Media Puzzle – Intermission

Ich glaube ich habe Media Puzzle aus Lismore, Australien bisher noch nie das volle Spotlight hier gegeben, was ehrlich gesagt ziemlich kriminell ist, ist der Typ inzwischen doch eine ziemlich konstante Präsenz an der Eggpunk-Peripherie seit nahezu zwei Jahren und obwohl er sich oberflächlich betrachtet recht nah an den etablierten Genre-Strickmustern zu orientieren scheint, hat er mit der Zeit doch eine durchaus eigene und persönliche Stimme entwickelt. Es ist einfach schwer, sich dem unmittelbaren Charme seiner quirligen Garage Punk-Songs und ansteckenden Hooks zu entziehen.

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Storage Unit – Das Demo

Diese New Yorker Band hat da mal ein irre starkes Debüt abgeliefert mit dieser Kassette auf Popular Affliction Records, die aus allen Nähten platzt von einer ebenso unnachgiebigen wie auch animierenden Energie, die hier zu elf kompakten Lärmausbrüchen aus Garage-, Electro- und Synth Punk verdichtet werden mit einer dissonanten Noise Rock-Kante, aber gleichsam auch ein bisschen von einem Sci-Fi B-Movie-infizierten Spits- oder Stalins Of Sound-Vibe. Ein ausgesprochen sicheres Händchen für einfache aber immer äußerst potente Punk-Hooks und Noise-Texturen, die vereinzelt fast schon ein bisschen Big Black heraufbeschwören, gekoppelt mit pointierten Spritzern aus käsigen, subtil Egg-mäßigen Versatzstücken – besonders ausgeprägt in Faith in Football – und leichten Spuren des eingängigen Garagenlärms á la The Gobs und Sex Mex jeweils in Accelerate und ADHD, sorgen gemeinsam für eine hochentflammbare Mischung, die keine Vergleiche zu scheuen braucht mit einigem vom besten was das Genre in jüngerer Zeit zu bieten hatte wie etwa Exit Mould, Kerozine, Cthtr, De()t, Quitter, Broken Prayer, Molbo, C57BL/6, STDees, The Q-Tips und Spyroids, um nur einige davon zu nennen die mir unmittelbar einfallen.

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D.A.R.Y.L. – Monsters

D.A.R.Y.L. aus Austin, Texas hinterließen einen starken Eindruck mit der Mini-LP Rock N Roll High School aus dem letzten Jahr und mit ihrem zweiten Release bauen sie jetzt weiter auf dem bewährten Fundament aus Synth-unterstütztem Fuzz Punk, Noise Pop und Garage Punk zu einem noch mal deutlich durchschlagenderen Ergebnis. Unter der dicken Dreckschicht einer überbelichteten Vorschlaghammer-Klangästhetik kann man eine perfekte Abfolge von so einfach gestrickten wie auch unverschämt Ohrwurmverdächtigen Songs und Melodien finden, eine breitere musikalische Vielfalt und nicht zuletzt einen deutlichen Fortschritt in ihrem Songwriting-Handwerk verglichen mit den manchmal noch etwas eindimensional erscheinenden Vibes des Debüts. Hier klingen die jetzt etwas mehr nach einer Hälfte Buck Biloxi / Giorgio Murderer und die andere Hälfte riecht nach Gobs und Exwhite… oder vielleicht auch Booji Boys, Dadgad? Wie auch immer, alles daran klingt einfach so verdammt richtig!

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Knowso – Cassingle #1: Optimism & Foot Of Pride

Gewohnt exzellentes neues Futter von einigen meiner liebsten Post Punk-Weirdos. Der erste Track Optimism auf der neuen Cassingle der Band aus Cleveland, Ohio trägt dabei fast schon exemplarisch alle Erkennungsmerkmale ihrer verwinkelt-kantigen Machart des Genres und verschnürt sie zu einem ultraeingängigen kleinen Kraftpaket, woraufhin dann die B-Seite Foot Of Pride eine im Vergleich ambitioniertere, ausufernde Angelegenheit darstellt, die – trotz ihres relaxten Tempos und einer für die Band ungewöhnlichen Länge von über fünf Minuten – niemals müßig wird dank ihrer subtilen aber effektiven Schwelbrand-Dramaturgie und einer Performance so scharf und präzise wie eigentlich alles von dieser außergewöhnlichen Band.

Big Break – Exile On Exchange St

Big Break aus Sheffield schlugen bereits ein paar Wellen mit zwei ausgezeichneten EPs voll mit so verschrobenem wie auch angepisstem Garage Punk in 2021/’22, deren Songs noch ein Jahr darauf zu einer vollen LP kompiliert und expandiert wurden. Ihr neueste EP konsolidiert den starken Eindruck erneut und gibt sich als eine nett gemischte Grabbeltüte neuer Songs, denen insgesammt eine etwas quirligere und sonnigere Qualität anhaftet im Vergleich zum Vorgänger. Nachdem der Opener Prototype eine ausgesprochen gute Figur als schnörkelloser Punksong abgibt, fühlt sich The Goon schon eher wie das Gegenstück dazu an mit moderat eierpunkigen Vibes. Wearing A Wire erinnert mich daraufhin stark an den Garage-Minimalismus von so Bands wie The UV Race, Eddy Current Supprission Ring, Sauna Youth and Tyvek. Zu guter Letzt wäre dann noch The Eunuch, das mit seinen schmierigen Growls zu Beginn, gefolgt von exquisit käsiger Synth-Action, in etwa so rüberkommt wie eine kaputtere, wundervoll entgleiste Version von Ex-Cult.

