The Gotobeds - Debt Begins At 30

Mit der neu­en Go­to­beds hab ich mich erst mal et­was schwer ge­tan; erst in der zwei­ten Hälf­te ha­ben mich ih­re Vi­bes rich­tig ge­packt. Das mag an dem für die­se Band et­was un­ge­wohnt ge­tra­ge­nen, von ei­ner tief­ern Me­lan­cho­lie durch­zo­ge­nen Ton­fall der neu­en Songs lie­gen. Oder aber dar­an, dass sie das stärks­te Ma­te­ri­al tat­säch­lich eher zum En­de der Plat­te hin ge­wich­tet ha­ben. Um si­cher zu ge­hen wer­de ich mir die Plat­te gleich noch mal an­tun. Wer die Vor­gän­ger­al­ben zu schät­zen wuss­te, wird das hier viel­leicht mit et­was mehr Vor­sicht ge­nie­ßen. Da­für wird das aber ver­mehrt bei Freun­den von Drahla auf of­fe­ne Oh­ren sto­ßen. Au­ßer­dem wä­re noch ei­ne ziem­lich lan­ge Lis­te an Kol­la­bo­ra­teu­ren zu er­wäh­nen; un­ter an­de­rem ha­ben Bob Wes­t­on (Shel­lac, Vol­ca­no Suns), Protomartyr's Joey Ca­sey und Down­town Boys Vo­ka­lis­tin Vic­to­ria Ruiz ih­re Fin­ger­ab­drü­cke hin­ter­las­sen. Ei­ne un­er­war­tet span­nen­de Plat­te, die ich mir si­cher noch et­was er­ar­bei­ten muss.

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Amyl and the Sniffers - Amyl and the Sniffers

Nach­dem der Mi­cro-Hype um die Punk­ka­pel­le aus Mel­bourne reich­lich Zeit ge­habt hat um Fahrt auf­zu­neh­men, ist jetzt auch mal der ers­te Lang­spie­ler der Band auf­ge­taucht. Auch wenn die­se eher kon­ser­va­tiv riff­ende Art des '77er Flash­backs nicht un­be­dingt zu mei­nen be­vor­zug­ten Sub­gen­res ge­hört - ge­ra­de wenn die Riffs ab und an ge­fähr­lich nah am an­ge­staub­ten Hard­rock-Kli­schee vor­bei schram­men - muss ich ih­nen doch zu­ge­ste­hen, dass so et­was kaum bes­ser wer­den kann als Amyl and the Snif­fers es ze­le­brie­ren. Ih­re Songs ha­ben die nö­ti­ge Zug­kraft um das Spkta­kel glaub­haft zu ver­kau­fen und die un­be­irr­te Kon­se­quenz mit der sie die­ses Ding durch­zie­hen muss man ein­fach an­er­ken­nen. Kann ich durch­aus Spaß mit ha­ben. Soll­ten jetzt aber wei­te­re Bands auf die­sen Zug auf­sprin­gen, wä­re mein In­ter­es­se dar­an auch schnell wie­der auf­ge­braucht.

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Apedreado - Demo 2019

Spa­nisch spre­chen­des Hard­co­re­ge­döns von ei­ner Lon­do­ner Band. Ape­d­re­a­do haben's mit ih­ren Pe­da­len auf dei­ne Twee­ter ab­ge­se­hen und stel­len ei­nen wei­te­ren hoch­wer­ti­gen Ver­tre­ter die­ser kom­pro­miss­los stock­düs­te­ren, Noi­se-ge­tränk­ten Gen­re­ni­sche dar, über de­ren his­to­ri­sche Her­kunft und Ein­ord­nung mich mal drin­gend ir­gend­ein Er­wach­se­ner auf­klä­ren müss­te. Ak­tu­ell passt es je­den­falls wie Arsch auf Ei­mer zu Bands wie Im­pul­so, Ses­so Vio­len­to. Oder auch zu di­ver­sem Krem­pel aus der Is­län­di­schen Sze­ne á la Dauðy­flin und Roht.

