Liquid Lunch – Come Again

Diese Debüt-EP einer Band aus Minneapolis liefert vier vorzügliche Knaller aus DIY Garage Punk mittlerer Klangfidelität ab, die sich konsistent auf der eher verspulten Seite des Genres bewegen und sich damit in guter Gesellschaft zu Acts wie etwa Satanic Togas, Alien Nosejob, Research Reactor Corp., R.M.F.C. oder Erik Nervous befinden.

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Ztuped – Are You Stupid?

Das 2019er Demo dieser Band aus Washington, D.C. hatte ja schon seine unbestreitbaren Qualitäten, aber ihre Debüt-7″ auf 11 PM Records setzt da noch deutlich einen drauf, fokussierter in ihrer Vision und mit adäquaten Prouktionswerten ins richtige Licht gerückt. Der Opener Blood Runs Through ist hier das Paradebeispiel dafür, was diese Band besonders macht – eine mitreißende Catchyness und ein im gegenwärtigen Hardcore Punk selten gehörter Sinn für Melodie trifft darin auf schnörkellos geradeaus donnernde Riffs, die eher den Sphären des oldschooligen „Heavy“ Metal entlehnt scheinen als klassischem Hardcore, verwoben zu häufig etwas exzentrischen Songstrukturen, die immer für eine Überraschung oder zwei gut sind. Einige der besten Momente kommen für mich rüber wie eine unwahrscheinliche Verschmelzung von Cülo mit Naked Raygun.

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Hungry Man – Permanent Crisis

Meine liebe Güte, ist das mal ein göttlicher Batzen aus oldschooligem Postcore von genau der Machart, die uns Sesselfurzern mittleren Alters in höhere Sphären zu transportieren vermag – ausgeklügelt ohne dabei im eigenen Arsch zu versinken und dabei mit einem Gespür für Melodien, das alte Volcano Suns, Moving Targets und Mission Of Burma heraufbeschwört. Die viertelstündige Suite, mit der sie das Album eröffnen, erinnert mich hingegen stark an Dragoon, den monumentalen Opener von Bitch Magnet’s zweiten und letzten Album Ben Hur. Ansonsten regiert hier mit das beste aus dem 90er Dischord-Universum mit reichlich Anklängen etwa an Autoclave, Bluetip, Hoover, Crownhate Ruin, Kerosene 454, frühe Jawbox… hier wird nicht gekleckert. Und klar, ein paar Spuren von Fugazi sind natürlich auch enthalten – ich würde jedoch sagen, dass jene hier keineswegs der primäre Einfluss sind. Das alles ziehen Hungry Man mit Leichtigkeit durch, ohne wie ein dröges Plagiat zu klingen – sondern viel mehr wie eine Band, die zu ihren Einflüssen steht und dennoch ihre eigene Stimme findet, um in die Gegenwart zu sprechen.

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Repulsion Switch – Demo 2021

Ein popotretendes kleines Demo von einer Band oder Person in Buenos Aires. Das steht mit einem Fuß in einer sich zeitgemäß anfühlenden Pfütze aus Lockdown-induziertem DIY Garage Punk, die andere Flosse matscht hingegen tief in den Schichten von früh-80er Hardcore-Gedöns herum und trägt dabei seine alte KBD-Style Dreckschicht mit voller Überzeugung. Einfach, ökonomisch, effektiv.

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Finale – 225 o​.​p​.​m​.

Einer von Spaniens bestgehüteten Garage Punk-Geheimtips ist jetzt wohl endgültig in der guten Gesellschaft der großen Mädchen und Jungs gelandet – Evidenz dafür liefert ihre aktuelle 7″ auf dem Garage-Bollwerk Slovenly Recordings, die fraglos ihr bislang stärkstes Songbündel enthält – selbstbewust und saumäßig catchy, ohne dabei ihre schräge Kante zu verraten. Hier finden Finale die perfekte Schnittmenge aus den diversen Verschrobenheiten von Bands wie etwa Erik Nervous, Reality Group, R.M.F.C. oder Neo Neos.

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Stalled Minds – Shades

Es sind bereits fünf Jahre vergangen seit der Debüt-EP der Pariser Band aber das warten macht sich hier bezahlt auf ihrem ersten Langspieler, einem Fass ohne Boden aus wuchtig melodischem (Garage-)Punk so grob in der Machart von Bands wie Cheap Whine, Short Days, Red Dons oder Telecult… man mag auch Spuren von Marked Men, Royal Headache oder Thermals drin wiedererkennen. Vereinzelt hält mal das Songwriting nicht Schritt und dann kratzen sie gefährlich nah an der Grenze zum seichten Pop Punk, aber wenn sie ihr Ziel treffen, dann mit Wucht, Präzision und nicht zuletzt mit einem subtilen retro 60er Powerpop-Vibe.

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Pleaser – Demo

Spektakuläres erstes Dokument einer Band aus Kopenhagen, die hier einen recht unkonventionellen Mix aus Post Punk, Hard- und Postcore spielt mit einem seltenen Sinn für Melodie und einem stark psychedelischen, fast schon Shoegaze-mäßigen Unterton. Außerdem, mit Blick auf die Kopenhagener Szene, geht es kaum anders als hier auch leise Echos der frühen Iceage und Lower zu registrieren.

Metdog – Certified Lover Dog

Metdogs vierter Kurzspieler ist mal wieder ’ne Wundertüte voller verspieltem, relaxtem Garage Punk, lass uns dabei nicht von Eiern reden… Bewunderer von R.M.F.C., Research Reactor Corp. oder Satanic Togas werden den Krempel sicher befürworten, so wie auch ich hier mal ’ne Ausnahme mache und den Einsatz von Auto-Tune oder Vocoder oder was auch immer das im Rausschmeißer-Track sein soll voll und ganz befürworte. Kunst, schätze ich mal.

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Pinch Points – Reasons To Be Anxious / Boy

Pinch Points docken jetzt also bei Exploding In Sound Records an? Nicht unbedingt die naheliegendste Wahl, würde ich sagen, aber wen interessiert’s… so lange ihre Musik weiterhin so rasiermesserscharf bleibt wie auf ihrer neuesten 7″, die sie erneut irgendwo zwischen gradlinigeren Reality Group und einer no-bullshit-Inkarnation von Uranium Club positioniert.

Safety Net – Art

Die letztjährige Health EP war schon echter Qualitätsscheiß, aber der jetzt erschienene Nachfolger ist dann mal so irsinnig ansprechend, da war ich echt nicht drauf vorbereitet… Das Trio kommt aus Nashville und ich hab mal den konkreten Verdacht, dass Connor und Sean die gleichen Typen sind, die euch ansonsten sicherlich als das Duo Skull Cult bekannt sind. Keine Ahnung wer Cam ist. Oh, und dann ist da noch das kleine Detail namens Erik Nervous, der hier mischend und masternd seine patentierten Bierflecken hinterlassen hat auf dieser Kassette, deren Sound so gleichwertig eklektisch wie catchy daherkommt. Verhallter Garage Surf Twang? Abgespacte Psychedelic Freakouts? Wire und Mission Of Burma trippen auf Benzos? Alles am Start hier! Und anmutig über all dem schwebt das perfekte 70er-Powerpop-meets-80er-Hair-Metal-Meisterwerk Be With You – ein berauschend süßer K.O.-Hieb mit plüschig weichem Aufprall.

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