Ismatic Guru – Hell On Earth

Das New Yorker Duo Ismatic Guru gehört zu einer raren Brut von Post Punk-Acts, die nicht nur konstant mit jeder Veröffentlichung die Messlatte höher legt und das eigene Handwerk rapide verfeinert über ihre bislang sechs EPs - ungefähr eine pro Jahr seit 2021 - sondern dabei auch ihre ureigene, unverwechselbare Nische geschaffen hat und immer noch heraussticht, selbst in einem Genre-Umfeld, dass aktuell so belebt und kreativ ist wie vermutlich schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Wie gehabt hat das ihre patentierten verwinkelten, funky-bis-math-mäßigen Rhythmen und verpielten Grooves, reichlich an krautigen Eigentümlichkeiten, farbenfroh-kaleidoskopische Psychedelia und einen stark dubbigen Unterbau und erneut operiert das hier einen halben Tacken über allem, was die Band bisher gemacht hat. Die anfänglichen Quirks und Unwuchten schon im Laufe ihrer frühesten Platten ausgebügelt, klingt die Band jetzt einfach angemessen selbstbewusst und kann scheinbar einfach nichts mehr falsch machen. Wenn du auf Art Punk stehst, der gleichermaßen quirlig und classy, lebhaft und raffiniert ist, geht niemals ein Weg vorbei an einer neuen Ismatic Guru-Platte.

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Xanny Stars – Take Shape

Die sind schon länger unterwegs als ich das zuerst realisiert habe, die Band aus Cleveland, Ohio zu deren Mitgliedern unter anderem Mickey Mocnik von den großartigen Nervosas gehört und die später zum Beispiel auch mit The Missed und, erst neulich, Vital Stress tollen Lärm gemacht hat. Nu ja, die letztjährige Adaptor EP sah die Band definitiv ein bisschen wegrücken von ihrem früheren Sound, dominiert von Echos des spät-'80er, früh-'90er Punk und Indie Rock mit diesem speziellen Fastbacks-Zusatz, hin zu einer etwas voller ausgeformten und irgendwie recht aktuell wirkenden, gleichzeitig aber auch sehr zeitlosen Machart des fuzzig-garagigen Noise Pop mit leichten Spuren von Psychedelia und Post Punk obendrauf. Auch auf der neuen EP channelt die Band ihre Energien in ein sogar noch etwas eingängigeres, kompakteres Bündel neuer Tunes die erneut ganz besonders an so Bands der 2010er Jahre wie Feature, UV-TV, Slowcoaches oder Monster Treasure erinnern.

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Aidmoozic – Manila Folders

Gerade mal ein halbes Jahr nach der brillianten vorherigen Weston-le-Clay EP, legt der Nachfolger erneut die Messlatte ein gutes Stück höher für die Band aus Watford, England was sowohl die Vielfalt, Kompaktheit als auch Catchyness ihres beizeiten subtil Math-infizierten Post Punks angeht und insbesondere expandieren sie hier die relaxtere Midtempo-Sektion ihres stilistischen Reportoires. Wie zu erwarten funktioniert der Scheiß wieder mal vortrefflich, denn dieser Typ (oder Typen?) ist klar im Besitz des kreativen Brennstoffs und der rohen Musikalität, um so ein Ding abzuziehen. Wie gehabt werfen hier jüngere Einflüsse des smarten Post Punks á la Landowner ihre Schatten, aber ganauso melden sich auch so einschlägige Hausnummern der alten britischen DIY Art Punk-Schule wie, sagen wir mal, Mekons, Blurt und Television Personalities zu Wort und letztendlich klingen Aidmoozic hier bei all dem doch klarer nach sich selbst als je zuvor. Die Wurzeln dieser Brillianz ließen sich bereits auf ihren zwei 2024er EPs erkennen, aber im Jahr 2026 spielen Aidmoozic definitiv noch mal auf einem ganz anderen Level und ich würde echt sagen, dass sich sich in diesen kurzen paar Monaten mit so rasiermesserscharfer wie auch scheinbar müheloser Präzision an die Speerspitze des aktuellen Art Punk-Felds katapultiert haben.

