Autobahn – The Moral Crossing

Autobahn - The Moral Crossing

Wer die­ses Blog schon etwas län­ger ver­folgt, dem sind die Post­pun­ker aus Leeds hier sicher schon mal mit ihren ers­ten zwei EPs begeg­net. Ihr ers­tes Album Dis­sem­ble hab ich sei­ner­zeit dann mal aus­ge­las­sen. Das war kei­nes­wegs schlecht, aber mei­nen Erwar­tun­gen wurde das auch nicht gerecht; für mei­nen Geschmack war das alles etwas zu nah am „siche­ren“ aber unbe­mer­kens­wer­ten Genre-Stan­dard­fraß gebaut.

Ihre zweite LP The Moral Crossing ist im Ver­gleich eine viel, viel stär­kere Platte. Wenn auch eine von der Sorte, der ich mehr Respekt als Liebe ent­ge­gen zu brin­gen ver­mag. Ein zu Beginn sorg­fäl­tig kon­stru­ier­tes, atmo­sphä­risch dich­tes Werk, das einen beacht­li­chen Sog ent­wi­ckelt, in der zwei­ten Hälfte aber auch zuneh­mende Abnut­zungs­er­schei­nun­gen zeigt. Den­noch, alleine schon der Mit­tel­teil mit den Über­songs Future /​ The Moral Crossing /​ Torment, die sich als der emo­tio­nale Kern des Albums her­aus­schä­len, ist eine beacht­li­che Leis­tung.

Mehr als je zuvor schöp­fen Auto­bahn ihre Inspi­ra­tion aus klas­si­schem 80er Goth. Wer mit einem gewis­sen Maß an Pathos und Kitsch nicht klar kommt, wird sich mit die­ser Musik schwer tun. Die Songs kön­nen die­sen Bal­last größ­ten­teils aber auch pro­blem­los tra­gen. Aus­ba­lan­ciert wird das ganze dann aber von den hyp­no­ti­schen Kraut- und Psy­che­de­lic-Anlei­hen, die irgend­wie auch schon immer Teil ihres Sounds waren, aber hier erst­mals ver­mehrt ins Zen­trum rücken. Manch­mal bewe­gen sich die Songs gefähr­lich nah an der Schwelle zum Alter­na­tive Rock, ohne mich dabei allzu sehr anzu­pis­sen.

Neben der neuen Pro­tom­ar­tyr ist The Moral Crossing wohl die zweite dies­jäh­rige Post­punk-Ver­öf­fent­li­chung mit stark Genre-über­grei­fen­dem Appeal. Mal abwar­ten was jetzt pas­siert. Nicht viel, ver­mut­lich.



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La Vase – La Vase

La Vase - La Vase

Ein­fach gestrick­ten aber ebenso mit­rei­ßend dar­ge­bo­te­nen Punk­rock mit garagigen/​postpunkigen Zwi­schen­tö­nen setzt es auf dem Debüt­al­bum der Leip­zi­ger Band. Stel­len­weise könnte man das als eine etwas erdi­gere Ver­sion von Short Days beschrei­ben, außer­dem meine ich leichte Spu­ren von z.B. Daily Ritual oder Cri­mi­nal Code zu erken­nen. Kann was.



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Ecstasy – Ecstasy

Ecstasy - Ecstasy

Der erste Kurz­spie­ler die­ser Band aus San Fran­cisco macht schon mal einen aus­ge­zeich­ne­ten ers­ten Ein­druck in der Gestalt von fünf aus­ge­spro­chen kurz ange­bun­de­nen Aus­brü­chen aus Hard­core, Post- und Garage Punk.


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Bike Thiefs – Lean Into It

Bike Thiefs - Lean Into It

Bike Thiefs sind ein Trio aus Toronto und hier­bei han­delt es sich um ihre dritte EP. Die macht ziem­lich Laune mit einem schön druck­voll vor­wärts wal­zen­den Klang­kos­tüm, das zwi­schen post­pun­ki­gem Indie­rock und wuch­ti­gem Post­core oszil­liert, bei­des ist mit einer herz­haf­ten Noise-Kante ver­se­hen. In der erst­ge­nann­ten Eigen­schaft erin­nert mich das ein wenig an die Goto­beds, in der letz­te­ren an aktu­elle Bands wie Tunic, Greys oder Bat­piss. Das fluppt ganz her­vor­ra­gend.


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Wireheads – Lightning Ears

Wireheads - Lightning Ears

Seit eini­gen Jah­ren ste­hen die Wireheads aus Bris­bane jetzt schon für einen aus­ge­spro­chen kru­den Sound, der klingt als würde er jeden Moment in sich zusam­men fal­len und der auf seine ganz unver­wech­sel­bare Art Ele­mente aus Garage Rock, Proto-, Post- und Art Punk ver­mengt. Es tref­fen Ver­satz­stü­cke von Modern Lovers und Vel­vet Under­ground auf den Mini­ma­lis­mus und die quasi zur Reli­gion erho­bene Repe­ti­tion von The Fall. Aber mit einem Front­mann, der eher sui­zid­ge­fähr­det als streit­lus­tig klingt. Dabei gibt er eine eigen­wil­lige Lyrik von sich, die sich mehr auf einer emo­tio­na­len als auf einer logi­schen Ebene erschließt. Als wie­der­keh­ren­des Motiv lässt sich dies­mal eine selt­same Zah­len­mys­tik erken­nen. Kann was bedeu­ten, muss aber nicht.

