Window Phase – Rock and Roll Revolution

Die letztjährige Epoxy River and Super Pool LP dieser mutmaßlichen Ein-Mann-Band aus Evesham, New Jersey war bereits ein massiver Qualitätssprung und erneut markiert auch dieser neue Langspieler eine stetige Verfeinerung, auf welchem Window Phase sich wieder etwas von den spät-2000er Fuzz Punk- und Noise Pop-Versatzstücken entfernen, die noch die letzte LP dominierten, und sich stattdessen umso mehr in eine oldschoolige von '80er und '90er College- und Indie Rock informierte Ästhetik reinlehnen mit Sounds die von klassischen Dinosaur Jr. und Sebadoh, Bitch Magnet und frühen Seam reichen hin zu '90er Standardinventar á la Superchunk und Polvo, mit einer ganz subtilen Note von 2nd wave Emo obendrein und nicht zuletzt auch einem zunehmenden Einfluss von Hardcore-basierten '80er Proto-Noise Rockern der Sorte Flipper, Big Black, Drunks With Guns und No Trend, insbesondere im Endspurt dieser Platte. Diesen Songs wohnt eine unberechenbare Qualität inne und eine aus allen Nähten platzende explosive Energie, eine unverblümte Freude daran, eine so euphorische wie auch kantige, überlebensgroße wie anachronistische Sorte von Lärm in den Äther zu pumpen, der heutzutage wundervoll aus der Zeit gefallen wirkt und auf ganz entzückende Weise noch weiter aus der Balance geworfen wird von den markerschütternden Schreien eines Typen der sich hier nicht mit halben Sachen zufrieden gibt, so viel ist klar.

Album-Stream →

Deathfakers – 2026 Demo

Heilige Scheiße ist das was diese Band aus Wakefield, England auf ihrer Debüt-EP abziehen mal genau meine Baustelle! Geerdet in zeitlosem Post Punk und einem durchdringenden Kreissägen-Gitarrensound mit mehr als nur einer kleinen Big Black-Kante, beinhaltet das Zeug aber auch eine unmittelbare Garage Punk-Catchyness, eine Noise Rock-mäßige Klanggewalt und einen unnachgiebigen Hardcore-Vorschub, aber auch immer ausbalanciert mit unerwarteten melodischen Blitzen und Fragmenten. So was von meine Tasse Tee ist das und erinnert mich zumindest oberflächlich an ein paar andere UK Post Punk Bands, die entweder ein bisschen älter sind als die ziemlich gentrifizierte britische Schule der Gegenwart oder dieser zumindest entschlossen entgegenwirken… die besten Vergleiche die mir spontan einfallen wären dabei so Acts wie Cool Jerks und Coded Marking aus Leeds, aber das ist eigentlich auch nur ein winziger Teil des auf dieser Platte gebündelten Klangspektrums.

Album-Stream →

Crash – Crash

Diese Band aus Kansas City hat hier eine durchweg beeindruckende Debütkassette eingehämmert. Die erschien auf dem lokalen Szene-Bollwerk Dirtbag Distro und hat elf kräfftige Schläge aus winderbar lumpigem und angepisstem, oldschooligem Hardcore auf Lager... Ich finde dabei allerdings, dass der Bandcamp-Blurb mit seinen Referenzen zu Minor Threat und Black Flag die Platte ganz schön kleinredet und unter Wert verkauft, ist hier doch weitaus mehr unter der Haube am Werk als nur ein weiterer durchschnittlicher '80er Retro-Neuaufguss. Nein, hier bleibt alles spannend und unvorhersehbar von Anfang bis Ende dank Tonnenweise netter Sonderlichkeiten und flotter Einfälle und eine konstante garagig- KBD-mäßige Unterströmung macht das spaßige Gesamtpaket komplett, das eigentlich kaum weniger im Dialog zu stehen scheint mit dem aktuellen Geschehen am schrägeren Ende des Hardcore-Spektrums als mit den offensichtlichen Klassikern und was jene angeht, fühle ich mich dann doch deutlich mehr an so Genre-Ausreißer wie die frühen Gray Matter, Flipper oder Really Red erinnert als an die üblichen Verdächtigen aus alten Zeiten… zumindest den Germs-Vergleich kann ich aber nachvollziehen.

Album-Stream →

Smarm – Smarm / The 700 Club – Demo

Smarm aus Cincinnati, Ohio machen hier einen absolut vielversprechenden Eindruck auf ihrer Debüt-EP mit einem ausgesprochen unprätentiösen Garage Punk-Sound und einer netten '77er und Proto Punk-Kante, die insbesondere ein bisschen lokaler Punk-Vergangenheit Tribut zollt mit einer ausgeprägten Dead Boys-Energie, wobei der Krempel obendrein mit ordentlich ausbalanciertem Songhandwerk brilliert und einfach den Nagel perfekt auf den Kopf trifft mit infektiösen Hooks, einer schnörkellos und entschlossen geradeaus gehenden no-bullshit Darbietung.

Ebenfalls ein ausgezeichneter Schwung von ziemlich '77-aromatisiertem Krawall ist dann das neue Demo von 700 Club aus Athens, Georgia, dessen drei Songs hier in einer ungleich roheren Produktionsästhetik festgehalten wurden und mich dabei etwas stärker an Saints und Wipers erinnern, vereinzelt aber auch auch mal etwas ins Hardcore-Spektrum übertreten wie im Rausschmeißer No Cash, aber durchgehend ist da auch eine leise Ahnung aktuelleren Einflüssen an Bord an deren Spitze das Chaos von Bands wie Lumpy & The Dumpers und Fried E/m steht.

