IZM – Psychosis Neurosis

Es ist jetzt auch schon wieder ein paar Jahre her seit der letzten EP dieser Band aus Los Angeles und ganz klar hat ihr Handwerk eine starke Evolution durchlaufen seitdem, wie es ihr neues Langspieldebüt auf Under The Gun Records unter Beweis stellt. Dessen leicht Metal-injizierte Hard- und Postcore-Vibes mögen auf den ersten Blick vielleicht etwas unerwartet brutal, kalt und klinisch klingen für jene, die sich in ihren früheren Sound aus KBD-lastigen, Synth-unterstützten Garage Punk-Tunes vernarrt haben, die sich zuvor nur vereinzelt ins Hardcore-Spektrum verirrt haben. Ich meine, verdammt, da ist fast schon ein Hauch von klassichem Speed Metal am Start im einminütigen Opener For Now. Aber glücklicherweise ist die verschärfte Attacke nicht das definierende Merkmal dieser Platte und die fester angedrehten Schrauben arbeiten hier Hand in Hand mit reichlich smarten, ineinander greifender Nuancen, die insbesondere die derbere erste Halbzeit davon abhalten, zu einer allzu ermüdenden, gleichförmigen Angelegenheit zu verkommen. Aber es ist dann doch die zweite Hälfte, in welcher sich hier breitere Horizonte auftun, wenn die Songs komplexere Emotionen und ein Level von Melancholie durchscheinen lassen, wie etwa im Midtempo Post Punk-Stampfer Gridlock/Flatline der obendrein mit einem unerwartet psychedelischen Unterton aufwartet. Die Postpunkigen Vibes ziehen sich weiter durch Come Down bevor dann auch das folgende Uptempo-Material eine durchweg eingängige Qualität bewahrt, fast wie ein willkürlicher Ausgleich für die grimmige Eröffnung. Unter'm Strich bleibt das hier dennoch ein deutlich weniger freundlicher oder unmittelbar zugänglicher Brocken Lärm, der alte Bewunderer etwas abschrecken könnte. Aber wer sich trotzdem drauf einlässt, wird nicht weniger reich entlohnt!

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S.G.A.T.V. – Now To Ruin

Habt ihr euch auch schon gefragt, was eigentlich aus dem Dungeon Punk-Genre geworden ist? In den frühen 2020ern schien es noch so als würde der Krempel die Punkszene unaufhaltsam überrollen aber jetzt im Jahr 2026 muss ich feststellen, dass der letzte Großereignis in der Nische in Form der Steröid LP auch schon wieder anderthalb Jahre her ist. Klar, es gab da ein paar Versuche... wie die letzte Powerplant LP, die leider in einem halbgaren Schlamassel aus Prog-Gewichse den Faden verlor und lass uns erst gar nicht über die Enttäuschung reden, die in diesem Frühling mit Poison Ruin's aalglatten Versuch einherging, das Rockradio zu knacken. Aber wie auch immer, hier ist zur Abwechslung mal wieder ein würdiger Vertreter des Genres von einer Band, die ich zuvor nicht wirklich für sowas im Verdacht gehabt hätte, wennglich auch zumindest das Artwork ihrer Platten schon zunehmend in diese Richtung deutete.

Lass uns dabei aber zumindest nicht an einem anderen Elefanten im Raum vorbeireden und das ist die sehr fragwürdige Entscheidung, auf Bandcamp praktisch Vinyl-Preise für einen digitalen Download zu fordern, eine Praxis die bei einem erwerbslosen Bloggertypen wie mir, der sowieso kein Geld für Vinyl übrig hätte, echt für reichlich hohen Blutdruck sorgt, wie sich da bei bestimmten Bands und Labels zunehmend eine komplett absurde ein-Dollar-pro-Minute Policy zu etablieren scheint. Sowas könnte ich vielleicht wuppen, würde ich für's bloggen bezahlt. Werde ich aber nicht, daher lasst doch so einen Scheiß bitte einfach stecken. Ist ne assige Nummer sowas.

Okay das musste mal raus. Was aber nicht zu verleugnen ist, dass die Schweizer hier einen fraglos exzellenten zweiten Langspieler rausgehauen haben, der einerseits zwar keine wirklich neuen Werkzeuge zum Waffenarsenal des Genres beiträgt, aber dafür einen Qualitätslevel für angenehm käsigen Spaß hochhält, der mir in den letzten anderthalb Jahren doch sehr gefehlt hat. Bei dieser Band fühlt sich das durchaus nach einer logischen, organischen Entwicklung an und alle catchy Qualitäten ihres bisherigen Schaffens bleiben erhalten, aber werden nahtlos verschweißt mit einer knusprigen Schale aus altertümlichem Heavy Metal hier. Nie um ein gesundes (aber auch nicht überhand nehmendes) Maß an Kitsch verlegen, ist die Platte eine gewaltige Flut von Hooks, die dabei auch gerne mal auf die tiefer hängenden Früchte aus Songwriting-Werkzeugkiste zurückgreift und ich hab dem echt nichts entgegen zu setzen, weil der Scheiß einfach funktioniert. S.G.A.T.V. sind gläsern in ihren Methoden aber komplett treffsicher dabei, die primären Instinkte zu treffen. Sicher, die geplante Dungeon Punk-Offensive bleibt immer noch bis auf weiteres verschoben. Aber so lange hin und wieder eine Platte so wie diese auftaucht, bleibt doch zumindest die Hoffnung dass die mythischen Punk-Krieger weiterhin im Geheimen das dunkle Imperium unterwandern und an dessen Fundamenten kratzen werden.

