Dog Lips – 4 Big Ones

Oh, hey, genau passend zu dieser anderen Band mit dem Hundenamen, hier ist neuer Scheiß von der einzigen Band der Welt, die nicht The Dogs heißt. Hatten beide Bands irgendwann mal, zur Zeit ihrer ersten EP in 2022, eine gewisse Ähnlichkeit, haben Dog Lips aus Portsmouth, New Hampshire sich doch spätestens mit der letztjährigen Danger Fowrard LP weitgehend davon weg entwickelt und betätigten sich darauf doch mehr in einem recht kontemporär klingenden Post Punk-Sound, aber auch nicht ohne Momente und Flashbacks zu ihrer einfacheren Garage Punk-Vergangenheit. Die neueste EP klingt dann auch nach einer direkten fortführung davon, die aber gleichsam auch graduell ihren Sound verfeinert und erweitert, der mich häufig an diverse Bands erinnert, die irgendwann im vergangenen Jahrzehnt ihren Anfang genommen haben wie etwa Flat Worms, The Cowboy, die frühen Protomartyr, Plax oder Speed Week.

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Excess Blood – Porcelain Doll

Die 2024 auf Impotent Fetus erschienene selbstbetitelte EP der Band war bereits ausgesprochen hochwertige Ware und auf ihrem jüngst erschienenen Nachfolger halten sich die Death Rocker aus Portland noch ein gutes Stück näher an eine oldschoolige Goth-/Post Punk-/Death Rock-Formel, so sehr dass man in den ersten Takten von Turn To Stone fast denkt, die Band würde jetzt in eine Coverversion von Joy Division’s Transmission reinrutschen. Normal reizt mich derartiges ja eher wenig, aber ich muss auch zugeben dass nicht jede halbwegs traditionelle Platte dieser Art auf dem gleichen Level spielt und der Teufel hier oft im Detail steckt. Auf dieser Platte stimmen jedenfalls die besagten Details und summieren sich ganz vortrefflich zu einem stimmigen Ganzen – die Songs, die Vibes, Performance und Attitüde, alles trifft einfach mal den Nagel auf den Kopf auf einer Platte, die zwar ausgesprochen altmodisch klingt aber dabei kein bisschen abgestanden.

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Station Model Violence – Station Model Violence

Diese Platte kam für mich wie aus dem Nichts als sie im Januar angekündigt wurde, wenngleich diese Songs und die Band dahinter – bestehend aus Mitgliedern unter anderem von Total Control, Den und R.M.F.C. – offenbar schon eine gute Weile im Hintergrund geköchelt hat. Vieles davon soll seinen Ursprung sogar in einer früheren Band namens KX Aminal haben, die nach meinem besten Wissen aber nie Australien verlassen und auch keine Musik veröffentlicht hat, weshalb es sicher auch entschuldbar ist, davon zuvor nichts gewusst zu haben. Wie auch immer, die Erwartungen waren hoch für diese Platte und ich freue mich zu sagen, dass jene hier mit Links erfüllt und übertroffen werden in einem Sound, der Elemente von allen drei erwähnten, bekannteren Bands beinhaltet aber diese gleichsam auch an unerwartete Orte transportiert in einer luftigen Klangästhetik, die vertraut wirkende Post Punk-Vibes mit einer Menge von sphärischer New Age-Entrücktheit verwebt, krautig-motorischer Repetition, weiteren Flavors von ’70er Art Rock und nicht zuletzt auch eine leicht folkige Kante die mich an die neuseeländischen Postpunker Trust Punks und deren nach Berlin verzogene Nachfolgerband Dead Finks erinnert, zu einem epischen und zutiefst atmosphörischen, ausufernden und halluzinogenen Trip, der seine Wirkung am besten an einem Stück genossen entfaltet. Eine Rarität in dieser Zeit als ein noch mit großem A geschriebenes und konzipiertes Album, zusammen mehr als bloß die Summe zehn einzelner Songs, die zusammen auf eine LP gepresst wurden.