United Stare – Voice Of Change

Die Punks aus Pittsburgh, Pennsynvania legen nach mit einem noch stärkeren, wenn auch vielleicht etwas stilistisch fragmentierten Nachfolger zu ihrer exzellent rohen Debüt-EP aus dem letzten Jahr. Der Opener Voice Of Change hat dabei einiges von einer Energie á la The Cowboy, Flat Worms, Punter oder The Men der Open Your Heart-Ära, worauf dann Burning In The City mehr von einem eher australisch klingendem Slacker Punk-Vibe abstrahlt irgendwo zwischen Dumb Punts, Gee Tee und Pist Idiots. Der Rausschmeißer Moon Landing gefällt dann zu guter Letzt als ein ausufernder, 7-minütiger Instrumental-Jam aus monotonem aber seltsam erbaulich klingendem, krautigem Space Rock-Exzess.

Public Error – Internet Blues

Die Band aus Tampa, Florida hatte Ende letzten Jahres schon ein ausgesprochen nettes Demo raus und auch ihre neueste EP lässt wenig Zweifel daran, dass sie es ernst meinen mit diesen sechs frischen Attacken aus fuchsteufelswildem Hardcore Punk, gebaut auf einem stabilen Fundament aus fuzzigem, KBD-mäßigen Garage Punk. Die wie ein gebissener Hund herausgekläfften Vocals channeln dabei fast schon den Wahnsinn der klassischen Lumpy & The Dumpers- und Fried E/M-Ära, von welcher sich deren primärer Akteur wie's scheint gerne distanzieren möchte... aber so lange ich lebe wird das nicht passieren. Einmal ein Lumpy, immer ein Lumpy.

Album-Stream →

RRRSATZ – Here 4 The Endless Plague

Erneut kommt ein ziemlich umwerfendes Tape zu uns von den verlässlichen New Yorker Lieferanten für Exzentrizitäten mit unterschiedlich starkem Punk-Bezug, Fuzzy Warbles Cassettes. Der Opener No Kill Means versprüht unmittelbar so einen Art Punk-Vibe á la Television-meets-Ruts oder, aus etwas jüngerer Zeit, Peace de Résistance und spätere Institute. Soft Change nimmt dann einen ungleich abstrakteren Kurs auf von minimalistischem Post Punk, relativ kühl und rigide und gleichzeitig auch ziemlich funky. Cave One ist ein relativ geradliniger aber keinesfalls dummer Krümel von Garage Punk und gleiches lässt sich auch über All Skill Levels sagen mit seinen gleichermaßen Proto- und Post Punk-igen Vibes und einer zusätzlichen Schicht von dissonantem Noise. Great Pastures verdichtet einige verwandte Eigenschaften zu einem unerwartet eingängigen und kompakten kleinen Paket von tangential Sonic Youth-mäßigem Lärm. Anticev überrascht dann hingegen mit einem offensichtlichen Surf Rock-Feel. Und so unvorhersehbar geht es weiter... das ist eine sehr gemischte Grabbeltüte von einer Platte, die hinter jeder Kurve eine neue Überraschung aus dem Hut zaubert und dabei wundersamerweise kein einziges mal daneben schießt, sondern seltsam kohärent und methodisch wirkt in seiner sich konstant im Flux befindlichen herangehensweise.

Album-Stream →

Unregistered Falcon – Import Cigarettes / 200 Sideways

Arschtretender neuer Scheiß von einem Duo aus Melbourne... oder einem Trio? Keine Ahnung, die Infos auf Bandcamp sind diesbezüglich etwas ambivalent. Außerdem war Billiam an diesen Aufnahmen beteiligt, was bisher ja auch schon immer ein gutes Omen war. Wie dem auch sei, die zwei Songs sind mal so richtig meine Baustelle mit diesem Noise-versifften und ordentlich angefackelten Fuzz- und Garage Punk-Sound, der ein bisschen so klingt wie eine Kombination von The Gobs mit einer Spur von Bands der '80er Noise Rock- und Proto Grunge-Ära wie X (AUS), Scratch Acid, Fungus Brains, U-Men oder Feedtime.

Zulo – El Álbum Blanco

Zulo aus Rosario, Argentinien haben bereits eine respektable Reihe an LPs und EPs akkumuliert mit einem wandlungsfähigen Sound zwischen den Eckpunkten von fuzzy-psychedelischem Garage Punk, Noise- und Power Pop, aber noch nie zuvor haben ihre Songs ein solch konsistent hohes Niveau erreicht wie auf ihrem neuesten Langspieler, auf dem sie noch mehr als zuvor ihre abgespaceten Tendenzen zu Schau stellen und ihre eingängigen Tunes in einem psychedelischen Nebel verhüllen, der an einigen Stellen ebenso an alte Haudegen wie Telescopes, Spacemen 3 oder Flying Saucer Attack erinnern mag wie auch an jüngere Phänomene wie Honey Radar, Far Corners, Germ House oder Violent Change.

Album-Stream →

Bungee Jumpers – Not Today…

Diese New Yorker Band lässt ausgezeichneten Lärm vom Stapel auf ihrer vermutlich zweiten EP bisher, acht kurz angebundene Eruptionen aus catchy Fuzz-lastigem Garage- und aldmodischem DIY punk, der einerseits mit einem ausgeprägten 2010er Vibe etwa an Tyvek, Parquet Courts erinnert oder vielleicht auch eine rustikale Lo-Fi-Inkarnation der Wimps, andererseits aber auch berechtigte Vergleiche zu alten KBD-mäßigen Acts wie The Endtables oder The Mentally Ill hervorruft. Außerdehm ist da eine unübersehbarer Desperate Bycicles-Energie zu spüren und was jüngere Zeiterscheinungen angeht, bin ich mir sicher dass diese Songs zum Beispiel Freunden der letzten Winston Hytwrs Perfect Harmony EP einen neuen Kick liefern können.

Album-Stream →