Auch wenn ich absolut glücklich über die vielfältige, clevere und immer schön seltsame Evolution bin, welche die diversen Stränge des Garage Punk in jüngeren Jahren durchlaufen haben, steht mir doch manchmal der Kopf mehr nach etwas weniger durchgegarter, rudimentärer Hausmannskost. Das neue Tape des Garagenduos 208 aus Detroit trifft genau in diese Kerbe mit der rohen, primitiven, verschwitzten und etwas zu besoffenen Machart von Garage Punk – die Sorte für die man eine Seele aber kein Gehirn braucht. Wobei, mir ist natürlich bewusst, dass die Seele ein dummes religiöses Konzept ist, für das es in der Realität null Evidenz gibt. Also gut, sagen wir stattdessen mal, es genügt ein vom Leben durchgeschütteltes, leicht defektes Gehirn um damit umzugehen oder irgendwas in die Richtung, okay? Das Klangbild hier ist einfach perfekt und ein allgegenwärtiges, digitales wie auch analoges Clipping ist kein Bug sondern ein Feature – ein Fuzz-getriebender Zermalmer von Songs, die in erster Linie älteren Scheiß heraufbeschwören wie etwa Oblivians, Gories, Pussy Galore, Feedtime, Reatards oder was auch immer euch dazu noch einfällt.
Die spanische Szene ist in letzter Zeit mal wieder ’ne einzige Goldgrube (übrigens, wo man schon vom Diablo spricht, habt ihr alle schon die ganz famose Hogar LP gehört?) – neuestes Beweisstück ist diese schnuckelige EP einer Band aus… Barcelona, denke ich mal? Zumindest scheint die Stadt in den Lyrics eine Rolle zu spielen, auch wenn ich sonst überhaupt nichts verstehe. Macht jedenfalls ordentlich Spaß, ihr Garage Punk, der sich überwiegend zwischen einfach gestrickten ’77er Vibes und dem verwinkelten Groove jüngerer Vertreter á la Uranium Club, Pinch Points abwechselt.
Auf seiner zweiten 7″ für Goodbye Boozy Records erhöht Cal Donald aka Liquid Face mal ganz empfindlich den Energielevel und Distortion-Faktor – als Resultat davon kommt sein spezielles Garage-/Synth-/Post Punk-Gebräu jetzt ein wenig rüber wie ein zotteliger Bastard irgendwo zwischen den welten von Powerplant, Mononegatives und dem Noise Punk von Brandy.
Irgendwie hab ich dieses bezaubernde Album aus eigenwilligem Post Punk übersehen als es zum ersten mal als Tape auf Future Shock erschienen ist und ich gehöre geteert und gefedert dafür. Nu ja, hier kommt meine zweite Chance, denn das Ding ist jetzt nochmal auf Drunken Sailor Records auf zwölf Zoll breitem PVC erschienen. The Drin sind ein Soloprojekt von Dylan McCartney, der vielleicht schon aus so Bands wie Vacation, The Serfs, Crime Of Passing, The Switzerlands und noch ein paar anderen geläufig ist. Die Platte beginnt mit einem etwas Joy Division-mäßigen Beat, der unvermittelt in Drones getränkt wird, denen so ein bisschen was von Suicide-meets-Chrome innewohnt. Als nächstes dann eine Nummer, die klingt als hätten frühe Ride eine Dub-Erleuchtung bekommen und nachfolgend scheint das Zeug hier durch zufällige Iterationen des frühen britischen DIY Post Punk zu kreisen – mehr als einmal fühle ich mich an Bands wie The Membranes, Desperate Bicycles und Swell Maps erinnert. An jüngeren Acts könnte man in den Dub-lastigen Momenten Exek als Vergleich bemühen und an anderen Stellen die Neo Kraut- und Space Rock-Ausflüge von Moon Duo. Eine einzige Schönheit, das alles.
