Cherry Cheeks – D.O. & The Bytes

2026 ist das Jahr in dem ich langsam darauf klarkommen muss, dass Egg Punk seinen kreativen Höhepunkt definitiv überschritten hat irgendwann in den letzten Jahren. Das Genre erscheint mir zunehmend gentrifiziert und überspannt und immer mehr warte ich darauf, dass die nächste kreative Explosion aus irgendeiner anderen Subnische aufpoppt. Nur um das klar zu stellen, es ist nicht so dass ich das Genre plötzlich nicht mehr mag oder das Interesse daran verloren hätte - das wird hier keine Neuauflage eines berüchtigt dummen "Eggpunk saugt"-Manifests, haha. Das wundervolle Chaos, dem wir irgendwann rückwirkend das Eggpunk-Etikett aufgedrückt haben war und ist eine Quelle der Freude und Kreativität, die einen großen Anteil daran hatte, Garage Punk frisch und spannend zu halten für ein gutes Jahrzehnt und es sieht auch keineswegs so aus, als ob das alles in absehbarer Zeit wegkommen wird. Und überhaupt, wer alt genug ist um zu beobachten wie einige (Sub-)Genres kommen und gehen, der weiß auch dass kein Genre jemals wirklich stirbt - alles findet irgendwann in einer unterschiedlich stark mutierten Form wieder den Weg zurück ins Zeitgeschehen. Was sich für mich verändert hat ist lediglich ein zunehmendes Gefühl von Übersättigung und die Tatsache, dass viel vom Genre sich zu einer Reihe von einfach quantifizier- und reproduzierbaren Strickmustern konsolidiert hat, die mit der Zeit einfach viel von ihrem anfänglichen Reiz verloren haben - eine bedauernswerte klangliche Entsprechung zu einer oberflächlichen Instagram-"Ästhetik" . Wenn aktuell es ein Punk-Subgenre gibt, das in plausibler Gefahr einer feindlichen AI Slop-Übernahme steht... Eggpunk wäre vermutlich der beste Kandidat dafür mit seiner zunehmend generischen Bibliothek an Tropes und Versatzstücken. Wie auch immer, was ich eigentlich sagen will ist, dass ich langsam an Gedult und Toleranz einbüße für die weniger inspirierten 08/15-Artefakte des Genres und wer mit einer Eggpunk-Veröffentlichung meine Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen will, muss zukünftig ein bisschen mehr kreative Anstrengung zeigen als nur den tausendsten Neuaufguss einer reichlich etablierten Genre-Grundformel.

Vor diesem rückläufigen Genre-Hintergrund kommt uns hier ein neuer Langspieler von Cherry Cheeks entgegen und ich muss sagen, dass ich doch mehr als beeindruckt bin wie gut sich die Musik dieser Band über die Jahre gehalten hat (und überhaupt gilt das eigentlich für die meisten Veteranen, Vorläufer und primären Einflüsse des Genres), obwohl es sich dann wiederum auch irgendwie genau um einen Strang von Egg Punk handelt, der rückwirkend immer Gefahr läuft sich etwas zu nah an dem zu bewegen, was sich mit der Zeit als sowas wie eine Standardformel herausgeschält hat, immer bedroht in einer lauwarmen Masse ähnlich gelagerter aber weniger inspirierter Bands unterzugehen. Der Fluch, seiner Zeit voraus zu sein würde ich dazu sagen... Was die Band aber immer über Wasser gehalten hat sind ihre überdurchschnittlichen Songwriting-Kapazitäten und mehr als je zuvor kommt diese Stärke auf ihrer neuesten LP zur Geltung in ihrem bislang potentesten all-killer Set von unverschämt eingängigen, süchtig machenden Noise- und Power Pop-Tunes, die genau zum richtigen Zeitpunkt auch an der Produktionsfront die Sache vorsichtig aufmischen mit einem geringfügig erdigeren, kräftigeren Drive, der ihren Sound mit einer halbvollen Schippe Dreck erfolgreich in die Gegenwart transportiert, wenngleich auch nichts davon im Jahr 2026 sonderlich neu oder innovativ rüberkommt. Am Ende kommt es auf die Songs an Dummerchen, und die sind hier mal sowas von am Start!

