Kerosene Kream – Bye Mom!

Nachdem sie sich mit ihrer 2024er Buying Time EP so richtig in einen deutlich dunkleren Acid Rock-Vibe reingelehnt haben, umschifft auch auch der neueste Kurzspieler der Stockholmer Band weitgehend ihre früheren Eggpunk-Tendenzen, markiert aber doch eine Rückkehr zu etwas leichteren Vibes – so sehr das hier auch nach einem Trip klingt, ist das doch eine durchweg angenehme, farbenfrohe Abfahrt und was auch immer da übrig ist von den ’60er psychedelischen Lastern in ihrem catchy Garagenpunk wird jederzeit aufgewogen mit verspielten Synth-Akzenten und verschrobenen Devo-ismen, die mir öfter mal rüberkommen wie ein ungleich sonnigeres Gegenstück zu ihren Stadtnachbarn, der lokalen Synth Punk-Legende Isotope Soap.

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United Stare – Voice Of Change

Die Punks aus Pittsburgh, Pennsynvania legen nach mit einem noch stärkeren, wenn auch vielleicht etwas stilistisch fragmentierten Nachfolger zu ihrer exzellent rohen Debüt-EP aus dem letzten Jahr. Der Opener Voice Of Change hat dabei einiges von einer Energie á la The Cowboy, Flat Worms, Punter oder The Men der Open Your Heart-Ära, worauf dann Burning In The City mehr von einem eher australisch klingendem Slacker Punk-Vibe abstrahlt irgendwo zwischen Dumb Punts, Gee Tee und Pist Idiots. Der Rausschmeißer Moon Landing gefällt dann zu guter Letzt als ein ausufernder, 7-minütiger Instrumental-Jam aus monotonem aber seltsam erbaulich klingendem, krautigem Space Rock-Exzess.

Station Model Violence – Station Model Violence

Diese Platte kam für mich wie aus dem Nichts als sie im Januar angekündigt wurde, wenngleich diese Songs und die Band dahinter – bestehend aus Mitgliedern unter anderem von Total Control, Den und R.M.F.C. – offenbar schon eine gute Weile im Hintergrund geköchelt hat. Vieles davon soll seinen Ursprung sogar in einer früheren Band namens KX Aminal haben, die nach meinem besten Wissen aber nie Australien verlassen und auch keine Musik veröffentlicht hat, weshalb es sicher auch entschuldbar ist, davon zuvor nichts gewusst zu haben. Wie auch immer, die Erwartungen waren hoch für diese Platte und ich freue mich zu sagen, dass jene hier mit Links erfüllt und übertroffen werden in einem Sound, der Elemente von allen drei erwähnten, bekannteren Bands beinhaltet aber diese gleichsam auch an unerwartete Orte transportiert in einer luftigen Klangästhetik, die vertraut wirkende Post Punk-Vibes mit einer Menge von sphärischer New Age-Entrücktheit verwebt, krautig-motorischer Repetition, weiteren Flavors von ’70er Art Rock und nicht zuletzt auch eine leicht folkige Kante die mich an die neuseeländischen Postpunker Trust Punks und deren nach Berlin verzogene Nachfolgerband Dead Finks erinnert, zu einem epischen und zutiefst atmosphörischen, ausufernden und halluzinogenen Trip, der seine Wirkung am besten an einem Stück genossen entfaltet. Eine Rarität in dieser Zeit als ein noch mit großem A geschriebenes und konzipiertes Album, zusammen mehr als bloß die Summe zehn einzelner Songs, die zusammen auf eine LP gepresst wurden.

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Isotope Soap – The Century / Rise of The Centaur

Nun, es hat in etwa ein Jahr länger gedauert als versprochen, aber besser spät als nie ist hier eine neue LP von dem Stockholmer Synth Punk-Bollwerk Isotope Soap, das jetzt auch schon grob seit einem Jahrzehnt sein eigenes Ding dreht. Die müssen uns jetzt auch nichts mehr beweisen und liefern einfach ganz routiniert eine weitere Sammlung brillianter, abgespaceter Garage Punk-Feinkost ab, durchsetzt mit den von der Band gewohnten Devo-ismen und eingerahmt von ein paar John Carpenter-mäßigen Instrumentals, die dann noch ihr Übriges tun um die epischen Qualitäten dieses Albums zu unterstreichen.

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Top Secret Nicho – Lands

Hier ist ein neuer Nicho für euch der so top fucking secret ist, dass man ihn bei Bandcamp finden kann. Auf dem Nachfolger zur letztjährigen (digitalen) Single Dining Nothing / Sin Agenda Para La Muerte versorgt uns die Band aus Rosario, Argentinien mit mehr vom gleichen Qualitätslärm, eingeweicht in den trüben Gewässern von ’80er Post-, Garage- und Art Punk mit einer zusätzlichen Ebene von fuzzy Psychedelia obendrein, was diese Platte zu einem ziemlich guten Gegenstück zu der letzten Zulo Mini-LP macht, die vor kurzem ebenfalls auf der lokalen Szene-Boutique Fake Sex Tape erschienen ist.

