Post Community – Post Community

Diese Band aus Baltimore hat Mitglieder von Nag und Quitter an Bord, was ja schon mal ordentlich die Erwartungshaltung hochschraubt, aber es scheint eher so als zögen sie auf ihrer ersten EP alle Register, um besagte Erwartungen zu subvertieren. Die Platte hat fraglos eine etwas zersplitterte Persönlichkeit – jeder Song hier könnte genauso gut von einer jeweils anderen Band kommen und ich sag mal der Scheiß knallt rein! Carte Blanche ist vier Minuten Math-angehauchter Noise Rock wie man ihn etwa von so Bands wie John (timestwo), Luggage, den frühen Werken von Tunic oder Help erwarten würde. Vertices ist dann vielleicht ein kleines bisschen näher an dem tristen, monotonen Post Punk-Sound, den ich zuerst von ihnen vermutet hätte, aber da ist außerdem noch so ein staubiger Americana-Vibe mit dabei wie man ihn zuletzt etwa auf dem jüngst erschienenen The III tape gehört hat. Cranberry ist ein dissonant lärmender Brocken Hardcore, gefolgt von drei Minuten des experimentellen Drone/Noise in The Gate. Zu guter Letzt mündet dann in Kept Bread ein Doom-/Drone-mäßiges Intro in einen Song, der hier vielleicht noch die größte Ähnlichkeit zu den erwähnten Nag aufweist, zumindest wenn man jene auf zwei Drittel der Geschwindigkeit verlangsamt. Eine rätselhafte Veröffentlichung ist das hier und ich bin durchaus gespannt wo das Ganze die Band noch hin führen wird.

Album-Stream →

Vague Rituals – Vague Rituals

Seltsames Geschöpf, die Debüt-EP dieser Band, deren Mitglieder über Australien und die Vereinigten Staaten verstreut leben (oder etwas spezifischer: Sydney, Portland und Melbourne). Alles darauf fühlt sich ein kleines bisschen falsch an… auf die beste Art! Gleich vom Start Weg fällt da ein unübersehbarer Mission Of Burma- und Moving Targets-Vibe ins Auge und Echos weiterer ’80er-Eigentümlichkeiten wie Really Red, Angst und Saccharine Trust. Desweiteren hat das auch eine leichte Unterströmung von Sonic Youth-mäßigen Gitarrenharmonien und ’90er Postcore-Elemente á la Unwound, Drive Like Jehu oder spätere Gray Matter greifen dabei ineinander mit deren melodischeren Gegenstücken wie Chavez und Polvo – zwei Bands, deren Werk auch besonders stark durch die noch stärkere zweite Hälfte dieser Platte wederhallt, wenn ihr ganzer Sound sich deutlich in Richtung von stark Seam- und Superchunk-infiziertem, melodischem Indie Rock verschiebt mit vielleicht noch ein paar leichten Spuren von No Age und Swervedriver? Auf jeden Fall ist das irre ansprechender Stoff.

Album-Stream →

Sweepers – Sweepers

Zwei Jahre nach ihrer superspaßigen Debüt-EP hat Philadelphia’s reinlichste Band endlich ihren ersten Langspieler fertig geputzt und der legt noch mal ordentlich einen drauf in Sachen chaotischer Energie ihres abgehackten Art Punks, der komfortabel zwischen den Wischmops sitzt von dissonantem, oldschooligem No Wave-Lärm, dem schrägen Artcore der frühen Minutemen aber auch reichlich jüngeren Phänmenen, wie etwa dem klugscheißerischen Art Punk von Patti, Reality Group und Brandy oder auch etwas stärker Richtung Postcore gehenden Acts á la Cutie, Mystic Inane und Rolex. Ich muss schon sagen, ihr mathematisch verwinkelter Sound macht einen sehr ordentlichen Job darin, die Herausforderung zu vertonen die sich meinem ADHS-gefickten und vermutlich auch leicht autistischen Gehirn beim Ordnung halten in der eigenen Wohnhöhle stellt… und dabei lassen sie es klingen als wäre das die spannendste Aktivität der Welt.

Album-Stream →

Loins – Afterglow

Hier ist mal ein verdammt arschtretendes Überbleibsel von letzter Woche, zu dem ich aber nicht vor dieser Woche kam und ehrlich gesagt hätte ich es von Anfang an besser wissen müssen, haben finnische Noise Rock-Bands doch eine ausgesprochen gute Bilanz gezeigt in der Vergangenheit und auch diese Platte hält was sie verspricht. Neben den obligatorischen Vergleichen zu frühen Shellac und Rapeman fallen mir als die nächstbeste Referenz mal die ebenfalls in Helsinki beheimateten Bands Fun und Baxter Stockman ein, weshalb es mich dann auch kein bisschen Überrascht hat zu erfahren, dass auch in diesem Trio mal wieder Mitglieder von beiden Bands versammelt sind. Im geringeren Ausmaß lässt sich darüber hinaus auch noch ein bisschen Jawbox oder Jesus Lizard darin wiederfinden und man liegt sicher auch nicht ganz daneben, wenn man Parallelen zieht zu jüngeren US-Bands wie Multicult, Help, Hoaries oder auch unserem heimischen Genre-Wunder Trigger Cut.

