Diese Leute aus Rye, Australien sind jetzt auch schon so einige Jahre am Werk, aber ich kann mich nicht erinnern dass sie zuvor schon mal so beherzt auf den Putz gehauen haben wie auf ihrer neuen 7" auf Legless Records, auf welcher sie erneut ihre catchy Songwriting-Skills unter Beweis stellen, aber sie mit einem deutlich rauheren Garage-Vibe und melancholischen Obertönen verquicken, die - obwohl meines Wissens niemand von jener Band direkt im aktuellen Line-Up von Doe St beteiligt ist - keinen Zweifel an der geografischen und persönlichen Nähe zu Melbourne's Garage Punk-Dynamos Split System lassen. Wer denen was abgewinnen kann, muss auch das hier gehört haben!
Sex Mex waren eine echte Konstante in den letzten paar Jahren und eine Bank, wenn es um einfach gestrickten, melodischen Fuzz- und Garage Punk geht, der sich nicht weit aus dem Fenster seiner zeitbewährten Gewinnerformel hinauslehnt aber auch noch nie enttäuscht hat, immer auf Kurs gehalten von der Qualität des Songmaterials und zweifellos handelt es sich bei der neuesten EP um eins der stärksten Bündel, die sie bislang auf uns losgelassen haben - erneut ein schnörkelloser Leckerbissen des Synth-veredelten, euphorischen Garage Pop.
Die Debüt-EP dieser Band aus Auckland, Neuseeland fühlt sich stark nach einem Flashback zu einer früheren Ära des (Proto-)Eggpunk, wie sie hier einen Sound nicht unähnlich etwa zu frühem Erik Nervous, Hobocop, Coneheads, Neo Neos, Skull Cult oder einem jungen Billiam mit einer rauhen oldschool Garage Punk-Kante verquicken, wie man es heutzutage eher selten hört aus der einfach nicht abreißen wollenden aktuellen Welle von Eggheads. Mir passt ausgesprochen gut den Kram denn irgendwie muss ich doch zugeben, die alte Schule etwas zu vermissen.
Über die letzten paar Jahre haben Shrudd aus Loiseville, Kentucky zuverlässig mit jeder neuen Veröffentlichung die eigene Messlatte ein Stück höher gelegt aber ich würde mal sagen, dass ihr erster Langspieler jetzt noch mal in einer ganz anderen Liga spielt, ein bemerkenswerter Sprung vorwärts von allem was zuvor von der Band kam. Nachdem ihr bisheriges Werk sich durch eine Reihe verschiedener Subgenres plünderte, aber dabei fast immer eine gewisse Eggpunk-Qualität beinhaltete, bewegt sich die Band hier deutlich davon weg und der Opener M.M.I.T.L. hat da noch die größte Ähnlichkeit mit diesem gewissen Ghoulies-Vibe, bevor Stagnant als erster Vorbote einer dunkleren, stark psychedelischen Richtung mit Spuren etwa von Useless Eaters, Pow!, Electric Prawns 2 und Mononegatives fungiert. So richtig kommen jene Tendenzen dann aber in Fahrt mit den leicht Powerplant-mäßigen vibes von Bodies. EMT hingegen hat einen klassisch bluesigen, subtil Cowpunk-mäßigen Einschlag, gefolgt von Gift, welcher in den vollen abgespaceten Acid Punk-Overdrive geht. Und so ähnlich geht es weiter, wie die Band hier mit fast jedem Song ihren Klanghorizont ein Stück erweitert - ein weiteres Beispiel einer Band die aufwächst und von ihren bescheidenen Eggpunk-Wurzeln zu neuen Horizonten aufbricht, was Ex-Lumpy Martin Meyer mit Sicherheit stolz und glücklich machen wird. Und mich auch, denn der Scheiß ist einfach verdammt gut.
Dieses neue Tape der Londoner Botox versucht überhaupt nichts neues aber in dem was es sich vornimmt, trifft es absolut den Nagel auf den Kopf wenn es ein primitives aber hochprozentiges Gesöff aus '77er-, KBD- und Garage Punk destilliert, das zu so 35% aus Fuzz und 45% aus Attitüde besteht und die übrigen 20% aus einem hauchdünnen Fundament zeitbewährter oldschool Punk-Tropes und -Formeln, die ihren Job hier ganz tadellos verrichten in einem Sound, der zu den sparsam-effektivsten Detonationen gehört, die mir in letzter Zeit so begegnet sind.