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Christian Fitness - You Are The Ambulance

Über man­geln­de Pro­duk­ti­vi­tät des Fu­ture Of The Left und Ex Mclus­ky-Front­man­nes An­dy Fal­kous kann ich mich ja echt nicht be­schwe­ren. Seit 2014 ist je­des Jahr ein neu­es Al­bum sei­nes So­lo­pro­jek­tes am Start. Die Qua­li­tät va­ri­iert. Schein­bar mit Ab­sicht haut der Typ im­mer ab­wech­selnd ein Al­bum raus das mich nicht so recht zu be­geis­tern ver­mag, dar­auf­hin dann wie­der eins das al­le rich­ti­gen Knöp­fe drückt. Ak­tu­ell be­fin­den wir uns in der bes­se­ren Hälf­te von die­sem eta­blier­ten Zwei-Jah­res-Zy­klus. Die Plat­te ist wie­der peak Fal­co und wird von min­des­tens so­li­dem, meis­tens aber aus­ge­spro­chen star­kem Song­ma­te­ri­al ge­tra­gen. Auf frag­wür­di­ge Ex­pe­ri­men­te wird dan­kens­wer­ter Wei­se ver­zich­tet - ich will Herrn Fal­kous un­ter kei­nen Um­stän­den noch mal beim Rap­pen zu­hö­ren. Aber so scheint der Typ halt zu ope­rie­ren. Ein mal den Dreck an die Wand schmei­ßen und schau­en was kle­ben bleibt, im nächs­ten Durch­gang dann auf ein ro­bus­te­res Songfun­da­ment stel­len, was nicht so­fort Fun­gus ent­wi­ckelt oder Feu­er ge­fan­gen hat.

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Warm Bodies - UFO Extremo's

Warm Bo­dies aus Kan­sas Ci­ty, Mis­sou­ri ha­ben es auch auf ih­rer neu­es­ten EP nicht ver­lernt zu des­ori­en­tie­ren. Wer hät­te von den Spa­cken auch was an­de­res er­war­tet als ei­nen erst­klas­sig ka­put­ten, ga­ra­gi­gen Weird­core-An­griff auf Psy­che und Ver­stand?

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Current Affairs - Buckle Up /​ World In Crisis

Zwei mal schon hat es die Glas­gower Band um ei­ne Haa­res­brei­te ver­fehlt, an die­ser Stel­le auf­zu­tau­chen. Aber mit der neu­es­ten (nur di­gi­ta­len?) Sin­gle auf dem jun­gen Ber­li­ner La­bel '…' ist das Qua­li­täts­ni­veau letzt­end­lich auf ei­nem Le­vel an­ge­kom­men, dass ich nicht mehr an­ders kann als das hier zu pos­ten, denn bei den zwei me­lo­di­schen Post­punk-Num­mern ist ein­fach al­les per­fekt stim­mig: Sound, Pro­duk­ti­on, Song­wri­ting. Von dem Zeug wünscht man sich doch echt mal 'nen Lang­spie­ler her­bei.

Policy - Rubbernecking

Hard­co­re­punk aus New Or­leans, ge­nau so wie er mir am liebs­ten ist. Et­was ab­ge­fah­ren und un­ge­wöhn­lich näm­lich, so wie es die Zucht und Ord­nung lie­ben­de Sze­ne­po­li­zei gar nicht ger­ne sieht. Mit ei­nem un­hy­gie­ni­schen Schmutz­film aus Noi­se über­zo­gen und ei­nem un­auf­halt­sam rund lau­fen­den An­trieb ist das ei­ne ab­ge­fuck­te Pracht, die un­ter an­de­rem auch Ge­nie­ßer von Bands wie Fried Egg, Acrylics, Mys­tic In­a­ne oder An­xie­ty si­cher zu gou­tie­ren wis­sen.

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Surfbort - You Don't Exist

Kei­ne Ah­nung, wie ich die New Yor­ker Band bis­lang igno­rie­ren konn­te, ob­wohl sie doch schon mit gu­ter Re­gel­mä­ßig­keit in mei­nem Band­camp-Feed auf­ge­taucht ist. Auch das äl­te­re Zeug von de­nen ist schon ver­dammt gut, wie ich es nun im Nach­hin­ein fest­stel­len muss. Ein we­nig an Form zu­ge­legt hat ihr ga­ra­gi­ger Fuzz­punk den­noch auf der neu­es­ten EP, ist mit ei­ner treff­si­che­ren Pro­duk­ti­on und ro­bus­tem Vor­schub aus­ge­stat­tet.

