Blaha – The Long Arm of the Photo Booth

Blaha - The Long Arm of the Photo Booth

Schon wie­der ist ein neuer Kurz­spie­ler des umtrie­bi­gen Blind Shake-Sei­ten­pro­jek­tes am Start. Anders als auf der letz­ten 7″ geht auf die­sem Tape etwas weni­ger der Punk ab. Dafür tobt sich das wie gewohnt sehr klas­sige Song­ma­te­rial irgendwo im Umfeld von 60s Pop und Psy­che­de­lia aus, ver­ein­zelt kom­men auch ein paar Surf-Vibes zum tra­gen.


Chain & The Gang – Experimental Music

Chain & The Gang - Experimental Music

2017 war ein bemer­kens­wert geschäf­ti­ges Jahr für die­sen Mann, der mit Leich­tig­keit die Rol­len des Rock’n’Roll-Poeten, Akti­vis­ten, Phi­lo­so­phen, Per­for­mance-Künst­lers und Essay­is­ten (Wink/​mit dem/​Zaun­pfahl) in einer Per­son ver­eint. Ian Sveno­nios, bekannt auch aus alten Bands und Pro­jek­ten wie The Nation Of Ulys­ses, The Make-Up, XYZ und Weird War, hat die­ses Jahr bereits eine Art Best Of-Album mit sei­ner der­zei­ti­gen Band Chain & The Gang ver­öf­fent­licht, das aus­schließ­lich Neu­auf­nah­men der alten Songs ent­hielt. Im Novem­ber kann man sich außer­den auf das erste Album sei­nes Solo­pro­jekts Escape-ism freuen. In der Zwi­schen­zeit haben Chain & The Gang noch kur­zer­hand ihr fünf­tes Album raus­ge­hauen. Schnell und dre­ckig mit Vier­spur-Tech­nik auf­ge­nom­men, erstrahlt das ganze nach den etwas clea­ne­ren letz­ten Alben jetzt wie­der im bes­ten Vin­tage-Sound, der ihnen eh bes­ser steht. Und die zehn Songs, die sich über­wie­gend wie gewohnt ums Über­le­ben im schei­tern­den Kapi­ta­lis­mus dre­hen, gehö­ren mit zum bes­ten, was die Band bis­lang ver­bro­chen hat.



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Blaha – Fresh Horse 7″

Blaha - Fresh Horse 7"

Es gibt mal wie­der neues von Mike Blaha zu ver­mel­den, den man viel­leicht bes­ser von den Gara­gen­punks The Blind Shake aus Min­nea­po­lis kennt, wo er zusam­men mit sei­nem Bru­der Jim für Gitarre und Gesang ver­ant­wort­lich zeich­net; letz­te­rer fiel and die­ser Stelle eben­falls schon mit sei­nem Solo­pro­jekt Jim And The French Vanilla sehr posi­tiv auf. Auf sei­ner neu­es­ten Solo-EP macht der gute Mann mal wie­der alles rich­tig. Die A-Seite trifft sofort ins Schwarze mit zwei strai­gh­ten Rockern im unver­wech­sel­ba­ren Stil sei­ner Haupt­band, die B-Seite ent­zückt dann mit einer ebenso aus­ge­zeich­ne­ten Mid­tempo Power­pop-Num­mer.

Woolen Men – Lucky Box

Woolen Men - Lucky Box

Sind jetzt tat­säch­lich schon zwei Jahre ver­gan­gen seit der letz­ten Ver­öf­fent­li­chung der Power­pop­per aus Port­land? Das ist unge­wöhn­lich lange für die sonst so pro­duk­tive Song­schleu­der. Über­haupt wun­dert es mich, dass Woo­len Men nach über acht Jah­ren immer noch kaum wahr­ge­nom­men wer­den. Denn kaum eine andere Band hat in der Zeit einen so kon­stant guten Out­put fabri­ziert und dabei eine so unver­wech­sel­bare eigene Iden­ti­tät ent­wi­ckelt, mit ihrem in bes­ter DIY-Manier schnell und dre­ckig auf­ge­nom­me­nen Sound aus Power­pop und Garage Rock, der glei­cher­ma­ßen von Gui­ded by Voices in ihrer gol­de­nen Ära wie auch vom Pro­to­punk der Modern Lovers beein­flusst scheint. Neues Mate­rial soll schon unter­wegs sein, in der Zwi­schen­zeit kann man sich an ihrer bereits zwei­ten Com­pi­la­tion erfreuen. Die ent­hält Songs, die ursprüng­lich auf diver­sen Tapes und EPs erschie­nen sind; der über­wie­gende Teil davon ist schon län­ger nicht mehr zu bekom­men.



