Habt ihr euch auch schon gefragt, was eigentlich aus dem Dungeon Punk-Genre geworden ist? In den frühen 2020ern schien es noch so als würde der Krempel die Punkszene unaufhaltsam überrollen aber jetzt im Jahr 2026 muss ich feststellen, dass der letzte Großereignis in der Nische in Form der Steröid LP auch schon wieder anderthalb Jahre her ist. Klar, es gab da ein paar Versuche... wie die letzte Powerplant LP, die leider in einem halbgaren Schlamassel aus Prog-Gewichse den Faden verlor und lass uns erst gar nicht über die Enttäuschung reden, die in diesem Frühling mit Poison Ruin's aalglatten Versuch einherging, das Rockradio zu knacken. Aber wie auch immer, hier ist zur Abwechslung mal wieder ein würdiger Vertreter des Genres von einer Band, die ich zuvor nicht wirklich für sowas im Verdacht gehabt hätte, wennglich auch zumindest das Artwork ihrer Platten schon zunehmend in diese Richtung deutete.
Lass uns dabei aber zumindest nicht an einem anderen Elefanten im Raum vorbeireden und das ist die sehr fragwürdige Entscheidung, auf Bandcamp praktisch Vinyl-Preise für einen digitalen Download zu fordern, eine Praxis die bei einem erwerbslosen Bloggertypen wie mir, der sowieso kein Geld für Vinyl übrig hätte, echt für reichlich hohen Blutdruck sorgt, wie sich da bei bestimmten Bands und Labels zunehmend eine komplett absurde ein-Dollar-pro-Minute Policy zu etablieren scheint. Sowas könnte ich vielleicht wuppen, würde ich für's bloggen bezahlt. Werde ich aber nicht, daher lasst doch so einen Scheiß bitte einfach stecken. Ist ne assige Nummer sowas.
Okay das musste mal raus. Was aber nicht zu verleugnen ist, dass die Schweizer hier einen fraglos exzellenten zweiten Langspieler rausgehauen haben, der einerseits zwar keine wirklich neuen Werkzeuge zum Waffenarsenal des Genres beiträgt, aber dafür einen Qualitätslevel für angenehm käsigen Spaß hochhält, der mir in den letzten anderthalb Jahren doch sehr gefehlt hat. Bei dieser Band fühlt sich das durchaus nach einer logischen, organischen Entwicklung an und alle catchy Qualitäten ihres bisherigen Schaffens bleiben erhalten, aber werden nahtlos verschweißt mit einer knusprigen Schale aus altertümlichem Heavy Metal hier. Nie um ein gesundes (aber auch nicht überhand nehmendes) Maß an Kitsch verlegen, ist die Platte eine gewaltige Flut von Hooks, die dabei auch gerne mal auf die tiefer hängenden Früchte aus Songwriting-Werkzeugkiste zurückgreift und ich hab dem echt nichts entgegen zu setzen, weil der Scheiß einfach funktioniert. S.G.A.T.V. sind gläsern in ihren Methoden aber komplett treffsicher dabei, die primären Instinkte zu treffen. Sicher, die geplante Dungeon Punk-Offensive bleibt immer noch bis auf weiteres verschoben. Aber so lange hin und wieder eine Platte so wie diese auftaucht, bleibt doch zumindest die Hoffnung dass die mythischen Punk-Krieger weiterhin im Geheimen das dunkle Imperium unterwandern und an dessen Fundamenten kratzen werden.
