Ausgezeichneter neuer Scheiß, die Debüt-EP dieser Band aus Nottingham, deren Style sich hier im ständigen Fluss befindet und sich schwer auf eine Kategorie festnageln lässt, auch wenn die einzelnen Bestandteile reichlich etabliert sind. Die offensichtlichsten davon sind so Eggpunk-relevante Exzentriker wie Snooper, frühe Skull Cult, Busted Head Racket, Clarko einerseits, aber auch die ungleich roheren Schrägheiten von Warp, Beef oder Scud und nicht zuletzt nähert sich das ganze mehr als nur einmal dem total entgleisten Eklektizismus von Pressure Pin, Checkpoint oder TY an.
Nichts wirklich neues gibt es zu berichten über die jüngste EP der belgischen Garage Punks. Hier bleiben sie weitgehend ihren Basics treu, was aber auch bedeutet dass es keine negativen Überraschungen gibt wenn sie tun was sie am besten können und absolut treffsicher eine simple aber unverschämt wuchtige Garage-Detonation nach der anderen aus dem Ärmel schütteln, die mich dazu veranlasst einen satanischen Kult zu gründen oder einen Hund zu streicheln oder einen Hippie anzuzünden oder auf Tour zu gehen weil fuck you! Okay, klingt schlüssig, bin dabei.
Seit Lysol sich in Fan Club umbenannt haben ging damit soweit auch ein ungleich geradliniger Garage Punk-Sound einher, der bei mir nie so richtig zu zünden vermochte, immer etwas zu basic, zu nah an traditionellem Dad Rock-Gewäsch. Jetzt fühlt sich die neueste EP aber plötzlich wieder so an als würde die Uhr auf ca. 2021 zurückgedreht, so grob auf dem kreativen Höhepunkt ihrer Hard-/Garagecore-Ära und ich könnte kaum glücklicher darüber sein. Denn mal ganz im ernst, wenn es eine Sache gibt für die ich mich in 2025 gar nicht mehr erwärmen kann, dann das ist es noch so eine blutleere The Hyves-mäßige Garage „Revival Rock“-Platte. Der Krempel schmeckte schon nur wenige Jahre post-Y2K ziemlich fade und heutzutage hab ich für die Masche echt keine Geduld mehr übrig.
Seit ich irgendwann im letzten Jahr zum ersten mal meine Nase in die einschüchternd massive Discografie von Monda aus New Jersey gesteckt habe hat sich die Band wiederholt als einer der nicht nur produktivsten sondern auch konsistentesten Lieferanten von catchy abgefuzzten Leckerbissen bewiesen, die sich irgendwo zwischen den Eckpunkten von Garage Punk, oldschooligem Indie Rock, Noise- und Power Pop bewegen. Auch lässt sich schwer übersehen, dass sie sehr gerne die Tapete wechseln und die Einrichtung neu arrangieren zwischen den Veröffentlichungen um die Sache frisch und spannend zu halten, was sich unter anderem auch schon mal in einem ausgeprägt psychedelisch-spacerockigen Abstecher in ihrem Schaffen rund um die 2024er Ponderous Leviathan LP niederschlug. Auf ihrem neuesten Album besinnen sie sich hingegen wieder ein gutes Stück weit auf die ihre Basics zurück und treffen wie gewohnt jederzeit den Nagel auf den Kopf, wie sie hier eine Fülle sowohl von ’50er bis ’60er Bubblegum Pop-Vibes als auch ’80er Art-/Indie Pop-Artefakte der Flying Nun und Sarah Records-Schule und diverse Schrammelartefakte der C86-Ära channeln in einem makellosen Bündel ausgesprochen simpler und liebevoll gefertigter Songs, die niemals ihre Wirkung verfehlen.
