Fir Cone Children – The Straight & The Curly

Fir Cone Children - The Straight & The Curly

Wäh­rend das im letz­ten Som­mer erschie­nene No Gra­vity Girls irgend­wie nicht so recht bei mir zün­den wollte, trifft der vierte Lang­spie­ler wie­der ziem­lich ins Schwarze. Sound­mä­ßig ist das nach wie vor die char­mante Ver­schmel­zung aus Noise Pop, Shoegaze, ent­schlos­se­nen Punk­at­ta­cken und der son­ni­ge­ren Seite von 60s Psy­che­de­lia, wie sie man vom Ber­li­ner Ein-Mann-Pro­jekt gewohnt ist. Auch im Jahr 2018 klingt das noch voll­kom­men eigen­stän­dig. Deut­lich zuge­legt hat aber das zugrunde lie­gende, ver­gleichs­weise auf­ge­räumte Song­ma­te­rial, das kei­nes­wegs mehr nach Gaf­fer­tape und Sekun­den­kle­ber klingt, son­dern in sich geschlos­sen und aus einem Guss.

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Germ House & Far Corners – Split Tape

Germ House & Far Corners - Split Tape

Gelun­gene Split­kas­sette zweier Bands aus Rhode Island, die jeweils den Front­mann Jus­tin Hub­bard gemein­sam haben. Die mir bis­lang weni­ger ver­trau­ten Germ House gefal­len dabei schon mal ganz aus­ge­zeich­net mit weit­ge­hend relax­tem, mini­ma­lis­tisch-repe­ti­ti­vem Lo-Fi Indie­rock, dem man einen gewis­sen Woo­len Men-Vibe oder Ähn­lich­kei­ten zum Psych-/Fuzz Pop von Vio­lent Change nicht abspre­chen kann.
Deut­lich der­ber geht dann der noi­selas­tige Post­punk der Far Cor­ners zur Sache, die ja hier in der Ver­gan­gen­heit schon mit ein paar klasse EPs auf­ge­fal­len sind. Die neuen Songs sind natür­lich eben­falls wie­der erste Sahne.

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Vital Idles – Left Hand

Vital Idles - Left Hand

Ganz bezau­bern­der Krem­pel aus Glas­gow irgendwo zwi­schem relax­tem Indie­rock, mini­ma­lis­ti­schem Post­punk, son­nig daher geschram­mel­tem Power-/Ga­rage Pop und einem gele­gent­li­chen Hauch von Psy­che­de­lic.

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Exek – Ahead Of Two Thoughts

Exek - Ahead Of Two Thoughts

Das Schaf­fen die­ser Band ver­folge ich äußerst gespannt, seit Exek mir zum ers­ten mal durch eine Split-EP mit Spray Paint ins Bewusst­sein dran­gen. Mit ihrer eigen­wil­li­gen Mischung aus Dub, Post- und Art­punk, Psy­che­de­lic und diver­sen ande­ren expe­ri­men­tel­len Sounds klin­gen sie wie der­zeit keine ande­ren Band. Nach einer Com­pi­la­tion im vor­letz­ten Jahr ist jetzt das lange erwar­tete Debüt­al­bum der Band erschie­nen und es ist schon erstaun­lich, wie kom­pakt und zugäng­lich ihr Sound dar­auf rüber­kommt, obwohl des­sen Grund­zu­ta­ten eigent­lich eher das Gegen­teil sug­ge­rie­ren wür­den. Kann man jetzt schon zu den abso­lu­ten High­lights des noch jun­gen Jah­res zäh­len.



