Ein ordentlich sensationelles Ding hat diese Band aus dem belgischen Tournai meines Erachtens mit ihrem zweiten Langspieler gedreht. Vom ersten Moment an fühle ich mich an so viel guten, sowohl alten als auch neuen Scheiß an den Schnittstellen von Art-, Post- und Garage Punk erinnert, komplettiert von einer würzig-dissonanten No Wave und Noise Rock-Kante. Manchmal klingt das etwas nach Angst, die mit dem simplistischen Beat von Man Sized Action und etwas früher The Fall-Schrammelseligkeit verschmelzen. An anderen Stellen bilde ich mir ein, Echos von Membranes, Gordons oder Swell Maps wahrzunehmen aber genau so gut kann man auch Verbindungen zu gegenwärtigen Acts à la Honey Radar, Toe Ring, Lithics, Germ House, Shark Toys und Subtle Turnhips irgndwo da drin wiederfinden.
Was für eine Art von schwarzem Tod soll denn das hier bitte schon wieder sein? Das auf Bandcamp zunehmend florierende Dungeon Punk (Mikro-)Genre überrascht und überwältigt doch immer wieder wenn seine unbeschwerte Albernheit abermals auf eine astreine Qualität in der Darbietung trifft. Was hier in etwa so vom Zaun bricht wie ein mit oldschool Black Metal infizierter Bastard aus Chubby and the Gang und frühen Sheer Mag bekommt im weiteren Verlauf dann auch noch eine gute Spritze (neo-?)Folk Punk-RNA verpasst und darf sich zu gewagten und flexiblen Songstrukturen ausbreiten, ohne dabei jemals seine Popqualitäten zu vernachlässigen. Das verbreitet Freude und Schrecken zugleich – passende Untermalung also für eine im Untergang begriffene Menschheit auf dem Weg ins postapokalyptische neue Mittelalter.
Ein neuer Release der Garage Punk-Lichtgestalt Erik Nervous aus Kalamazoo, Michigan ist jedes mal ein rostiger Eimer voll purer Glückseligkeit. Diesmal überwiegend mit einer fast schon Hardcore zu nennenden Energievorgetragen (in dieser Hose steckt – anders als der Titel suggeriert – mindestens ein ganzer Arsch), gehört das fraglos zu seinen bisher direktesten, kompaktesten und effizientesten Batzen an supertighten Garagensmashern. Oh, und was wäre eine Erik Nervous EP ohne die Vertröstung auf einen noch aufzunehmenden Vaporware-Song, der dann vielleicht irgendwann mal bei Bandcamp auftaucht… oder halt auch nicht.
Viereinhalb spaßige Schrammelorgien der stark Proto Punk-inspirierten Machart von einemTypen, der zufällig auch bei Toe Ring mit am Werk ist. Das Zeug klingt ein bisschen nach ’ner Mischung aus Peace De Resistance, Woolen Men und Honey Radar plus einem Hauch von Modern Lovers.
Qualität aus dem Hause Phantom Records mal wieder und bei den Tätern handelt es sich schon wieder um eine dieser Berliner Bands für die ich langsam mal Mengenrabatt verhandeln sollte. Post Punk, ja wer hätte es denn gedacht? Solcher, der seine Herkunft mit Würde trägt, dabei aber jedes mal einen eigenen kreativen Spin mitbringt. Funky und doch mit ordentlich knirschendem Dreck im Getriebe. Besonders prominent ist hier ein gewisser Surfrock-Vibe, den sie mutwillig wie ein Brecheisen zwischen die Speichen werfen, was ein paar spaßige Stunts und Manöver zur Folge hat. Auch etwas durch einen Gun Club-meets-The Fall-Fleischwolf gezogener Rockabilly ist da mit von der Partie. Mein persönlicher Fave hier ist eine feines Geschoss namens Angerman, welches das Spiel von Zuckerbrot und Peitsche, aus dissonantem Noise und Melodie, ganz perfide auf die Spitze treibt.
Irgendwie ist mir dieser Typ aus Ocean City, New York bisher durch die Lappen gegangen. Sein Langspiel-Debüt trifft dafür aber gleich mal voll meinen Nerv mit einer Auffassung von simplem bis dummen Garage-, Electro- und, gelegentlich, Synth Punk, der häufig noch mal einen deutlichen Schlag in Richtung ’77 aufweist und an alte Pioniere wie Screamers, MX-80, Metal Urbain/Dr. Mix & The Remix oder auch ein kleines bisschen an Chrome erinnert. In Country Girls gibt es dann passend zum Titel noch einen leichten Anflug von Gun Club-mäßigem Cowpunk, während man in der Gegenwart vielleicht Vergleiche zu so Acts wie S.B.F., Kid Chrome, Zoids oder Mateo Manic ziehen möchte.
Natürlich mal wieder ohne Ausnahme brilliant, der jüngste Output dieser seltsam britisch klingenden Band aus Oakland, Kalifornien. Das hier mag dabei ihre am wenigsten Post Punk-lastige, am stärksten powerpoppige Platte bisher sein, die erneut aus allen Nähten platzt angesichts der schieren Menge an meisterhaft ausgerollter, bodenlos charmanter Television Personalities-Anbetung plus einem gewissen Unterton der frühen Mekons oder Desperate Bicycles.
Huch, diese Leute scheinen ja schon ganz schön lange ihr Ding zu drehen und doch stolpere ich hier zum ersten mal über ihre Musik. Die neueste EP der Band aus Chicago ist dann gleich auch mal ein lupenreiner Leckerbissen bestehend aus melodischem Punkrock mit dieser gewissen rohen 80er Kante á la SST Records, die für kurze Zeit in den 2010er Jahren ja erneut mal ein kleines Ding war, sich seitdem aber auch schon wieder ziemlich rar gemacht hat. Stellt euch mal so ’ne Mischung aus Bands vor wie frühen Milk Music, Needles//Pins, California X, Commander Keen oder Happy Diving vor.
Hui, ich hatte jetzt aber mal nicht mit einem derartig hochwertigen Genuss gerechnet in Form des jüngsten Albums dieser New Yorker, die bislang komplett unter meinem Radar geflogen sind. Auf die Ohren gibt es eine stark von Velvet Underground und Jesus and Mary Chain inspirierte Melange aus Fuzz-/Power-/Noise-/Dream Pop, die schon alleine durch die Stärke des Songmaterials überzeugt und als harten Kontrast dazu dann soundmäßig eher mal so auf kleiner Flamme vor sich hin gart. Es braucht also ein bisschen Geduld, aber das zart auf der Zunge zergehende Resultat ist dann eine einzige Gaumenfreude, während ich jedes Hook und jedes Fitzelchen an subtiler Textur in ihren Klanglandschaften abfeiere.
Ich glaub diesem Vogel aus Hammond, Indiana hab ich hier noch nie so wirklich das Spotlight gewidmet, das er eigentlich verdient hätte – ihr werdet seiner Musik dafür aber sicher schon auf irgendeiner der Verspannungskassetten begegnet sein, auf denen seine diversen Alter Egos in jüngerer Zeit ziemlich regelmäßig aufgetaucht sind. Hier sind jetzt drei seiner neuesten Batzen des minimalistischen Hardcore Punk, der bei allen drei Projekten eigentlich ziemlich ähnlich klingt, sieht man mal von leichten Variationen in Sachen Tempo und Intensität ab sowie von etwas elektronischer Billigheimer-Unterstützung im Falle von Feed, womit sich der Kerl wohl obendrein noch den Titel bester (einziger?) Hardcore-Stylophonist redlich verdient hätte.