Lasst alles stehen und liegen, es ist eine weitere Eggpunk-Platte erschienen... ja, ich weiß, big deal in dieser Ära. Aber das hier ist eine, für die ich mich nach wie vor begeistern kann. Ordentlich an Fahrt und tightem Punch hat diese Band aus Cleveland, Ohio dazugewonnen seit ihrer noch etwas flatterigen Digital Distortion EP, aber es ist mehr als nur das, denn wo jene Platte sich auch stilistisch noch echt schwertat, sich von der Masse an Snooper-inspirierten Trittbrettfahrern zu differenzieren, wächst die Band hier richtig rein in ihre eigene Weirdness und fieberhafte Energie, ich meine... verdammt, Can't Stop ist vermutlich der erste Song namens Can't Stop in vielen Jahren der wirklich so klingt als ob er nicht aufhören kann. Auch wenn er das sehr plötzlich tut, nach weniger als einer Minute. Die Songtitel sind Programm hier. (I Just Wanna) Be a Ramone wäre gerne ein Ramones-Song, Salsa hat einige Elemente von abgefucktem Salsa und Uptight klingt tatsächlich wie der nervöseste, verkrampfte Song auf der Platte. Tonnenweise aufregender Spaß von Anfang bis Ende auf dieser Platte und den größten Knall sparen sie sich für's Ende auf in Form des epischen Abschlusstracks The Nuclear Option, der viel mehr Inspiration von so Bands wie Uranium Club und Australien's chronisch unterbewerteten Garage Punk-Underdogs Electric Prawns 2 zu schöpfen scheint als von den üblichen Eggpunk-Referenzen dieser Zeit. Weise Entscheidung, das!
In unserer fortschreitend konsolidierten und kodifizierten Eggpunk-Ära bricht die dritte EP der New Yorker Raybees zwar nicht so 100% mit etablierten Genremustern, aber sticht dennoch durchaus raus aus der Masse indem sie die Regeln zumindest ordentlich verbiegt und damit aufwertet, was ansonsten ein weiteres durchschnittliches Artefakt der Prison Affair-Schule bliebe, mit einer angenehm rumpeligen Produktionsästhetik und etwas, das für mich irgendwie mal nach ganz klassischem DIY-Schlafzimmergetrommel auf Töpfen und Eimern klingt und den ansonsten etwas standardmäßigen elektrischen Beats etwas eigenen Charakter hinzufügt. Diese Songs strahlen eine glaubhafte Freude an der Sache und einen überspringenden kreativen Funken aus, den mir das Genre häufig vermissen lässt in jüngerer Zeit. Es schadet dabei sicher nicht, dass sich hier einige belastbare Songwriting-Klasse erkenntlich zeigt besonders in der zunehmend Synth-dominierten zweiten Hälte, wo Songs wie Knife Fight oder der Rausschmeißer Victory March fast schon einen oldschool Digital Leather-Feel transportieren.
Die neueste EP von Sprgrs aus Granada, Spanien ist mal wieder eins dieser Eggpunk-Artefakte, die sich auf den ersten Blick etwas zu treu an eine Standard-Genreformel halten und wäre nicht sonderlich erwähnenswert, wüde sie nicht sukzessiv die Messlatte höher legen und sich mit jedem Song etwas weiter von einer überstrapazierten Prison Affair-Schablone entfernen hin zu einer Qualität, die sich zunehmend auf die wachsende Qualität des zugrundeliegenden Songmaterials stützt und ab dem dritten Song so richtig in die Gänge kommt. Zugegeben, der Abschlusstrack Trabaja fällt dann wieder ziemlich in die Klischeekiste zurück. Aber hey, es ist das Jahr 2026 und offenbar können wir nicht mehr viel gute Dinge haben und erst recht nicht mehr in dieser Genre-Nische. Da nimmt man dann halt mit was man kriegen kann und ich werde mich nicht beschweren über eine EP mit drei so ausgemachten Knallern, immer noch klar ein Gewinner in dieser Ära der gemäßigten Erwartungen.
Roo Stafford aus Leicester, England hat jetzt schon einige Jahre rumgemacht an einer Reihe von durchaus erfreulichen EPs, aber er trifft mal sowas von den Nagel auf den Kopf mit seinem neuesten Bündel von unprätetiösen Garage Punk-Einschlagkratern, die sich stärker zuhause anfühlen in einer Ära so grob zwischen 2014 und 2020 als in der Gegenwart und nahtlos das unkontrollierbare Chaus und den kreativen Trieb der frühen (proto-)Eggpunk-Generation á la Erik Nervous, Skull Cult, Neo Neos, Hobocop, Coneheads mit der saumäßig tighten Performance bereits etablierterer Garagenbands der Zeit wie Sauna Youth, Ex-Cult oder frühen Useless Eaters zu einem kräftigen Sprengsatz verschweißt, der sich inzwischen wieder ausgesprochen erfrischend anfühlt in dieser doch häufig etwas zu vereinheitlicht und vorhersehbar klingenden Ära jenes Genre-Komplexes.
