Jacket Burner – Eat Shit + Die

Okay hier ist neuer scheiß von diesem, angeblich, neuerdings in Großbritannien weilenden Typen der ursprünglich aus Truth or Consequences, New Mexico kommen soll, das zwar tatsächlich eine echte Stadt ist aber auch eine ausgesprochen kleine, weshalb ich mal sagen würde das es so rein statistisch… Jau ganz ehrlich, ich weiß nicht ob man irgendetwas von dem Glauben schenken darf was die Bandcamp-Bio so über Jacket Burner erzählt. Keinen Zweifel gibt’s dafür aber an den Qualitäten seiner neuesten LP, die mal locker mit der bisher stärksten Ladung neuer Songs daherkommt und wie schon zuvor den maximalen Wumms aus einer uralten und bewährten Garage Punk-Formel extrahiert, was in etwa so klingt als würden hier die Grundzutaten von Buck Biloxi, Spits, frühen Sick Thoughts und Bart and the Brats destilliert zu einem kräfftigen und exquisiten Schluck Gift mit einer subtilen Note von ’77- und KBD-mäßiger Simplizität.

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No Lines – EP 2

Nachschub an aufregendem Eggpunk der minimalistischen und Fuzz-verliebten Machart erreicht uns von dieser britischen Band, deren Songs auf den ersten Blick nicht groß mit den gängigen Mustern des Genres brechen, aber wen fucking interessiert’s wenn jeder einzelne davon mit solch einer blinden Intuition präzise jeden Nagel auf den Kopf trifft in einer unfehlbaren Abfolge von zackigen, saumäßig eingängigen Fuzz Pop-Attacken, die mir eine Mischung etwa aus Elvis 2, Kid Chrome, Power Pants, S.B.F. and Satanic Togas ins Gedächtnis rufen.

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EZ8 – EZ8

Eine irrsinnig gute Debüt-EP von einer Londoner Band und die Frontsau ist niemand geringeres als Chubby – genau, der Typ von Chubby and the Gang – dessen Gesang hier noch am ehesten an die rustikale Oi!-Ästhetik seiner alten Band erinnern mag, die – obgleich immer noch wie ein subtiles Hintergrundbrummen unterschwellig vorhanden – sich hier deutlich zurückhält zugunsten eines etwas feiner geschliffenen und strahlenden, jedoch keineswegs weniger kräftigen Sounds, der rüberkommt wie eine ultrakompakte Kapsel aus diversen Großartigkeiten der melodischen Punk, Power- und Noise Pop-Welt, von klassischen Hüsker Dü-Vibes über die unmittelbare Catchyness der Noise Popper Terry Malts und den jüngsten Dumpies- und Eye Ball-LPs, bis hin zu der tiefen Melancholie von Leatherface oder (Royal Headache-) Shogun’s noch halbwegs aktuellen Projekten Antenna und Finnoguns Wake. Potenter Scheiß, bitte mehr davon!

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Heather The Jerk – Very Motorcycle

Keine Ahnung was dieses mysteriöse Attribut namens Motorcycle ausmachen soll… ist das wenn man zwei Räder und ’nen Motor hat und Benzin säuft? Wie auch immer, ich kann mit hoher Sicherheit sagen, dass mir Heather The Jerk-Platten besser gefallen wenn sie ordentlich Motorcycle sind als wenn das nicht der Fall ist und die neue EP war da der fehlende Datenpunkt um das abschließend festzustellen. Das sind ein paar wunderbar fuzzversiffte, Bubblegum-infizierte Garage Punk- und Noise Pop-Perlen die für mich ein bisschen nach einer Verquickung von der einzigen relevanten Pop Punk-Band der Welt – Fastbacks natürlich! – und den ’80er Noise-/Fuzz Pop-Meisterwerken der frühen The Primitives-Singles klingen und es hilft nicht zuletzt doch auch sehr, dass hier ein absolut makelloses Bündel neuer Songs angetrieben wird von der hartnäckigsten Performance, die wir von Heather The Jerk bislang zu hören bekamen.

