Soft Shoulder – Particles (ETC)

Okay ich versuch mal hier nichts durcheinander zu bringen... Aaalso: Die neue Soft Shoulder LP ist ganz offenbar nicht primär eine Compilation von Material, das in den letzten Jahren bereits auf diversen Lathe Cut-EPs und -Singles veröffentlicht wurde, sondern vielmehr eine Sammlung von Songs aus einer gemeinsamen Aufnahmesession, die schon von Anfang an als ein Album konzipiert war und dessen letztendliche Veröffentlichung genauso im voraus geplant war auch die häppchenweise Erstveröffentlichung der Songs auf besagten Kurzspielern. Puh, das ist mal definitiv eine krude und eigentümliche Vorgehensweise die irgendwie doch passend erscheint für eine der krudesten, eigentümlichsten Bands unserer Zeit, die schon länger am Start ist als dieses Blog, jenes potenziell noch weit überdauern wird und seitdem noch nie darin versagt hat zu beeindrucken mit ihrer so chaotischen wie auch komplett unverkennbaren Vision von vage The Fall-inspiriertem, No Wave-informiertem Post Punk und Noise Rock. Und weißt du was? Ich glaube das hier ist nicht weniger als das bisherige deformierte Meisterstück des aktuell als Ein-Mann-Band agierenden Projekts, sogar nach dem massiven Doppelschlag der 2023er LPs Smile Building's Exit und It’s A Small World After. Diese Songs hauen sogar noch härter auf den Putz in ihrer gebündelten, neu sequenzieten Form - so viel kreative Brillianz konzentriert in ein superdichtes, 21 Songs und 45 Minuten langes Album, das bei aller klanglichen Sperrigkeit nicht eine langweilige Sekunde enthält und nicht zuletzt trägt hier auch viel neugewonnener Punch und Transparenz eines im Vergleich zu den EPs klar aufpolierten Audiomasterings dazu bei, dieses Ding sauber zu verschweißen zu etwas das am Ende mehr ergibt als nur die Summe seiner separaten Bestandteile.

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Guiding Light – Fear On My Own Time

Guiding Light aus Austin, Texas hatten bereits eine ziemlich aufregende, wenngleich noch etwas unaufgeräumte Debüt-EP via Stucco / Down South Tapes raus im vorletzten Jahr und jenes Label zeichnet jetzt auch wieder verantwortlich für den Kassetten-Release ihres ersten Langspielers (Vinyl gibt's auch, und zwar von Post Present Medium), auf welchem die Band in so ziemlich allen Aspekten ihres Sounds massives Wachstum beweist wie es bereits die folkig-schrammelige Melancholie des Openers Shackled By Lust unmittelbar klar macht und auch wenn der Song nicht so hundertprozentig repräsentativ für den Rest der Platte ist, klingt er doch als durchweg beeindruckender Eröffnungsschlag noch lange Zeit nach. Die gleiche Klasse zieht sich auch durch das restliche Material, in dem ihre Folk- und Cowpunk-verbundene Schrammelei irgendwo zwischen Angst und Volcano Suns auf '80er Post Punk zwischen den Stühlen von sagen wir mal Burma, Saccharine Trust, Man Sized Action und frühen Minutemen trifft, aber obendrein noch gewürzt mit einer Note von Flying Nun-mäßiger Post Punk-Psychedelia, catchy Jangle Pop-Gitarrenleads und -harmonien. Solltest du dich stattdessen aber an jüngere Folk-/Cowpunk/Post Punk-Hybride erinnert fühlen wie z.B. Leche, Cardi O., jüngere Rolex oder Optic Nerve, dann würde ich sagen trifft das auch genauso zu. Nicht verpassen den Scheiß, wenn dich irgendwas davon anfixt.

