Yacht Fire – Night Shift

Yacht Fire aus Portland haben bereits absolut gekillt mit ihrer letztjährigen Debüt-EP und ihrem gleichermaßen saucoolen, abgefuckten und ausgefuzzten Garage Punk, der zwischen maximal eingängigen und ungleich kantigeren Songs alternierte. Der kürzlich erschienene Nachfolger transportiert jetzt mehr von den gleichen Qualitäten während er subtil die bereits auf der ersten EP unterschwellig präsenten, folkigen Vibes ausbaut, ganz besonders in Run und Kiss Off, wohingegen Nod und Cigarettes ein passendes Gegengewicht liefern als rohe Detonationen des einfach gestríckten Fuzz Punk-Chaos‘ und das abschließende Werewolf perfekt die Mitte dazwischen trifft mit einem Hauch von Wipers und Dead Moon im Gepäck. Also erneut eine all-killer-no-filler-EP von einer Band, die man absolut im Auge behalten muss.

Album-Stream →

Magazino – Volume 1

Die unermüdliche Leipziger Szene schlägt erneut zu mit schon wieder so einem Qualitätsbündel an Eggpunk-Tunes, die sich grob etwa im Fahrwaser einer weniger stark durchgebrannten Variante von Prison Affair bewegen, aber auch von Beer, Egg Idiot oder Research Reactor Corp.. Also klar, erwartet jetzt nichts bahnbrechend neues hier, aber die reichlich etablierte Formel hat sich über die Jahre doch als durchaus hartnäckig erwiesen und liefert nach wie vor jede Menge exzellenten, wenn auch dieser Tage nicht mehr als fürchterlich originell empfundenen Spaß.

Album-Stream →

United Stare – United Stare

Eine entzückende und Spaßkanone von einem Debüt hat da eine Band aus Pittsburgh, Pennsylvania abgeliefert. Der instrumentale Opener Liftoff Jam (White Boys in E) schwillt an zu einem monotonen Monster aus psychedelischem Nebel, was ein bisschen so klingt als würden MX-80 und Chrome mit frühen The Men verschmolzen, woraufhin der Rest der EP sich dann aber eher auf eine handlichere Klangästhetik aus geradlinigem, moderat Stooges-infiziertem Garage Punk eingroovt, der sich vereinzelt auch mal Hardcore-Tempos und -Energieleveln annähert und sich jederzeit von der Masse abzuheben weiß mit seinen subtil psychedelischen Obertönen und einer konstanten melodischen Unterströmungen, die sich als roter Faden durch ihr oldschooliges Garage- und Proto Punk-Feuerwerk erstrecken.

Album-Stream →

Snarewaves – I’d Rather Die Than Be On Linkedin + Huff / Alien

Snarewaves aus Lansing, Michigan veröffentlichen ziemlich viel Musik, weshalb man es mir nachsehen mag wenn ich nicht jedes mal darüber poste, wenn der Typ eine weitere zwei Minuten lange EP abliefert. Jetzt bietet sich der Moment aber mal wieder an, wurde doch gerade die erstmals vor einigen Wochen erschieneneI’d Rather Die Than Be On Linkedin EP zu einer 12-Song Mini-LP erweitert mit einer ungeheuerlich monumentalen Laufzeit von sechseinhalb Minuten! Und obendrein haben Snarewaves jetzt auch schon eine neue 2-Track-Single nachgeliefert die, so vermute ich es zumindest, auch noch zu etwas größeren anwachsen wird. Snarewaves-Platten sind iterativ, das sind wir inzwischen gewohnt. Und was soll ich sagen, ihre Musik ergibt für mich immer mehr Sinn, wenn sie gebündelt kommt und ihre superkurzen Lo-Fi Elektropunk-Eruptionen sich zu einer abgehackten kleinen Operette zusammenfügen. Noch immer klingt der Scheiß wie wenig andere Bands der Gegenwart – ein Sound der unter anderem jüngere Garage Punk-Zeiterscheinungen mit oldschooligen Hardcore-Stilmitteln vermengt und durch den Sample-Fleischwolf von altertümlichen Amiga 500 Tracker-Files zwingt. Die einzige zumindest oberflächlich verwandte Referenz die mir spontan dazu einfällt wäre aktuell das Schaffen des Schleswiger Synth Punk-Vikingers Klint.

Album-Stream →

Worker – Demo

Brilliant einfach gestrickten, Anarcho-infizierten Post Punk setzt es auf diesem Demo einer Band aus Perth, Australien, die darauf in einer ausgesprochen rohen, unpolierten Klangästhetik mit minimalen Mitteln auf maximalen Impact hinarbeitet und mich dabei an eine handvoll Bands erinnert von etwas offensichtlicheren Referenzen wie Institute, Impotentie und frühen Rank Xerox etwa, bis hin zu einer empfindlich im Tempo gedrosselten Variante von Nag oder Pyrex.

Album-Stream →

Media Puzzle – Intermission

Ich glaube ich habe Media Puzzle aus Lismore, Australien bisher noch nie das volle Spotlight hier gegeben, was ehrlich gesagt ziemlich kriminell ist, ist der Typ inzwischen doch eine ziemlich konstante Präsenz an der Eggpunk-Peripherie seit nahezu zwei Jahren und obwohl er sich oberflächlich betrachtet recht nah an den etablierten Genre-Strickmustern zu orientieren scheint, hat er mit der Zeit doch eine durchaus eigene und persönliche Stimme entwickelt. Es ist einfach schwer, sich dem unmittelbaren Charme seiner quirligen Garage Punk-Songs und ansteckenden Hooks zu entziehen.

