The Bright Ideas – Bright Sharp Things

Die Aidmoozic EP war nicht lang genug? Gute Nachrichten, diese Band aus Auckland, Neuseeland hat gleich mal Nachschub an stark nach britischem DIY Punk schmeckendem Geschrammel, das einer zwar etwas einfacheren aber durchweg effektive Formel davon folgt und sich schwer tut, die zugrundeliegenden Desperate Bicycles-, Mekons- und Television Personalities-Huldigungen zu verschleiern mit gelegentlichen Farbspritzern von Buzzcocks obendrein oder vielleicht auch, um mal ein bis zwei Level tiefer zu graben, Performing Ferrets? Wie auch immer, was etwas zeitnähere Vertretern dieser Zunft angeht, erscheinen mir die Briten Suburban Homes aus dem letzten Jahrzehnt der zutreffendste Vergleich.

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Aidmoozic – Weston-le-Clay

Exzellent schrulliger Scheiß auf der dritten EP dieses Typen aus Watford, England, der irgendwo zwischen den Welten britischem DIY Punk, Post Punk, Hard- und Postcore zuhause ist. Die ersten paar Songs erinnern mich dabei insbesondere an eine Variante von Landowner-mäßigem Hardcore mit mehr oder weniger cleanen Gitarren, angereichert um einige markant Mission Of Burma-mäßige Gitarrenarbeit und einer Ahnung von Television Personalities und Mekons, die sich auch durch den weiteren Verlauf der Platte zieht. Aber auch ein bisschen frühe Minutemen steckt da irgendwie mit drin und ein Bündel jüngerer Bands wie Zhoop (oder die gefühlt hundert Aliasse des selben Typen), Post Punker wie Big Bopper, Lamictal, Patti und auch die gegenwärtige Brut von so Teilzeitpunks á la Silicone Values, Famous Logs In History und das frühe Schaffen der Neutrals.

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Ø – Stage 1

Das ist eine fabelhafte Debüt-EP dieser Berliner Band, die - nach einem Postpunkigen Intro, das mich gleichermaßen an The Estranged erinnert wie auch an alten Westküsten-Punk der Adolescents, Germs oder Agent Orange-Schule - weitgehend ihr Zuhause findet in einem stark im Schatten der Spits argierenden, vereinzelt auch leicht Ramoes-igem Garage Punk-Sound mit einem gewissen Space Punk-Zusatz nicht unähnlich zu so Bands wie Corpus Earthling, Silicon Heartbeat, Stalins of Sound, Zoids und Mateo Manic oder, in jüngster Zeit, Shrudd, Zulo und Electric Prawns 2, wobei aber auch die zuvor erwähnten Post Punk-Elemente einige male zurückkehren wie in Freiheit und Vittima. Durchweg felsenfest verschweißt durch grundsolide Songwriting-Qualitäten ergibt das ein makelloses Killeralbum, das den optimalen Bang for the Buck aus einer zeitbewährten Oldschool-Formel extrahiert.

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RRRSATZ – Here 4 The Endless Plague

Erneut kommt ein ziemlich umwerfendes Tape zu uns von den verlässlichen New Yorker Lieferanten für Exzentrizitäten mit unterschiedlich starkem Punk-Bezug, Fuzzy Warbles Cassettes. Der Opener No Kill Means versprüht unmittelbar so einen Art Punk-Vibe á la Television-meets-Ruts oder, aus etwas jüngerer Zeit, Peace de Résistance und spätere Institute. Soft Change nimmt dann einen ungleich abstrakteren Kurs auf von minimalistischem Post Punk, relativ kühl und rigide und gleichzeitig auch ziemlich funky. Cave One ist ein relativ geradliniger aber keinesfalls dummer Krümel von Garage Punk und gleiches lässt sich auch über All Skill Levels sagen mit seinen gleichermaßen Proto- und Post Punk-igen Vibes und einer zusätzlichen Schicht von dissonantem Noise. Great Pastures verdichtet einige verwandte Eigenschaften zu einem unerwartet eingängigen und kompakten kleinen Paket von tangential Sonic Youth-mäßigem Lärm. Anticev überrascht dann hingegen mit einem offensichtlichen Surf Rock-Feel. Und so unvorhersehbar geht es weiter... das ist eine sehr gemischte Grabbeltüte von einer Platte, die hinter jeder Kurve eine neue Überraschung aus dem Hut zaubert und dabei wundersamerweise kein einziges mal daneben schießt, sondern seltsam kohärent und methodisch wirkt in seiner sich konstant im Flux befindlichen herangehensweise.

