Puffer – Street Hassle

Die zwei bisherigen EPs dieser Band aus Montreal waren für sich schon jeweils ein fettes Fass randvoll mit wunderbar schmieriger Rock’n’Roll-Glückseligkeit und mit ihrem ersten Langspieler werden alle ihrer (un-)Tugenden nochmal auf ein ganz neues Niveau gehievt. Darauf erweitern sie fundamental ihr stilistisches Farbspektrum und lassen die catchy Hooks durch die Decke gehen in ihrer zuvor schon brandgefährlichen Rezeptur aus Garage Punk, Hard- und Postcore-Elementen, einer leisen Spur von Oi! und einer ganz unverfrohrenen Affinität zu verschwitzten ’70er Hard-and-Heavy/Dad Rock-Versatzstücken, wobei da vereinzelt auch mal eine Portion von Roots-igem Folk- und Cowpunk mit von der Partie ist in Songs wie Never Enough. Vom ersten Moment an wirkt das auf mich ein bisschen wie eine etwas primitivere Version der jüngsten Punter-LP und erinnert darüber hinaus an einen knallbunten Strauß von weiteren Sleazecore-Acts wie Cement Shoes, Golden Pelicans, Flea Collar, Cülo, Cutters, Polute und Chain Whip.

Album-Stream →

Metdog – One For The Kids

Metdog aus Melbourne haben ihren Status als einer der wesentlichen Mitspieler der aktuellen Garage-/Synth-/Eggpunk-Szene zementiert mir ihrer ganz schön hirnverbrannten letztjährigen LP Questions and Answers Regarding Computers and Screens. Auf ihrem neuesten Langspieler nehmen sie sich mit den Schrägheiten allerdings ein kleines bisschen zurück im Vergleich und ich würde sagen dass das auch keine allzu schlechte Idee ist, denn ein zweiter Aufguss von jenem ’90er-Jahre- IT und das frühe Web thematisierenden Irrsinn und der dazu passenden, arg nach General MIDI müffelnden Klangästhetik würde sicher nicht noch einmal so gut landen. Stattdessen bekommen wir also einen etwas geradlinigeren und windschnittigeren Haufen von alamierend eingängigen Garage-Tunes präsentiert, die trotz allem noch immer einen ordentlichen Dachschaden aufweisen, nur damit ihr nicht denkt es würde hier auch nur ansatzweise ernst zugehen. Wie auch immer, das ist ganz klar ihre substantiellste Veröffentlichung bisher, aufgewertet von einem angemessenen Wachstum in den Songwriting-Qualitäten ohne dabei allzu viel von seiner allgemeinen Verspieltheit und Unberechenbarkeit auf der Strecke zu lassen.

Album-Stream →

Gerinc – Reklamáció

Da passiert mehr unter der Haube als es auf den ersten Blick erscheint auf der Debütkassette dieser Band aus Budapest. Deren acht Songs channeln einerseits – insbesondere in der ersten Hälfte – ein paar vage KBD-mäßige Garage Punk-Vibes mit abwechselnden Geschmäckern von Gun Club und Wipers, gekontert von aktueller klingenden Sounds, auf welche so Bands der gegenwärtigen Anarcho-/Postcore-Achse á la Straw Man Army und Fantasma sicher einen nicht vernachlässigbaren Einfluss hatten, während in anderen Momenten auch etwas von einer gewissen Brut der Art Punk-Melancholie durchscheint nicht ganz unähnlich zu so Zeug wie Kitchen’s Floor und Uniform (Atlanta, nicht New York).

Album-Stream →

Shrinkwrap Killers – Feed The Clones Pt. 2

Mit dem Nachfolger zur exzellenten 2023er LP Feed The Clones Pt. 1 – auf welcher sie erstmals ihr volles Potenzial verwirklicht haben wenn ihr mich fragt – schraubt die Band aus Oakland jetzt nicht groß herum an ihrer spezifischen Formel, wie ja auch schon das „Pt.2“ im Titel von Anfang an suggeriert. Das geht aber auch sowas von klar für mich, denn da war ja auch schon vorher nichts an ihrem Sound, was gefixt werden müsste und das hier versammelte Songmaterial ist erneut überwiegend hochwertiger Scheiß, auch wenn es sich hier zugegebenermaßen gefühlt eher um eine EP voller echter Hits handelt, die sich ihren Platz teilen müssen mit einer Anzahl größer als Null von langsameren, abstrakt-atmosphärischen Stücken, die teilweise schon eher als glorifiziertes Interlude-Material zu klassifizieren sind. Nichtsdestotrotz ist das essenzielles neues Futter für Kenner des dementen Horror-/Garage-/Synth Punk mit starkem Spits-Beigeschmack.

Album-Stream →

Billiam – Silvie S Goes To Hawaii

Kaum ist die Kollaborations-EP von Billiam und Busted Head Racket zur Kenntnis genommen, kommt auch schon wieder neuer Soloscheiß angerollt von der primären treibenden Kraft des eierigen australischen Garage Punk, Billiam. Und der hat in der Tat ein nettes kleines Gimmick an Bord in Form einer 7″ mit einem 5-Minuten-Song auf einer und fünf 1-Minuten-Songs auf der anderen Seite. Wie zu erwarten ist das narürlich wieder ein arschtretendes Bündel von fünf ultraeingängigen Hits plus einem explosiven Ausmuteants-Coversong. Die größte Überraschung ist hier jedoch, wie saugut das für Garage-Verhältnisse doch recht epische 5-Minuten-Format funktioniert. Sollte der Kerl mal öfter probieren! Langpunk oder Kurzpunk? Die Antwort heißt Ja, bitte!

