Cuticles – More Joy

Wie gerade eben schon die Celebrators LP ist auch das Debütalbum von Cuticles aus Oamaru, Neuseeland eine saumäßig starke 21-Song LP, die eine vollkommen brilliante 15-Song LP sein könnte wenn man sie ein bisschen gestrafft hätte, aber wisst ihr... ich werde mich jetzt nicht über eine Fülle von so gutem Scheiß beschweren, insbesondere wenn er so verdammt meine Baustelle ist! Mit Mitgliedern an Bord unter anderem von den umtriebigen 2010er DIY Punk-Veteranen Moonrakers und Trendees, beinhaltet diese Band, die mich erstmals richtig aufhorchen ließ mit ihrer starken 2023er Pavlova EP, schon noch einiges von deren rumpeliger Avantgarde-DNA, aber kanalisiert das hier in ein ungleich eingängigeres und melodisches Ganzes, das viel von dem rohen, Half Japanese-mäßigen Chaos gegen eine vergleichsweise zugängliche Gesamtästhetik eintauscht mit starken Echos etwa von alten britischen DIY-Hausnummern im Swell Maps, Television Personalities, Mekons oder Desperate Bicycles-Dunstkreis, aber auch eine gute Dosis alter lokaler Flying Nun-Energie schwingt da mit sowie ein vereinzeltes Aufblitzen von Wire, insbesondere der stärker Pop-orientierten Seite ihres frühen Schaffens in so Songs wie Making Up Shit. Fragt ihr mich nach jüngeren Vergleichen, würde ich auch sagen dass Referenzen zu den New Yorkern Famous Logs In History, Society aus Philadelphia und dem frühem Werk von Adelaide's Exzentrikern Wireheads vermutlich nicht ganz fehl am Platz sind.

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Temporary Curse – Beep Thrash III

Nach zwei famosen EPs in 2024 poppen Temporary Curse aus Austin wieder hier auf mit einer dritten, die für mich auf den ersten Blick dann doch tatsächlich etwas mehr nach 2024 klingt als mir lieb ist, dank der beschleunigten Kodifizierung von Eggpunk-Tropes und -Konventionen, Genre-Übersättigung, bla bla bla... ich hab mich darüber schon ausgelassen. Etwas blutarm fängt das hier an bevor die Platte erst mit ihrem dritten Song Monochrome richtig in die Gänge kommt, in welchem sich hier erstmals wieder die markant catchy psychedelischen Qualitäten der beiden Vorgänger Bahn brechen in einer Explosion furioser Hooks, gefolgt von einem makellosen Juwel des griffigen Midtempo Fuzz Punk namens Insect und dem einfach gebauten aber umfänglich funktionalen Garagensmasher Speedracer. Der instrumentale Rausschmeißer-Song tut danach nicht weiter weh aber ist auch schnell wieder vergessen. So da habt ihr's, drei Treffer und drei Fehlzündungen auf dieser Platte und irgendwie ein Zeichen der Zeit dass ich hiermit vermutlich das erste wirklich lauwarme Review einer Platte in diesem Blog ablade... nicht dass ich mein stümperhaftes Geschreibsel jemals wirklich als "Reviews" verstanden hätte (anstatt als fragwürdig formulierte aber ernstgemeinte Empfehlungen), aber an diesem Punkt komme ich um das Wort wohl nicht mehr herum, oder? Immer noch besser als Content, haha.

Wie auch immer, wenn ihr euch gefragt habt warum ich mich in jüngerer Zeit ungewohnt kritisch zu manchen Platten äußere, dann ist es einfach der Tatsache geschuldet, dass das Musikjahr 2026 bisher die enttäuschendste, kreativ stagnierende Hundescheiße war an die ich mich erinnern kann seit ich das Blog angefangen hab und es mir zunehmend schwerer fällt noch jede Woche etwas zu finden, für das ich mich uneingeschränkt begeistern kann - sicher auch einer von mehreren Faktoren dafür, dass ich hier weniger und unregelmäßiger poste und irgendwie passend für Zeiten, in denen auch außerhalb der eigenen Bubble alles gute in der Welt zu verrotten und verrohen scheint und sich für absehbare Zeit wenig plausible Lichtblicke auftun. Whatever man, ich hoffe dass wenigstens der kommende Herbst das Jahr etwas rehabilitieren wird mit einer würdigen Flut herausragender VÖs, denn sonst kann ich nicht anders als zu hinterfragen warum ich den Scheiß hier eigentlich mache und wie viel Sinn es noch macht, mich Woche um Woche diesem nicht unsubstanziellen Grind auszusetzen, von dem ich eh nicht weiß wie lange ich ihn in meiner Situation noch realistisch aufrechterhalten kann. Überhaupt, ein Musikblog zu starten im Jahr 2013, zu einer Zeit in der die meisten anderen Blogs der 2000er Ära schon wieder verschwunden oder in ihren letzten Atemzügen waren und die potentielle Leserschaft zunehmend das offene Web zugunsten der dunklen Dystopie sozialer Medien verließ... was für eine verfickte Schnappsidee war das denn eigentlich? Jetzt fühlt sich 2026 irgendwie zunehmend nach dem Jahr an, in dem das alles für mich zu zerbrechen droht nicht zuletzt angesichts langjähriger persönlicher, ökonomischer und auch die seelische Gesundheit betreffender Realitäten. Wie auch immer in der Zwischenzeit, kann mal irgendwer was tun um mich von diesem nagenden Ende-einer-Ära-Vibe abzulenken?

