Herausragendes Debüt einer Band aus Boston. Von Anfang bis Ende makelloser, melodischer Postcore/-punk von hoher Musikalität, durchzogen von einer bedrückenden Melancholie. Das wird Freunde von so Bands wie etwa Video, Criminal Code oder Wymyns Prysyn erfreuen, darüber hinaus wären noch stark an Wipers und frühe Hüsker Dü erinnernde Gitarrenleads zu erwähnen. Ein echter Knaller, die Platte.
Wow, ich hätte es fast übersehen, das Debütalbum von Sculpture Club aus Salt Lake City. Darauf gibt’s zehn hymnische Ohrwürmer irgendwo im Umfeld von Wave-lastigem Postpunk, etwas C86-Pop und über alles legt sich hier ein grauer Goth-Nebel. Die Produktion finde ich auch äußerst ansprechend mit einer schönen Balance aus Dreck und Druck, veredelt wird das ganze dann noch durch einen überaus kompetenten Robert Smith-Ersatz hinterm Mikro. Das geht derzeit wohl ziemlich am musikalischen Zeitgeist vorbei; vor so 10-15 Jahren hätte sich die Musikpresse sicher um so eine Band gerissen. Aber wie dem auch sei, die Platte ist eine echte Genre-Perle und erlaubt sich keine nennenswerten Fehltritte.
Die Postpunker aus San Francisco haben nach einer langen Funkstille gleich zwei aktuelle Veröffentlichungen auf dem berliner Label Adagio830 am Start. Die neue 12″ EP M.y.t.h. enthält vier neue Songs, die sich teilweise etwas zugänglicher geben aus auf den älteren Platten, in anderen Momenten aber immer noch schön stachelig daherkommen. Das Tape Mass Transit hingegen enthält Songs, die ursprünglich mal 2009 auf einer vergriffenen 7″ und einem Split Tape mit Grass Widow erschienen sind.
Die 2015er EP Obedience verglich ich ja noch mit Big Black-meets-90er AmRep Zeug, oder so ähnlich. Das neue Album des Quartetts aus Louisville, Kentucky entfernt sich wieder ein Stück davon, stattdessen wird hier der Industrial-Faktor stärker betont, die Platte klingt etwas wie ein vergessenes Artefakt aus den mittleren 90ern, bestehend aus Versatzstücken von Industrial Metal und teilelektronischem Noise. Und das hat durchaus seinen ganz eigenen Charme.
Das kommende Debütalbum von Death Stuff aus Atlanta hört auf den Namen Surprise Ex und erscheint am 10. Februar auf Monofonus Press. Bis dahin darf man sich schon mal mit diesem äußerst appetitanregenden Demo der Band vergnügen, das sich mit einer energischen Mischung aus Noise, Post- und Garage Punk in den Gehörgang fräst.
Kopenhagen mal wieder, die postapokalyptische Vision einer Stadt, welcher der düstere Postpunk so schnell nicht ausgeht. Das zweite Album von Melting Walkmen hat jetzt auch schon ein Jahr auf dem Buckel und wäre mir fast durch die Lappen gegangen. Schade wär’s, denn wie schon so viele kopenhagener Bands der letzten Jahre verpassen auch sie den bereits Jahrzehnte alten Genre-Traditionen ihren ganz eigenen kreativen Spin.
Schwer ohrwurmverdächtiger Punkrock aus Oakland. Das Debütalbum von Syndicate erinnert mich stark an die alten Punkhymnen von Naked Raygun, das düstere Geschredder von Wipers’ ’81er Album Youth Of America und obendrein wird das ganze noch von markanten Basslinien gekonnt in Richtung Postpunk gerückt.