Fen Fen aus Detroit haben noch nie enttäuscht und auch ihre neueste LP trifft ins Schwarze. Schien sich ihr Sound bisher mit jeder neuen Veröffentlichung eine etwas elaboriertere Richtung zu entwickeln, was in einer fast schon Postcore-mäßigen Ästhetik auf ihrer letztjährigen National Threat LP gipfelte, bewegt sich ihr neuester Langspieler erstmals in die gegensätzliche Richtung mit einem rasiermesserscharfen Fokus auf ihre Garage Punk-Wurzeln in einem wunderbar kompakten Päckchen aus acht kurz angebundenen und geradlinigen aber ultrasolide konstruierten, ’77- und Proto Punk-infizierten Garage Punk-Nuggets.
Ist das tatsächlich schon die dritte Dragnet LP? Mann wie die Zeit vergeht! Aus irgendwelchen Gründen (Zeit und Energie vermutlich) hab ich der Band bisher nicht das volle Blog-Spotlight gegeben, das sie eigentlich verdient hätten und jetzt ist ein guter Zeitpunkt das nachzuholen, klingt die Band aus Melbourne mit Mitgliedern unter anderem von Vintage Crop, Gonzo und Teen Line doch tighter, runder, wacher und mehr auf-den-Punkt als je zuvor auf ihrer neuen LP. Die hat einerseits diesen leichten Hauch von Uranium Club der sich ja auch schon seit jeher durch das schaffen der erwähnten Vintage Crop zieht, aber hier ist auch genau so viel von einer markant verschrobenen, Synth-verschwurbelten, Eggpunk-mäßigen Energie an Bord die sich irgendwo zwischen den Stühlen von Bands wie alten Ausmuteants, US-Bands wie Smirk und Cherry Cheeks, Australiern wie Ghoulies, Aborted Tortoise und Electric Prawns 2 ausbreitet.
Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die neue LP dieser Band aus Portsmouth, New Hampshire dermaßen wuchtig bei mir einschlägt, was für eine massive Steigerung von so ziemlich allem, was sie bisher so gemacht haben! Gleich von Start weg etabliert der Opener Brain Feeder eine beachtlichen Vorschub mit einem Sound, in dem wuchtige Grooves und glitzernde, melodische Texturen kollidieren in einer Mischung aus Post-, Garage Punk und einer kleinen Dosis Postcore. Im weiteren Verlauf wird die Formel hier weiter erforscht und expandiert, ihre treibende Energie verstärkt und untermauert von teils erstaunlich simpler, oft aber auch ausgesprochen filigraner, immer perfekt ausbalancierter Songarchitektur.
Okay, hier ist wieder mal eine dieser auf französisch singenden (aber in diesem fall scheinbar nicht französischen), Oi-injizierten Garage Punk-Bands und ich habe nichts wirklich neues darüber zu sagen, aber auch überhaupt nichts dran zu kritisieren denn die Qualität ist hier problemlos auf einer Höhe mit dem besten des Genres und Freunde von so Bands á la Telecult, Stalled Minds, Distance, Nightwatchers, Litovsk oder, erst kützlich, Laxisme werden auch an dieser Platte ihren Spaß haben.
Na das ist ja mal durchweg appetitlicher Lärm der uns hier von einem Typen oder einer Band aus Indonesien erreicht, vier komplett überbelichtete und ausgesprengte Krawallattacken irgendwo zwischen den Eckpunkten von abgespacetem Art Punk aus der MX-80 und Chrome-Mottenkiste, japanischem Psych- und Garage Punk á la ’80er High Rise oder was auch immer für ein Les Rallizés Dénudés-Bootleg gerade griffbereit ist, gewürzt mit einem gesunden Schuss von breitbeinigem Motörpunk.
Gripper aus Philadelphia haben da ja mal eine ganz vorzügliche Debüt-EP kreiert, die auf gewisse Art den unverblümt Hard-rockigen Spaß und die Power Pop-Hooks der frühen Sheer Mag Singles channelt, dabei aber weitgehend deren Southern Rock-Schnörkel umgeht und alle Basics perfekt auf der Reihe hat in einem tadellosen Bündel von zwei unverschämt infektiösen Power Pop-Juwelen und zwei ebenbürtig schreddernden, angemessen schmierigen Garage Punk-Sprengsätzen.