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Electric Prawns 2 – City Streets

Die Erwartungen sind eigentlich immer unfair hoch anlässlich einer neuen Veröffentlichung von Electric Prawns 2, aber tatsächlich hat diese Band noch nie enttäuscht und zeigt sich auch mit diesen zwei Songs zu 100% in ihrem Element. City Streets ist genau diese Art von einem psychedelisch angehauchten, um ein simples aber durchschlagendes Hook konstruierten Garage Punk-Smasher in dem die Band schon immer brilliert hat, woraufhin dann Be With You Tonight erneut die göttlichen Power Pop-Instinkte der Band unter Beweis stellt. Nach einer halbjährigen Pause, die sich für diese Band fast wie eine Ewigkeit anfühlt nach ihrem rastlosen 2024-2025 Veröffentlichungsmarathon, zeigt unsere liebste halluzinogene Hitfabrik noch immer keine Spuren von Abnutzung.

The UTI’s – Migraine Music

Die vorherige EP This Has To Be Hell hat's für mich noch nicht so ganz gebracht aber ihr konsistenterer, besser ausgearbeiteter Nachfolger ist jetzt doch sicher mal 'nen Blogpost wert, ein relativ weirder Bastard zwischen leicht eierpunkigem Synth-Gequietsche und fuzzigem Space Punk etwa der Corpus Earthling oder Zoids-Machart. Da passiert nichts schrecklich schlaues oder originelles, aber der Scheiß weiß dennoch zu überzeugen dank einer unbeirrt-entschlossenen Hingabe an ihre ausgesprochen simpel gestrickte Klangformel.

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Auditing – Pinged

Die 2025er Modern Tension EP dieser aus der Asche der psychedelischen Garage- und Post Punk-Sensation Mononegatives entstandenen Band aus London, Ontario war bereits eine vielversprechende, wenn auch noch etwas chaotische, inkonsistente Angelegenheit. Diese zwei neuen Songs signalisieren jetzt einigen Fortschritt für die Band mit einer ausgefeilteren Herangehensweise an ihr Songwriting und einem fokussierteren, gut ausbalancierten Sound, der sich deutlich stärker in die Post Punk-Richtung reinlehnt als in die Garage Punk-Attacken alter Tage für eine Ästhetik, die nicht viel weniger weniger nebelig und abgespaced klingt als die alten Mononegatives Platten, aber gleichzeitig einen ganz eigenen, neuen Pfad betritt der eher ein paar oberflächliche Gemeinsamkeiten mit aktuellen Post Punk-Acts der Sorte Corker, Marbled Eye oder Tube Alloys nahelegt.

Forcer – Forcer

Hier ist mal ein im absolut positiven Sinne seltsames Album für euch von einer Band aus Charlotte, North Carolina. Das Ding beginnt ziemlich eindeutig als ein derbes Hardcore-Brett, auch wenn sich vom ersten Moment an auch ein unübersehbarer, psychedelish-abgespaceter Unterton breit macht, eine zunehmend melodische Qualität und ein fundament aus unbestreitbar hochwertiger Songkonstruktion, das sich spätestens im vierten Song Misery komplett Bahn bricht bevor die LP dann mit jedem folgenden Song das Tempo ein Stück zurücknimmt und sich ein Acid Rock-beeinflusster Post Punk-, Postcore- und Art Punk-Vibe herausschält, der mich ein bisschen an jüngere Science Man oder Optic Nerve erinnert und sogar ein bisschen ältere Poison Ruïn schwingt etwa in Make A Case mit. Unvermeidlich bewegt sich die LP letztendlich auf vollwertiges Space Rock-Territorium zu ohne dabei aber jemals den subtil emofizierten, melancholischen Unterton und seine melodische Brillianz zu vernachlässigen und zu keinem Zeitpunkt klingt die Band dabei nach irgendwem außer sich selbst - die belastbarsten Vergleiche dir mir auf die Schnelle einfallen wären dabei so Bands wie Shrudd oder Electric Prawns 2, aber ganz ehrlich bewegt man sich damit schon auf sehr glattem Eis. Außerdem könnte man das emotionale Breitwand-Drama im Mittelteil ein bisschen mit Tom Lyngcoln's Raging Head vergleichen oder dem spirituellen Nachfolger davon, seiner jüngsten Band namens Metho. Aber keiner dieser Vergleiche hält wirklich stand. Forcer haben hier ein im aktuellen Genre-Umfeld komplett eigenständiges Werk erschaffen, würde ich mal sagen.