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Landowner – Assumption

Landowner aus Holyoke, Massachusetts, eine der unverwechselbarsten Stimmen im aktuellen Post Punk-Umfeld, haben jetzt ihren fünften Langspieler auf Exploding In Sound Records raus und auch nachdem die Band schon ein gutes Jahrzehnt zu Gange ist, zeigen sie noch keinerlei Abnutzungserscheinungen in ihrer abstrakten, minimalistischen Herangehensweise an Post Punk und Postcore – wenngleich auch in letzter Zeit ihr Einfluss auf jüngere Bands zunehmend offensichtlich wird, bleibt dieser Sound absolut ihr eigener. Wenn überhaupt, dann sind ihre Kompositionen und Texte über die Jahre nur noch schärfer, bissiger und düsterer geworden und die oberflächliche Aura von ironischer Distanz ist als ein psychischer Selbstverteidigungs-Reflex zu deuten, nötig um bei Verstand zu bleiben, wenn sie die existenzielle Substanz ihrer Songs konfrontieren während wir alle nur zu gut wissen, das uns – im Gegensatz zur Präsentation der Menschheitsgeschichte als eine Abfolge kontextloser und teils fragwürdiger Meilensteine wie aus einer bizarren Strategiesimulation in Linear Age – das Universum keinen zweiten Versuch für unsere Existenz einräumen wird und der aktuelle Stand der Dinge nach einem einzigen Selbstauslöschungs-Speedrun aussieht.

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Skelett – Skelett

Skelett sind eine neue Band bestehend aus Leuten aus Leipzig, Kiel und Halle. Gleich vom Start weg gerate ich in Versuchung, ihren Sound als eine Variante der Berliner Benzin zu beschreiben, die sich im Vergleich aber voll und ganz auf deren Hardcore-Elemente stützt. Ebenso mag man aber auch Gemeinsamkeiten mit solchen US-Bands wie Vexx, Judy & The Jerks, Fugitive Bubble, Dregs, Warp oder Skin Tags erkennen, wenngleich Skelett dabei in einem roheren Spektrum aus subtil thrashigem Mittachtziger-Hardcore operieren mit einem leichten Hauch von NWOBHM-mäßigem Riffing in so Songs wie Bloodstained, wobei sie diesen Sound mit einerm unermüdlichen Strom von ultraeingängigen Hooks und hellen Einfällen aufladen, der mich jederzeit auf den Zehenspizten hält. Das ist der Sound einer nur auf den ersten Blick sehr oldschooligen Band, die eine klare Vision verfolgt und jene in einer beeindruckend selbstbewusten, hyper-fokussierten Kraftanwendung zu materialisieren versteht.

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Institute – Institute

Auf ihrer neuesten 7″ bewegt sich eines der meistgeschätzten Bollwerke der gegenwärtigen Post Punk-Szene ein Stück weit wieder Weg von den luftigen Art Punk/-rock-Vibes, die sich noch durch ihre brilliant letzte LP Ragdoll Dance aus dem Jahr 2023 zogen und klingt eher wieder etwas stärker nach den noch etwas roheren Klangparametern ihres 2019er Albums Readjusting The Locks, ohne dabei jedoch das gereifte Songwriting und die ausgefeilten Arrangements der letzten Platte über Bord zu werfen. Das beste aus beiden Welten, würde ich mal sagen!

The Bright Ideas – Bright Sharp Things

Die Aidmoozic EP war nicht lang genug? Gute Nachrichten, diese Band aus Auckland, Neuseeland hat gleich mal Nachschub an stark nach britischem DIY Punk schmeckendem Geschrammel, das einer zwar etwas einfacheren aber durchweg effektive Formel davon folgt und sich schwer tut, die zugrundeliegenden Desperate Bicycles-, Mekons- und Television Personalities-Huldigungen zu verschleiern mit gelegentlichen Farbspritzern von Buzzcocks obendrein oder vielleicht auch, um mal ein bis zwei Level tiefer zu graben, Performing Ferrets? Wie auch immer, was etwas zeitnähere Vertretern dieser Zunft angeht, erscheinen mir die Briten Suburban Homes aus dem letzten Jahrzehnt der zutreffendste Vergleich.