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Faux Ferocious – Faux Ferocious

Faux Ferocious - Faux Ferocious

Der Sound die­ser Band aus Nash­ville ließ sich schon immer etwas schwer fest­na­geln und auch auf ihrer aktu­el­len EP geben zei­gen sich wei­ter­hin sehr wand­lungs­fä­hig, aber auch deut­lich gereift. Der Ope­ner Me and Johnny tobt sich auf einer Basis von psy­che­de­li­schem Post­punk aus, ange­rei­chert um Ele­mente aus Kraut, Space- und Math­rock; die gara­gige Kante haben sie sich dabei bewahrt. The Big Kahuna hat dann einen gewis­sen Vel­vet Under­ground-meets-Modern Lovers-meets-Gun Club Vibe; zum Abschluss geht es dann noch mal ordent­lich abge­spa­ced zu.

David Nance – Negative Boogie

David Nance - Negative Boogie

Lange ein Geheim­tip der loka­len Szene, hat David Nance aus Omaha in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eine ganze Reihe selbst­ver­öf­fent­lich­ter CD-Rs mit kru­dem Garage Rock raus­ge­hauen und spülte erst­mals im letz­ten Jahr mit sei­nem char­mant LoFi-mäßi­gen Debüt für Ba Da Bing Records in an die Ober­flä­che. Aus glei­chem Hause kommt jetzt der Nach­fol­ger und wirkt durch einen ver­gleichs­weise kla­ren Sound etwas zugäng­li­cher, ohne dass die Musik an sich irgend­wel­che Kom­pro­misse ein­geht. Die Klang­pa­lette ist viel­fäl­ti­ger gewor­den, es machen sich dies­mal deut­li­che Ame­ri­cana-Ein­flüsse breit; sogar für eine – selbst­ver­ständ­lich ordent­lich ver­beulte – Coun­try-Num­mer ist sich der Mann nicht zu schade. Ansons­ten domi­niert nach wie vor eine sump­fige Mischung aus altem Proto- und Art­punk, Blues- und Garage Rock, einem Hauch von Glam. Oder auch mal Vel­vet Under­ground meets late The Gun Club meets early Nick Cave meets elec­tri­fied Neil Young meets The Modern Lovers. Oder ganz was ande­res, wha­te­ver… ich weiß ja nix von Musik.



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Sheer Mag – Need To Feel Your Love

Sheer Mag - Need To Feel Your Love

Bin ich froh, dass es diese durch und durch unge­wöhn­li­che Band gibt. Eine Band, die der DIY-Punk­szene ent­springt, aber sich nicht von des­sen selbst auf­er­leg­ten ästhe­ti­schen Kon­ven­tio­nen davon abhal­ten lässt, Stil­ele­mente aus altem Hard- und Sou­thern Rock auf­zu­grei­fen, sie dem Kon­text von hyper­mas­ku­li­nem Rock­star-Gehabe zu ent­le­di­gen und mit lyri­schen Inhal­ten von poli­ti­scher Agi­ta­tion und bren­nen­der Lei­den­schaft auf­zu­la­den. Und egal wie knapp sie dabei manch­mal die Kitsch-Falle um eine Haa­res­breite ver­feh­len, alle Worte aus dem Mund von Tina Hall­a­day (mei­nes Erach­tens eine der groß­ar­ti­gen Voka­lis­tin­nen unse­rer Zeit) kaufe ich ihr ohne Vor­be­halte ab.

Es fällt mir gerade schwer die Platte zu genie­ßen, ohne dabei den Kon­text der jün­ge­ren Ereig­nisse in Ham­burg im Hin­ter­kopf zu haben.
Und dazu sag ich mal herz­li­chen Dank auch, Leute. Ihr habt jetzt die per­fekte Anti-Wer­bung für euer Anlie­gen gemacht und der Bun­des­po­li­tik ein tol­les Argu­ment in die Hand gege­ben, lin­ken Pro­test zu ver­hin­dern, zu dämo­ni­sie­ren und gene­rell in ein schlech­tes Licht zu rücken. Ich hoffe, ihr habt euch dabei super-männ­lich gefühlt und habt ’nen guten Adre­na­lin-Kick beim Fan­gen­spie­len mit der Poli­zei bekom­men. Der Back­lash vom Staat wird nicht lange auf sich war­ten las­sen. Viele Men­schen, die eigent­lich auf eurer Seite ste­hen, wer­den sich jetzt dop­pelt über­le­gen ob sie zusam­men mit euch auf der nächs­ten Demo sein wol­len. Und viele Men­schen mit einem weni­ger gefes­tig­ten poli­ti­schen Welt­bild wer­den sehr zögern, bei der nächs­ten Wahl für eurem Anlie­gen mehr oder weni­ger nahe ste­hende Ver­tre­ter zu stim­men. Weil sie „links“ jetzt mit Bil­dern von Gewalt und sinn­lo­ser Zer­stö­rung asso­zi­ie­ren. Eine super Aktion war das.

