Manno hat das Domo Demo Ammo. Die vermutlich aus Winnipeg agierende Band verzückt meine Synapsen auf eine Art, die man heuztutage kaum anders als in die Egg-Schublade einordnen kann, die gleichsam aber auch aus jenem Pool heraussticht mit einem deutlich oldschooligerem Vibe der sich wie ein Flashback in die Prä- und Proto Egg-Ära der 2010er anfühlt und die schnörkellosen Garage Punk-Explosionen von so Bands wie Kid Chrome, S.B.F. und, etwas später, Set-Top Box, Crown Moulding, Liquid Face oder das frühe Schaffen von Science Man.
Die Debüt-EP dieser Engländer ist eine willkommene kleine Ablenkung aus oberflächlich egg-verwandtem Geschrammel das sich hier auf ein solides Fundament aus eigentlich ziemlich erdigem und antriebsstarkem, fuzz-geladenem Garage Punk stützen kann und eine Fülle von belastbaren, wenngleich auch nicht gerade neuen oder originellen, aber immer funktionalen Hooks und Riffs. Ein bodenständiges bündel von Songs, die genau wissen was sie erreichen wollen und exakt das abliefern. Nicht mehr, nicht weniger.
Yay, hier ist endlich die Debüt-LP dieser Band aus Bremen, eine Platte der ich durchaus entgegenfieberte, wenngleich ich auch begründete Zweifel nicht ganz verdrängen konnte, wie gut sich diese Masche im Jahr 2026 noch ausspielen wird angesichts dessen, wie rapide sich in den kurzen 18 Monaten seit ihrer Debüt-EP die Flut vage Snooper- und Prison Affair-informierter, eieriger Garage Punk-Acts multipliziert hat bis zu einem Punkt, an dem gewisse Übersättigungsphänomene einfach unvermeidbar werden, aber darüber hab ich mich zuletzt ja schon mehrfach ausgelassen. Leider kann ich dann auch nicht verbergen, dass meine Rezeption einer neuen Wax Minds LP davon tatsächlich ein wenig in Mitleidenschaft gezogen wird und irgendwie fühle mich wie ein Arschloch wenn ich das so sage, denn die Band selbst kann da eigentlich herzlich wenig für. Der erste Eindruck wird obendrein davon getrübt, dass das Album nicht unbedingt mit dem stärksten Material beginnt (insbesondere Tracks nummer zwei und drei Lead-Limbed Losers' Anthem und Growing Old, Staying Gold wollen bei mir nicht so wirklich zünden) und erst mit dem darauf folgenden Titeltrack so richtig ins Rollen kommt und letztendlich dann doch die goldene Zone aus catchy-ass Hooks, scharfkantiger Gitarrenarbeit und präziser rhythmischer Antriebskraft betritt, die wir uns davon erhofft haben. Hab ich außerdem schon erwähnt dass die Band live absolut killt? Tut sie euch unbedingt rein, wenn ihr Chance habt! Überhaupt sind meine Nörgeleien vielleicht einfach nur ein temporäres Ich-Problem das davon herrührt, wenn man über viele Jahre mit zu viel Egg-mäßigen Lärm auf einmal konfrontiert wird und so sehr sich diese Platte auch tatsächlich gegen eine zunehmende Masse aus ähnlich gelagerten Bands behaupten muss, so wacker hält sie sich dabei auch, zumindest nach dem etwas wackeligen Einstieg.
