Bront – #9

Nach sechsjähriger Stille kommt jetzt wie aus dem Nichts die zweite 7″ dieser Belgier über die lokale Garage Punk-Institution Belly Button Records angerollt und mein lieber Hund, ist das mal ein Knall des zeitgenössischen Lärms, der gleichermaßen von so Garage Punk-Klugscheißern wie Uranium Club und Vintage Crop inspiriert scheint wie auch dem Sprechgesang und den durchdachten Arrangements des US Post Punk/Postcore-Phänomems Straw Man Army, auch wenn es hier lyrisch, passend zur Musik, ungleich leichtfüßiger zugeht. Abrundend ist noch ein leichter Touch von Tyvek oder UV Race am Start, der sich im laufe der EP zunehmend einschleicht. Ich finde das ist eine perfekte kleine 7″. Ich bin so bereit für die nächste, die nach meinen Berechnungen so etwa um 2031 landen sollte.

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Bachelor Pad – Feel The Beat From The Tambourine

Catchy Garage Punk Shit erster Güte aus Sydney, der sich in vier Songs durch recht vielfältige Styles durchplündert. POSIWID und der Opener What A Time To Be Alive kommen dabei rüber wie ein Mix aus dem fuzzigen Power Pop von Sex Mex und der quirligen Egg-/Synthpunk-Action der Ghoulies, wohingegen der Synth-/Electro Punk von The Game an alte Digital Leather-Schinken erinnert sowie jüngere Zeiterscheinungen á la Spyroids und O-D-Ex. Der Rausschmeißer-Track B-52’s Tattoo könnte darauf auch der unbändigen Fantasie der texanischen Garage Punk-Exzentriker Trashdog ensprungen sein. Oh und war da nicht noch so eine Hundeband? Ja stimmt, ich denke an Melbourne’s wunderbar trashige Garage-/Synth Punk-Explosion Metdog!

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O-D-EX – Talents

Neuer Scheiß von Mark Ryan (hochgeschätzt als Teil von Marked Men, Mind Spiders und Radioactivity) und seiner aktuellen Band, dem Electro-/Synth Punk-Projekt O-D-EX (oder ist es neuerdings einfach Odex?). Nachdem jeweils ein vorangegangener Kurz- und Langspieler aus dem letzten Jahr noch eine eher kühle und minimalistische Synth Wave-Ästhetik versprühten, öffet das aus Ryan und Micah bestehende Duo ihren Sound wieder zu einer vergleichsweise warmen, melodischen und insgesamt greifbareren Richtung, die in der Tat ein bisschen klingt wie ein perfekter Mittelweg zwischen den erwähnten Vorgängern und den stärker Richtung Garage Punk tendierenden alten Mind Spiders-Platten.

Top Secret Nicho – Dining Nothing / Sin Agenda Para La Muerte

Streng geheime Nichos sind meine Lieblingssorte von Nichos, ich nehm Pommes dazu, danke! Oh, Dining Nothing, ist das so? Na gut dann halt nicht. Wie auch immer, Sin und Muerte sind auch klar auf meiner Agenda, zusammen mit Bier, Schmutz und Satan. Ist mir sofort sympathisch, diese Band aus Rosario, Argentinien und die Musik tritt auch Arsch! Das ist ganz exquisiter, noise-versiffter oldschool Post Punk, der abwechselnd mal an so Bands wie Nag, Impotentie, Labor und das frühere schaffen etwa von Institute, Low Life und Constant Mongrel erinnern mag, vielleich zusätzlich mit einer Note von hochentflammbarem Garage Punk á la Jean Mignon, besonders im erwähnten Dining Nothing.

Winky Frown – A Tale Of Two Frowns

Winky Frown waren von Anfang an eine gewisse Anomalie im per Definition ja schon sehr eigentümlichen Eggpunk-Umfeld, passen ihre Songs einerseits doch oft ziemlich passgenau in eine Reihe reichlich etablierter Eierpunk-Schemata aber sind dennoch immer voller Überraschungen und transzendieren mit links die Limitierungen des Genres indem sie jederzeit mehr Einsatz, Ideen und Songwriting-Rafinesse reinstecken als einem üblicherweise begegnet in dieser Nische. Die neue digitale 2-Track-Single kommt dann auch direkt mal mit einem von ihnen bislang ungehörten Trick daher in der Form von Frown Town, einer Art Slow-Jam, der auf gewisse Art ein verschollenes Artefakt von Wire der Chairs Missing-Ära zu channeln scheint, die im Gegenzug ja auch wieder viel von frühen Pink Floyd der Syd Barret-Ära heraufbeschwören und irgendwie funktioniert der Scheiß! Der zweite Song Upside Down Frown ist dann wieder näher dran an dem was wir von der Band gewohnt sind als ein weiteres fabelhaft konzipiertes High-Speed Garage Punk-Projektil, das unaufhaltsam einem explosivem Finale entgegenbrettert.

Lebende Tiere – Uwaga

Brillianter Scheiß mal wieder von der Berliner Klangboutique Flennen Records mit einer Band die vermutlich aus Leipzig kommt, aber sicher bin ich mir da nicht. Das ist jetzt schon das nächste Beispiel von weit über’m Genredurchschnitt agierendem, deutssprachigem Garage Punk nach der erst kürzlich erschienenen Ronny Spoiler EP und ich bekomme zunehmend den Eindruck, dass sich da etwas zusammenbraut. Passenderweise erinnert mich das Zeug dann auch ganz besonders an einen bunten Strauß weiterer deutscher Acts wie die Bremer Wax Minds, Nuts aus Köln und die Berliner Benzin, aber auch keinesfalls zu übersehen sind die klanglichen Überschneidungen zu Bands aus der (vermuteten) Leipziger Nachbarschaft wie etwa Exwhite, Ambulanz, Laff Box und Autobahns, die alle in die eine oder andere durchaus verwandte Kerbe schlagen.

