Immer eine arschtretende Angelegenheit, neues Material von Jake Sprecher (of Terry Malts fame…) und seinem aktuellen Projekt The Wind-Ups, das 2021 mit einem massiven Knall begann in Form der spektakulären Try Not To Think LP und sich seitdem nicht groß verändert, aber auch noch niemals enttäuscht hat – ein zuverlässig hoher Qualitätsstandard der sich auch durch den neuen Langspieler zieht und es weiterhin unmöglich macht, nicht unmittelbar verzaubert zu werden von diesen zeitlosen Garage Rock- und Bubblegum Pop-Melodien, verpresst zu einem wunderbar rustikalen und Fuzz-getränkten Klangbild aus angemessen durchgebranntem Noise Pop und Garage Punk.
Digital Hotdogs bringt uns das neueste Verbrechen der Cowpunk-Abrisscrew Leche aus Austin, Texas und darauf erinnern sie mich noch viel, viel mehr als auf ihren bisherigen Veröffentlichungen an eine weitere Digital Hotdogs-assoziierte Band, Trashdog, nicht unbedingt was ihren Sound angeht sondern eher in ihrer hyperaktiv-zerfahrenen „anything goes“-Herangehensweise die scheinbar alle Regeln und Konventionen in Sachen Genre, Struktur, Kontinuität, Bezug zur Realität ignoriert und untergräbt… also klar ist das wieder mal ein glorreicher, Genre-sprengender, fragmentierter Brocken von Chaos, der sich beim ersten Durchgang schon mal nach zu viel von allem anhühlen kann. Hat man das Gerümpel aber erstmal durchgefiltert, lässt sich aus dieser scheinbar willkürlichen Verklappung von Exzess mit der Laufzeit einer Doppel-LP aber eine saumäßig gute Einzel-LP herausschälen. Das ist weniger (Trashdog’s) Weezer’s Blue Album und mehr (Leche’s) The Beatles‘ White Album – etwas zu lang, ziemlich chaotisch, scheinbar komplett zufällig sequenziert und man täte Unrecht daran, es nach seinen schwächsten Momenten beurteilen.
Diese Hamburger Band kreiert spaßige, kurze und zackige kleine Garage-/Synth-/Eggpunk-Lärmattacken, die sich zwar nicht allzu sehr von etablierten Genre-Strickmustern entfernen aber dafür alles so verdammt richtig machen als wären sie schon uraltes Eggpunk-Inventar, so wie sie hier absolut routiniert eine Vielfalt an Genre-Manövern und -Iterationen durchexerzieren von denen man denkt sie irgendwo schon mal gehört zu haben, sich ihrer ansteckenden Energie aber dennoch schwer entziehen kann. Ich sag mal Freunde von so Scheiß á la Beer, Media Puzzle, Winky Frown, Prison Affair, Set Top Box, Ghoulies oder Goblin Daycare können auch hiermit nicht viel falsch machen.
Wie schon die zwei Vorgänger ist auch die neueste EP des New Yorkers Jean Mignon die pure Verzückung aus so eingängiger wie auch schmutziger Garage-/Proto Punk-Qualität, in welcher eine ordentliche Dosis primitiver ’77er Energie zu einem zeitlosen Sound des explosiven Garage Punk-Wahnsinns verstückwerkt wird, was – insbesondere im Überhit Won’t Put Him Down – sicher auch auf bei Bewunderern von, sagen wir mal, Kid Chrome oder der noch recht frischen Elvis 2 LP auf Zustimmung stoßen wird.
