Dark Thoughts – Highway To The End

Mann, es muss schon eine ganze Weile her sein, dass ich zuletzt von Dark Thoughts aus Philadelphia gehört habe, die seit vielen Jahren zu den ausgesprochen seltenen Bands gehören, die sich plausibel als „Pop Punk“ einordnen lassen ohne mich zu sofortiger Flucht zu veranlassen. Dark Thoughts haben den unmöglichen Trick immer noch drauf und alles was sie dafür brauchen ist einer der beherztesten und gleichzeitig doch relativ polierten Garage Punk-Sounds unserer Zeit, eine schnörkellose, entschlossene Performance und eine perfekte Trefferquote in Sachen des unverzüglich auf den Punkt kommenden Songhandwerks.

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Snarewaves – DIY / Snarewaves

irgendwie unvermeidbar, dass jetzt schon wieder zwei neue Snarewaves-Veröffentlichungen am Start sind! Nicht nur lief vor ein paar Wochen eine neue digitale EP vom Stapel, sondern es gibt auch schon eine exakt eine Minute lange neue Cassingle aus dem Hause Knuckels On Stun, bei der ihr euch selbst überlegen müsst ob es euch das jetzt wert ist, viereinhalb US Dollar für das Laufzeit-Äquivalent von drei Fünfteln einer durchschnittlichen Punknummer hinzulegen. Wie dem auch sei, das ist gewohnt exzellenter Scheiß, dieser neue Stapel von exzentrischen und durchgebrannten Garage-/Synth-/Elektropunk-Lärmausbrüchen, die genau so einfach gestrickt sind wie auch catchy und explosiv.

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Metho – Metholated Spirit

Tom Lyngcoln, ursprünglich vermutlich am bekanntesten für seine alten Bands Pale Heads und The Nation Blue, hat irgendwie ja mal so richtig einen Nerv getroffen mit seiner 2020er Solo-LP Raging Head und dessen überlebensgroßem Drama, das oldschooligen Postcore auf rustikale Americana-Elemente treffen ließ und dann auf eine minimale Grundfläche heruntertrimmte. Hier ist nun also seine neueste Band und ich würde mal sagen auch der spirituelle Nachfolger jenes singulären Projekts, bestehend aus einigen durchaus vertrauten Gesichtern wie etwa dem Garage Punk-Übermenschen Jackson Reid Briggs (aktuell als Frontmann von Split System bekannt), Callum Foley von The Blinds und The Stevens (sein Bass war auch schon auf Raging Head zu hören), sowie Jay Jones, um dessen alte Schlagzeugaufnahmen Raging Head herum konstruiert wurde, und der offensichtlich auch schon seit Mitte der ’90er in einem ganzen Arsch voll Bands mitgespielt hat, die alle etwas vor meiner Zeit waren. In erster Linie ist es aber auch hier Herr Lyngcoln’s unverkennbare Handschrifft, die wieder am stärksten durschscheint. Die Platte geht sich in etwa so aus wie eine etwas räudigere Variante der Solo-LP, spontaner und direkter, vergleichsweise unaufgeräumt im besten Sinne. An eine Sache erinnert mich das ganze darüber hinaus aber besonders, nämlich an die Bands von Josh Feigert und insbesondere dessen jüngere Projekte wie Uniform, Glittering Insects und Mother’s Milk.

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JJ Sizza – New, Old… New Again

Okay… wenn ich mich nicht irre handelt es sich bei diesem neuen Projekt aus Melbourne um einen Typen, der sonst bei Dr. Sure’s Unusual Practice und Kitchen People seine Finger drin hat und auf seiner seine Debüt-LP unter dem Alias JJ Sizza kreiert der einen Garage-/Synth Punk-Sound, der rüberkommt wie ein perfekter Mittelweg zwischen etwas älterer Ausmuteants-Schule und einem sich aktueller anfühlenden Egg-Vibe. Der Scheiß bleibt hängen, weil er alle magischen catchy Song-Tugenden an Bord hat die es dafür braucht. Nichts neues unter der Sonne also, aber nichtsdestotrotz tonnenweise berauschende Qualitätsware ohne nennenswerte Schwachpunkte!