2026 ist das Jahr in dem ich langsam darauf klarkommen muss, dass Egg Punk seinen kreativen Höhepunkt definitiv überschritten hat irgendwann in den letzten Jahren. Das Genre erscheint mir zunehmend gentrifiziert und überspannt und immer mehr warte ich darauf, dass die nächste kreative Explosion aus irgendeiner anderen Subnische aufpoppt. Nur um das klar zu stellen, es ist nicht so dass ich das Genre plötzlich nicht mehr mag oder das Interesse daran verloren hätte - das wird hier keine Neuauflage eines berüchtigt dummen "Eggpunk saugt"-Manifests, haha. Das wundervolle Chaos, dem wir irgendwann rückwirkend das Eggpunk-Etikett aufgedrückt haben war und ist eine Quelle der Freude und Kreativität, die einen großen Anteil daran hatte, Garage Punk frisch und spannend zu halten für ein gutes Jahrzehnt und es sieht auch keineswegs so aus, als ob das alles in absehbarer Zeit wegkommen wird. Und überhaupt, wer alt genug ist um zu beobachten wie einige (Sub-)Genres kommen und gehen, der weiß auch dass kein Genre jemals wirklich stirbt - alles findet irgendwann in einer unterschiedlich stark mutierten Form wieder den Weg zurück ins Zeitgeschehen. Was sich für mich verändert hat ist lediglich ein zunehmendes Gefühl von Übersättigung und die Tatsache, dass viel vom Genre sich zu einer Reihe von einfach quantifizier- und reproduzierbaren Strickmustern konsolidiert hat, die mit der Zeit einfach viel von ihrem anfänglichen Reiz verloren haben - eine bedauernswerte klangliche Entsprechung zu einer oberflächlichen Instagram-"Ästhetik" . Wenn aktuell es ein Punk-Subgenre gibt, das in plausibler Gefahr einer feindlichen AI Slop-Übernahme steht... Eggpunk wäre vermutlich der beste Kandidat dafür mit seiner zunehmend generischen Bibliothek an Tropes und Versatzstücken. Wie auch immer, was ich eigentlich sagen will ist, dass ich langsam an Gedult und Toleranz einbüße für die weniger inspirierten 08/15-Artefakte des Genres und wer mit einer Eggpunk-Veröffentlichung meine Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen will, muss zukünftig ein bisschen mehr kreative Anstrengung zeigen als nur den tausendsten Neuaufguss einer reichlich etablierten Genre-Grundformel.
Vor diesem rückläufigen Genre-Hintergrund kommt uns hier ein neuer Langspieler von Cherry Cheeks entgegen und ich muss sagen, dass ich doch mehr als beeindruckt bin wie gut sich die Musik dieser Band über die Jahre gehalten hat (und überhaupt gilt das eigentlich für die meisten Veteranen, Vorläufer und primären Einflüsse des Genres), obwohl es sich dann wiederum auch irgendwie genau um einen Strang von Egg Punk handelt, der rückwirkend immer Gefahr läuft sich etwas zu nah an dem zu bewegen, was sich mit der Zeit als sowas wie eine Standardformel herausgeschält hat, immer bedroht in einer lauwarmen Masse ähnlich gelagerter aber weniger inspirierter Bands unterzugehen. Der Fluch, seiner Zeit voraus zu sein würde ich dazu sagen... Was die Band aber immer über Wasser gehalten hat sind ihre überdurchschnittlichen Songwriting-Kapazitäten und mehr als je zuvor kommt diese Stärke auf ihrer neuesten LP zur Geltung in ihrem bislang potentesten all-killer Set von unverschämt eingängigen, süchtig machenden Noise- und Power Pop-Tunes, die genau zum richtigen Zeitpunkt auch an der Produktionsfront die Sache vorsichtig aufmischen mit einem geringfügig erdigeren, kräftigeren Drive, der ihren Sound mit einer halbvollen Schippe Dreck erfolgreich in die Gegenwart transportiert, wenngleich auch nichts davon im Jahr 2026 sonderlich neu oder innovativ rüberkommt. Am Ende kommt es auf die Songs an Dummerchen, und die sind hier mal sowas von am Start!
Verdammt, ist es tatsächlich fast fünf Jahre her seit wir zuletzt von diesen spanischen Egg-/Garage Punk-Veteranen gehört haben? Wie dem auch sei, die neueste EP zeigt die Band erneut in Topform vom ersten Moment an, wenn Almos Perdidas eine Detailarbeit und Eleganz transportiert die man eher von, sagen wir mal, späten Fugazi erwarten würde als aus dem aktuellen Eggpunk-Umfeld und die mal definitiv die unscheinbaren Anfänge der Band transzendiert, wenngleich die Band hier auch keineswegs versucht ihre musikalischen Wurzeln zu verschleiern. Die spannenden polyrhythmischen Spielereien in Pues pues pues pues sind ein weiteres beeindruckendes Beispiel dieser Fusion aus Egg-mäßiger Launen und Eigentümlichkeiten mit einer gesunden Dosis von ausgefuchstem Postcore, bevor Yo Yo dann die Platte zu einem unverschämt ansprechenden Abschluss führt in der Form einer ausgesprochen energischen, vergleichsweise geradeaus konzipierten aber keinesfalls simplistischen Punkgranate. Das darf alles mal locker durchgehen als sowohl eines der ambitioniertesten und reifsten wie auch durchschlagendsten Dinge, die Finale bisher abgeliefert haben.