Album-Stream →

The Gobs – Obsgay Uleray

Neue Gobs! Was soll ich zu denen noch neues sagen? Wenn du sie noch nicht kanntest, kennst du sie jetzt! Die Band aus Olympia, Washington untermauert hier ein weiteres mal ihren bombenfesten Status als die gegenwärtigen Könige des schnörkellosen, ausgefuzzten, noise-verseuchten und temporeichen Garage Punk mit einem weiteren makellosen Bündel exquisit knallender Schallwaffen.

Album-Stream →

Yacht Fire – Night Shift

Yacht Fire aus Portland haben bereits absolut gekillt mit ihrer letztjährigen Debüt-EP und ihrem gleichermaßen saucoolen, abgefuckten und ausgefuzzten Garage Punk, der zwischen maximal eingängigen und ungleich kantigeren Songs alternierte. Der kürzlich erschienene Nachfolger transportiert jetzt mehr von den gleichen Qualitäten während er subtil die bereits auf der ersten EP unterschwellig präsenten, folkigen Vibes ausbaut, ganz besonders in Run und Kiss Off, wohingegen Nod und Cigarettes ein passendes Gegengewicht liefern als rohe Detonationen des einfach gestríckten Fuzz Punk-Chaos‘ und das abschließende Werewolf perfekt die Mitte dazwischen trifft mit einem Hauch von Wipers und Dead Moon im Gepäck. Also erneut eine all-killer-no-filler-EP von einer Band, die man absolut im Auge behalten muss.

Album-Stream →

Magazino – Volume 1

Die unermüdliche Leipziger Szene schlägt erneut zu mit schon wieder so einem Qualitätsbündel an Eggpunk-Tunes, die sich grob etwa im Fahrwaser einer weniger stark durchgebrannten Variante von Prison Affair bewegen, aber auch von Beer, Egg Idiot oder Research Reactor Corp.. Also klar, erwartet jetzt nichts bahnbrechend neues hier, aber die reichlich etablierte Formel hat sich über die Jahre doch als durchaus hartnäckig erwiesen und liefert nach wie vor jede Menge exzellenten, wenn auch dieser Tage nicht mehr als fürchterlich originell empfundenen Spaß.

Album-Stream →

United Stare – United Stare

Eine entzückende und Spaßkanone von einem Debüt hat da eine Band aus Pittsburgh, Pennsylvania abgeliefert. Der instrumentale Opener Liftoff Jam (White Boys in E) schwillt an zu einem monotonen Monster aus psychedelischem Nebel, was ein bisschen so klingt als würden MX-80 und Chrome mit frühen The Men verschmolzen, woraufhin der Rest der EP sich dann aber eher auf eine handlichere Klangästhetik aus geradlinigem, moderat Stooges-infiziertem Garage Punk eingroovt, der sich vereinzelt auch mal Hardcore-Tempos und -Energieleveln annähert und sich jederzeit von der Masse abzuheben weiß mit seinen subtil psychedelischen Obertönen und einer konstanten melodischen Unterströmungen, die sich als roter Faden durch ihr oldschooliges Garage- und Proto Punk-Feuerwerk erstrecken.

Album-Stream →

Snarewaves – I’d Rather Die Than Be On Linkedin + Huff / Alien

Snarewaves aus Lansing, Michigan veröffentlichen ziemlich viel Musik, weshalb man es mir nachsehen mag wenn ich nicht jedes mal darüber poste, wenn der Typ eine weitere zwei Minuten lange EP abliefert. Jetzt bietet sich der Moment aber mal wieder an, wurde doch gerade die erstmals vor einigen Wochen erschieneneI’d Rather Die Than Be On Linkedin EP zu einer 12-Song Mini-LP erweitert mit einer ungeheuerlich monumentalen Laufzeit von sechseinhalb Minuten! Und obendrein haben Snarewaves jetzt auch schon eine neue 2-Track-Single nachgeliefert die, so vermute ich es zumindest, auch noch zu etwas größeren anwachsen wird. Snarewaves-Platten sind iterativ, das sind wir inzwischen gewohnt. Und was soll ich sagen, ihre Musik ergibt für mich immer mehr Sinn, wenn sie gebündelt kommt und ihre superkurzen Lo-Fi Elektropunk-Eruptionen sich zu einer abgehackten kleinen Operette zusammenfügen. Noch immer klingt der Scheiß wie wenig andere Bands der Gegenwart – ein Sound der unter anderem jüngere Garage Punk-Zeiterscheinungen mit oldschooligen Hardcore-Stilmitteln vermengt und durch den Sample-Fleischwolf von altertümlichen Amiga 500 Tracker-Files zwingt. Die einzige zumindest oberflächlich verwandte Referenz die mir spontan dazu einfällt wäre aktuell das Schaffen des Schleswiger Synth Punk-Vikingers Klint.

Album-Stream →