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Class Act – Malaise

Nach einer schon durchweg vergnüglichen Debüt-EP von 2023 trifft die neue LP dieser Band aus Kansas City aber mal ganz eiskalt meinen Nerv mit ihren überraschend flexiblen, wandlungsfähigen Lärmattacken, in denen ein Hauch von oldschooligem US Westküsten-Style auf Echos von frühen Minutemen und solchen (Proto-) Postcore- und (Proto-) Noise Rock-Acts wie etwa Flipper, Really Red oder Saccharine Trust trifft. Deren unkonventioneller Style mutiert dabei aber zu einem ausgesprochen KBD-getränkten Garagenvibe, der sich genau so gut auch mit aktuellen Referenzen á la Launcher, Mystic Inane, Cutup, Fugitive Bubble, Rolex, Cucuy oder Flea Collar umschreiben ließe.

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Claimed Choice – Claimed Choice

Oi! aus Frankreich hat sich in den letzten Jahren ja zu einem Synonym entwickelt für einen exzellenten Qualitätslevel in einem Genre, das ich vor einem guten Jahrzehnt noch mit gutem Grund wie die Pest gemieden hätte. Ich muss einräumen, auch die aktuelle Inkarnation des Genres kann sich manchmal noch etwas gleichförmig und formelhaft anfühlen, aber das ist mal definitiv kein Attribut, das ich dieser Band aus Nantes unterstellen möchte. Deren zweites Album beginnt zwar recht oldschoolig mit einem leicht Gun Club-mäßigen Garagenvibe gefolgt von einem weiteren guten, aber doch recht stark nach Genre-Strickmuster klingenden Track, bevor die nachfolgenden Songs dann aber zunehmend eine eigenständige Qualität entwickeln, ausgiebig die Grenzen des (zugegeben, immer noch relativ limitierten) kontemporären Garage-/Oi!-/Post Punk-Rahmens ausloten und ihm doch einiges an Abwechslung abgewinnen – nicht zuletzt auch wegen reichlich Song-basierter Sprengkraft unter der Haube – so dass niemals Langeweile aufkommt.

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Ronny Spoiler – 1000 Tolle Sachen

Hochwertiger deutschsprachiger Garage Punk ist und war ja noch niemals eine Nische aus dem man mit besonders reichhaltiger Auswahl konfrontiert würde, aber dieser Typ (oder Band?) aus Ludwigsburg vollbringt dieses unwahrscheinliche Wunder mit Leichtigkeit auf seiner neuen (digitalen) 2-Track-Single, beide Songs für sich jeweils schon ein Instant-Hit und künftiger Genreklassiker. Der erste davon hat einerseits eine ganz subtil Egg-mäßige Qualität mit an Bord, obwohl mich die Gesangsharmonien und Gitarrenarbeit hingegen besonders and die jüngsten Veröffentlichungen der ganz und gar nicht eierigen Dumpies und Eye Ball erinnern. Der vergleichsweise melancholische zweite Track beinhaltet viele der gleichen Qualitäten, ruft mir aber besonders alte Marked Men und Radioactivity ins Gedächtnis. Ich mein’s ernst, so verdammt gut ist der Scheiß.