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Aidmoozic – Weston-le-Clay

Exzellent schrulliger Scheiß auf der dritten EP dieses Typen aus Watford, England, der irgendwo zwischen den Welten britischem DIY Punk, Post Punk, Hard- und Postcore zuhause ist. Die ersten paar Songs erinnern mich dabei insbesondere an eine Variante von Landowner-mäßigem Hardcore mit mehr oder weniger cleanen Gitarren, angereichert um einige markant Mission Of Burma-mäßige Gitarrenarbeit und einer Ahnung von Television Personalities und Mekons, die sich auch durch den weiteren Verlauf der Platte zieht. Aber auch ein bisschen frühe Minutemen steckt da irgendwie mit drin und ein Bündel jüngerer Bands wie Zhoop (oder die gefühlt hundert Aliasse des selben Typen), Post Punker wie Big Bopper, Lamictal, Patti und auch die gegenwärtige Brut von so Teilzeitpunks á la Silicone Values, Famous Logs In History und das frühe Schaffen der Neutrals.

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Ø – Stage 1

Das ist eine fabelhafte Debüt-EP dieser Berliner Band, die – nach einem Postpunkigen Intro, das mich gleichermaßen an The Estranged erinnert wie auch an alten Westküsten-Punk der Adolescents, Germs oder Agent Orange-Schule – weitgehend ihr Zuhause findet in einem stark im Schatten der Spits argierenden, vereinzelt auch leicht Ramoes-igem Garage Punk-Sound mit einem gewissen Space Punk-Zusatz nicht unähnlich zu so Bands wie Corpus Earthling, Silicon Heartbeat, Stalins of Sound, Zoids und Mateo Manic oder, in jüngster Zeit, Shrudd, Zulo und Electric Prawns 2, wobei aber auch die zuvor erwähnten Post Punk-Elemente einige male zurückkehren wie in Freiheit und Vittima. Durchweg felsenfest verschweißt durch grundsolide Songwriting-Qualitäten ergibt das ein makelloses Killeralbum, das den optimalen Bang for the Buck aus einer zeitbewährten Oldschool-Formel extrahiert.

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RRRSATZ – Here 4 The Endless Plague

Erneut kommt ein ziemlich umwerfendes Tape zu uns von den verlässlichen New Yorker Lieferanten für Exzentrizitäten mit unterschiedlich starkem Punk-Bezug, Fuzzy Warbles Cassettes. Der Opener No Kill Means versprüht unmittelbar so einen Art Punk-Vibe á la Television-meets-Ruts oder, aus etwas jüngerer Zeit, Peace de Résistance und spätere Institute. Soft Change nimmt dann einen ungleich abstrakteren Kurs auf von minimalistischem Post Punk, relativ kühl und rigide und gleichzeitig auch ziemlich funky. Cave One ist ein relativ geradliniger aber keinesfalls dummer Krümel von Garage Punk und gleiches lässt sich auch über All Skill Levels sagen mit seinen gleichermaßen Proto- und Post Punk-igen Vibes und einer zusätzlichen Schicht von dissonantem Noise. Great Pastures verdichtet einige verwandte Eigenschaften zu einem unerwartet eingängigen und kompakten kleinen Paket von tangential Sonic Youth-mäßigem Lärm. Anticev überrascht dann hingegen mit einem offensichtlichen Surf Rock-Feel. Und so unvorhersehbar geht es weiter… das ist eine sehr gemischte Grabbeltüte von einer Platte, die hinter jeder Kurve eine neue Überraschung aus dem Hut zaubert und dabei wundersamerweise kein einziges mal daneben schießt, sondern seltsam kohärent und methodisch wirkt in seiner sich konstant im Flux befindlichen herangehensweise.

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