Today’s Milk – EP3

Ich tu mich etwas schwer damit, mich für den ersten Song dieser Platte mit seinen fluffigen '90er Beats und Alternative Rock-Radio-Vibes anzufreunden, aber von da an gewinnt der Krempel dankenswerter Weise stark an Klasse. Tryna Do klingt ein bisschen wie die Saat eines Power Pop-Songs, rekonfiguriert in einen Fuzz-beladenen Saints- oder Stooges-Kontext. Put It Back tut ähnliche Dinge, aber fügt ein bisschen von einer Flying Nun Records-mäßigen Qualitat hinzu bevor die EP dann abschließt mit ihrem ausgereiftesten Song Gracia, der klingt wie vier Jahrzehnte von eingängigem, College Rock-verbundenem Gitarrengeschrammel herunterdestilliert auf ein kompaktes und perfektes zwei-Minuten-Format.

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Family Dog – Familial God

Family Dog aus Nashville, Tennessee liefern mehr von ihrem aufregenden Irrsinn auf ihrer zweiten EP in Form von Garage- und Noise-versifftem Hardcore Punk, der eine tollwütige, entfesselte Performance mit einem unersättlichen kreativen Drang vereint und dieser gewissen Aura von Gefahr und Unvorhersehbarkeit, die eine Hardcoreplatte heutzutage einfach braucht um mich bei der Stange zu halten. Diese fünf Songs transportieren das zuhauf und jedes mal wenn du denkst du wüsstest wie diese EP sich abspielen wird, dauert es nicht länger als ein paar Takte bevor die Band eine scharfe Kurve zu einem ganz unerwarteten Ort nimmt.

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Creaper – Bloodstains

Die Berliner Band schlägt genau die richtigen Saiten an in meinem neuralen Klangverarbeitungsapparat anlässlich ihrer Debüt-EP, auf der sie ausgesprochen schick eine sehr melodische und stark Song-basierte Geschmacksrichtung von Post Punk á la The Estranged, Daylight Robbery oder Sievehead mit einer angemessenen Dosis von Wipers-Action, einer Prise von Glam-durchtränktem '80er Goth-/Death Rock und obendrein einer ganzen Fülle von eingängigen Power Pop-Qualitäten vermengen.

Eye Ball – Of The Northern Americas

Hier gibt's exakt eine Minute von neuem Eye Ball-Material. Selbstredend ist das mal wieder verdammt gut womit das Label Knuckles On Stun da auf eine ultra-verschwenderische Kassette magnetisiert hat, wie alles von der Band bisher. Nur beim nächsten mal halt bitte so 30-60 davon auf ein Tape packen, damit das Unterfangen wenigstens ein gesundes Minimum an ökonomischem und ökologischem Sinn ergibt.

Fantasma – Quase

Das brilliante Demo von 2023 und eine ebenbürtig Arschtretende 2-Track-Single in '24 hatten mir schon ordentlich Hunger gemacht auf mehr von dieser Band, die sich um zwei Brasilianer in New York dreht mit weiterer Beteiligung unter anderem von Margaret Chardiet von Dollhouse und Pharmakon. Hier ist zu guter Letzt also ihr erster Langspieler auf dem britischen Bollwerk Drunken Sailor Records und ihr hättet es sicher kaum erraten... Es handelt sich erneut um eine phänomenal starke Platte! Zuvor habe ich an dieser Stelle ihren Sound mit Straw Man Army verglichen und teilweise trifft das hier immer noch durchaus zu, aber da ist auch reichlich Evidenz am Start, dass die Band ihren musikalischen Horizont massiv erweitert und besonders erwähnenswert ist dabei, wie sehr sie sich ihren melodischeren Tendenzen widmen und einer ätherischen, meditativen und geradezu psychedelischen Unterströmung besonders in Songs wie Lugares Mais Altos. Der Bandcamp-Waschzettel erwähnt außerdem auch alten UK Anarcho-Krempel sowie Wire als Einflüsse und ich sage dazu dass passt auch wie Arsch auch Eimer und insbesondere im Bezug auf Wire wisst ihr, dass ich sowas generell immer befürworte!