Es mag keine massive Musikwoche gewesen sein, aber zumindest mal eine gute Woche für Bands deren Name mit -ro endet und die satte 50% des Blog-Outputs ausmachen. Muss man ja positiv sehen. Apéro aus Hamburg hatten schon einen durchweg erfreulichen Eindruck gemacht mit ihrer Debüt-LP Cold Drinks, Cool Snacks im letzten Jahr und bewegen sich auf ihrer neuesten EP in einem ähnlichen Fahrwasser aus moderat Egg-mäßigem catchy-ass Garage- und Synth Punk und die ersten beiden Songs sind ja schon durchaus kromulente, vielleicht etwas routinemäßige Beispiele davon, aber es ist dann doch die zweite Hälfte in der die Platte so richtig zum Leben erwacht und aus dem Vollen schöpft in Sachen zeitloser Power Pop-Hooks, die mich unter anderem unterschwellig an die frühe Blütephase von Sheer Mag erinnern.
Nach zwei famosen EPs in 2024 poppen Temporary Curse aus Austin wieder hier auf mit einer dritten, die für mich auf den ersten Blick dann doch tatsächlich etwas mehr nach 2024 klingt als mir lieb ist, dank der beschleunigten Kodifizierung von Eggpunk-Tropes und -Konventionen, Genre-Übersättigung, bla bla bla... ich hab mich darüber schon ausgelassen. Etwas blutarm fängt das hier an bevor die Platte erst mit ihrem dritten Song Monochrome richtig in die Gänge kommt, in welchem sich hier erstmals wieder die markant catchy psychedelischen Qualitäten der beiden Vorgänger Bahn brechen in einer Explosion furioser Hooks, gefolgt von einem makellosen Juwel des griffigen Midtempo Fuzz Punk namens Insect und dem einfach gebauten aber umfänglich funktionalen Garagensmasher Speedracer. Der instrumentale Rausschmeißer-Song tut danach nicht weiter weh aber ist auch schnell wieder vergessen. So da habt ihr's, drei Treffer und drei Fehlzündungen auf dieser Platte und irgendwie ein Zeichen der Zeit dass ich hiermit vermutlich das erste wirklich lauwarme Review einer Platte in diesem Blog ablade... nicht dass ich mein stümperhaftes Geschreibsel jemals wirklich als "Reviews" verstanden hätte (anstatt als fragwürdig formulierte aber ernstgemeinte Empfehlungen), aber an diesem Punkt komme ich um das Wort wohl nicht mehr herum, oder? Immer noch besser als Content, haha.
Wie auch immer, wenn ihr euch gefragt habt warum ich mich in jüngerer Zeit ungewohnt kritisch zu manchen Platten äußere, dann ist es einfach der Tatsache geschuldet, dass das Musikjahr 2026 bisher die enttäuschendste, kreativ stagnierende Hundescheiße war an die ich mich erinnern kann seit ich das Blog angefangen hab und es mir zunehmend schwerer fällt noch jede Woche etwas zu finden, für das ich mich uneingeschränkt begeistern kann - sicher auch einer von mehreren Faktoren dafür, dass ich hier weniger und unregelmäßiger poste und irgendwie passend für Zeiten, in denen auch außerhalb der eigenen Bubble alles gute in der Welt zu verrotten und verrohen scheint und sich für absehbare Zeit wenig plausible Lichtblicke auftun. Whatever man, ich hoffe dass wenigstens der kommende Herbst das Jahr etwas rehabilitieren wird mit einer würdigen Flut herausragender VÖs, denn sonst kann ich nicht anders als zu hinterfragen warum ich den Scheiß hier eigentlich mache und wie viel Sinn es noch macht, mich Woche um Woche diesem nicht unsubstanziellen Grind auszusetzen, von dem ich eh nicht weiß wie lange ich ihn in meiner Situation noch realistisch aufrechterhalten kann. Überhaupt, ein Musikblog zu starten im Jahr 2013, zu einer Zeit in der die meisten anderen Blogs der 2000er Ära schon wieder verschwunden oder in ihren letzten Atemzügen waren und die potentielle Leserschaft zunehmend das offene Web zugunsten der dunklen Dystopie sozialer Medien verließ... was für eine verfickte Schnappsidee war das denn eigentlich? Jetzt fühlt sich 2026 irgendwie zunehmend nach dem Jahr an, in dem das alles für mich zu zerbrechen droht nicht zuletzt angesichts langjähriger persönlicher, ökonomischer und auch die seelische Gesundheit betreffender Realitäten. Wie auch immer in der Zwischenzeit, kann mal irgendwer was tun um mich von diesem nagenden Ende-einer-Ära-Vibe abzulenken?