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Que Lindo – Que Lindo

Nach einem bereits durchaus aufrengenden Demotape in 2023 löst die Band aus Oslo endlich die Erwartungen ein und beeindruckt mit einer voll ausgewachsenen Vision drei Jahre später auf ihrem ersten Langspieler, der ihren eklektischen Sound auf epische Maße auswalzt und dabei so Dinge aufgreift wie die ängstliche, zerbröckelnde Energie der frühen Iceage, einen Hauch von schlammversifftem Poison Ruïn Dungeon Punk-Drama, gekoppelt mit einem gewaltigen Vortrieb der irgendwie an Hank Woods & The Hammerheads der Stay Home-ära erinnert aber auch viel von einer weiteren Band unter seiner Beteiligung enthält, nämlich Murderer und ihren existenziell-psychedelischen Cowpunk-Albträumen. Weiter erinnert mit der Scheiß etwa an die unberechenbare Wucht der noch recht frischen Forcer-LP, die epischen Frankenstein-Songkonstrukte von Tom Lyngcoln's 2020er Soloalbum sowie dessen Quasi-Nachfolgeband Metho, deren Line-Up dann ja wiederum den großen Jackson Reid Briggs an Bord hat und mich auf diesem Weg realisieren lässt, dass hier manchmal auch einiges von einer Split System-Energie mitspielt. Also ja, was die Band hier abzieht deckt eine bemerkenswerte Bandbreite ab und was auch imme die hier anfassen verwandelt sich in pures Gold, wobei gleichzeitig die garagenmäßigere Mid-Fi-Produktion der vorherigen EP Platz machen muss für einen stärker Hard- und Postcore-fokussierten Vibe mit leicht metallischen Obertönen, dem perfekten Vehikel für eine angemessen giftige, unnachgiebige Performance die mal sowas von den Nagel auf den Kopf trifft. Das Album ist eine bodenlos kreative Wundertüte die aus allen Nähten platzt vor kleinen Wundern und atemloser Ekstase.

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Ismatic Guru – Hell On Earth

Das New Yorker Duo Ismatic Guru gehört zu einer raren Brut von Post Punk-Acts, die nicht nur konstant mit jeder Veröffentlichung die Messlatte höher legt und das eigene Handwerk rapide verfeinert über ihre bislang sechs EPs - ungefähr eine pro Jahr seit 2021 - sondern dabei auch ihre ureigene, unverwechselbare Nische geschaffen hat und immer noch heraussticht, selbst in einem Genre-Umfeld, dass aktuell so belebt und kreativ ist wie vermutlich schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Wie gehabt hat das ihre patentierten verwinkelten, funky-bis-math-mäßigen Rhythmen und verpielten Grooves, reichlich an krautigen Eigentümlichkeiten, farbenfroh-kaleidoskopische Psychedelia und einen stark dubbigen Unterbau und erneut operiert das hier einen halben Tacken über allem, was die Band bisher gemacht hat. Die anfänglichen Quirks und Unwuchten schon im Laufe ihrer frühesten Platten ausgebügelt, klingt die Band jetzt einfach angemessen selbstbewusst und kann scheinbar einfach nichts mehr falsch machen. Wenn du auf Art Punk stehst, der gleichermaßen quirlig und classy, lebhaft und raffiniert ist, geht niemals ein Weg vorbei an einer neuen Ismatic Guru-Platte.

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Aidmoozic – Manila Folders

Gerade mal ein halbes Jahr nach der brillianten vorherigen Weston-le-Clay EP, legt der Nachfolger erneut die Messlatte ein gutes Stück höher für die Band aus Watford, England was sowohl die Vielfalt, Kompaktheit als auch Catchyness ihres beizeiten subtil Math-infizierten Post Punks angeht und insbesondere expandieren sie hier die relaxtere Midtempo-Sektion ihres stilistischen Reportoires. Wie zu erwarten funktioniert der Scheiß wieder mal vortrefflich, denn dieser Typ (oder Typen?) ist klar im Besitz des kreativen Brennstoffs und der rohen Musikalität, um so ein Ding abzuziehen. Wie gehabt werfen hier jüngere Einflüsse des smarten Post Punks á la Landowner ihre Schatten, aber ganauso melden sich auch so einschlägige Hausnummern der alten britischen DIY Art Punk-Schule wie, sagen wir mal, Mekons, Blurt und Television Personalities zu Wort und letztendlich klingen Aidmoozic hier bei all dem doch klarer nach sich selbst als je zuvor. Die Wurzeln dieser Brillianz ließen sich bereits auf ihren zwei 2024er EPs erkennen, aber im Jahr 2026 spielen Aidmoozic definitiv noch mal auf einem ganz anderen Level und ich würde echt sagen, dass sich sich in diesen kurzen paar Monaten mit so rasiermesserscharfer wie auch scheinbar müheloser Präzision an die Speerspitze des aktuellen Art Punk-Felds katapultiert haben.