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High Heels – Fake Fangs

Seltsam, dass ich diese offenbar das ganze Jahr über Halloween zelebrierende Band erst mit ihrer letztjährigen Chumpire 247 EP zum ersten mal wahrgenommen hab… nu ja, besser spät als nie würde ich sagen. Der neueste Kurzspieler legt da noch mal ordentlich einen drauf mit einem noch runderen Stapel neuer Songs die irgendwie nach einer ausgesprochen absurden Kreatur aus klassischen Spits, Why Bother?, Trauma Harness, Woolen Men im Power Pop-Modus und vielleicht sogar einem Hauch von Hüsker Dü klingen. Verücktes deformiertes Ding das, aber wunderlicher Weise kann es laufen und sogar singen, unfallfrei und ohne abstützen auf seinen drei ungleich langen Beinen stehen bleiben.

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Screen Star – Cop City

Nu hier ist mal ein bisschen Nachschub an exzellentem Garage-/Synth-/Post Punk-Scheiß der nur tangential Egg-verwandten, aber dennoch ausgesprochen Devo-fizierten und nicht zuletzt auch ordentlich abwechslungsreichen, wandlungsfähigen Art, verschnürt zu einem kompakten und kurzweiligen Sprengsatz der mich an eine bunte Mischung aus Bands wie Checkpoint, Kitchen People, Ghoulies, Fungas, Cherry Cheeks, Ausmuteants, frühe Powerplant, Electric Prawns 2 und Dr. Sure’s Unusual Practice denken lässt.

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Fauler Herbstloch-Aufholpost

Diese Woche war eine Woche der kleineren (aber wohlbemerkt ausgezeichneten) Releases und ich bin sowieso mal wieder im Verzug mit dem Bloggen, daher mach ich es mir mal einfach hier und verpacke den Krempel in einem einzigen Post, okay?

Fangen wir an mit leckerem neuem Hardcorezeug von den Silo Kids aus Hattiesburg, Mississippi, die auf ihrem neuesten Tape erneut den Ruf ihrer unscheinbaren kleinen Stadt untermauern als eine derzeitige Hochburg des einfallsreichen und verschrobenen Hardcore Punk, der sich weigert allzu sehr nach den etablierten Regeln und Mustern zu spielen.

Bei Power Pants aus Winchester, Virginia weiß man hingegen schon recht genau was man von einer neuen Veröffentlichung zu erwarten hat und außerdem, dass die nächste davon auch nicht lange auf sich warten lassen wird (auch ihre letzte Cassingle CS5 ist noch keinen Monat alt). Die neue PP11 EP erklimmt aber doch tatsächlich noch mal ein neues Level für die Band in einer Discografie, die hier und da schon mal etwas redundant klingen mag. Nicht dass sich hier fundamental etwas geändert hätte in ihrem melodischen Garage Punk-Sound, aber das hier sind ohne Frage einige der kräftigsten und rundesten Tunes ihres bisherigen Schaffens.

Scrawlers aus Tacoma, Washington schlagen dann in eine durchaus verwandte – wenngleich auch viel rohere und Fuzz-getränkte – Kerbe von einfach gestrickten und super-effektivem Garage Punk, zu dem etwa Freunde von S.B.F., Kid Chrome, Gobs oder Robbie Thunder mit Sicherheit zustimmend abnicken werden.

Thyroids aus Dallas, Texas sind jetzt auch schon eine ganze Weile unterwegs aber haben erst im laufenden Jahrzehnt mal so richtig Fahrt aufgenommen mit einem Sound, der immer unberechenbarer zu werden scheint und sich einer klaren Einordnung verweigert. Mehr als je zuvor trifft das auch auf ihre neueste 2-Track-Single zu, auf welcher Elemente von Garage- und Synth Punk, Noise Rock und -Pop sowie einer Prise Eggpunk aufeinander treffen und äußerst belebende chemische Reaktionen auslösen.

