Jolana Star – May Day Promo Cassingle

Das 2024er Lo-Fi-Demo der New Yorker war ja schon die pure Glückseligkeit und hier bekommen wir nun zum ersten mal Aufnahmen in höherer Fidelität von der Band zu hören, welche sie in einem gerindfügig anderen Licht präsentieren mit weniger von einem Garage-Vibe und stattdessen stärker nach dem melodischeren Ende des SST Records-Spektrum und verwandtem Krempel klingend, irgendwo zwischen der mittleren Hüsker Dü-Phase, frühen Dinosaur Jr., Man Sized Action und auch einem Hauch von Angst. In jener Hinsicht – und ganz besonders im unbestreitbaren Überhit Combat Zone (Left For Dead) – erinnern mich die zwei Songs auch ganz schön an die unglaubliche erste Milk Music EP.

Big Break – Exile On Exchange St

Big Break aus Sheffield schlugen bereits ein paar Wellen mit zwei ausgezeichneten EPs voll mit so verschrobenem wie auch angepisstem Garage Punk in 2021/’22, deren Songs noch ein Jahr darauf zu einer vollen LP kompiliert und expandiert wurden. Ihr neueste EP konsolidiert den starken Eindruck erneut und gibt sich als eine nett gemischte Grabbeltüte neuer Songs, denen insgesammt eine etwas quirligere und sonnigere Qualität anhaftet im Vergleich zum Vorgänger. Nachdem der Opener Prototype eine ausgesprochen gute Figur als schnörkelloser Punksong abgibt, fühlt sich The Goon schon eher wie das Gegenstück dazu an mit moderat eierpunkigen Vibes. Wearing A Wire erinnert mich daraufhin stark an den Garage-Minimalismus von so Bands wie The UV Race, Eddy Current Supprission Ring, Sauna Youth and Tyvek. Zu guter Letzt wäre dann noch The Eunuch, das mit seinen schmierigen Growls zu Beginn, gefolgt von exquisit käsiger Synth-Action, in etwa so rüberkommt wie eine kaputtere, wundervoll entgleiste Version von Ex-Cult.

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Eye Ball – Gull Songs

Eye Ball aus Toronto haben mich – und vermutlich auch sonst jeden der zugehört hat – hungrig nach mehr von ihrem Scheiß gemacht mit den zwei digitalen 2-Track-Singles im letzten Jahr, die nicht lange danach auch zu einer 4-Song-Kassette kompiliert wurden. Jetzt bekommen wir die erste volle LP an neuem Material vorgesetzt und einerseits sind Vergleiche zu so Bands wie Marked Men, Radioactivity, Sonic Avenues und vielleicht auch frühen Sweet Reaper noch durchaus zutreffend, aber da passiert noch so viel mehr unter einer im direkten Vergleich deutlich roheren, schmutzigeren Oberfläche, was sich in einer ungleich entschlosseneren Attacke entlädt. Keine Sorge, es sind immer noch reichlich Hooks und Melodien für alle vorhanden, die Platte ist randvoll mit Hits, aber es ist auch sofort klar dass da etwas unerwartetes brät wenn die Platte sofort mit der Tür ins Haus fällt in einem ziemlich Hardcore-lastigen Opener und im weiteren Verlauf häufig die Vibes von so Garage Punk-Acts des vergangenen Jahrzehnts wie Sauna Youth oder Tyvek zu channeln scheint. Der Doppelschlag aus Road Pig und Bruise for a Birthmark hingegen hat ein bisschen was von einer Cruelster-Energie und was gegenwärtige Bands angeht, musste ich immer wieder an The Dumpies denken. Hochkarätiger Scheiß, zweifellos.

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Pleaser – Begging Guitars

Ein weiteres mal channelt diese kopenhagener Band die gleichen Qualitäten, die bereits ihre 2023er Debüt-LP weit aus der Masse ambitionierter Post Punk-Acts herausstechen ließen und alles davon ist hier wieder am Start – das verzweifelte, existeinzielle Drama das an frühe Iceage, Lower und noch ein paar darauf folgende Bands in ähnlichem Fahrwasser erinnert, der omnipräsente Cowpunk-Unterton, die gleichermaßen melodischen und aufwändig-durchdachten Arrangements und Strukturen nicht unähnlich den ersten paar Protomartyr-LPs, gekoppelt mit der unmittelbaren Dringlichkeit der frühen White Lung – wobei die neuen Songs von vorsichtigem, graduellem Feinschliff zeugen, was erneut in einem recht eigenständigen und meilenweit über dem Durchschnitt agierenden Post Punk-Album resultiert.

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Shooting Losers – It’s All Been Such A Drag

Die im letzten Dezember erschienene Debüt-EP Shoot Me I’m Plain von dieser Band aus Chico, Kalifornien war eine durchweg angenehme Überraschung, die so ziemlich aus dem Nichts kam. Jetzt habe ich wenig hinzuzufügen anlässlich ihres ersten Langspielers. Wie gehabt ist das eine irrsinnig ansprechende und mehr als nur kompetente Variante einer im vergangenen Jahrzehnt noch verbreiteten Masche aus Elementen von supermelodischem Fuzz Punk, Noise Pop und psychedelischen Surf-Vibes. Ein Sound, der in jüngerer Zeit etwas rar geworden ist, aber dennoch von Zeit zu Zeit an den unwahrscheinlichsten Orten aufsprießt wie ein hartnäckiges Unkraut, das sich auch von einem wenig wohlwollenden Zeitgeist nicht ersticken lässt. Denkt dabei an so Bands wie frühe Wavves, Male Bonding, No Age, frühe Terry Malts und Tiger! Shit! Tiger! Tiger!… oder auch an solche Surf-affinen Indie Rock- und Psych-Bands wie Crystal Stilts, Surfer Blood und The Fresh And Onlys.