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Shrudd – Hammerman / Autovisit

Shrudd aus Louisville, Kentucky kann man ja schon länger zu den substanzielleren jungen Vertreteren im Garage Punk-Umfeld zählen aber ein echter Quantensprung für die Band war ihr erster Langspieler No Man Is Good Three Times im letzen Winter, auf der sie ihre bescheidenen Eggpunk-Anfänge gegen einen eigenständigeren und komplexeren Sound an der Schnittstelle von einerseits Garage- und Post Punk und andererseits Psychedelic- und Space Rock eintauschten. Schwierige Aufgabe, mit einem Nachfolger zu so einem Hammeralbum zu überzeugen aber die zwei ersten neuen Songs seitdem (die alberne Weihnachtssingle dazwischen ignoriere ich mal) schlagen sich da mal ausgesprochen gut und halten problemlos das Niveau als hochklassige Kaliber in dem zuvor etablierten Genre-Spektrum von ausgefeiltem und durchweg elegantem Post-/Garage Punk grob in der Nachbarschaft von so Bands wie Mononegatives, Useless Eaters, Institute, Corker, Marbled Eye, Tube Alloys oder Electric Prawns 2, aber irgendwie auch schon wieder ihre ganz eigene Tasse Tee.

Kerosene Kream – Bye Mom!

Nachdem sie sich mit ihrer 2024er Buying Time EP so richtig in einen deutlich dunkleren Acid Rock-Vibe reingelehnt haben, umschifft auch auch der neueste Kurzspieler der Stockholmer Band weitgehend ihre früheren Eggpunk-Tendenzen, markiert aber doch eine Rückkehr zu etwas leichteren Vibes - so sehr das hier auch nach einem Trip klingt, ist das doch eine durchweg angenehme, farbenfrohe Abfahrt und was auch immer da übrig ist von den '60er psychedelischen Lastern in ihrem catchy Garagenpunk wird jederzeit aufgewogen mit verspielten Synth-Akzenten und verschrobenen Devo-ismen, die mir öfter mal rüberkommen wie ein ungleich sonnigeres Gegenstück zu ihren Stadtnachbarn, der lokalen Synth Punk-Legende Isotope Soap.

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United Stare – Voice Of Change

Die Punks aus Pittsburgh, Pennsynvania legen nach mit einem noch stärkeren, wenn auch vielleicht etwas stilistisch fragmentierten Nachfolger zu ihrer exzellent rohen Debüt-EP aus dem letzten Jahr. Der Opener Voice Of Change hat dabei einiges von einer Energie á la The Cowboy, Flat Worms, Punter oder The Men der Open Your Heart-Ära, worauf dann Burning In The City mehr von einem eher australisch klingendem Slacker Punk-Vibe abstrahlt irgendwo zwischen Dumb Punts, Gee Tee und Pist Idiots. Der Rausschmeißer Moon Landing gefällt dann zu guter Letzt als ein ausufernder, 7-minütiger Instrumental-Jam aus monotonem aber seltsam erbaulich klingendem, krautigem Space Rock-Exzess.

Station Model Violence – Station Model Violence

Diese Platte kam für mich wie aus dem Nichts als sie im Januar angekündigt wurde, wenngleich diese Songs und die Band dahinter - bestehend aus Mitgliedern unter anderem von Total Control, Den und R.M.F.C. - offenbar schon eine gute Weile im Hintergrund geköchelt hat. Vieles davon soll seinen Ursprung sogar in einer früheren Band namens KX Aminal haben, die nach meinem besten Wissen aber nie Australien verlassen und auch keine Musik veröffentlicht hat, weshalb es sicher auch entschuldbar ist, davon zuvor nichts gewusst zu haben. Wie auch immer, die Erwartungen waren hoch für diese Platte und ich freue mich zu sagen, dass jene hier mit Links erfüllt und übertroffen werden in einem Sound, der Elemente von allen drei erwähnten, bekannteren Bands beinhaltet aber diese gleichsam auch an unerwartete Orte transportiert in einer luftigen Klangästhetik, die vertraut wirkende Post Punk-Vibes mit einer Menge von sphärischer New Age-Entrücktheit verwebt, krautig-motorischer Repetition, weiteren Flavors von '70er Art Rock und nicht zuletzt auch eine leicht folkige Kante die mich an die neuseeländischen Postpunker Trust Punks und deren nach Berlin verzogene Nachfolgerband Dead Finks erinnert, zu einem epischen und zutiefst atmosphörischen, ausufernden und halluzinogenen Trip, der seine Wirkung am besten an einem Stück genossen entfaltet. Eine Rarität in dieser Zeit als ein noch mit großem A geschriebenes und konzipiertes Album, zusammen mehr als bloß die Summe zehn einzelner Songs, die zusammen auf eine LP gepresst wurden.

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