Es mag keine massive Musikwoche gewesen sein, aber zumindest mal eine gute Woche für Bands deren Name mit -ro endet und die satte 50% des Blog-Outputs ausmachen. Muss man ja positiv sehen. Apéro aus Hamburg hatten schon einen durchweg erfreulichen Eindruck gemacht mit ihrer Debüt-LP Cold Drinks, Cool Snacks im letzten Jahr und bewegen sich auf ihrer neuesten EP in einem ähnlichen Fahrwasser aus moderat Egg-mäßigem catchy-ass Garage- und Synth Punk und die ersten beiden Songs sind ja schon durchaus kromulente, vielleicht etwas routinemäßige Beispiele davon, aber es ist dann doch die zweite Hälfte in der die Platte so richtig zum Leben erwacht und aus dem Vollen schöpft in Sachen zeitloser Power Pop-Hooks, die mich unter anderem unterschwellig an die frühe Blütephase von Sheer Mag erinnern.
Diese Band aus Los Angeles hat hier einen bewusst rümpeligen und chaotischen Schlamassel von einem Album generiert, der vermutlich einige inspiration von so alten Helden der Art Punk-Welt bezieht, die sich etwa von The Pop Group, Pylon, ein paar Spuren von James Chance, Pere Ubu und gar einer Messerspitze von Wire erstrecken, hin zu deren potenziell etwas untergrundigeren, synth-lastigeren Gegenstücken der Sorte Minimal Man, Visitors, Neverous Gender... und oberndrein steckt da natürlich noch etwas offensichtliche Devo-DNA mit drin. Oder, in jüngerer Zeit, mag man da Gemeinsamkeiten mit so Acts wie Landowner, Cartoon oder Ismatic Guru wiederfinden. Die folkig-schrammelige Energie in 0126iii ruft dann wiederum den alten Krempel von Angst, Volcano Suns oder My Dad Is Dead ins Gedächtnis. Was aber niemand abstreiten wird ist dass hier eine beeindruckende Vielfalt abgedeckt wird, angetrieben von einem ruhelosen kreativen Bewegungsdrang der sich im Laufe des Albums Bahn bricht und auch wenn hier nicht absolut jedes Experiment in gleichwertigen Erfolgen mündet, bin ich angesichts der vergleichsweise stolzen Laufzeit und großzügigen 21 Songs doch mehr als gewillt, diese Platte anhand ihrer Fülle von Treffern zu beurteilen und nicht nach den raren Fehlschüssen.
Diese Band aus Maumee, Ohio hat eine gesalzene Ladung Synth-lastiger, powerpoppiger Garage Punk-Qualität für uns auf Lager in Form ihrer Debüt-LP, dessen saumäßig eingängige Pop-Nuggets durchweg durchzogen sind von einer nebeligen bis surrealen Atmosphäre und dabei ein ganz respektables Spektrum abdecken das sich von alten Lost Sounds, solo Jay Reatard oder Digital Leather über die Songexplosionen von King Tuff oder frühen Vaguess hin zu so aktuellen Zeiterscheinungen wie Monda, Booji Boys oder der phänomenalen Emmet O'Conner LP aus dem letzten Jahr erstreckt. Ein Dauerfeuer aus hartnäckigen Ohrwürmern deren potenziell überwältigender Hang zur Melancholie sich hier aber genauso häufig auch mit einer durchaus euphorisch zu nennenden Energie ausbalanciert.
Die vorherige EP This Has To Be Hell hat's für mich noch nicht so ganz gebracht aber ihr konsistenterer, besser ausgearbeiteter Nachfolger ist jetzt doch sicher mal 'nen Blogpost wert, ein relativ weirder Bastard zwischen leicht eierpunkigem Synth-Gequietsche und fuzzigem Space Punk etwa der Corpus Earthling oder Zoids-Machart. Da passiert nichts schrecklich schlaues oder originelles, aber der Scheiß weiß dennoch zu überzeugen dank einer unbeirrt-entschlossenen Hingabe an ihre ausgesprochen simpel gestrickte Klangformel.
Billiam ist wie immer ein vielbeschäftigter Mann und hat nicht nur zuletzt schon seine jüngste Lathe Cut-5" via Low Ambition Records rausgehauen sondern es ist auch schon eine neue LP angekündigt, die irgendwann bald auf Erste Theke Tonträger erscheinen soll. Bevor das soweit ist, bekommen wir jedoch diese nette Compilation von Krümeln und Überresten, Compilation-Tracks, Outtakes, alternativen Versionen… ihr kennt die Masche. Manches habt ihr sicher in der einen oder anderen Form schon mal gehört, anderes vermutlich noch nicht, aber eins macht auch diese Platte absolut klar: Was Billiam hier als sein vermeintliches B-Material versammelt ist immer noch von derart hoher Klasse, dass viele andere Bands kaltblütig töten oder ihre Seele verkaufen würden für eine Handvoll solcher Songs.
Shrudd aus Louisville, Kentucky kann man ja schon länger zu den substanzielleren jungen Vertreteren im Garage Punk-Umfeld zählen aber ein echter Quantensprung für die Band war ihr erster Langspieler No Man Is Good Three Times im letzen Winter, auf der sie ihre bescheidenen Eggpunk-Anfänge gegen einen eigenständigeren und komplexeren Sound an der Schnittstelle von einerseits Garage- und Post Punk und andererseits Psychedelic- und Space Rock eintauschten. Schwierige Aufgabe, mit einem Nachfolger zu so einem Hammeralbum zu überzeugen aber die zwei ersten neuen Songs seitdem (die alberne Weihnachtssingle dazwischen ignoriere ich mal) schlagen sich da mal ausgesprochen gut und halten problemlos das Niveau als hochklassige Kaliber in dem zuvor etablierten Genre-Spektrum von ausgefeiltem und durchweg elegantem Post-/Garage Punk grob in der Nachbarschaft von so Bands wie Mononegatives, Useless Eaters, Institute, Corker, Marbled Eye, Tube Alloys oder Electric Prawns 2, aber irgendwie auch schon wieder ihre ganz eigene Tasse Tee.