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Headcheese – Dump Run

Headcheese aus Kaloomps, British Columbia machen jetzt schon länger ihren Krawall als meine Intuition es mir sagt, fühlt es sich doch immer noch an als wären ihr erstes Demo und die (mini-)Debüt-LP erst ungefähr vorgestern erschienen. In Wirklichkeit ist ihre letzte Platte Expired bereits auch schon fast drei Jahre her. Whatever, die Band hat definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen in meiner fehlerhaften Erinnerung mit einem Arsch voll Platten die sich nach einem endlosen Tauziehen anfülen zwischen den Impulsen, ihren Sound konstant zu verfeinern und erweitern, und gleich anschließend auch wieder zu einem gesunden Minimum zu reduzieren und verdummen, auf eine Art die ich unglaublich spannend und anprechend finde. Die neueste Platte mag jetzt durchaus als ihr bisheriges Magnum Opus durchgehen, auf dem die Band als eine gleichermaßen tightere und räudigere Abrisscrew agiert, die ihren bislang kohärentesten, ausgefeiltesten Stapel chemisch instabiler Ausbrüche mit purer Dreistigkeit zum Gehorsam nötigt. Ein perverser Spaß, den sich kein Freund entgehen lassen sollte von so einfallsreichem wie auch zotteligen Lärm zwischen den Welten von KBD-beeinflusstem Garage Punk, treibendem oldschool Westküsten-Hardcore und vielleicht sogar ein paar Partikeln von No Trend-, Broken Talent- oder Flipper-mäßiger Proto Noise Rock-Verwüstung.

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Society – Reign Of Flies

Philadelpia's Sims Hardin aka Society bedarf hier vermutlich keiner Vorstellung mehr nach den Wellen, die er mit der exquisit schrammelig-verrümpelten 2022er EP All Flies Go To Hell losgetreten hat und dessen Energie er dann 2024 auf dem Social Flies-Tape in eine etwas konkreteres, gereiftes und greifbares Gesamtbild transformiert hat. Reign Of Flies klingt jetzt in etwa wie ein direktes Sequel davon aber erneut mit klarem Wachstum und Verfeinerungen an den Details, die sich hier in einem ausgeprägteren Post Punk-Vibe ausdrücken und einem festeren Griff um seine simplen Hooks als je zuvor. Erneut ist das ein Pflichtprogramm für Freunde von ungeschliffenern und exzentrischen DIY Punk-Eigentümlichkeiten.

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Cuticles – More Joy

Wie gerade eben schon die Celebrators LP ist auch das Debütalbum von Cuticles aus Oamaru, Neuseeland eine saumäßig starke 21-Song LP, die eine vollkommen brilliante 15-Song LP sein könnte wenn man sie ein bisschen gestrafft hätte, aber wisst ihr... ich werde mich jetzt nicht über eine Fülle von so gutem Scheiß beschweren, insbesondere wenn er so verdammt meine Baustelle ist! Mit Mitgliedern an Bord unter anderem von den umtriebigen 2010er DIY Punk-Veteranen Moonrakers und Trendees, beinhaltet diese Band, die mich erstmals richtig aufhorchen ließ mit ihrer starken 2023er Pavlova EP, schon noch einiges von deren rumpeliger Avantgarde-DNA, aber kanalisiert das hier in ein ungleich eingängigeres und melodisches Ganzes, das viel von dem rohen, Half Japanese-mäßigen Chaos gegen eine vergleichsweise zugängliche Gesamtästhetik eintauscht mit starken Echos etwa von alten britischen DIY-Hausnummern im Swell Maps, Television Personalities, Mekons oder Desperate Bicycles-Dunstkreis, aber auch eine gute Dosis alter lokaler Flying Nun-Energie schwingt da mit sowie ein vereinzeltes Aufblitzen von Wire, insbesondere der stärker Pop-orientierten Seite ihres frühen Schaffens in so Songs wie Making Up Shit. Fragt ihr mich nach jüngeren Vergleichen, würde ich auch sagen dass Referenzen zu den New Yorkern Famous Logs In History, Society aus Philadelphia und dem frühem Werk von Adelaide's Exzentrikern Wireheads vermutlich nicht ganz fehl am Platz sind.