Zu guter Letzt wäre dann auch noch eine neue Snarewaves EP zu erwähnen. Die hat etwas über anderthalb frische Minuten von ihrer patentierten Elektropunk-Formel an Bord, die so verblüffend einfach wie auch abgefahren und ziemlich eigenständig in der aktuellen Landschaft daher kommt und obwohl man jetzt eigentlich denken sollte, dass der Krempel irgendwann mit dem Gesetz der sinkenden Erträge kollidieren muss, macht mich bisher jede neue Veröffentlichung nur hungrig aud noch mehr von dem guten Scheiß.

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Electric Prawns 2 – Back Off Track

Ich war noch nicht so ganz überzeugt von der Vorabsingle Hariry Man mit ihren bluesigen Hard-/Dad Rock-Vibes aber verdammt, wird diese neue LP der Band aus Moffat Beach, Australien mal nicht nur mit jedem Song stärker (obendrein funktioniert Hairy Man auch viel besser im Album-Kontext als auf sich alleine gestellt), sondern hat auch mitunter einiges von ihrem stärksten Material an Bord. Die folgenden Songs Beef und Fire haben ordentlich was von einem oldschool Useless Eaters oder Pow!-Feel, während Out Of Touch dann graduell den psychedelischen Nebelfaktor erhöht wie wir es so am ähnlichsten bisher auf ihrer vorangegangenen Perspex LP gehört haben, bevor sich im ersten Teil von Hell letztendlich die Schleusentore der überfließenden, catchy-as-fuck Garage Punk-/Fuzz Pop-Glückseligkeit öffnen wie sie es früher oder später ganz unfehlbar auf jeder Electric Prawns 2-Platte tun. Der zweite Zirkel der Hölle (oder handelt es sich eigentlich um zwei Songs, beide Hell betitelt?) schleppt all das genannte mit und verbindet es mit einem leicht campy angehauchten Goth-Unterton nicht unähnlich zu jüngeren Power Plant-Veröffentlichungen. Weitere nennenswerte Highlights sind der Knall aus ultraklassischem Aussie-Rock’n’Roll namens Piece Of Me und der gleichermaßen melodische wie auch Blues-getränkte Bubbelgum-Vibe von Waste. Alles zusammen mag ganz plausibel mal als ihre beste Platte bisher durchgehen. Wer hätte es gedacht, es ist stellt sich selbst für diese Band als gar nicht die schlechteste Idee heraus, eine LP von gewöhnlicher Laufzeit aufzunehmen.

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Winston Hytwrs Perfect Harmony – Perfect Harmony

Was für eine mühelos arschtretende Angelegenheit, das neue Tape von Winston Hightower und seiner halbwegs neuen Crew, das vier neue Songs mit den Tunes von der 2023er Debüt-EP kombiniert. Im gleichen Maße abgedreht und antriebsstark, decken diese Songs ein ordentliches Spektrum von Fuzz-verseuchtem Lärm ab, das sich zwischen den Eckpunkten von exzentrischem Garage Punk á la UV Race, Tyvek oder Shark Toys, 2010er (Proto-)Eggpunk-Acts wie Hobocop, frühen Skull Cult und nicht zuletzt jüngeren Risiken der Sorte Print Head, Erik Nervous oder auch der neuesten Billiam 7″ erstreckt. Oder anders ausgedrückt, der Scheiß fluppt!

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Billiam – The Letter W & The Numeral B

…uuund hier ist die gefühlt hundertste, gewohnt arschtretende Billiam EP und weiß erneut abzuliefern im Dienste des schrullig-eierigen Garage Punk mit vier neuen Songs, die eine gute Balance halten zwischen einem angenehm vertrauten Sound und einer Reihe von schrägen Ideen und unerwarteten Abstechern. Für mich stechen hier besonders die pulsierenden Post Punk-Grooves von Planned Obsolescence heraus, aber auch New Wave ist eine echte Abrissbirne. Essential Feedstock Oils fühlt sich ein bisschen an wie ein willkommener Throwback zu dem ganz frühen Schaffen des Australiers und es ist nicht weniger vergnüglich, wenn er hier Robbie Thunders‘ 2023er Instant-Klassiker Houston We Have Rock mit einer angemessen rustikalen Coverversion Tribut zollt.

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