­chen knor­ke! Das ge­hört ein­fach… le­ga­li­siert, so­was!

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The Minneapolis Uranium Club Band - Infants Under The Bulb

Hei­li­ge Schei­ße, ist es jetzt wirk­lich schon fünf Jah­re her seit der let­zen LP von ei­ner der prä­gends­ten Bands, die wie kaum ei­ne an­de­re ih­re un­über­seh­ba­ren Spu­ren in die ak­tu­el­le Ga­ra­ge Punk-Ära ein­ge­brannt hat? Mir schien es je­den­falls gar nicht so und das liegt mög­li­cher­wei­se ge­nau dar­an, dass der Ein­fluss ih­rer pa­ten­tier­ten Mi­schung aus in­tel­li­gen­tem, ver­spielt-ver­win­kel­tem und aus­ge­fuchs­tem Ga­ra­ge- und Art Punk so all­ge­gen­wär­tig ist - Bands wie Dumb, Vin­ta­ge Crop, Pinch Points, Ab­or­ted Tor­toi­se, Rea­li­ty Group, Yam­me­rer und Pat­ti sind da nur die Spit­ze des Eis­bergs von Bands, die sich zu­min­dest pha­sen­wei­se mehr oder we­ni­ger of­fen­sicht­lich von Ura­ni­um Club in­spi­rie­ren lie­ßen. Auf ih­rer bis­lang vier­ten LP er­wei­tern Ura­ni­um Club er­neut ihr Klang­spek­trum und war­ten mit deut­lich ge­reif­ten Song­wri­ting-Skills auf, die sich vor al­lem in den lang­sa­me­ren Num­mern per­fekt ent­la­den wie et­wa in der fol­kig-schram­me­li­gen fast-schon-Bal­la­de To­kyo Pa­ris L.A. Mi­lan, die un­ter an­de­rem Qua­li­tä­ten von so Bands wie Wire­heads, Ty­vek und The UV Race in sich ver­eint, oder in dem von ei­nem star­ken Te­le­vi­si­on-Vi­be durch­zo­ge­nen The As­cent. Ge­nau wie al­le vor­he­ri­gen Al­ben der Band ist das mit so­for­ti­ger Wir­kung als In­stant-Gen­re­klas­si­ker zu han­deln und wer das an­ders sieht kann mich mal!

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