Album-Stream →

Solderer – Normal Style

Wie ein perfektes Pendant zur zeitgleich erschienenen Demo Rally-LP über die ich heute auch noch etwas posten werde, liefert das Langspieldebüt dieser Band aus Leeds aus dem späten Sommer – jetzt als Tape wiederveröffentlicht vom französischen Label Discos Peroquébien – mehr vom exzellent lärmigen, No Wave-igen Post Punk, dessen mögliche Einflüsse irgendwo pendeln zwischen so Akteuren des dissonanten Chaos‘ wie Spray Paint, Brandy, Rolex, Lumpy and the Dumpers, Cutie und Soupcans, wobei vergleichsweise langsamere und disziplinierte Tracks wie etwa Bog witch sogar ein bisschen von einer klassischen ’90er Chicago-Style Math-/Postcore-Energie ausstrahlen.

Album-Stream →

Time Room – Like A Dream?

Diese Band aus Minneapolis deckt ein interessantes Klangspektrum ab auf ihrer neuesten EP, von der kräftigen Fuzz Punk-Attacke in Like A Dream? über den Math- und Noise Rock-angehauchten Post Punk von Yeehaw! zum vergleichsweise geradeaus gehenden Garage Punk in Saved, woraufhin dann der abschließende Track 5678 unerwartet zu einer Art vernebelten Space Rock-Jam abdriftet. In unterschiedlichen Momenten erinnert mich das an einen recht vielseitigen Haufen von Bands wie etwa frühe Rolex, Cutie, Shark Toys, Reality Group, The Cowboy und Big Bopper.

Album-Stream →

Continuals – Continuals

Eine neue (Co-)Veröffentlichung auf Dischord und wie das ja dort üblich ist, haben wir es erneut mit einer Band zu tun, deren Mitglieder schon ihre Finger in einem ganzen Arsch voll bedeutsamer Bands über mehrere Jahrzehnte der lokalen Punkszene drin hatte. Zu den geläufigsten davon dürften Kerosene 454, Channels, Beauty Pill, Soccer Team, Office of Future Plans, Alarms And Controls gehören und um das Namedropping-Kreisgewichse zu vollenden, ist das ganze auch noch von J. Robbins (Jawbox) produziert. Aber hier ist die Sache mit so vielen jüngerer Dischord-Veröffentlichungen: Die klingen selten nach einem müden Neuaufguss oder einer rentablen Nostalgie-Veranstaltung. Das ist eine ungleubliche Qualität dieser speziellen Szene: die Fähigkeit, einerseits die eigene Tradition nicht zu verleugnen und gleichzeitig immer noch so dringlich und leidenschaftlich zu klingen wie am ersten Tag. Bereit, im kreativen Prozess die nötigen Extrameilen zu gehen, macht man hier keine halben Sachen und „gut genug“ ist niemals gut genug.

Album-Stream →

Leaves – Leaves

Das englische Trio Leaves schert sich ganz offensichtlich einen Scheiß um aktuelle Trends der britischen Szene und ich finde das sehr erfrischend. Stattdessen betätigen die sich in einer klassischen Melange aus Postcore, Noise- und Math Rock, die mehr nach Chicago, dem erweiterten Touch and Go-Universum und verwandtem Krempel klingt. Kompetent und beherzt wird hier eine Ästhetik revitalisiert, die in letzter Zeit doch etwas rar geworden ist. Die offensichtlichsten Referenzen wären hier Slint, aber auch mit Bands der Sorte Tar, Unwound, frühen Shellac and späten Bitch Magnet läge man hier nicht falsch, sowie einer Spur von Chavez oder Polvo und sogar etwas kraftvollen ’90er Dischord-Vorschub kann man besonders in Do Something erkennen. Was jüngere Bands angeht, böten sich auch frühere Pile und – noch viel treffender – Luggage als stilistisch eng verwandte Beispiele an.

Album-Stream →

Cartoon – Nyuck Nyuck Boing!

Das ist ja mal ein brillianter Scheiß, auf den ich so nicht vorbereitet war. Entspricht mal sowas von gar nicht dem Zeitgeist und hat klar seinen ganz eigenen Willen. Jau, das Zeug fühlt sich irgendwie alt an. Ich bin auch irgendwie alt, deshalb mag ich das. Man stelle sich vor, Saccharine Trust, Minutemen, Swell Maps und The Pop Group träfen sich für ein okkultes Ritual, um einen vergessenen Acid Rock-Dämon aus den 60ern zu beschwören, das Resultat einer unheiligen Vermählung von Psych- und Math-Rock. Klar steckt dessen Nase ein paar Millimeter weit im eigenen Arschloch, aber das gehört ja auch zum guten Ton in diesen Genres. Vermutlich habt ihr an diesem Punkt schon entschieden, ob ihr den Krempel liebt oder hasst. Ich persönlich finde das, was die Gruppe aus Philadelphia hier halluziniert ausgesprochen knorke! Das gehört einfach… legalisiert, sowas!

Album-Stream →