Album-Stream →

Storage Unit – Das Demo

Diese New Yorker Band hat da mal ein irre starkes Debüt abgeliefert mit dieser Kassette auf Popular Affliction Records, die aus allen Nähten platzt von einer ebenso unnachgiebigen wie auch animierenden Energie, die hier zu elf kompakten Lärmausbrüchen aus Garage-, Electro- und Synth Punk verdichtet werden mit einer dissonanten Noise Rock-Kante, aber gleichsam auch ein bisschen von einem Sci-Fi B-Movie-infizierten Spits- oder Stalins Of Sound-Vibe. Ein ausgesprochen sicheres Händchen für einfache aber immer äußerst potente Punk-Hooks und Noise-Texturen, die vereinzelt fast schon ein bisschen Big Black heraufbeschwören, gekoppelt mit pointierten Spritzern aus käsigen, subtil Egg-mäßigen Versatzstücken – besonders ausgeprägt in Faith in Football – und leichten Spuren des eingängigen Garagenlärms á la The Gobs und Sex Mex jeweils in Accelerate und ADHD, sorgen gemeinsam für eine hochentflammbare Mischung, die keine Vergleiche zu scheuen braucht mit einigem vom besten was das Genre in jüngerer Zeit zu bieten hatte wie etwa Exit Mould, Kerozine, Cthtr, De()t, Quitter, Broken Prayer, Molbo, C57BL/6, STDees, The Q-Tips und Spyroids, um nur einige davon zu nennen die mir unmittelbar einfallen.

Album-Stream →

D.A.R.Y.L. – Monsters

D.A.R.Y.L. aus Austin, Texas hinterließen einen starken Eindruck mit der Mini-LP Rock N Roll High School aus dem letzten Jahr und mit ihrem zweiten Release bauen sie jetzt weiter auf dem bewährten Fundament aus Synth-unterstütztem Fuzz Punk, Noise Pop und Garage Punk zu einem noch mal deutlich durchschlagenderen Ergebnis. Unter der dicken Dreckschicht einer überbelichteten Vorschlaghammer-Klangästhetik kann man eine perfekte Abfolge von so einfach gestrickten wie auch unverschämt Ohrwurmverdächtigen Songs und Melodien finden, eine breitere musikalische Vielfalt und nicht zuletzt einen deutlichen Fortschritt in ihrem Songwriting-Handwerk verglichen mit den manchmal noch etwas eindimensional erscheinenden Vibes des Debüts. Hier klingen die jetzt etwas mehr nach einer Hälfte Buck Biloxi / Giorgio Murderer und die andere Hälfte riecht nach Gobs und Exwhite… oder vielleicht auch Booji Boys, Dadgad? Wie auch immer, alles daran klingt einfach so verdammt richtig!

Album-Stream →

Puddy Knife – Flowers

Das englische Label Noise Merchant Records hat jetzt die Debüt-EP dieser Band aus Spokane, Washington als Kassette wiederveröffentlicht, die ich im letzten Winter entweder übersehen oder ziemlich dumm ignoriert haben muss. Darauf injizieren sie eine Spur von frühen Superchunk oder Dinosaur Jr. in einen Sound, der anderweitig aber primär auf einer Linie ist mit den ersten und zweiten Emocore-Wellen, dabei alle Basics perfekt auf die Reihe bekommt und mit Schmackes die Tropes und Konventionen reproduziert, die das Genre ursprünglich mal zu einer spanneneden und mitreißenden Angelegenheit gemacht haben, dabei aber all die Fallstricke umgeht, die es später zu einem verdammten Witz und einer Sammlung armseliger Klischees mutieren ließen. Das Songhandwerk hier ist ebenfalls eher basic, aber selbstbewusst und trittsicher genug um mich als Hörer auf Zack zu halten, auch wenn Puddy Knife hier, wie ihr sicher schon geschlussfolgert habt, nichts neues zum Genre hinzufügen. Vielmehr ruft diese Platte erfolgreich in Erinnerung, wie viel Spaß und Energie der althergebrachte Emocore einmal zu transportieren vermochte und immer noch kann, wenn man ihn nur mal vom angehäuften Ballast aus Mall Punk Clown-Cosplay und performativem Selbstmitleid entledigt.

Album-Stream →

Knowso – Cassingle #1: Optimism & Foot Of Pride

Gewohnt exzellentes neues Futter von einigen meiner liebsten Post Punk-Weirdos. Der erste Track Optimism auf der neuen Cassingle der Band aus Cleveland, Ohio trägt dabei fast schon exemplarisch alle Erkennungsmerkmale ihrer verwinkelt-kantigen Machart des Genres und verschnürt sie zu einem ultraeingängigen kleinen Kraftpaket, woraufhin dann die B-Seite Foot Of Pride eine im Vergleich ambitioniertere, ausufernde Angelegenheit darstellt, die – trotz ihres relaxten Tempos und einer für die Band ungewöhnlichen Länge von über fünf Minuten – niemals müßig wird dank ihrer subtilen aber effektiven Schwelbrand-Dramaturgie und einer Performance so scharf und präzise wie eigentlich alles von dieser außergewöhnlichen Band.