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Total Revolt Of All Limbs – Entropy

Nu das ist ja mal ein Sperriger, versiffter Klumpen des rohen Lärms, der uns auf dem zweiten Tape (ihr erstes in voller Länge) dieser Wiener Band entgegen kommt. Auf den ersten Blick scheinen sie in erster Linie den Proto-Noise Rock von Flipper und No Trend zu channeln, außerdem auch frühe Swans und einen ordentlichen Brocken des no-wavigen Lärmexzesses. Aber wer etwas genauer hinhört mag auch leichte Echos von japanischen '80er Psych-/Noise-Bands á la The Rabbits erkennen oder von US Art Punk-Klassikern wie Chrome und MX-80. Songs wie etwa Entropy haben dann wiederum aber auch etwas von einem Kopenhagen-Vibe der frühen 2010er á la Lower und Iceage und wo ich eh schon dabei bin Krempel aus jener Ära aufzuzählen, sag ich mal da steckt auch ein bisschen Soupcans drin. Wie dem auch sei, das sind vierzig exzellente Minuten von waffenfähiger Klangattacke, die deine Sinne überwältigt, alle mentalen Sicherungen durchbrennen lässt, Hemmungen überbrückt und wenn der Scheiß mit dir fertig ist fühlst du dich irgendwie Schmutzig und brauchst schnell 'ne Dusche. Mission accomplished sag ich dazu!

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Pill Mill – Pill Mill

Es gibt nichts schlimmeres als mittelmäßige Hardcorebands, der Fluch meiner traurigen Existenz. Was wollte ich jetzt noch mal sagen? Hab ich vergessen. Wie auch immer, die neue Pill Mill EP gehört definitiv nicht in die Kategorie. Was relativ oldschooligen Hardcore Punk angeht, haben diese acht Songs in nur etwas über acht Minuten jeden Thrill und Luxus an Bord den man sich wünschen kann - nicht nur schießt hier eine komplett entgleiste Performance mit unnachgiebiger Wucht ganz glorreich über's Ziel hinaus, sondern der Scheiß ist auch vollgepackt mit saumaßig eingängigen Hooks und einer Fülle von unerwarteten Wendungen und verrückten Einfällen.

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Walter Ego – Smoke On The Walter

Neue Eggpunk-Ware erster Güte kommt zu uns von Ein-Mann-Band/Schlafzimmerprojekt Walter Ego aus Aschaffenburg. Wenngleich der Scheiß sich auch klar auch die eine oder andere Scheibe bei etablierten und vertrauten Klangterrorristen á la Prision Affair, Billiam, Beer, Set-Top Box oder Nuts abgeschnitten hat, trifft er dabei aber gleichsam mit jedem Versuch voll ins Schwarze mit einer fachmännisch eingepegelten Mid-Fi-Ästhetik, die geschickt Garagenknusper mit Eggpunk-Sonderlichkeiten balanciert und obendrein sind Race The Alps und insbesondere Forevermore (In The Dungeon) schon jetzt nicht weniger als zertifizierte Instant-Genreklassiker.

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DE()T – Welcome To The Idiot Factory

Die letztjährige Debüt-LP dieser Band aus Raleigh, North Carolina hatte bereits einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen und ihre neueste EP, die uns über den lokalen Genre-Giganten Sorry State Records erreicht, schlägt weiterhin in eine ähnliche Kerbe, aber es lassen sich auch graduelle Anpassungen feststellen. So fühlt sich die gesamte Klangästhetik etwas weniger grimmig an als sie es auf der LP noch war, nicht zuletzt auch dank quietschender Spielzeugkeyboard-Vibes und einer Fülle reichlich verschrobener ideen, die hier ein ausgezeichnetes Gegengewicht zu ihrer klanglichen Abrissbirne zwischen den Welten von Noise Rock und Synth Punk abgeben, die mich erneut an so einige Bands der Sorte Isotope Soap, Broken Prayer, Powerplant, Kerozine oder Beef denken lässt.

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Pen16 – Magic Touch

Na das ist ja mal eine beeindruckend selbstsichere zweite EP von dieser Band aus Philadelphia, die jetzt auf einer netten rosa Kassette vom Spezialisten für moderat poppigen Punk Dead Broke Rekerds (wieder-)veröffentlicht wurde. Die präsentiert eine dichte Ladung von kalorienreichen Ohrwürmern, die eine Spur von '90er Indierockern á la Superchunk, Sebadoh, Seam und Superdrag mit einer ungleich höheren Dosis von gegenwärtigen Power Pop-Sensationen wie Teenage Tom Petties, Bad Sports, Teen Line, Night Court, Tommy And The Commies, Ex-Gold und Mr. Teenage verbindet und es sind dabei jederzeit ihre treffsicheren Songwriting-Skills die diese Tunes auf ein Niveau weit über'm Genredurchschnitt heben.

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