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Science Man – Monarch Joy

Ich fand es etwas schwierig mich für die letzte EP der Punks aus Buffalo, New York zu erwärmen mit ihrer etwas generish-metallischen mosh- und Riff-Orgie, die sich teilweise doch ein bisschen danach anfühlte als ob bei aller Ambition die Substanz ein wenig auf der Strecke geblieben ist. Da ist die neueste LP doch viel mehr meine Baustelle mit einer Mischung aus Noise-durchtränktem, sludge-infiziertem Hard- und Postcore, die hier ein ganzes Stück organischer und weniger erzwungen rüberkommt, getragen von einfallsreichen, eingängigen Hooks und elaborierten Songstrukturen, denen ein Gefühl von Gefahr und Unberechenbarkeit innewohnt ohne dass der Krempel jemals planlos zusammengewürfelt erscheint. Was ich damit sagen will ist: Diese Songs stellen ein Maß an Überlegung, Absicht und eindeutiger Richtung zur Schau, das der Vorgänger ein Stück weit vermissen ließ.

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Pipi – Eins, eins, eins, eins!

Neuer Eggpunk aus Hamburg, den ich – soweit es die hiesige Szene betrifft – mal als eine Mischung aus Pisse und Egg Idiot zu umschreiben versuche mit weiteren Geschmacksnoten von internationalen Bands wie etwa Prison Affair, Winky Frown, Kowboje und Beer. Aber auch andere kuriose Dinge gehen hier ab, etwa in Form eines leichten Dungeon-Vibes in Spuren oder eine an die subtile Goth-Aura von sowohl frühen als auch aktuellen Powerplant erinnernde Klangästhetik in Knight.

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Reckless Randy – Reckless Randy 2

Weniger als ein Jahr nachdem dieser Typ aus New Jersey mit seiner ersten LP in voller Band-Inkarnation ein respektables Loch in den Boden gesprengt hat, weist der nackte Titel „Reckless Randy 2“ darauf hin, dass es sich hier nun wieder um eine Soloplatte – seine zweite – handelt und wie schon auf seiner selbstbetitelten 2022er Debüt-LP sind das Tempo und die Performances hier etwas gemütlicher als jene der versammelten Abriss-Crew. Und wiss ihr was? Das geht vollkommen in Ordnung, denn der Kerl hat einfach ein besonderes Händchen für einfach gestrickte aber verboten eingängige und effektive Garage Punk-Songs, die schon von sich aus schon reichlich Durchschlagkraft haben und problemlos einer noch ungleich schläfrigeren Präsentation standhalten würden. Nichtsdestotrotz wäre ich aber durchaus neugierig, was die versammelte Bande mit diesem Material anstellen würde.

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Darius Denominator – Glass Door Bats Eye Undone

Eine urige kleine Kreatur, dieses neue Tape das uns mal wieder aus dem Hause des zuverlässig schrägen, brillianten – und wenn ihr mich fragt, viel zu wenig geschätzten – New Yorker Labels Fuzzy Warbles Cassettes erreicht. Die zweite Kassette dieser Band von mysteriöser Herkunft besticht mit wunderbar altmodischer, minimalistischer Synth Punk-Action, die einerseits doch stark den Geist von so ’80er Underground-Hausnummern wie Nervous Gender, Units, Visitors, Screamers, Primitive Calculators oder Marginal Man heraufbeschwört, aber gleichermaßen auch den hypnotischen Charme von frühen John Carpenter-Soundtracks, wobei man in der aktuellen Landschaft auch unterschiedlich starke Ähnlichkeiten zu so Bands wie Lost Packages, Abscam oder gewissen Iterationen von Freak Genes erkennen mag.

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Autobahns & Elvis 2 – Split

Und hier kommt gleich noch so eine arschtretende 7″ aus dem Hause Goodbye Boozy Records. Darauf lassen Autobahn aus Leipzig eine ausgesprochen oldschoolige Hardcore-Attacke vom Stapel, gefolgt von einem verwinkelten Garage Punk-Hit mit einer unterschwelligen Southern Rock-Kante. Und wo wir schon vom Süden reden: Letzteres ist genau die Garage-Subnische, die seit geraumer Zeit auch Elvis 2 für sich in Beschlag genommen haben und hier liefern zwei neue Songs der australischen Garage-/Fuzz Punk-Formation mehr von dem süchtig machenden Scheiß, der uns um Nachschub betteln ließ so ziemlich von dem Moment an, als ihre erste digitale Single bei Bandcamp auftauchte – eine Elvis 2-förmige Lücke im Herzen, in der auch nach der kürzlich erschienenen Debüt-LP noch reichlich Platz vorhanden ist.

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