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Contributors – Contributors

Contributors - Contributors

Hin­ter dem Alias Con­tri­bu­tors ver­birgt sich die Kol­la­bo­ra­tion von einer alt­ein­ge­ses­se­nen Sze­ne­größe und einer weit­aus jün­ge­ren Under­ground-Haus­num­mer; beide haben einen uner­müd­li­chen Out­put, den Hang zum Expe­ri­ment und eine voll­kom­mene Gleich­gül­tig­keit gegen­über den Lau­nen und Trends der gegen­wär­ti­gen Musik­szene gemein­sam. Und doch könn­ten sie unter­schied­li­cher kaum sein. Dabei ist es erstaun­lich, wie gut sie sich auf die­ser Platte ergän­zen.

Also Katze aus dem Sack: Es han­delt sich um die Gara­gen­in­sti­tu­tion Dan Mel­chior, der aktu­ell mit sei­ner Band Das Menace unter­wegs ist und um die Texa­ni­sche Expe­ri­men­tal-, Noise- und Post­punk-For­ma­tion Spray Paint, die an Beob­ach­tern die­ses Blogs und gen­rell an Freun­den des etwas absei­ti­ge­ren Lärms sicher nicht vor­bei gegan­gen ist. Die sechs aus­ufern­den Songs auf Con­tri­bu­tors wei­sen einen aus­ge­präg­ten Jam-Cha­rak­ter auf und in der Tat ent­stand diese Musik spon­tan im Laufe einer ein­wö­chi­gen Auf­nah­me­ses­sion.

Auf Son­ge­bene klingt das immer erstaun­lich homo­gen, aber man kann auch ziem­lich gut aus­ma­chen, wes­sen Song­ideen wann das musi­ka­li­sche Fun­da­ment bil­den. Das Album ist offen­sicht­lich zwei­ge­teilt. In der ers­ten Hälfte domi­niert der Klang­tep­pich aus mini­ma­lis­ti­schen, repe­ti­ti­ven Groo­ves, Dro­nes und Quasi-Loops, so wie die sich auch auf den ver­gan­ge­nen Spray Paint-Plat­ten wie­der­fin­den. In Ver­bin­dung mit Dan Mel­chi­ors mar­kan­ter Fuzz-Gitarre und sei­nem unauf­ge­reg­tem Gesang bekommt das Ganze aber auch einen sehr krau­ti­gen, Neu!sigen Vibe ver­passt.

In der zwei­ten Hälfte dre­hen sich die Ver­hält­nisse dann spür­bar um. Hier domi­nie­ren Mel­chi­ors Gitar­ren­spiel und aus­ge­spro­chen blue­sige Song­fun­da­mente, die eigent­lich nur aus sei­ner Feder stam­men kön­nen. Jetzt ist es an Spray Paint, die Lücken aus­zu­fül­len. Und auch das muss man als durch­weg gelun­gen bezeich­nen. Sel­ten erlebt man es, dass zwei der­art gegen­sätz­li­che Acts sich selbst abso­lut treu blei­ben und den­noch eine so tadel­los funk­tio­nie­rende Sym­biose ein­ge­hen.



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Ounce – Satan II /​ Dead Mirror

Ounce - Satan II / Dead Mirror

Die Debüt-EP von Ounce aus Auck­land, Neu­see­land weckt das sofor­tige Bedürf­nis, mehr von die­ser Band zu hören. Denn was sie in die­sen zwei Songs fabri­zie­ren ist ein­fach mal ein ver­dammt gei­ler und aus­ge­fuchs­ter Gara­ge/­Psy­che­de­lic-Hybrid, den man so eher von der Kali­for­ni­schen Dwyer-Con­nec­tion erwar­tet hätte. Satan II setzt sich dabei mit einem unver­schämt gemei­nen Groove in den Syn­ap­sen fest, der dem Song­ti­tel durch­aus gerecht wird. Dead Mir­ror geht dann etwas leicht­fü­ßi­ger zur Sache, behält aber die chir­ur­gi­sche Prä­zi­sion der Dar­bie­tung auf­recht und bezau­bert nicht zuletzt auf­grund des hoch­dis­zi­pli­nier­ten Drum­mings, dem man einen gewis­sen Jaki Lie­be­zeit-Vibe nicht abspre­chen kann.