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Finale – Yo-yo

Verdammt, ist es tatsächlich fast fünf Jahre her seit wir zuletzt von diesen spanischen Egg-/Garage Punk-Veteranen gehört haben? Wie dem auch sei, die neueste EP zeigt die Band erneut in Topform vom ersten Moment an, wenn Almos Perdidas eine Detailarbeit und Eleganz transportiert die man eher von, sagen wir mal, späten Fugazi erwarten würde als aus dem aktuellen Eggpunk-Umfeld und die mal definitiv die unscheinbaren Anfänge der Band transzendiert, wenngleich die Band hier auch keineswegs versucht ihre musikalischen Wurzeln zu verschleiern. Die spannenden polyrhythmischen Spielereien in Pues pues pues pues sind ein weiteres beeindruckendes Beispiel dieser Fusion aus Egg-mäßiger Launen und Eigentümlichkeiten mit einer gesunden Dosis von ausgefuchstem Postcore, bevor Yo Yo dann die Platte zu einem unverschämt ansprechenden Abschluss führt in der Form einer ausgesprochen energischen, vergleichsweise geradeaus konzipierten aber keinesfalls simplistischen Punkgranate. Das darf alles mal locker durchgehen als sowohl eines der ambitioniertesten und reifsten wie auch durchschlagendsten Dinge, die Finale bisher abgeliefert haben.

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Fleon Sunoco – Naughty Chickens Lay Deviled Eggs

So ein Typ aus Bloomington, Indiana hat hier eine saumäßig ansprechendes Debüt mit dieser Mini-LP erschaffen, die mit einem Fuß im relativ Egg-mäßigen Garage Punk steht, mit dem anderen auf dem Gebiet des DIY Art Punk und die allgemeine Eierigkeit wird im Laufe der Platte zunehmend zurückgenommen, was dann auch klar hilft die drohende Eggpunk-Übersättigung zu umschiffen, sie sich selbst in einem langjährigen Befürworter des Genres wie mir zunehmend manifestiert. Nun, diese Platte vermeidet zumindest die häufigsten Klischees, Mängel und Fettnäpfchen des Genres und ihr deutlich roherer Sound im Vergleich mit vielen derzeitigen Bands erinnert mich hier stark an die formative 2010er Ära des Genres und die Bloomington-Connection legt dabei insbesondere Skull Cult als einen primären Einfluss nahe. Wie auch immer, nicht zuletzt dank einiger Killersongs wie 5:43 p.m., Giving Up und OCD braut sich so ein beeindruckendes Debüt zusammen, dass weit über der eigenen Gewichtsklasse austeilt und auf eigenen Beinen zu stehen vermag auch in einem empfindlich überfüllten Genre-Umfeld.

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The Broom – The Broom

Die rastlose Leipziger Szene ist mal wieder am Werk mit diesem schnieken neuen Tape voller moderat eieriger Garage Punk-Qualitätsware, die einerseits doch recht komfortabel in den Rahmen durchweg etablierter Genre-Parameter passt aber nichtsdestotrotz aus der Masse heraussticht dank der Stärke und Konsistenz des Songmaterials, aber nicht zuletzt auch einer subtilen, leicht schmierigen '70er Dad Rock-Kante und einer unaufhaltsamen Antriebskraft, die mich unter anderem an so älteren Scheiß wie Kid Chrome oder S.B.F. erinnert. Der Scheiß versucht hier nichts neues, aber trifft alle richtigen Nerven für mich und hat von Anfang bis Ende ausschließlich Hits an Bord.

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The UTI’s – Migraine Music

Die vorherige EP This Has To Be Hell hat's für mich noch nicht so ganz gebracht aber ihr konsistenterer, besser ausgearbeiteter Nachfolger ist jetzt doch sicher mal 'nen Blogpost wert, ein relativ weirder Bastard zwischen leicht eierpunkigem Synth-Gequietsche und fuzzigem Space Punk etwa der Corpus Earthling oder Zoids-Machart. Da passiert nichts schrecklich schlaues oder originelles, aber der Scheiß weiß dennoch zu überzeugen dank einer unbeirrt-entschlossenen Hingabe an ihre ausgesprochen simpel gestrickte Klangformel.

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Billiam – Open Comma Vault

Billiam ist wie immer ein vielbeschäftigter Mann und hat nicht nur zuletzt schon seine jüngste Lathe Cut-5" via Low Ambition Records rausgehauen sondern es ist auch schon eine neue LP angekündigt, die irgendwann bald auf Erste Theke Tonträger erscheinen soll. Bevor das soweit ist, bekommen wir jedoch diese nette Compilation von Krümeln und Überresten, Compilation-Tracks, Outtakes, alternativen Versionen… ihr kennt die Masche. Manches habt ihr sicher in der einen oder anderen Form schon mal gehört, anderes vermutlich noch nicht, aber eins macht auch diese Platte absolut klar: Was Billiam hier als sein vermeintliches B-Material versammelt ist immer noch von derart hoher Klasse, dass viele andere Bands kaltblütig töten oder ihre Seele verkaufen würden für eine Handvoll solcher Songs.

