Italia 90 - III

Italia 90 - III

Auch wenn in den letz­ten Jah­ren deut­lich mehr Rum­mel um andere bri­ti­sche Bands aus ihrem musi­ka­li­schem Spek­trum gemacht wurde, ver­kör­pert kaum eine Band so sehr die Seele und DIY-Atti­tüde der Szene und einen nach­drück­li­chen Appell an das ver­drängte, schlechte Gewis­sen einer Gesell­schaft wie die Lon­do­ner Art-/Post­punk-For­ma­tion Ita­lia 90. Es ist lang­sam echt mal an der Zeit, dass mehr Leute auf sie auf­merk­sam wer­den. Wie gehabt höre ich hier vor allem Echos alter bri­ti­scher Post Punk Haus­num­mern wie Cri­sis, Mem­bra­nes, Swell Maps und frühe Mekons raus. Gleich­zei­tig baut die Band ihr Klang­spek­trum aber wei­ter aus. Wenn Punk­bands einen auf lang­sam machen, endet das meis­tens in einem schreck­li­chen Unfall. Aber erstaun­li­cher Weise sind die zwei lang­sams­ten und lei­ses­ten Momente die ein­deu­ti­gen High­lights die­ser EP. In Open Vains kol­li­diert dabei die milde Dar­bie­tung mit einer mar­kerschüt­tern­den Anklage, was in die­ser Kom­bi­na­tion ein wenig an aktu­elle Pro­tomar­tyr erin­nern mag. Der Raus­schmei­ßer Against The Wall hat hin­ge­gen einen gewis­sen psy­che­de­li­schen Unter­ton mit Wire so anno Chairs Mis­sing gemein.

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Patti - Good Big

Patti - Good Big

Mit zwei EPs vol­ler glor­rei­chem Chaos haben Patti aus Oak­land schon län­ger für Auf­hor­chen gesorgt. Jetzt ist ihr Lang­spiel­de­büt via ETT zu bekom­men und immer noch droht ihre Musik kei­nes­falls nor­mal zu wer­den. Im Gegen­teil, sti­lis­tisch sind ihre Zuta­ten noch wil­der über die Stre­cke von 16 Songs ver­teilt als das bis­her eh schon der Fall war. Gleich­zei­tig kom­men ihre Arran­ge­ments aber noch mal auch ein gan­zes Stück aus­ge­reif­ter rüber, ange­feu­ert von einer ent­schlos­se­nen Groo­ve­kom­pa­nie, tigh­ter als es jene Hosen heute sind, dir mir vor gerau­mer Zeit mal um den Arsch gepasst haben. Ver­glei­che kann man unter ande­rem zie­hen zu den rotie­ren­den Mikro­groo­ves aus dem Hause Ura­nium Club. Dem ver­win­kelt-ver­spiel­ten Art­punk der Lithics. Tanz­ba­rem Post­punk der Slumb Party- oder N0V3L-Varie­tät. Immer wie­der scheint ein fun­ki­ger Minu­te­men-Vibe durch, ver­ein­zelt auch mal ein 90er Dischord-Ver­satz­stück zwi­schen sehr spä­ten Fugazi und dem kan­ti­gen Math Rock von Far­aquet. Oh, und ein­ge­klemmt zwi­schen all die­sem Gerüm­pel stre­cken auch Devo mal vor­sich­tig die Nase her­aus. Also wie gehabt, eine Schwei­ne­rei von höchs­tem Genuss­fak­tor.

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Hobocop - Hungry Freak In The Data Mine

Hobocop - Hungry Freak In The Data Mine

Die Band aus Oak­land hat mal schlappe fünf Jahre gebraucht nach ihrer Debüt-EP auf Slo­venly Record­ings, um einen Nach­fol­ger an den Start zu brin­gen. Der ist dafür aber abso­lut bril­li­ant gera­ten und des­ori­en­tiert erneut mit einem wun­der­voll schrä­gen Klang­bild in dem z.B. exzen­tri­scher Gara­gen­krem­pel á la Wire­heads und UV Race mit die­ser leicht sprö­den Sorte von Art Rock zusam­men­fließt, wie man ihn der­zeit vor­nehm­lich aus der DIY-Szene von Port­land und deren Bands wie Honey Bucket und Shop Regu­lars ver­nimmt. Dazu kom­men dann noch psy­che­de­li­sche Vibes - etwa so Pink Flag in einem Müll­con­tai­ner auf­ge­nom­men - und noch wei­tere bri­ti­sche Alt­las­ten auf der Schwelle von Art- und Post Punk drü­cken hier regel­mä­ßig auf die Klin­gel. Swell Maps fal­len mir da ein, außer­dem The Fall und Mem­bra­nes - jeweils in ihren frü­hen Jah­ren. Und lange hab ich keine Platte mehr gehört, die der­art effek­ti­ven und bewuss­ten Gebrauch von ihrer char­man­ten LoFi-Ästhe­tik macht.

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Italia 90 - II

Italia 90 - II

Nicht mehr wirk­lich neu, aber jetzt end­lich unkom­pli­ziert in digi­tal und vol­ler Länge zu bekom­men ist die aktu­elle EP der Lon­do­ner Post­punk-For­ma­tion. Dar­auf klin­gen sie etwas zugäng­li­cher und kon­tem­po­rä­rer als je zuvor, ohne dabei aber die kan­tige Atti­tüde über Bord zu wer­fen. Was da ein­ge­rahmt von den schon län­ger bekann­ten Über­songs Tou­rist Estate und New Fac­tory pas­siert ist jedes kleine Stück so eigen­wil­lig und aus­ge­zeich­net wie man es von die­ser Band inzwi­schen erwar­ten darf.