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Apéro – Dragons & Eels

Es mag keine massive Musikwoche gewesen sein, aber zumindest mal eine gute Woche für Bands deren Name mit -ro endet und die satte 50% des Blog-Outputs ausmachen. Muss man ja positiv sehen. Apéro aus Hamburg hatten schon einen durchweg erfreulichen Eindruck gemacht mit ihrer Debüt-LP Cold Drinks, Cool Snacks im letzten Jahr und bewegen sich auf ihrer neuesten EP in einem ähnlichen Fahrwasser aus moderat Egg-mäßigem catchy-ass Garage- und Synth Punk und die ersten beiden Songs sind ja schon durchaus kromulente, vielleicht etwas routinemäßige Beispiele davon, aber es ist dann doch die zweite Hälfte in der die Platte so richtig zum Leben erwacht und aus dem Vollen schöpft in Sachen zeitloser Power Pop-Hooks, die mich unter anderem unterschwellig an die frühe Blütephase von Sheer Mag erinnern.

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Celebrators – Deliberation

Diese Band aus Los Angeles hat hier einen bewusst rümpeligen und chaotischen Schlamassel von einem Album generiert, der vermutlich einige inspiration von so alten Helden der Art Punk-Welt bezieht, die sich etwa von The Pop Group, Pylon, ein paar Spuren von James Chance, Pere Ubu und gar einer Messerspitze von Wire erstrecken, hin zu deren potenziell etwas untergrundigeren, synth-lastigeren Gegenstücken der Sorte Minimal Man, Visitors, Neverous Gender... und oberndrein steckt da natürlich noch etwas offensichtliche Devo-DNA mit drin. Oder, in jüngerer Zeit, mag man da Gemeinsamkeiten mit so Acts wie Landowner, Cartoon oder Ismatic Guru wiederfinden. Die folkig-schrammelige Energie in 0126iii ruft dann wiederum den alten Krempel von Angst, Volcano Suns oder My Dad Is Dead ins Gedächtnis. Was aber niemand abstreiten wird ist dass hier eine beeindruckende Vielfalt abgedeckt wird, angetrieben von einem ruhelosen kreativen Bewegungsdrang der sich im Laufe des Albums Bahn bricht und auch wenn hier nicht absolut jedes Experiment in gleichwertigen Erfolgen mündet, bin ich angesichts der vergleichsweise stolzen Laufzeit und großzügigen 21 Songs doch mehr als gewillt, diese Platte anhand ihrer Fülle von Treffern zu beurteilen und nicht nach den raren Fehlschüssen.

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Brash Habits – Feeling The Light

Diese Band aus Maumee, Ohio hat eine gesalzene Ladung Synth-lastiger, powerpoppiger Garage Punk-Qualität für uns auf Lager in Form ihrer Debüt-LP, dessen saumäßig eingängige Pop-Nuggets durchweg durchzogen sind von einer nebeligen bis surrealen Atmosphäre und dabei ein ganz respektables Spektrum abdecken das sich von alten Lost Sounds, solo Jay Reatard oder Digital Leather über die Songexplosionen von King Tuff oder frühen Vaguess hin zu so aktuellen Zeiterscheinungen wie Monda, Booji Boys oder der phänomenalen Emmet O'Conner LP aus dem letzten Jahr erstreckt. Ein Dauerfeuer aus hartnäckigen Ohrwürmern deren potenziell überwältigender Hang zur Melancholie sich hier aber genauso häufig auch mit einer durchaus euphorisch zu nennenden Energie ausbalanciert.

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The UTI’s – Migraine Music

Die vorherige EP This Has To Be Hell hat's für mich noch nicht so ganz gebracht aber ihr konsistenterer, besser ausgearbeiteter Nachfolger ist jetzt doch sicher mal 'nen Blogpost wert, ein relativ weirder Bastard zwischen leicht eierpunkigem Synth-Gequietsche und fuzzigem Space Punk etwa der Corpus Earthling oder Zoids-Machart. Da passiert nichts schrecklich schlaues oder originelles, aber der Scheiß weiß dennoch zu überzeugen dank einer unbeirrt-entschlossenen Hingabe an ihre ausgesprochen simpel gestrickte Klangformel.