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Search Results – Secret Bench in the Bardo / Abacus Rubicon

Der bisherige Output dieser Band aus Dublin war eine, wie soll ich sagen... etwas inkonsistente, unaufgeräumte Angelegenheit, aber andererseits auch ganz sicher niemals langweilig. Die neue digitale 2-Track Single markiert jetzt wohl den erfolgreichsten Versuch der Band, ihre kreative Vision zu entrümpeln und ich bin nicht weniger als beeindruckt von der Klasse der oldschooligen Indie Rock-Vibes die sich darauf entfalten und deren folkiges Geschrammel mich stark an die goldene Ära von Volcano Suns denken lässt oder deren immer noch aktive, spirituelle quasi-Nachfolgerband The Martha's Vineyard Ferries. Die A-Seite Secret Bench In The Bardo ist so ein durchschlagendes Beispiel davon, dass der zweite Song Abacus Rubicon hier zwangsläufig die zweite Geige spielen muss, aber das heißt keineswegs dass jener für sich selbst genommen nicht auch als ein saumäßig ansprechendes mitt-'90er Postcore Retro-Vehikel entzückt.

Society – Reign Of Flies

Philadelpia's Sims Hardin aka Society bedarf hier vermutlich keiner Vorstellung mehr nach den Wellen, die er mit der exquisit schrammelig-verrümpelten 2022er EP All Flies Go To Hell losgetreten hat und dessen Energie er dann 2024 auf dem Social Flies-Tape in eine etwas konkreteres, gereiftes und greifbares Gesamtbild transformiert hat. Reign Of Flies klingt jetzt in etwa wie ein direktes Sequel davon aber erneut mit klarem Wachstum und Verfeinerungen an den Details, die sich hier in einem ausgeprägteren Post Punk-Vibe ausdrücken und einem festeren Griff um seine simplen Hooks als je zuvor. Erneut ist das ein Pflichtprogramm für Freunde von ungeschliffenern und exzentrischen DIY Punk-Eigentümlichkeiten.

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Leche – Domestic Economic Terrorism

Die zeitgenössischen Cowcore-Veteranen aus Austin, Texas sind zurück, gerade mal ein Jahr nach ihrer guten, wenn auch etwas unnötig langen und zerrissenen letzten Dosis des puren Chaos' in Form der Miracle Whip-It LP auf Digital Hotdogs. Die neue EP kommt jetzt in etwa rüber wie das komplette Gegenteil davon - ihre wohl kompakteste und kohärenteste Platte bisher befreit von jeglichen Fetträndern. Acht Minuten von ultra-verdichteter Exzellenz die aus allen Nähten platzt vor cleveren Ideen, schlagkräftigen Hooks und Melodien in einem wilden Anfall von deutlich Dicks-inspiriertem Wahnsinn.

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Haro – Demo

Die französische Weinhauptstadt mag ehrlich gesagt nicht das gelbe Wasser reichen zu heimischen Bierhotspots wie dem westfälischen Hansa oder Karlskrone im Süden von Aldi, aber zumindest kamen aus Bordeaux schon ein paar gute Bands wie Videodrome und Black Bug vor einigen Jahren, oder Distance in jüngerer Zeit. Wie auch immer, Haro passen teilweise ganz gut in ein Schema das im vergangenen Jahrzehnt von so Post Punk- / Postcore-Acts wie Youth Avoiders und Nightwachers etabliert wude, machen dabei aber einen großen Bogen um die in letzter Zeit sehr anschicklichen Oi!-Elemente. Stattdessen werden wie hier mit vergleichsweise elaborierten bis epischen Sounds konfrontiert, clever integriert in breitwandige mini-Melodramen, die ohne Not für sich selbst stehen in ihrem Umfeld. Eine bewährte Autorität im Feld von Bands die ein bisschen nach Coldplay klingen sagte mir zuletzt, dass der Opener dieser EP ein bisschen nach Coldplay klänge. Wenn das stimmt, muss ich diese Coldplay-Jungs mal auschecken, muss ja 'ne ganz tolle Band sein!