Omniwhores aus Chicago haben jetzt schon viele Jahre im Dunstkreis der Noise Rock-, Post- und Art Punk-Nischen rumgehämmert, aber nie zuvor haben sie für mich so genau einen Nerv getroffen wie auf ihrer neuen EP Sucker Face, auf welcher sie ihre beweglichen Teile wie die monotonen, elektrischen Beats, Kreissägen-Gitarren, scharfen Basslines und eine Batterie von abgedrehten Samples - alles davon schon bekannt von vorherigen Releases - neu arrangieren zu einer bislang ungehört organischen und nahtlosen Gesamtästhetik, eine Mischung die mich jeweils an so '80er bis '90er Krawallmaschinen wie World Domination Enterprises, Brainiac, Royal Trux und Butthole Surfers erinnert, auf die eine oder andere Art.
Die australischen Garage Punk-Alleskönner sind wieder am Werk mit einer neuen EP, die sie dabei präsentiert wie sie sich Hals über Kopf in das komplett abgespacete Ende ihres Klangspektrums stürzen, wobei man hier dennoch klar unterscheiden kann zwischen den ersten zwei Songs, die eine minimalistischere Formel zugrunde haben und einen dunkleren Ton, der sich in einem ähnlichen Fahrwasser bewegt wie etwa Mononegatives, ältere Oh Sees, oder Pow!. Die folgenden zwei Tunes, die ich mal als die wirklichen Juwelen dieser Platte bezeichnen will (was nicht heißen soll, dass die anderen beiden für sich genommen weniger als saugut wären), verschieben die allgemeine Stimmung in eine melodischere, wenn auch in tiefer Melancholie versunkene Richtung und werden veredelt mit einem Hauch von einer klassischen Synth Wave-Qualität. Guter Scheiß, wie immer.
Smashed Glass aus Vancouver erzeugen eine entzückende Mischung aus ausgefuzztem, Garage-infiziertem oldschool Indie Rock, Post- und Art Punk auf ihrer Debüt-EP. Deren Opener Running and Running hat einiges von einem frühen Woolen Men- oder Shark Toys-Vibe, woraufhin mich Dud stark an Volcano Suns erinnert. In Roundabout kollidiert ein Hauch von '80er Nomeansno mit ein paar klassischen Cowpunk-Versatzstücken. Dem Rauswerfer-Track Anyone Anywhere wohnt dann noch eine Qualität á la Scratch Acid-meets-Jawbox inne und es lässt sich auch nicht verleugnen, dass über die gesamte Laufzeit auch ein leises Hintergrundrauschen aus Mission Of Burma mitschwingt.
Corpus Earthling aus Hamilton, Ontario haben zumindest in meiner Welt ein paar ordentliche Wellen erzeugt mit ihrer 2024er LP The Glove, gefolgt von einer weiteren netten EP, einer vollen LP mit Coversongs. Und jetzt ist such schon wieder eine neue EP am Start mit einem ausgesprochen starken Bündel von abgespaceten Psych Punk-Knallern, die einerseits von so alten Art Punk-Bands wie MX-80, Chrome und Métal Urbain inspiriert scheinen aber gleichermaßen auch an eine Reihe von gegenwärtigen Bands á la Pablo X, Stdees, Zoids, Silicon Heartbeat, Mateo Manic und Thee Hearses erinnern.
Neues Futter für warmherzige Eierköpfe kommt zu uns von einem (vermutlich) in Providence, Rhode Island ansässigen Typen oder vielleicht auch einem Duo, das hier eine Handvoll fluffiger und zuckersüßer Power Pop-Hymnen erster Güte abliefert in einem unprätentiösen Eggpunk-Kostüm, nicht unähnlich zu so Vertretern wie Gonk, Power Pants, Gee Tee, Music For Microwaves, 1-800 Mikey oder Rude Television. Die Hauptattraktion ist hier aber nicht so sehr der Sound sondern viel mehr das starke Songmaterial selbst in all seinem tadel- und schnörkellosen Pop-Glanz.