Parsnip – Parsnip 7″

Parsnip - Parsnip 7"

Eine äußerst stim­mige Debüt-EP von einer Band aus Mel­bourne, die rich­tig Spaß macht in ihrer fluffi­gen Mischung aus 60s Garage- und Psy­che­de­lic Pop.


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Seafog – Dig It On Up

Seafog - Dig It On Up

Eine nicht mehr brand­ak­tu­elle aber umso exzel­len­tere EP kommt von einer Band aus Dun­edin, Neu­see­land. Einen Sound rol­len sie dar­auf aus, bei dem ich mir kaum vor­stel­len könnte, dass er irgend­ei­nem ande­ren Ort ent­spränge. Das hat ein­fach die­sen spe­zi­el­len Fly­ing Nun-Vibe. Relax­ter Indie­rock und Jangle Pop mit post­pun­ki­gen Groo­ves, durch­zo­gen von psy­che­de­li­schen Dro­nes, immer eine Zehen­spitze vor­sich­tig in die Avant­garde getaucht. Und natür­lich erin­nert mich das an The Clean sowie an aktu­elle Bands á la Surf Fri­ends, T54 und Boom­ga­tes.


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Autobahn – The Moral Crossing

Autobahn - The Moral Crossing

Wer die­ses Blog schon etwas län­ger ver­folgt, dem sind die Post­pun­ker aus Leeds hier sicher schon mal mit ihren ers­ten zwei EPs begeg­net. Ihr ers­tes Album Dis­sem­ble hab ich sei­ner­zeit dann mal aus­ge­las­sen. Das war kei­nes­wegs schlecht, aber mei­nen Erwar­tun­gen wurde das auch nicht gerecht; für mei­nen Geschmack war das alles etwas zu nah am „siche­ren“ aber unbe­mer­kens­wer­ten Genre-Stan­dard­fraß gebaut.

Ihre zweite LP The Moral Crossing ist im Ver­gleich eine viel, viel stär­kere Platte. Wenn auch eine von der Sorte, der ich mehr Respekt als Liebe ent­ge­gen zu brin­gen ver­mag. Ein zu Beginn sorg­fäl­tig kon­stru­ier­tes, atmo­sphä­risch dich­tes Werk, das einen beacht­li­chen Sog ent­wi­ckelt, in der zwei­ten Hälfte aber auch zuneh­mende Abnut­zungs­er­schei­nun­gen zeigt. Den­noch, alleine schon der Mit­tel­teil mit den Über­songs Future /​ The Moral Crossing /​ Torment, die sich als der emo­tio­nale Kern des Albums her­aus­schä­len, ist eine beacht­li­che Leis­tung.

Mehr als je zuvor schöp­fen Auto­bahn ihre Inspi­ra­tion aus klas­si­schem 80er Goth. Wer mit einem gewis­sen Maß an Pathos und Kitsch nicht klar kommt, wird sich mit die­ser Musik schwer tun. Die Songs kön­nen die­sen Bal­last größ­ten­teils aber auch pro­blem­los tra­gen. Aus­ba­lan­ciert wird das ganze dann aber von den hyp­no­ti­schen Kraut- und Psy­che­de­lic-Anlei­hen, die irgend­wie auch schon immer Teil ihres Sounds waren, aber hier erst­mals ver­mehrt ins Zen­trum rücken. Manch­mal bewe­gen sich die Songs gefähr­lich nah an der Schwelle zum Alter­na­tive Rock, ohne mich dabei allzu sehr anzu­pis­sen.

Neben der neuen Pro­tom­ar­tyr ist The Moral Crossing wohl die zweite dies­jäh­rige Post­punk-Ver­öf­fent­li­chung mit stark Genre-über­grei­fen­dem Appeal. Mal abwar­ten was jetzt pas­siert. Nicht viel, ver­mut­lich.



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