So ein Typ aus Bloomington, Indiana hat hier eine saumäßig ansprechendes Debüt mit dieser Mini-LP erschaffen, die mit einem Fuß im relativ Egg-mäßigen Garage Punk steht, mit dem anderen auf dem Gebiet des DIY Art Punk und die allgemeine Eierigkeit wird im Laufe der Platte zunehmend zurückgenommen, was dann auch klar hilft die drohende Eggpunk-Übersättigung zu umschiffen, sie sich selbst in einem langjährigen Befürworter des Genres wie mir zunehmend manifestiert. Nun, diese Platte vermeidet zumindest die häufigsten Klischees, Mängel und Fettnäpfchen des Genres und ihr deutlich roherer Sound im Vergleich mit vielen derzeitigen Bands erinnert mich hier stark an die formative 2010er Ära des Genres und die Bloomington-Connection legt dabei insbesondere Skull Cult als einen primären Einfluss nahe. Wie auch immer, nicht zuletzt dank einiger Killersongs wie 5:43 p.m., Giving Up und OCD braut sich so ein beeindruckendes Debüt zusammen, dass weit über der eigenen Gewichtsklasse austeilt und auf eigenen Beinen zu stehen vermag auch in einem empfindlich überfüllten Genre-Umfeld.
Die rastlose Leipziger Szene ist mal wieder am Werk mit diesem schnieken neuen Tape voller moderat eieriger Garage Punk-Qualitätsware, die einerseits doch recht komfortabel in den Rahmen durchweg etablierter Genre-Parameter passt aber nichtsdestotrotz aus der Masse heraussticht dank der Stärke und Konsistenz des Songmaterials, aber nicht zuletzt auch einer subtilen, leicht schmierigen '70er Dad Rock-Kante und einer unaufhaltsamen Antriebskraft, die mich unter anderem an so älteren Scheiß wie Kid Chrome oder S.B.F. erinnert. Der Scheiß versucht hier nichts neues, aber trifft alle richtigen Nerven für mich und hat von Anfang bis Ende ausschließlich Hits an Bord.
Die vorherige EP This Has To Be Hell hat's für mich noch nicht so ganz gebracht aber ihr konsistenterer, besser ausgearbeiteter Nachfolger ist jetzt doch sicher mal 'nen Blogpost wert, ein relativ weirder Bastard zwischen leicht eierpunkigem Synth-Gequietsche und fuzzigem Space Punk etwa der Corpus Earthling oder Zoids-Machart. Da passiert nichts schrecklich schlaues oder originelles, aber der Scheiß weiß dennoch zu überzeugen dank einer unbeirrt-entschlossenen Hingabe an ihre ausgesprochen simpel gestrickte Klangformel.
Billiam ist wie immer ein vielbeschäftigter Mann und hat nicht nur zuletzt schon seine jüngste Lathe Cut-5" via Low Ambition Records rausgehauen sondern es ist auch schon eine neue LP angekündigt, die irgendwann bald auf Erste Theke Tonträger erscheinen soll. Bevor das soweit ist, bekommen wir jedoch diese nette Compilation von Krümeln und Überresten, Compilation-Tracks, Outtakes, alternativen Versionen… ihr kennt die Masche. Manches habt ihr sicher in der einen oder anderen Form schon mal gehört, anderes vermutlich noch nicht, aber eins macht auch diese Platte absolut klar: Was Billiam hier als sein vermeintliches B-Material versammelt ist immer noch von derart hoher Klasse, dass viele andere Bands kaltblütig töten oder ihre Seele verkaufen würden für eine Handvoll solcher Songs.
Die bisherige Diskografie dieser Band kann sich durchaus als sehr verwirrend und überwältigend darstellen mit einer Tonne von Veröffentlichungen die plötzlich auftauchen und auch wieder verschwinden, neue Songs zu ihrer Tracklist hinzugefügt oder wieder gelöscht bekommen und dann ist da noch die konstante Frage von "Hab ich diesen Song nicht schon gehört?" und "ist das jetzt eine Neuaufnahme odereine Wiederveröffentlichung?" Das ist so ein typischer Punkt wo ich gerne mal vorübergehend aussteige, ein bisschen Abstand nehme und darauf warte, dass etwas definitiveres, permanentes aus der Sache herauskommt. Ein solches Ding ist jetzt diese neue Kassette aus dem Hause Knuckles On Stun, dem zuverlässigen Verticker von vielleicht etwas zu steil eingepreister Eierware - ein Artefakt das diesmal vermutlich so bleiben wird wie es jetzt ist. Auch hier habt ihr vielleicht manchen Song schon mal gehört aber was macht das inzwischen eigentlich noch für einen Unterschied? Der Scheiß ist von gewohnt hoher Klasse und noch immer ist mir keine andere Band bekannt, die ihnen auch nur annähernd ähnlich klingt.