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Anytime Cowboy – Slab Songs

Reuben Sawyer ist jetzt schon eine ganze Weile unterwegs mit verschiedenen Bands und Projekten in einem recht breiten Genre-Spektrum, schlug aber erstmals richtig ein im 12XU-Universum im vorletzten Jahr mit Demons Obey, seiner dritten LP unter dem Anytime Cowboy-alias – eine seltsame Kreatur von einer Platte, die Elemente von bluesigem, Jangle-beeinflusstem Cowpunk und Garage Pop auf eine geradezu surreal entrückte Klangwelt treffen ließen, geerdet in Sawyer’s fast schon verstörend ruhiger Gesangsdarbietung. Seine neueste LP verfeinert diese Rezeptur zu seiner reifsten Leistung bisher, auf der seine zuvor noch etwas zerrissen und fragmentarisch daherkommende Vision deutlich entrümpelt daherkommt und sich zu einer unerwartet kohärenten Klanglandschaft konsolidiert, in der seine gleichermaßen kauzigen, melodischen und melancholischen Kompositionen – zusammengehalten von überragenden Songwriting-Skills – leuchten und glitzern wie noch nie zuvor.

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Zulo – El Álbum Blanco

Zulo aus Rosario, Argentinien haben bereits eine respektable Reihe an LPs und EPs akkumuliert mit einem wandlungsfähigen Sound zwischen den Eckpunkten von fuzzy-psychedelischem Garage Punk, Noise- und Power Pop, aber noch nie zuvor haben ihre Songs ein solch konsistent hohes Niveau erreicht wie auf ihrem neuesten Langspieler, auf dem sie noch mehr als zuvor ihre abgespaceten Tendenzen zu Schau stellen und ihre eingängigen Tunes in einem psychedelischen Nebel verhüllen, der an einigen Stellen ebenso an alte Haudegen wie Telescopes, Spacemen 3 oder Flying Saucer Attack erinnern mag wie auch an jüngere Phänomene wie Honey Radar, Far Corners, Germ House oder Violent Change.

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Shrudd – No Man Is Good Three Times

Über die letzten paar Jahre haben Shrudd aus Loiseville, Kentucky zuverlässig mit jeder neuen Veröffentlichung die eigene Messlatte ein Stück höher gelegt aber ich würde mal sagen, dass ihr erster Langspieler jetzt noch mal in einer ganz anderen Liga spielt, ein bemerkenswerter Sprung vorwärts von allem was zuvor von der Band kam. Nachdem ihr bisheriges Werk sich durch eine Reihe verschiedener Subgenres plünderte, aber dabei fast immer eine gewisse Eggpunk-Qualität beinhaltete, bewegt sich die Band hier deutlich davon weg und der Opener M.M.I.T.L. hat da noch die größte Ähnlichkeit mit diesem gewissen Ghoulies-Vibe, bevor Stagnant als erster Vorbote einer dunkleren, stark psychedelischen Richtung mit Spuren etwa von Useless Eaters, Pow!, Electric Prawns 2 und Mononegatives fungiert. So richtig kommen jene Tendenzen dann aber in Fahrt mit den leicht Powerplant-mäßigen vibes von Bodies. EMT hingegen hat einen klassisch bluesigen, subtil Cowpunk-mäßigen Einschlag, gefolgt von Gift, welcher in den vollen abgespaceten Acid Punk-Overdrive geht. Und so ähnlich geht es weiter, wie die Band hier mit fast jedem Song ihren Klanghorizont ein Stück erweitert – ein weiteres Beispiel einer Band die aufwächst und von ihren bescheidenen Eggpunk-Wurzeln zu neuen Horizonten aufbricht, was Ex-Lumpy Martin Meyer mit Sicherheit stolz und glücklich machen wird. Und mich auch, denn der Scheiß ist einfach verdammt gut.

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Cartoon – Theatre Of The Absoid

Die 2024er LP Nyuck Nyuck Boing gehörte zu den unwahrscheinlichsten Highlights des letzten Jahres, ein sich seltsam anachronistisch anfühlender, unhandlicher Koloss von einer Platte, die im gleichen maße von US Post Punk/-core-Bands wie Saccharine Trust und Minutemen inspiriert scheint wie von britischem Art Punk der Swell Maps- und The Pop Group-Bauart, mit weiteren Echos von motorisch-krautigen Grooves, No Wave-Atonalität und reichlich ’60er Acid Rock-Exzess. Hier ist jetzt also der Nachfolger davon am Start und auch auf den trifft immer noch das meiste davon zu, wobei die Band zugleich aber auch ihre eklektizistischen Einflüsse zu einem etwas kohärenteren und greifbareren Päckchen verschnürt, nicht zuletzt weil sie sich hier stärker auf die psychedelische Seite der Gleichung konzentrieren und weniger auf die funky Post Punk-Grooves des Vorgängers, obwohl auch jene nochmal eine kleine Rückkehr feiern etwa in The Big Hit, das eine vergleichsweise versöhnlich gelaunte, relaxtere zweite Hälfte einläutet – das Yin und Yang einer Band die sich immer noch keinen halben Dreck schert um sauber geordnete Genre-Kategorien und unsere jeweiligen Vorstellungen davon.

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Electric Prawns 2 – Mano Oculta

Die australischen Garage Punk-Alleskönner sind wieder am Werk mit einer neuen EP, die sie dabei präsentiert wie sie sich Hals über Kopf in das komplett abgespacete Ende ihres Klangspektrums stürzen, wobei man hier dennoch klar unterscheiden kann zwischen den ersten zwei Songs, die eine minimalistischere Formel zugrunde haben und einen dunkleren Ton, der sich in einem ähnlichen Fahrwasser bewegt wie etwa Mononegatives, ältere Oh Sees, oder Pow!. Die folgenden zwei Tunes, die ich mal als die wirklichen Juwelen dieser Platte bezeichnen will (was nicht heißen soll, dass die anderen beiden für sich genommen weniger als saugut wären), verschieben die allgemeine Stimmung in eine melodischere, wenn auch in tiefer Melancholie versunkene Richtung und werden veredelt mit einem Hauch von einer klassischen Synth Wave-Qualität. Guter Scheiß, wie immer.

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