Wow, ich hatte nicht erwartet, dass diese Platte so ein perfekter Rundumschlag wird. Die Band aus Vancouver sollte durchaus in der Lage sein, eine sehr große Schnittmenge an Post Punk-Liebhabern zu vereinen, indem sie die Uhren einfach mal um so ein bis zwei Jahrzehnte zurückdreht mit einem ausesprochen melodischen Ansatz, voll ausgereiften Songwriting-Qualitäten und einem Gewitter an infektiösen Hooks, wobei sie die stärken gleich dreier Stränge des Genres verbinden. Am offensichtlichsten wären da natürlich Bands der frühen 2010er wie The Estranged, Criminal Code, Holograms, Autobahn oder den noch nicht ganz so alten Girls In Synthesis… aber auch Echos von mehr zu geradlinigem Punkzeugs tendierende Gruppen wie Xetas, Daylight Robbery und Anxious Living meine ich da zu vernehmen und nicht zuletzt dürften dann noch knapp am Noise Pop vorbei schrammende Bands wie Piles, Wild Moth oder Die! Die! Die! hier ihre Spuren hinterlassen haben.
Die beste britische Punkband der Gegenwart hat bislang noch keinen Song geschrieben, der irgendwas anderes als absolut mitreißend ist. Ihre neueste digitale (?) Single schickt dabei noch mal zwei ihrer stärksten Songs auf die Reise und wird erneut im Handumdrehen die Herzen aller Freunde von Television Personalities-inspiriertem Geschrammel á la Suburban Homes, Neutrals oder Freak Genes erobern.
Zoids bleiben charmant und schräg auf ihrem neuesten Tape, das bald auch physisch aus dem guten Hause Goodbye Boozy zu bekommen sein wird. Immer noch klar am äußersten Tellerrand des kruden, dissonanten Garage-/Post Punk und vollkommen dementen Space Rock zu verorten, bleibt diese Band oder Person mysteriöser Herkunft eine charmant kaputte Maschine, deren Reparatur ruhig noch etwas aufgeschoben werden darf.
Eine wundersame kleine EP voll mit entrücktem Garage-/Power-/Fuzz Pop hat da ein Duo aus Philadelphia aus dem Hut gezaubert. Das fängt etwa so an als träfe das scharfe Pop-Gespür der Booji Boys oder Daughter Bat & The Lip Stings auf den smarten rhythmischen Post Punk der Lithics. Daraufhin grooven sich die nachfolgenden drei Songs dann auf einen etwas entspannteren krautig-psychedelischen Vibe ein wie man ihn unter anderem in den Lo-Fi Popwelten von Bands wie Germ House, Far Corners, Violent Change, Honey Radar oder gar den frühen Woolen Men vermuten würde. Durchweg exzellenter Scheiß, das.
Diese Band aus Barcelona spielt so eine gewisse Brauart des Post Punk – die melodisch-eingängige, von der man gerade in jüngerer Zeit etwas wenig gehört hat – und ich würde mal sagen die klingen dabei nach einem recht bunten Cluster aus einschlägigen Hausnummern á la Nightwatchers. Sievehead, Red Dons, Criminal Code und frühen The Estranged. Ab und an streckt man seine Fühler auch mal in Richtung Hardcore aus und dann kommen mir spontan mal die Acrylics in den Sinn.
Diese Band aus Philadelphia bringt Generationen von Punks zusammen, zählt zu seinen Mitgliedern Chuck Meehan von den Hardcore-Dinosauriern YDI, neben Mitgliedern jüngerer Bands wie Blank Spell, Haldol und DeStructos. Ihre erste EP explodiert dem Hörer unvermittelt ins Gesicht mit seinen achteinhalb Salven des unvorhersehbaren, chaotischen und Noise-infizierten Hard-/Post-/Weirdcore, der sich grob im Spektrum dessen bewegt, was man in jüngerer Zeit etwa von Bands wie Kaleidoscope, Daydream oder Fugitive Bubble zu hören bekam.