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The Proletariat - Move

Das ers­te Al­bum nach über drei­ßig Jah­ren mit neu­em Ma­te­ri­al der Bos­to­ner Hard­core­le­gen­de stand un­ter ei­nem schlech­ten Stern, ist des­sen Fi­nan­zie­rung doch Teil des Kol­la­te­ral­scha­dens ge­wor­den, den das Pled­ge­mu­sic-De­ba­kel hin­ter­las­sen hat. Den Un­ter­stüt­zern wird ge­ra­ten, die Zah­lung bei ih­rem zu­stän­di­gen Kre­dit­in­sti­tut an­zu­fech­ten, denn die Band wird da­von nichts zu se­hen be­kom­men und das be­sag­te Un­ter­neh­men hat mit sei­nen ver­ant­wor­tungs­lo­sen Ge­schäfts­prak­ti­ken schon ge­nug Koh­le ver­un­treut.

Ei­nen of­fi­zi­el­len Re­lease hat die Plat­te letzt­end­lich den­noch ver­passt be­kom­men und ist un­ter an­de­rem - DIY wie eh und je - über ih­re ei­ge­nen Home­page zu be­kom­men. Es ist sel­ten ge­nug, dass ei­ne Grup­pe nach ih­rer Wie­der­ver­ei­ni­gung zu mehr als ei­ner ad­äqua­ten Ol­dies-Band taugt. The Pro­le­ta­ri­at kön­nen mich aber ein­wand­frei über­zeu­gen mit ei­nem aus­ge­spro­chen run­den, selbst­si­che­ren Post­co­re-Sound, der ei­ner­seits ih­re Ver­gan­gen­heit re­flek­tiert, an dem an­de­rer­seits aber auch die Gen­re-Ent­wick­lun­gen der ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­te nicht spur­los vor­bei ge­gan­gen sind. In Wür­de zu al­tern ist eben, al­len an­ders lau­ten­den Be­haup­tun­gen zum Trotz, auch für Punks ei­ne rea­lis­ti­sche Op­ti­on.

Institute - Readjusting The Locks

Nach dem zwei­ten Al­bum der in­zwi­schen wohl als fest eta­bliert zu be­zeich­nen­den Post­punk-Haus­num­mer aus Aus­tin (und neu­er­dings auch: New York) glaub­te ich kaum, dass die noch mal ei­nen drauf­set­zen könn­ten, so ver­dammt schlau kon­stru­iert und doch un­ver­schämt Arsch­tre­tend wa­ren die­se Songs, ein kla­rer Hö­e­punkt ei­nes an star­kem Gen­re­fut­ter nicht ge­ra­de ar­men Jahr­zehnts, der den Zeit­geist der ge­gen­wär­ti­gen Sze­ne wie kaum ei­ne an­de­re Plat­te auf den Punkt zu brin­gen ver­moch­te. Und doch ver­mag auch der Nach­fol­ger, es mit dem ge­setz­ten Stan­dard auf­zu­neh­men. Ge­ra­de auch, weil In­sti­tu­te hier nicht ein­fach ver­su­chen, die alt­be­kann­te En­er­gie zu re­pli­zie­ren, son­dern statt­des­sen ver­stärkt ga­ra­gi­ge Vi­bes und ein­gän­gi­ge Me­lo­dien mit ge­le­gent­li­chem 77er-Fak­tor als trag­fä­hi­ges Fun­da­ment für die neu­en Songs wäh­len. Bei­des kei­ne Din­ge, die ich bis­her mit die­ser Band in Ver­bin­dung ge­bracht hät­te, die sich aber über­ra­schend naht­los in ih­ren - all die­sen Din­gen zum Trotz im­mer noch un­ver­kenn­ba­ren - Sound ein­fü­gen.

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