Aber gerade in die­ser auf­ge­la­de­nen Stim­mung finde ich Sheer Mag und ihr exzel­len­tes Debüt­al­bum so erfri­schend und wich­tig. Denn auch wenn sie sich in ihrer Rhe­to­rik an Bil­dern von flie­gen­den Fla­schen und Stei­nen bedie­nen (und es hängt vom ein­zel­nen Hörer ab, ob er die­sen Auf­ruf wört­lich oder sym­bo­lisch ver­ste­hen will), ver­lie­ren sich die Songs im Gesamt­bild nicht in plat­ter Kampf­rhe­to­rik, son­dern setz­ten der Wut und der poli­ti­schen Mobi­li­sie­rung auch ein gro­ßes Maß an Mensch­lich­keit, Ver­letz­lich­keit und Empa­thie ent­ge­gen. Die Liebe ist schon Titel­ge­bend und die Platte besteht zu glei­chen Tei­len aus Pro­test- und Love­songs. Oft auch bei­des auf ein­mal. Zwi­schen den Zei­len rufen diese Songs dazu auf, den Mit­men­schen liebe- und ver­ständ­nis­voll zu begeg­nen. Men­schen zu ver­ei­nen, so unter­schied­lich ihr Lebens­stil, ihr Aus­se­hen und ihre Vor­lie­ben auch sein mögen. Und es dabei nicht zu ver­ges­sen, sym­bo­li­sche Fla­schen und Steine auf die men­schen­feind­li­chen Struk­tu­ren eines schei­tern­den Kapi­ta­lis­mus zu wer­fen. Oder um es mal in den Wor­ten eines alten Fritz Lang-Schin­kens aus­zu­drü­cken: „Mitt­ler zwi­schen Hirn und Hän­den muss das Herz sein.“ Rage against the machine. Love against the machine.
Wenn ich es der­zeit einer Band wün­sche durch die Decke zu gehen, dann die­ser. Dass ihre Musik viele Men­schen bewegt, ver­eint und zum Nach­den­ken bringt.



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The Roamin‘ Catholics – The Roamin‘ Catholics

The Roamin' Catholics - The Roamin' Catholics

The Roa­min‘ Catho­lics aus Syd­ney sind (oder waren? Ich bin mir da nicht so sicher…) mal wie­der eine von die­sen Under­ground-Super­groups, wie sie in der aus­tra­li­schen Szene regel­recht aus dem Boden sprie­ßen; es sind unter ande­rem Mit­glie­der von Ghastly Spats, Hou­se­wi­ves, Dry Finish, Bitch Pre­fect und Peak Twins betei­ligt.
Das erste Mini­al­bum die­ser For­ma­tion klingt in etwa wie eine Ver­men­gung von klas­si­schen Ver­tre­tern des unkon­ven­tio­nel­len Pop á la The Fall, Flip­per oder Half Japa­nese mit aktu­el­len Gara­ge­punk-Bands wie etwa Aus­mu­te­ants und Ura­nium Club. Das Ergeb­nis ist wun­der­bar knar­zi­ger Rock’n’Roll irgendwo zwi­schen den Stüh­len von Garage- und Post­punk, der trotz vie­ler Ver­schro­ben­hei­ten nie aus­ein­an­der fällt.




Einen (kom­plet­ten) Album-Stream gibt’s lei­der nicht. 🙁

Debate Club – Fish Fry

Debate Club - Fish Fry

Schi­cker zwei­ter Kurz­spie­ler einer Band aus Mont­real mit zurück­ge­lehn­tem Garage Rock und einem Hauch von Surf, der zuletzt über das fran­zö­si­sche Label Beko den Weg hier­hin gefun­den hat.


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Power-Buddies – Lonely Ghoul

Power-Buddies - Lonely Ghoul

Knappe drei Jahre nach ihrer Debüt-EP weiß mich die Gara­gen­band mit stark vari­ie­ren­der Beset­zung aus dem kana­di­schen Edmon­ton ein wei­te­res mal zu über­zeu­gen. Auf dem zwei­ten Tape der Band gibt es Gara­ge­punk mit Anklän­gen an Mudho­ney und Feed­time zu hören, dem sie eine kon­stante Schlag­seite ver­pas­sen, ohne dass der alte Kahn jemals abzu­sau­fen droht.


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