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Sick Thoughts – Another Piece Of Plastic

Man kann einfach überhaupt nichts falsch machen mit einer neuen EP von Drew Owen aka Sick Thoughts, der jetzt auch schon seit mehr als einem einem Jahrzehnt als eine tragende Säule des amerikanischen Garage Punk anzusehen ist. Wenig verwunderlich ist dann auch der neueste Kurzspieler eine ausgesprochen souveräne, selbstsichere Explosion des überlegenen Garage Punk-Songwritings in einer routiniert energischen Darbietung, die obendrein auch recht vielfältig rüberkommt etwas mit dem gleichzeitig so New-Wave-igen wie Buzzcocks-informierten Vibe des Titelsongs, der Hardcore-Attacke von Just Die Fast oder den hardrockigen Acid Rock-Versatzstücken in The Doom, wobei sich als verbindendes Element hier eine supereingängige, geradezu power-poppige Energie durch jeden dieser Songs erstreckt.

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Mr. [Redacted] / Lovebomb / TTTTurbo

Ich hab nicht so viel Zeit diese Woche, deshalb gibt’s hier anstelle von drei einzelnen Posts mal eine kleine Zusammenfassung der etwas quirligeren Releases mit unterschiedlich starker Eiermäßigkeitt, von denen mir diese Woche drei besonders herausstechen.
Zuerst wären da mal die vergleichsweise rohen Sounds von Mr. [Redacted] aus Athens, Georgia, die ganz rapide alternieren zwischen den Eckpunkten von einem Hard-/Art-/Weirdcore-Sound nicht ganz unähnlich zu so Bands wie Judy and The Jerks, Warm Bodies und Sniffany & The Nits einerseits, und den stärker Egg-orientierten Sounds etwa von Snooper, Print Head, Awful und den frühen Skull Cult.
Wer dagegen mehr an ultraklassischem Eggpunk-Territorium interessiert ist, dem wird sicher das neue Tape von Lovebomb aus Hildesheim (diese Woche sind ja echt mal ungewöhnlich viele Krautwürstle am Werk) viel Spaß bereiten, die hier ein dicht verpresstes Bündel von geradezu mustergültiger Eggpunk-Qualitätsware abliefert mit besonders starken Anklängen an Bands wie Prison Affair, Beer, Winky Frown, Molbo und Goblin Daycare.
Wenn euch das nicht schräg und Lo-Fi genug ist, dann versucht es mal mit den Leipzigern (schon wieder!) TTTTurbo, deren neues Tape in etwa das klangliche Äquivalent ist zu einem etwas zu oft weiterkopierten Dokument – unter einer dicken Schicht xerografisch verbrannter Pixel bleiben viele Details der Fantasie überlassen, aber auch mit all dem einkopierten Dreck bleibt es schwer, sich dem irrsinnig eingängigen Charme dieser verschleierten Rohdiamanten aus zuckerigem Bubblegum Pop zu entziehen.

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Emmett O’Connor – 9 From The Warped Mind

Quirliger, moderat LoFi-mäßiger Spielzeug-Synth Punk kommt zu uns von Emmet O’Connor aus Cleveland, Ohio, der einigen vielleicht schon als Mitglied von Archie and the Bunkers und MK Ultras ein Begriff ist. Auf diesem neuen Solo-Langspieler kreiert der jetzt einen warmen, üppigen Sound mit minimalem Werkzeug, der hier sehr passgenau zu einer Form von exzellenten kleinen Power Pop-Juwelen modelliert wird und nicht selten an eine geringfügig sedierte, Schlafzimmer-geeignete Budget-Variante von Digital Leather’s eingängigsten Pop-Momenten erinnert.

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Knowso – Hypnotic Smack

Die noch recht frisch aus dem Ofen gezogene neueste Cruelster-LP ist noch nicht ganz abgekühlt, da steht auch schon das nächste Artefakt einer weiteren Band von Nathan Ward vor der Tür, nämlich den ungleich verwinkelteren und mathematisch-methodischer agierenden, aber doch unverkennbar verwandten Knowso, deren kürzliche Optimism / Foot Of Pride-Cassingle auch erst ein paar Wochen her ist. Wie gewohnt ist das ausgesprochen hochwertiger Scheiß, der sich an vorderster Front von zeitgenössischen, repetitiven Post- und Art Punk-Sonderlichkeiten abarbeitet, performt von einem Haufen tadellos rotierender und ordentlich gefetteter Menschmaschinen. Mir kommen derzeit wenig andere Bands in den Sinn, die solch rigide und potenziell abgehackte Arrangements mit so einem reibungslosen Drive und ungebrochener Wucht zu reproduzieren verstehen. Was jetzt nicht heißen soll, dass ihre Musik nicht auch saumäßig catchy wäre – das kommt hier mehr als je zuvor in der zweiten Halbzeit zur Geltung, wenn die Band in so Songs wie Consumer Talk und Panopticon ganz speziell die melodischen Unterströmungen ihres Sounds expandieren und herausarbeiten – das Ergebnis sind einige ihrer unmittelbar zugänglichsten Ohrwürmer bisher.

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