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Snarewaves – 4 Tracks

Die bisherige Diskografie dieser Band kann sich durchaus als sehr verwirrend und überwältigend darstellen mit einer Tonne von Veröffentlichungen die plötzlich auftauchen und auch wieder verschwinden, neue Songs zu ihrer Tracklist hinzugefügt oder wieder gelöscht bekommen und dann ist da noch die konstante Frage von "Hab ich diesen Song nicht schon gehört?" und "ist das jetzt eine Neuaufnahme odereine Wiederveröffentlichung?" Das ist so ein typischer Punkt wo ich gerne mal vorübergehend aussteige, ein bisschen Abstand nehme und darauf warte, dass etwas definitiveres, permanentes aus der Sache herauskommt. Ein solches Ding ist jetzt diese neue Kassette aus dem Hause Knuckles On Stun, dem zuverlässigen Verticker von vielleicht etwas zu steil eingepreister Eierware - ein Artefakt das diesmal vermutlich so bleiben wird wie es jetzt ist. Auch hier habt ihr vielleicht manchen Song schon mal gehört aber was macht das inzwischen eigentlich noch für einen Unterschied? Der Scheiß ist von gewohnt hoher Klasse und noch immer ist mir keine andere Band bekannt, die ihnen auch nur annähernd ähnlich klingt.

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Triple Ente – Desastres / Dasgüt – Dasgüt

Hier sind zwei arschpieksende neue Artefakte von eieriger Garage Punk-Brillianz. Das erste davon kommt von Triple Ente aus Alicante, Spanien. Es wäre ja eh schon komplett untertrieben zu sagen dass spanische Bands seit langem eine unverzichtbare Kraft in dem ganzen Genre-Clusterfuck sind und Triple Ente waren schon ziemlich früh ein Teil davon. Eine Band also, die uns jetzt nichts mehr beweisen muss und hier dennoch keine halben Sachen macht auf ihrer neuesten LP, auf welcher sie 14 neue Smasher einer stärker Richtung Garage orientierten Machart abliefern, was inzwischen irgendwie schon wieder angenehm oldschool im Eggpunk-Kontext klingt und absolut positiv an den Wilden Westen einer früheren Genre-Ära erinnert.

Relativ neu dabei ist hingegen die Band Dasgüt aus Philadelphia, die hier gleichsam aber mit einer nochmal viel oldschooligeren Garage Punk-Energie aufwarten im stark Gun Club-mäßigen, wie die Band Dasgüt betitelten Opener, bevor sich anschließend mehr des zu erwartenden Eggpunk-Irrsins entfaltet mit tonnenweise kranken Ideen und ansteckenden Hooks die sich wie ein roter Faden durch die Platte ziehen. Wie schon die Triple Ente LP, umgeht das hier aber viele der häufigsten Klischees unter anderen weil beide Bands weitgehend auf Synths, Elekronik oder eine übertriebene Homerecording-Ästhetik verzichten. Stattdessen kochen sie ihre Songs gekonnt herunter zu einem schlanken Kern aus aus eingängiger und spaßiger Garage Punk-Sonderlichkeit.

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The Caries Company – Episodio Especial

Verdammt, hat diese Band aus Alicante, Spanien die eigene Messlatte höher gelegt nach den zwei vielversprechenden aber noch sehr wechselhaften EPs von 2024. Das ist eine Variante von Garage- und Eggpunk, die einerseits recht gut in ein Schema passt dass solche überwiegend spanischen Bands wie Prison Affair, Sprgrs, Finale, Pringue oder auch vereinzelt internationale Nachzügler wie Beer etabliert haben, setzt sich aber positiv von der Masse ab mit einer rohen Antriebskraft, die viele geringere Vertreter des Subgenres vermissen lassen und nicht zuletzt haben sie eine Fülle von angemessen catchy Ohrwürmern im Gepäck, die der energischen Darbietung absolut würdig sind.

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M-Chev – The Jenkem Incident

Ich hab nicht viel neues oder aufschlussreiches über diese EP zu erzählen außer dass die Band aus Boise, Idaho sich halt in einer spezifischen Subnische betätigt, die zuvor von so Bands wie Prison Affair, Beer und vielleicht Set-Top Box etabliert wurde und sich hier abspielt wie eine extra krude Variante dieses speziellen Fleckchens in der Eggpunk-Landschaft und nicht trotz, sondern gerade wegen besagter dissonanter Rohheit den Nagel auf den Kopf trifft, auch wenn man eigentlich dem Genre hier nichts neues hinzufügt.

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