Manno hat das Domo Demo Ammo. Die vermutlich aus Winnipeg agierende Band verzückt meine Synapsen auf eine Art, die man heuztutage kaum anders als in die Egg-Schublade einordnen kann, die gleichsam aber auch aus jenem Pool heraussticht mit einem deutlich oldschooligerem Vibe der sich wie ein Flashback in die Prä- und Proto Egg-Ära der 2010er anfühlt und die schnörkellosen Garage Punk-Explosionen von so Bands wie Kid Chrome, S.B.F. und, etwas später, Set-Top Box, Crown Moulding, Liquid Face oder das frühe Schaffen von Science Man.
Die Debüt-EP dieser Engländer ist eine willkommene kleine Ablenkung aus oberflächlich egg-verwandtem Geschrammel das sich hier auf ein solides Fundament aus eigentlich ziemlich erdigem und antriebsstarkem, fuzz-geladenem Garage Punk stützen kann und eine Fülle von belastbaren, wenngleich auch nicht gerade neuen oder originellen, aber immer funktionalen Hooks und Riffs. Ein bodenständiges bündel von Songs, die genau wissen was sie erreichen wollen und exakt das abliefern. Nicht mehr, nicht weniger.
Yay, hier ist endlich die Debüt-LP dieser Band aus Bremen, eine Platte der ich durchaus entgegenfieberte, wenngleich ich auch begründete Zweifel nicht ganz verdrängen konnte, wie gut sich diese Masche im Jahr 2026 noch ausspielen wird angesichts dessen, wie rapide sich in den kurzen 18 Monaten seit ihrer Debüt-EP die Flut vage Snooper- und Prison Affair-informierter, eieriger Garage Punk-Acts multipliziert hat bis zu einem Punkt, an dem gewisse Übersättigungsphänomene einfach unvermeidbar werden, aber darüber hab ich mich zuletzt ja schon mehrfach ausgelassen. Leider kann ich dann auch nicht verbergen, dass meine Rezeption einer neuen Wax Minds LP davon tatsächlich ein wenig in Mitleidenschaft gezogen wird und irgendwie fühle mich wie ein Arschloch wenn ich das so sage, denn die Band selbst kann da eigentlich herzlich wenig für. Der erste Eindruck wird obendrein davon getrübt, dass das Album nicht unbedingt mit dem stärksten Material beginnt (insbesondere Tracks nummer zwei und drei Lead-Limbed Losers' Anthem und Growing Old, Staying Gold wollen bei mir nicht so wirklich zünden) und erst mit dem darauf folgenden Titeltrack so richtig ins Rollen kommt und letztendlich dann doch die goldene Zone aus catchy-ass Hooks, scharfkantiger Gitarrenarbeit und präziser rhythmischer Antriebskraft betritt, die wir uns davon erhofft haben. Hab ich außerdem schon erwähnt dass die Band live absolut killt? Tut sie euch unbedingt rein, wenn ihr Chance habt! Überhaupt sind meine Nörgeleien vielleicht einfach nur ein temporäres Ich-Problem das davon herrührt, wenn man über viele Jahre mit zu viel Egg-mäßigen Lärm auf einmal konfrontiert wird und so sehr sich diese Platte auch tatsächlich gegen eine zunehmende Masse aus ähnlich gelagerten Bands behaupten muss, so wacker hält sie sich dabei auch, zumindest nach dem etwas wackeligen Einstieg.