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Celebrators – Deliberation

Diese Band aus Los Angeles hat hier einen bewusst rümpeligen und chaotischen Schlamassel von einem Album generiert, der vermutlich einige inspiration von so alten Helden der Art Punk-Welt bezieht, die sich etwa von The Pop Group, Pylon, ein paar Spuren von James Chance, Pere Ubu und gar einer Messerspitze von Wire erstrecken, hin zu deren potenziell etwas untergrundigeren, synth-lastigeren Gegenstücken der Sorte Minimal Man, Visitors, Neverous Gender... und oberndrein steckt da natürlich noch etwas offensichtliche Devo-DNA mit drin. Oder, in jüngerer Zeit, mag man da Gemeinsamkeiten mit so Acts wie Landowner, Cartoon oder Ismatic Guru wiederfinden. Die folkig-schrammelige Energie in 0126iii ruft dann wiederum den alten Krempel von Angst, Volcano Suns oder My Dad Is Dead ins Gedächtnis. Was aber niemand abstreiten wird ist dass hier eine beeindruckende Vielfalt abgedeckt wird, angetrieben von einem ruhelosen kreativen Bewegungsdrang der sich im Laufe des Albums Bahn bricht und auch wenn hier nicht absolut jedes Experiment in gleichwertigen Erfolgen mündet, bin ich angesichts der vergleichsweise stolzen Laufzeit und großzügigen 21 Songs doch mehr als gewillt, diese Platte anhand ihrer Fülle von Treffern zu beurteilen und nicht nach den raren Fehlschüssen.

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Cel Ray – Cel Rayzer

Die Band aus Chicago hatte bereits einige Wellen geschlagen mit zwei vielversprechenden EPs in 2023. Ihr neues Langspieldebüt transportiert erneut viel von der gleichen chaotischen Energie in einem angemessen optimierten, griffigeren Klanggewand, das ehrlich gesagt irgendwie nicht mehr sooo originell klingt im Jahr 2026 nach einem Jahrzehntelangen, zwar nicht überwältigenden, aber doch konstanten Strom von artsy Post Punk und Weirdcore der von so 2010er Acts wie Vexxx, Warm Bodies oder Negative Scanner reicht bis zu jüngeren Beispielen á la Scud, Sniffany and the Nits, Judy and the Jerks oder Warp, und klar lassen sich auch die offensichtlichen Vergleiche zu Snooper nicht ganz vermeiden, auch wenn ich die hier nicht so sehr als das zentrale Element sehe für ihren nur schwerlich als Egg zu kategorisierenden, aber auch nicht komplett unverwandten Sound. Obendrein würde ich noch sagen dass alte Downtown Boys vermutlich ein Einflussfaktor für ihre Musik sind. Wie dem auch sei, ich glaube ich finde auch heute irgendwo noch einen Platz in meinem Herzen für eine weitere gute Platte in diesem Fahrwasser, auch wenn die Band für einen potenziellen Nachfolger vermutlich gut daran täte, ihr etwas penetrantes Chaos aus spontanen Ideen in ein weniger flüchtiges Gesamtbild zu kondensieren, weniger Scheiße auf einmal an die Wand zu werfen. Auch wenn ich zugeben muss dass aktuell noch erstaunlich viel davon kleben bleibt, bezweifle ich dass die Nummer ein zweites mal funktionieren wird.

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