Fast zehn Jahre nach ihrer letzten Tonkonserve rauft sich das in den 2010ern omnipräsente Garage Punk-Bollwerk aus San Francisco mal wieder zusammen und klingt dabei noch entschlossener und explosiver als je zuvor – eine einzige Abrissbirne von deren Durchschlagkraft man sich bereits bei ihrem fast schon irreal intensiven Köln-Gig im Frühling überzeugen konnte. Wie also schon zu erwarten war machen auch auf ihrer ersten neuen Veröffentlichung – jetzt schon digital zu haben, später auch als 7″ auf Goodbye Boozy erwartet – keine halben Sachen. Mehr oder weniger werden hier die abgespaceten, krautigen, post-punkig psychedelischen Tendenzen ihrer letzten paar LPs und EPs fortgeführt, unaufhaltsam vorwärts gepeitscht von einer irrsinnig tighten, dichten und unnachgiebigen Performance, in der einfach jedes Detail sich mit scheinbar schlafwandlerischer Leichtigkeit perfekt an seinen Platz fügt. Jau, ich hab die Kerle vermisst. Toll, sie wieder am Start zu haben!
Diese Band aus Sydney liefert hier fünf vorzügliche Häppchen ab aus Spits-ass catchy Garage Punk mit einer zusätzlichen Note von Lost Sounds oder vielleicht auch manchen Inkarnationen von Sick Thoughts. Nicht mehr, aber auch nicht weniger und was soll ich sagen… die Scheiße regelt immer noch als wäre es zweitausend-und-zerquetschte.
Exquisit auf die Scheiße hauender Electro Punk aus Portland, Oregon, der eine perfekte Balance zwischen grober Oberfläche und eingängigen Hooks erzielt. Unmittelbar erinnert mich das ein bisschen an eine weniger abgehackte Veriante der Snarewaves aus Lansing, Michigan, insbesondere in Bezug auf ihre allgemeine Amiga 500 Tracker-mäßige Lo-Fi Sample Punk-Ästhetik, aber fast genau so gut würde auch Synth Punk-Vikinger Klint als Vergleich herhalten oder schon etwas ältere Phänomene wie ISS aus North Carolina oder die Berliner Heavy Metal.
Hier ist noch so ein wunderbar verstörter Ausbruch des Lo-Fi Hardcore-Lärms. Der kommt von einer Band aus Orlando, Florida, die bereits ein ordentliches Demo auf Bellicose Records raus hatte, aber diese neue EP auf Drunken Butterfly Records ist da noch mal deutlich mehr meine Tasse Tee mit ihrer komplett zersprengten, unberechenbaren Version der zeitgenössischen Hardcore-Besorgnis die, under einer rohen, versifften Oberfläche auch einiges von einer nicht weniger zwielichtigen oldschool Garage-, Proto- und KBD Punk-Schattenwelt preisgibt.
Diese neue Sammlung von vermeintlichem B-Material ist schon wieder ein solider Beweis dafür, dass diese Agenten des gepflegt Noise-versifften Garage-/Hardcore Punk-Chaos‘ aus Melbourne einfach nichts falsch machen können, denn auch bei dieser EP kann ich weitgehend nicht nachvollziehen, warum diese Songs es nicht auf eine „reguläre“ Veröffentlichung geschafft haben sollen. Nu ja, des einen Müll ist eines anderen Gold sagt man ja und ich hab jedenfalls reichlich Spaß dabei, mich durch diese ganz hochkarätige Mülltonne zu wühlen.
Nun, diese Band kommt zwar aus Spanien aber ihr Sound erinnert mich viel mehr an einen ganzen Haufen französischer Bands – ihr Sound zwischen den Eckpunkten von Post Punk/-core, melodischem Garage Punk und Oi! ruft so Bands á la Youth Avoiders, Telecult, Nightwatchers, Bleakness ins Gedächtnis, oder aus etwas Jüngerer Zeit: Distance oder die französischsprachige Leipziger Band Laxisme. Es wäre jetzt also ziemlich einfach diese EP als nur ein weiteres Artefakt aus einem in letzter Zeit doch übermäßig präsenten Genre abzutun, aber das würde ignorieren, was für ein massives Feuerwerk von kraftvollen Hooks diese doch weit über’m Durchschnitt operierende Platte hier abfeuert.