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Billiam – Open Comma Vault

Billiam ist wie immer ein vielbeschäftigter Mann und hat nicht nur zuletzt schon seine jüngste Lathe Cut-5" via Low Ambition Records rausgehauen sondern es ist auch schon eine neue LP angekündigt, die irgendwann bald auf Erste Theke Tonträger erscheinen soll. Bevor das soweit ist, bekommen wir jedoch diese nette Compilation von Krümeln und Überresten, Compilation-Tracks, Outtakes, alternativen Versionen… ihr kennt die Masche. Manches habt ihr sicher in der einen oder anderen Form schon mal gehört, anderes vermutlich noch nicht, aber eins macht auch diese Platte absolut klar: Was Billiam hier als sein vermeintliches B-Material versammelt ist immer noch von derart hoher Klasse, dass viele andere Bands kaltblütig töten oder ihre Seele verkaufen würden für eine Handvoll solcher Songs.

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Shrudd – Hammerman / Autovisit

Shrudd aus Louisville, Kentucky kann man ja schon länger zu den substanzielleren jungen Vertreteren im Garage Punk-Umfeld zählen aber ein echter Quantensprung für die Band war ihr erster Langspieler No Man Is Good Three Times im letzen Winter, auf der sie ihre bescheidenen Eggpunk-Anfänge gegen einen eigenständigeren und komplexeren Sound an der Schnittstelle von einerseits Garage- und Post Punk und andererseits Psychedelic- und Space Rock eintauschten. Schwierige Aufgabe, mit einem Nachfolger zu so einem Hammeralbum zu überzeugen aber die zwei ersten neuen Songs seitdem (die alberne Weihnachtssingle dazwischen ignoriere ich mal) schlagen sich da mal ausgesprochen gut und halten problemlos das Niveau als hochklassige Kaliber in dem zuvor etablierten Genre-Spektrum von ausgefeiltem und durchweg elegantem Post-/Garage Punk grob in der Nachbarschaft von so Bands wie Mononegatives, Useless Eaters, Institute, Corker, Marbled Eye, Tube Alloys oder Electric Prawns 2, aber irgendwie auch schon wieder ihre ganz eigene Tasse Tee.

Klint – Our Innocence Makes Way For Bitter Hate

Die einstmalig als Ein-Mann-Kapelle agierende Synth-/Electro Punk-Hausnummer Klint aus Schleswig ist wohl schon vor geraumer Zeit zu einem Duo gewachsen mit, wie es mir ein Vögelchen geflüstert hat, konkreten Plänen in dieser Form bald auch als Live-Act die Clubs und Keller zu beehren. Und wenn du dir jetzt dachtest "Der Gesang hier klingt aber ungewohnt", dann liegt das in der Tat daran, dass jetzt nicht mehr Sven singt sondern Roman. Abgesehen von dieser kleinen Technikalität halten sich Klint aber auch hier weitgehend an ihre durchschlagende, ureigene Formel aus Synth- und Sample-basiertem, strukturiertem Chaos und wer sich einmal in das alte Zeug vernarrt hat, wird auch diese neuen Songs widerstandslos absorbieren.

Hand Helds – Hello, Mr. Operator / Transatlantic Death Machine

Die Wiederveröffentlichung der ursprünglich ende letzten Jahres erschienenen Hello, Mr. Operator EP der New Yorker Elektropunks Hand Helds auf dem australischen Label Grog Records lies mich mal echt aufhorchen. Ein kurzer Blick auf ihr Bandcamp-Profil offenbart dann nicht nur dass es bereits einen Nachfolger zu der EP gibt, sondern auch eine Band, die offenbar schon ein paar Jahre ihr Ding durchzieht und konstant EPs in einem variablen Spektrum zwischen Noise-versifftem Garage Punk, minimalistischem und überwiegend ziemlich rauhem Synth- und Elektropunk rausgehauen hat. Ich bin mir ziemlich sicher, früher schon über die Band gestolpert zu sein, kann im Nachhinein aber auch nachvollziehen warum ich mich damit nicht weiter befasst habe, klingt viel ihres früheren Werkes doch nach einer maximalistischen Herangehensweise, möglichst viel Dreck an die Wand zu werfen um zu sehen was dran kleben bleibt. Nu ja, ein paar Dinge sind aber offensichtlich kleben geblieben und auf ihren jüngsten zwei EPs fügen sich die Teile viel nahtloser zusammen dank eines vergleichsweise minimalistischen und wohlüberlegten weniger-ist-mehr-Ansatzes. Hello Mr. Operater ist dabei klar noch die etwas kruder klingende EP mit einer stark in der Schuld von Primitive Calculators und vereinzelt auch Suicide stehenden Machart des bis auf die Knochen reduzierten Synth Punk. Die Transatlantic Death Machine EP tauscht dann die Bassgitarre gegen einen Schlagzeuger aus Fleisch und Blut ein und das Ergebnis ist noch ein gutes Stück wilder und fast schon ein bisschen elegant, auch wenn die dissonanten Muster aus Synth-Kakophonie in so Songs wie Glue Tongue alles daran setzen, darüber hinwegzutäuschen. Eine seltsam krautig-motorische Qualität durchzieht das Ding. Entschlackt auf ein Minimum aber mit der notwendigen Liebe für die Details auf die es ankommt ist das klar ein paar Tacken höher angesiedelt als die Masse an Electro Kraut-Veröffentlichungen und No-Wave-mäßigen '80er Synth Punk-Rückblenden.

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