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Eye Ball – Gull Songs

Eye Ball aus Toronto haben mich – und vermutlich auch sonst jeden der zugehört hat – hungrig nach mehr von ihrem Scheiß gemacht mit den zwei digitalen 2-Track-Singles im letzten Jahr, die nicht lange danach auch zu einer 4-Song-Kassette kompiliert wurden. Jetzt bekommen wir die erste volle LP an neuem Material vorgesetzt und einerseits sind Vergleiche zu so Bands wie Marked Men, Radioactivity, Sonic Avenues und vielleicht auch frühen Sweet Reaper noch durchaus zutreffend, aber da passiert noch so viel mehr unter einer im direkten Vergleich deutlich roheren, schmutzigeren Oberfläche, was sich in einer ungleich entschlosseneren Attacke entlädt. Keine Sorge, es sind immer noch reichlich Hooks und Melodien für alle vorhanden, die Platte ist randvoll mit Hits, aber es ist auch sofort klar dass da etwas unerwartetes brät wenn die Platte sofort mit der Tür ins Haus fällt in einem ziemlich Hardcore-lastigen Opener und im weiteren Verlauf häufig die Vibes von so Garage Punk-Acts des vergangenen Jahrzehnts wie Sauna Youth oder Tyvek zu channeln scheint. Der Doppelschlag aus Road Pig und Bruise for a Birthmark hingegen hat ein bisschen was von einer Cruelster-Energie und was gegenwärtige Bands angeht, musste ich immer wieder an The Dumpies denken. Hochkarätiger Scheiß, zweifellos.

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Pipi – Eins, eins, eins, eins!

Neuer Eggpunk aus Hamburg, den ich – soweit es die hiesige Szene betrifft – mal als eine Mischung aus Pisse und Egg Idiot zu umschreiben versuche mit weiteren Geschmacksnoten von internationalen Bands wie etwa Prison Affair, Winky Frown, Kowboje und Beer. Aber auch andere kuriose Dinge gehen hier ab, etwa in Form eines leichten Dungeon-Vibes in Spuren oder eine an die subtile Goth-Aura von sowohl frühen als auch aktuellen Powerplant erinnernde Klangästhetik in Knight.

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Reckless Randy – Reckless Randy 2

Weniger als ein Jahr nachdem dieser Typ aus New Jersey mit seiner ersten LP in voller Band-Inkarnation ein respektables Loch in den Boden gesprengt hat, weist der nackte Titel „Reckless Randy 2“ darauf hin, dass es sich hier nun wieder um eine Soloplatte – seine zweite – handelt und wie schon auf seiner selbstbetitelten 2022er Debüt-LP sind das Tempo und die Performances hier etwas gemütlicher als jene der versammelten Abriss-Crew. Und wiss ihr was? Das geht vollkommen in Ordnung, denn der Kerl hat einfach ein besonderes Händchen für einfach gestrickte aber verboten eingängige und effektive Garage Punk-Songs, die schon von sich aus schon reichlich Durchschlagkraft haben und problemlos einer noch ungleich schläfrigeren Präsentation standhalten würden. Nichtsdestotrotz wäre ich aber durchaus neugierig, was die versammelte Bande mit diesem Material anstellen würde.

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Autobahns & Elvis 2 – Split

Und hier kommt gleich noch so eine arschtretende 7″ aus dem Hause Goodbye Boozy Records. Darauf lassen Autobahn aus Leipzig eine ausgesprochen oldschoolige Hardcore-Attacke vom Stapel, gefolgt von einem verwinkelten Garage Punk-Hit mit einer unterschwelligen Southern Rock-Kante. Und wo wir schon vom Süden reden: Letzteres ist genau die Garage-Subnische, die seit geraumer Zeit auch Elvis 2 für sich in Beschlag genommen haben und hier liefern zwei neue Songs der australischen Garage-/Fuzz Punk-Formation mehr von dem süchtig machenden Scheiß, der uns um Nachschub betteln ließ so ziemlich von dem Moment an, als ihre erste digitale Single bei Bandcamp auftauchte – eine Elvis 2-förmige Lücke im Herzen, in der auch nach der kürzlich erschienenen Debüt-LP noch reichlich Platz vorhanden ist.

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Amex – Amex

Acht pfundige Sprengladungen von im gleichen Maße rohem und schlauem, erfinderischem und vielfältigem Hardcore Punk erwarten uns auf der ersten EP dieser Kalifornier, deren Sound einerseits einiges gemeinsam hat mit solchen oldschool Hardcore-meets-Garage Punk-Bands á la Strutter, Headcheese, frühen Electric Chair, Insane Urge und Necron 9, diese Ästhetik aber mit dem unvorhersehbaren, strukturierten Chaos von etwas quirligeren, irgendwie anders verdrahteten Bands wie Mystic Inane, Cucuy, Acrylics, Big Bopper und Rolex verschweißt.

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