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Proto Idiot - Find Out For Themselves

Proto Idiot - Find Out For Themselves

Auch die neu­este Platte der lie­bens­wer­ten Spa­cken aus Man­ches­ter besticht wie­der mit einem spa­ßi­gen wie auch aus­ge­wo­ge­nen Mix aus Garage Punk, Art Punk und Punk Punk, dem noch stär­ker als zuvor auch ein betont bri­ti­scher 77er-Geruch ent­weicht. Sound­mä­ßig geht's dies­mal eher gerad­li­nig und etwas dre­cki­ger zu als auf dem Vor­gän­ger und die Lyrics hal­ten mal wie­der die Balance zwi­schen Fuchs­schlau und Stroh­dumm, was sich in der Summe zu so etwas mit­tel­schlauem aus­gleicht. Wie im ech­ten Leben.

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Fruit & Nut - Answers To Come

Fruit & Nut - Answers To Come

Fruit & Nut haben schon vor drei­ein­halb Jah­ren sehr über­rascht mit ihrem ers­ten Tape und einem schwie­rig ein­zu­ord­nen­den Sound. Auch der Nach­fol­ger davon ent­zieht sich allen Ein­ord­nungs­ver­su­chen mit sei­nen ambi­tio­nier­ten, ja fast schon pro­gres­si­ven Song­struk­tu­ren und einer offen­bar recht eklek­ti­zis­ti­schen Palette von Ein­flüs­sen. Die auf der Band­camp­seite genann­ten No Trend erschei­nen da schon plau­si­bel, erklä­ren aber auch nur einen Bruch­teil des­sen was ich hier zu hören bekomme.

Eat - Dance and Die /​ Shit

Eat - Dance and Die / Shit

Gleich zwei schön gestörte Tapes hat zuletzt diese Band aus Phil­adel­phia raus­ge­hauen, voll­ge­macht mit kru­dem Dreck, der sich gut mit so man­chen Pio­nie­ren des Art­punk, No Wave und Proto-Noi­se­rock asso­zi­ie­ren lässt. Irgendwo zwi­schen Feed­time-Mono­to­nie und Flip­per-Hirn­fick; außer­dem steht das z.B. MX-80, Ment­ally Ill, Mem­bra­nes und Half Japa­nese nicht allzu fern.

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Co-op - III

Co-op - III

Nach der ziem­lich gei­len EP vor andert­halb Jah­ren war es man höchste Zeit für neues Mate­rial der Band aus Van­cou­ver. Das wirkt im Gesamt­ein­druck etwas unfo­kus­sier­ter, was wohl vor allem an den drei Instru­men­tal­stü­cken und Inter­lu­des liegt, die den Fluss des Albums eher unter­bre­chen als ihm dien­lich zu sein. Lässt man eben jene aus, bleibt eber erneut eine aus­ge­zeich­nete EP übrig. Wie gehabt trifft in ihrem Art- und Post Punk ela­bo­rierte Song­ar­chi­tek­tur auf Wire-Mini­ma­lis­mus und psy­che­de­li­sche Zuta­ten, die mich an Paint Thin­ner erin­nern. Ande­rer­seits kann es auch mal ein wenig nach Bam­bara oder Pro­tomar­tyr in ihren etwas kan­ti­ge­ren Momen­ten klin­gen.

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Drahla - Useless Coordinates

Drahla - Useless Coordinates

Die Post-/Art­punk-Kapelle aus Leeds hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ja schon mit drei EPs für reich­lich Auf­se­hen gesorgt und sich dabei qua­li­ta­tiv mit jeder Ver­öf­fent­li­chung deut­lich gestei­gert - und dabei war schon die erste davon sau­gut. Die­ser Auf­wärts­trend wird auch mit ihrem Lang­spiel­de­büt fort­ge­führt, des­sen Song­struk­tu­ren und Arran­ge­ments so per­fekt aus­ba­lan­ciert, bis ins kleinste Detail aus­for­mu­liert und effek­tiv rüber kom­men wie kaum etwas, das ich in letz­ter Zeit zu Gehör bekam. Zum Ein­stieg gibt es wie­der die von den EPs bekann­ten Sonic Youth-Gitar­ren zu hören, man kann leichte Anflüge von Jaw­box oder aktu­el­le­ren Noi­sero­ckern wie Tunic ver­nah­men. Von all dem ent­fer­nen sie sich aber zuneh­mend im Laufe des Albums. Stel­len­weise erin­nert mich der Sound dann stark an die New Yor­ker Pill, aller­dings ver­schweißt mit dem kräf­ti­gen Motor von Drive Like Jehu. Starke Platte.

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Oranges - Hey Zeus

Oranges - Hey Zeus

Diese saustarke Aus­gra­bung hab ich mal wie­der dem guten RRRie­cher der Mann­heim-Con­nec­tion zu ver­dan­ken. Das schnell und dre­ckig auf­ge­nom­mene Debüt­al­bum der Oran­ges aus Dub­lin über­zeugt mit einem wun­der­bar unge­schlif­fe­nen, abs­trakt-mini­ma­lis­ti­schen Post­punk-Sound und einem fuz­zi­gen Gara­gen­fak­tor. Da kann man sich hin und wie­der an The Fall, frühe Swell Maps oder 80er Half Japa­nese erin­nert füh­len, noch mehr aber an gegen­wär­tige Ver­tre­ter wie Tyvek, Ita­lia 90, City Yelps oder ganz frühe Pro­tomar­tyr. Runde Sache.

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