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Cuticles – More Joy

Wie gerade eben schon die Celebrators LP ist auch das Debütalbum von Cuticles aus Oamaru, Neuseeland eine saumäßig starke 21-Song LP, die eine vollkommen brilliante 15-Song LP sein könnte wenn man sie ein bisschen gestrafft hätte, aber wisst ihr... ich werde mich jetzt nicht über eine Fülle von so gutem Scheiß beschweren, insbesondere wenn er so verdammt meine Baustelle ist! Mit Mitgliedern an Bord unter anderem von den umtriebigen 2010er DIY Punk-Veteranen Moonrakers und Trendees, beinhaltet diese Band, die mich erstmals richtig aufhorchen ließ mit ihrer starken 2023er Pavlova EP, schon noch einiges von deren rumpeliger Avantgarde-DNA, aber kanalisiert das hier in ein ungleich eingängigeres und melodisches Ganzes, das viel von dem rohen, Half Japanese-mäßigen Chaos gegen eine vergleichsweise zugängliche Gesamtästhetik eintauscht mit starken Echos etwa von alten britischen DIY-Hausnummern im Swell Maps, Television Personalities, Mekons oder Desperate Bicycles-Dunstkreis, aber auch eine gute Dosis alter lokaler Flying Nun-Energie schwingt da mit sowie ein vereinzeltes Aufblitzen von Wire, insbesondere der stärker Pop-orientierten Seite ihres frühen Schaffens in so Songs wie Making Up Shit. Fragt ihr mich nach jüngeren Vergleichen, würde ich auch sagen dass Referenzen zu den New Yorkern Famous Logs In History, Society aus Philadelphia und dem frühem Werk von Adelaide's Exzentrikern Wireheads vermutlich nicht ganz fehl am Platz sind.

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Celebrators – Deliberation

Diese Band aus Los Angeles hat hier einen bewusst rümpeligen und chaotischen Schlamassel von einem Album generiert, der vermutlich einige inspiration von so alten Helden der Art Punk-Welt bezieht, die sich etwa von The Pop Group, Pylon, ein paar Spuren von James Chance, Pere Ubu und gar einer Messerspitze von Wire erstrecken, hin zu deren potenziell etwas untergrundigeren, synth-lastigeren Gegenstücken der Sorte Minimal Man, Visitors, Neverous Gender... und oberndrein steckt da natürlich noch etwas offensichtliche Devo-DNA mit drin. Oder, in jüngerer Zeit, mag man da Gemeinsamkeiten mit so Acts wie Landowner, Cartoon oder Ismatic Guru wiederfinden. Die folkig-schrammelige Energie in 0126iii ruft dann wiederum den alten Krempel von Angst, Volcano Suns oder My Dad Is Dead ins Gedächtnis. Was aber niemand abstreiten wird ist dass hier eine beeindruckende Vielfalt abgedeckt wird, angetrieben von einem ruhelosen kreativen Bewegungsdrang der sich im Laufe des Albums Bahn bricht und auch wenn hier nicht absolut jedes Experiment in gleichwertigen Erfolgen mündet, bin ich angesichts der vergleichsweise stolzen Laufzeit und großzügigen 21 Songs doch mehr als gewillt, diese Platte anhand ihrer Fülle von Treffern zu beurteilen und nicht nach den raren Fehlschüssen.

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Cel Ray – Cel Rayzer

Die Band aus Chicago hatte bereits einige Wellen geschlagen mit zwei vielversprechenden EPs in 2023. Ihr neues Langspieldebüt transportiert erneut viel von der gleichen chaotischen Energie in einem angemessen optimierten, griffigeren Klanggewand, das ehrlich gesagt irgendwie nicht mehr sooo originell klingt im Jahr 2026 nach einem Jahrzehntelangen, zwar nicht überwältigenden, aber doch konstanten Strom von artsy Post Punk und Weirdcore der von so 2010er Acts wie Vexxx, Warm Bodies oder Negative Scanner reicht bis zu jüngeren Beispielen á la Scud, Sniffany and the Nits, Judy and the Jerks oder Warp, und klar lassen sich auch die offensichtlichen Vergleiche zu Snooper nicht ganz vermeiden, auch wenn ich die hier nicht so sehr als das zentrale Element sehe für ihren nur schwerlich als Egg zu kategorisierenden, aber auch nicht komplett unverwandten Sound. Obendrein würde ich noch sagen dass alte Downtown Boys vermutlich ein Einflussfaktor für ihre Musik sind. Wie dem auch sei, ich glaube ich finde auch heute irgendwo noch einen Platz in meinem Herzen für eine weitere gute Platte in diesem Fahrwasser, auch wenn die Band für einen potenziellen Nachfolger vermutlich gut daran täte, ihr etwas penetrantes Chaos aus spontanen Ideen in ein weniger flüchtiges Gesamtbild zu kondensieren, weniger Scheiße auf einmal an die Wand zu werfen. Auch wenn ich zugeben muss dass aktuell noch erstaunlich viel davon kleben bleibt, bezweifle ich dass die Nummer ein zweites mal funktionieren wird.

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