Zugäng­li­cher klin­gen sie auf ihrem neuen Album und defi­ni­tiv ein­fa­cher an einem Stück zu hören als auf dem sehr guten, aber auch recht frag­men­ta­risch und sediert wir­ken­den Vor­gän­ger Arrive Alive aus dem letz­ten Jahr. Das meine ich kei­nes­wegs abwer­tend. Der schlep­pende, resi­gnierte Vibe der letz­ten Platte war kein Unfall, son­dern genau der sprin­gende Punkt, das zen­trale emo­tio­nale State­ment die­ses Albums. Auf Light­ning Ears sind hin­ge­gen nicht nur die rocken­den Num­mern zahl­rei­cher und haben deut­lich mehr Biss, auch viele der ruhi­ge­ren Momente gehö­ren zu ihrem bes­ten Song­ma­te­rial. Die Psy­che­de­lia von Is Fran­ces Faye God? und das folk­ige The Over­view Effect gehö­ren zu den defi­ni­ti­ven High­lights hier.



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Big Heet – On A Wire

Big Heet - On A Wire

Der die­ses Jahr aus der Taufe geho­bene Tape Club des New Yor­ker Labels Explo­ding In Sound hat mich vor kur­zem ja schon mit dem groß­ar­ti­gen Tape von Mil­ked sehr beein­druckt. Auch die neu­este Kas­set­ten­ver­öf­fent­li­chung der Bude weiß mir durch­aus zu gefal­len. Die kommt von von Big Heet aus Tal­la­has­see, Flo­rida und zu hören gibt’s recht ver­schwur­bel­ten und viel­sei­ti­gen Post­core, der neben vie­len ande­ren Ein­flüs­sen öfter mal an so Bands wie Unwound, Jaw­box oder Drive Like Jehu erin­nert. Den Song­struk­tu­ren würde hier und da noch etwas Fein­schliff und Ent­wir­rung gut tun, aber es gibt auch hau­fen­weise posi­tive Über­ra­schun­gen. Etwa wenn der Ope­ner On A Wire mit sehr mar­kan­ten Mis­sion Of Burma-Har­mo­nien auf­war­tet. Wenn in Mir­ror aus an 80er Sonic Youth erin­nern­den Dis­so­nan­zen plötz­lich ein kur­zes Gitar­ren­solo auf­poppt, das man so eher auf einem frü­hen Tele­vi­sion-Demo erwar­tet hätte. Oder wenn sie, wie in Incom­plete, in einen abso­lut tadel­lo­sen, melo­di­schen Punk­klop­per aus­bre­chen, der bei aktu­el­len Genre-Grö­ßen wie Red Dons oder Radioac­tivity nicht fehl am Platz wäre. Die wei­tere Ent­wick­lung der Band wird sicher span­nend.



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Ventre De Biche – 333, Mi Homme, Mi Bête

Ventre De Biche - 333, Mi Homme, Mi Bête

Eine eis­kalte Brise kommt in Form die­ser Platte von irgendwo aus Frank­reich zu uns rüber­ge­weht, mit Klän­gen die glei­cher­ma­ßen sinis­ter und ein­lul­lend sind. Mini­ma­lis­ti­sche Kraft­werk-Elek­tro­nik wird dar­auf zusam­men mit einer kul­tu­rell unbe­darf­ten Vor­stel­lung von was auch immer zum Hen­ker ein Chan­son sein könnte durch den Sui­cide-Fleisch­wolf gedreht; das alles ver­mengt sich letzt­end­lich zu einem sur­rea­len Alb­traum in dem David Lynch und John Car­pen­ter die Bon­tempi-Orgel bedie­nen. Gute Nacht, schlaft alle gut.



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Andy Human & The Reptoids – Kill The Comma

Andy Human & The Reptoids - Kill The Comma

Die Punks aus Oak­land haben bis­her noch nie ent­täuscht und auch die neue 7″ auf Emo­tio­nal Response ist mal wie­der A-Mate­rial ohne beson­dere Über­ra­schun­gen. Eben ihr ganz eige­ner, unver­kenn­ba­rer Sound aus 77er-, Garage- und leicht ange­wa­ve­tem Post Punk.

Kudzu – Defeated

Kudzu - Defeated

Das zweite Album des Duos aus Spring­field, Mis­souri gefällt mir auf Anhieb sehr gut, rollt einen Sound aus Syn­th­pop/-punk aus, der in jeder Menge Goth und was-auch-immer-für-ein-Wave (Sorry, hier enden meine Genre-Kom­pe­ten­zen. RRRHund, über­neh­men sie!) getränkt ist. Das Song­ma­te­rial ist über­wie­gend recht ein­fach gestrickt, der Klang­tep­pich dafür reich an noi­si­gen Tex­tu­ren. Mehr braucht es auch gar nicht, das Ding fluppt sehr ordent­lich. Das defi­ni­tive Pop­song-High­light When You Were Mine lehnt sich mit sei­nen star­ken Shoegaze-Vibes dann aber doch noch vor­sich­tig aus dem Fens­ter.



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Gad Whip – In A Room

Gad Whip - In A Room

Die neue EP der bri­ti­schen Expe­ri­men­tal­band fällt mal wie­der wun­der­bar aus dem Rah­men mit ihrem weit­ge­hend unge­müt­li­chen, sper­ri­gen Sound, der unter ande­rem Ver­glei­che zu The Fall, frü­hen Sleaford Mods oder Swell Maps pro­vo­ziert, der außer­dem einen vagen No Wave-Ein­fluss, einen Hauch von Kraut und Psy­che­de­lia nicht ver­ber­gen kann. Die­ser krude Klang­tep­pich stellt ein abso­lut pas­sen­des Vehi­kel für die gif­ti­gen Rants von Sän­ger Pete Davies dar, in denen er ein­deu­tige Ansa­gen über das Zeit­ge­sche­hen und die grim­mige Rea­li­tät vor der eige­nen Haus­tür in aus­ge­spro­chen sur­real anmu­tende Lyrik ver­packt.


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