Jug & The Bugs – Ground You

Jug & The Bugs aus Vernon Township, New Jersey haben jetzt schon eine ganze Weile rumgewurstelt und währenddessen einen ordentlichen Stapel von Releases auf Bandcamp abgeladen in diversen Geschmacksrichtungen von Garage punk und sogar gelegentlichen Ausbrüchen von abstrakt No Wave-igem Lärm, entlang einem Spektrum von ziemlich simpel und oldschoolig bis ganz schön artsy und ausgefuchst. Ihre neueste LP fühlt sich aber so an, als habe sie jetzt exakt den Moment getroffen, an dem die Band letztendlich ihre eigene Stimme gefunden hat und ihre rumpeligen Garage Punk-Wurzeln transzendiert. Und in der Tat kleckern die Jungs hier nicht herum, die Platte zeugt von ultra-fokussierter, zielgerichteter Teamarbeit, endlosem Feinschliff und die vergeichsweise polierten Produktionswerte rücken diese elegant gefertigten kleinen Art Punk-Dramen in genau das richtige Licht. Gleich zu Beginn strahlt der Opener Your World bereits einen unwahrscheinlichen Wire-meets-Dead Boys-Vibe ab, wobei es davon aber eher Wire sind, die sich im weiteren Verlauf wiederholt als Vergleich aufdrängen, neben diversen Dreh- und Angelpunkten der jüngeren Garage-/Art-/Post Punk-Achse wie Marbled Eye, Ex Cult, jüngere Institute, Tyvek, Shark Toys, Andy Human & The Reptoods, R.M.F.C. oder Motorbike. Als Sahnehäubchen entwickelt das Zeug besonders in der zweiten Hälfte auch noch einen unübersehbaren Power Pop-Einschlag in so Songs wie Delivery und Away Today. Quality shit, zweifellos.

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Cruelster – Make Them Wonder Why

Neuer Scheiß von der Cleveland, Ohio-Achse des klugscheißerischen Post- und Garage Punk, deren Kern in etwa aus Cruelster, Perverts Again, Knowso und The Carp besteht und deren verbindendes Element der markante Sprechgesang von Nathan Ward ist. Nun waren Cruelster ja schon immer die spaßigste und unmittelbar geradeaus gehende Inkarnation des chaotischen Haufens und ihre neueste LP ist da auch keine Ausnahme, was jetzt aber keinesfalls bedeuten soll dass Cruelster und ihre kompakten kleinen Art Punk-Ausbrüche signifikant weniger ambitioniert, erfinderisch und ausgefeilt wären, sondern lediglich dass Cruelster von den genannten Bands am meisten darauf bedacht sind, ihre verworren zick-zackigen Hooks in ein relativ reibungslos rotierendes Framework aus Garage- und Hardcore Punk einzubetten und zu quantisieren – ja, Quantisierung ist in der Tat das Schlagwort das mir für jede dieser Bands in den Sinn kommt. Ein eigentlich ziemlich schlauer Sound, der nur oberflächlich etws dumm klingt. Das beste aus zwei gegensätzlichen Welten!

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TVO – All Aboard Choo Choo Fuck You

TVO aus Philadelphia stachen bereits auf ihren vorherigen EPs meilenweit heraus aus der Menge mit einer Machart des Post- und Garage Punk, der viel seiner im derzeitigen Umfeld eher ungewöhnlichen Inspiration von diversen Bands der Proto-Grunge / Proto-Noise Rock-ära zu schöpfen scheint wie etwa U-Men, Scientists, frühe Mudhoney, Feedtime, Fungus Brains, Scratch Acid und X (den Australiern), um nur ein paar der üblichen Verdächtigen zu erwähnen. Ihr erster Langspieler hat weiterhin all diese Qualitäten an Bord aber steuert das Schiff graduell auch in eine etwas unerwartete Richtung in Form einer ordentlichen Kelle von leicht schmierigem, bluesigem Rock’n’Roll und was soll ich sagen, ausnahmslos liefern sie hier die Songs und saumäßig tighten Performances ab, die den Scheiß böse im Gehörgang verkanten und in der Tat sind diese Tunes ein massiver Qualitätssprung, der eine eiserne Kontrolle über ihre jederzeit ins Schwarze treffenden Songwriting-Skills unter Beweis stellt.

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