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Hot Face – Automated Response

Diese Londoner haben ihre Debüt-LP an einem einzigen Tag in den Abbey Road Studios augfenommen. Spielt das jetzt eine große Rolle? Ich glaube nicht wirklich, aber wie auch immer, das Ding klingt ziemlich schick - unerwartet roh und ungeschliffen. Gleich vom Start weg begrüßt uns Defenestration mit einem melodischen, leicht folkigen Vibe irgendwo zwischen den Welten von Mission Of Burma, Sebadoh, Volcano Suns, Angst, Polvo oder Medications, gefolgt von einer geringfüfigg Wire-mäßigen Post Punk-Stilübung mit Echos von mitt-2000er Indie Rock in Sinnes - letzteres gehört für mich ehrlich gesagt aber zu den am wenigsten ansprechenden Dingen hier, zusammen mit dem etwas schäfrigen und unterentwickelten Cruel Tutelage. Liar nimmt dann zum Glück wieder Fahrt auf in einer Mischung aus oldschool Garage Punk und einem an Mudhoney erinnernden Fuzz Punk / Neo Grunge-Vibe, der teilweise auch weiter durch den geradlinigen Punksmasher Bumble Been resoniert, bevor Red Fuzz die insgesamt doch viel stärkere zweite Hälfte des Albums einläutet mit einem ausgesprochen eingängigen Pop-Tune. Pink Liquor ist dann ein kompakter, schnörkelloser Ausbruch Noise-lastiger Garage Punk-Exzellenz und Automated Response klingt wie eine weitere - und diesmal viel besser ausbalancierte - Wire-Huldigung direkt aus dem Pink Flag-Playbook. Cavern Killer mischt der Sache einen recht aktuell wirkenden Post Punk- und Noise Rock-Vibe bei bevor I Love You die Platte mir einer makellosen, stark '77 und KBD-beeinflussten Eigentümlichkeit der alten Schule ausklingen lässt.

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Top Secret Nicho – Lands

Hier ist ein neuer Nicho für euch der so top fucking secret ist, dass man ihn bei Bandcamp finden kann. Auf dem Nachfolger zur letztjährigen (digitalen) Single Dining Nothing / Sin Agenda Para La Muerte versorgt uns die Band aus Rosario, Argentinien mit mehr vom gleichen Qualitätslärm, eingeweicht in den trüben Gewässern von '80er Post-, Garage- und Art Punk mit einer zusätzlichen Ebene von fuzzy Psychedelia obendrein, was diese Platte zu einem ziemlich guten Gegenstück zu der letzten Zulo Mini-LP macht, die vor kurzem ebenfalls auf der lokalen Szene-Boutique Fake Sex Tape erschienen ist.

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Today’s Milk – Party Store / Good People

Nicht allzu lange nach ihrer schon sehr erfreulichen dritten EP legt die Band als Kalamazoo, Michigan schon nach mit einer noch stärkeren digitalen 2-Track Single, die sich erneut nach einem Flashback in das goldene Zeitalter von '80er-bis-Mitt-'90er Post Punk, College-, Indie- und Alternative Rock anfühlt mit so Bands wie Mission Of Burma, My Dad Is Dead, Sebadoh oder Volcano Suns, die neben vielen anderen ihre langen Schatten auf den Opener Party Store werfen, woraufhin Good People dann eher ein wenig so klingt als würden Flipper oder Broken Talent durch mehr von einem frühen Mudhoney- oder Mittneunziger Royal Trux-Vibe gefiltert.