Die einstmalig als Ein-Mann-Kapelle agierende Synth-/Electro Punk-Hausnummer Klint aus Schleswig ist wohl schon vor geraumer Zeit zu einem Duo gewachsen mit, wie es mir ein Vögelchen geflüstert hat, konkreten Plänen in dieser Form bald auch als Live-Act die Clubs und Keller zu beehren. Und wenn du dir jetzt dachtest "Der Gesang hier klingt aber ungewohnt", dann liegt das in der Tat daran, dass jetzt nicht mehr Sven singt sondern Roman. Abgesehen von dieser kleinen Technikalität halten sich Klint aber auch hier weitgehend an ihre durchschlagende, ureigene Formel aus Synth- und Sample-basiertem, strukturiertem Chaos und wer sich einmal in das alte Zeug vernarrt hat, wird auch diese neuen Songs widerstandslos absorbieren.
Die Wiederveröffentlichung der ursprünglich ende letzten Jahres erschienenen Hello, Mr. Operator EP der New Yorker Elektropunks Hand Helds auf dem australischen Label Grog Records lies mich mal echt aufhorchen. Ein kurzer Blick auf ihr Bandcamp-Profil offenbart dann nicht nur dass es bereits einen Nachfolger zu der EP gibt, sondern auch eine Band, die offenbar schon ein paar Jahre ihr Ding durchzieht und konstant EPs in einem variablen Spektrum zwischen Noise-versifftem Garage Punk, minimalistischem und überwiegend ziemlich rauhem Synth- und Elektropunk rausgehauen hat. Ich bin mir ziemlich sicher, früher schon über die Band gestolpert zu sein, kann im Nachhinein aber auch nachvollziehen warum ich mich damit nicht weiter befasst habe, klingt viel ihres früheren Werkes doch nach einer maximalistischen Herangehensweise, möglichst viel Dreck an die Wand zu werfen um zu sehen was dran kleben bleibt. Nu ja, ein paar Dinge sind aber offensichtlich kleben geblieben und auf ihren jüngsten zwei EPs fügen sich die Teile viel nahtloser zusammen dank eines vergleichsweise minimalistischen und wohlüberlegten weniger-ist-mehr-Ansatzes. Hello Mr. Operater ist dabei klar noch die etwas kruder klingende EP mit einer stark in der Schuld von Primitive Calculators und vereinzelt auch Suicide stehenden Machart des bis auf die Knochen reduzierten Synth Punk. Die Transatlantic Death Machine EP tauscht dann die Bassgitarre gegen einen Schlagzeuger aus Fleisch und Blut ein und das Ergebnis ist noch ein gutes Stück wilder und fast schon ein bisschen elegant, auch wenn die dissonanten Muster aus Synth-Kakophonie in so Songs wie Glue Tongue alles daran setzen, darüber hinwegzutäuschen. Eine seltsam krautig-motorische Qualität durchzieht das Ding. Entschlackt auf ein Minimum aber mit der notwendigen Liebe für die Details auf die es ankommt ist das klar ein paar Tacken höher angesiedelt als die Masse an Electro Kraut-Veröffentlichungen und No-Wave-mäßigen '80er Synth Punk-Rückblenden.
Es wäre jetzt ziemlich einfach, diese Schweizer als nur ein weiteres Artefakt der Kategorie "Pisse und die Folgen" abzuheften, aber dafür arbeitet der Scheiß hier eigentlich auf einem zu hohen Level und steht doch sehr komfortabel auf seinen eigenen Füßen mit genug eigener Identität und Ideen um sie aus der Masse herausstechen zu lassen mit einem Sound, der mir dann auch ein bisschen Internationaler vorkommt wenn mich etwa Rien Pour Moi an so Art Punk-Bands wie Ismatic Guru oder Landowner erinnert oder Animal Farm so einen alten Giorgio Murderer-Vibe aufweist. Wie dem auch sei, den Vergleich mit Pisse werden sie vorerst noch nicht vermeiden können, aber ohne Frage ist das hier für sich genommen eine beeindruckende Debüt-EP und ich bin mehr als gespannt, wohin sich das entwickelt.
Nachdem sie sich mit ihrer 2024er Buying Time EP so richtig in einen deutlich dunkleren Acid Rock-Vibe reingelehnt haben, umschifft auch auch der neueste Kurzspieler der Stockholmer Band weitgehend ihre früheren Eggpunk-Tendenzen, markiert aber doch eine Rückkehr zu etwas leichteren Vibes - so sehr das hier auch nach einem Trip klingt, ist das doch eine durchweg angenehme, farbenfrohe Abfahrt und was auch immer da übrig ist von den '60er psychedelischen Lastern in ihrem catchy Garagenpunk wird jederzeit aufgewogen mit verspielten Synth-Akzenten und verschrobenen Devo-ismen, die mir öfter mal rüberkommen wie ein ungleich sonnigeres Gegenstück zu ihren Stadtnachbarn, der lokalen Synth Punk-Legende Isotope Soap.