DBR – Unbearable

Neuer Lärm von einem Typen, der nicht nur über die Jahre in einem ganzen ganzen Arsch voll hoch geschätzter Berliner Bands spielt oder gespielt hat wie etwa Benzin, Pigeon, Liiek, Molde und Deltoids, sondern auch schon seit langem seine ganz eigenen Leckerbissen unter dem Dee Bee Rich oder DBR-Alias zaubert. Etwa anderthalb Jahre nachdem sein letztes, selbstbetiteltes Tape schon einen massiven Sprung vorwärts markierte von einer als noch etwas skizzenhafter und verspielt zu bezeichnender DIY Lo-Fi-Ästhetik hin zu einer deutlich kohärenteren und ausformulierteren musikalischen Vision aus einem Guss, zeigt auch seine neueste LP erneut jede Menge Feintuning und eine erweiterte Palette von Einflüssen und Stilmitteln. Während der Opener Smirched noch durchaus als ein (exzellenter) Outtake der jüngsten Liiek LP durchgehen könnte, weiß Unacceptable durchaus schon zu überraschen wenn es die vertraute Post Punk-Formel mit '77-Style Gitarrenleads aufmischt. Pool zeigt dann erste Anzeichen einer melodischen Unterströmung wie man sie etwa von aktuellen Institute erwarten würde, gefolgt von Hold Me Tight, mit dem diese Platte endgültig ihr Pop-Gleichgewicht findet, zweifellos die beeindruckendste Demonstration bislang von einem gereiften Songwriting-Handwerk, das hier alles durchdringt und jede Sekunde dieses Killeralbums aufwertet.

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Youth Avoiders – Defiance

Verdammt, es ist jetzt also auch schon wieder fast acht Jahre her seit wir das letzte mal von Youth Avoiders anlässlich ihrer 2018er Relentless EP gehört haben. Ich erinnere mich seinerzeit, der Platte eher lauwarm begegnet zu sein aber das spiegelt rückblickend vermutlich weniger die Qualität des Albums wieder als vielmehr den nicht allzu sonnigen Punkt in meinem Leben, an dem ich mich da gerade befand. Wie dem auch sei, hier ist jedenfalls nach langer Zeit eine neue Youth Avoiders LP und Überraschung, die Pariser klingen darauf so frisch und kraftvoll wie eh und je in ihrem Sound zwischen melodischem Punkrock und Postcore, den man inzwischen wohl ohne Not als prägend für eine ganze Generation vorwiegend französischer Bands bezeichnen kann, die in ihren Fußstapfen folgten wie zum Beispiel Telecult, Nightwatchers, Stalled Minds, Litovsk, Bleakness, Laxisme oder Bronco Libre, in deren Händen dieser Sound dann wiederum zuerst mit stärkeren Garage- und Post Punk-Elementen und in jüngerer Zeit auch vermehrt Oi!-Einflüssen angereichert wurde. Aus genau diesem Grund mögen Youth Avoiders im Jahr 2026 vielleicht nicht mehr ganz so originell und einzigartig klingen wie damals, aber dafür kann man ihre Musik inzwischen fast schon als angenehm altmodisch bezeichnen und es unterstreicht eigentlich nur den massiven Einfluss, den sie mit ihrem eigentlich ureigenen Sound auf weite Teile der Szene hatten.

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Wristwatch – III

Wenn euch hier das Gefühl beschleicht, dass ihr diese Songs schon mal gehört habt, dann seit ihr nicht total plemplem sondern in der Tat war jeder dieser Songs auf Album Nummer 3 der Band aus Madison, Wisconsin bereits schon mal auf einer ihrer bisherigen zwei LPs vertreten. Also spielt sich das hier einersets ein bisschen ab wie eine etwas überstürzte Best of-Compilation aber andererseits wurde hier alles neu aufgenommen und aufpoliert, ein neuer Anstrich der insbesondere die Songs von der ersten LP mit neuem Glanz und reichlich Durchschlagkraft ausrüstet, nachdem jene doch auf der Produktionsebene noch ein bisschen was zu wünschen übrig ließ. Also im Grunde ist das mal wieder eine Art "erste Snooper LP"-Situation mit was ich mal als die definitiven Versionen dieser Tracks bezeichnen würde und die bislang überzeugendste Repräsentation ihrer doch recht eigenständigen Mischung aus supereingängigem Garage- und Post Punk mit psychedelischen Obertönen und obendrein einer Glasur aus ein bisschen Glam und Goth - eine Kombination die mich an der psychedelischen Seite der Medallie etwa an Powerplant, De()t oder Isotope Soap minus die Synths, an Mononegatives, Shrudd oder Electric Prawns 2 erinnert, in den leichtfüßigeren Momenten hingegen auch an so Zeug wie Erik Nervous, Andy Human & The Reptoids, SGATV, Freak Genes oder Chthr.

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