Warm Swords – In A World

Um ganz erhlich zu sein, die bisherige Diskographie dieser französisch-deutschen Band, die jetzt schon über zehn Jahre am Werk ist, war häufig ein etwas wildes bis richtungsloses Chaos. Jüngeren Veröffentlichungen mangelte es einfach etwas an Feinschliff und Entschlossenheit und jene erreichten nur schwerlich das Niveau der tollen War On Words Vol. 1&2 Tapes in 2019, daher waren meine Erwartungen an die neue LP jetzt auch nicht sonderlich groß. Ich muss aber sagen, ich bin auf geradezu brilliante Weise überrascht denn hier klingen die seit langem mal wieder als meinten sie es wirklich ernst, halten dabei an ihren exzentrischen Ideen und eklektischen Einflüssen fest aber leiten sie in ungleich greifbarere, kompakte und tragfähig strukturierte Einheiten, die deutlich mehr Sinn ergeben. Der Eröffnungssalvo aus Mirror und Parasite ergibt schon zwei solide Beispiele von leicht eierigem Art-, Synth- und Garage Punk aber es ist erst der hypnotisch abgespacete Post Punk des dritten Songs Friction, wenn der eigentliche Speck dieses Album beginnt und diesen Level bis zum Ende aufrecht erhält, mit fast jedem neuen Song ein unterschiedliches Territorium beschreitet wie etwa der new-wavige Power Pop in Save Your Mother, die oldschooligen Useless Eaters-ismen von C-Side, der zurückgelehnt-folkige Schrammelexzess Shortcut Through The Mountain, die verloren-im-Kosmos-Klaustrophobie von The Anarchist Threat... die Genüsse und Überraschungen hören nie auf in dieser aus den Nähten platzenden Wundertüte. Wenn dieser Level eine Ansage für die Zukunft ist, bin ich wirklich heiß auf die nächsten zehn Jahre von Warm Swords.

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Cosme – Radio Galaxia

Die abgespaceten Synth Punk-Helden Cosme aus Ciudad López Mateos, Mexico haben schon länger hart reingeknallt mit allem was sie auf ihren bislang drei Demos gemacht haben. Ihr erstes Tape das jetzt mal nicht explizit als Demo betitelt ist liefert einfach mehr von gleichen Fraß und was mehr könnte man sich wünschen wenn jener gleiche Fraß so eine göttliche Schweinerei ist, in der klassische Power Pop-Hooks kollidieren mit den melodischeren Abzweigungen von mitt- bis spät-'80er Punk plus einiger New Wave-Ohrwurmigkeit obendrein? Was immer die Typen anfassen ist und bleibt eine saumäßig beglückende Angelegenheit und bisher zeigt die Band nicht die geringsten Anzeichen von Müdigkeit.

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Psychal – Transmissions

Na das ist ja mal eine Mystery-Band wie sie im Buche steht und die genausogut irgendwo aus dem Erdkern oder von den Ringen des Saturn oder aus Bayern oder dem x-ten Kreis der Hölle kommen könnte, oder vielleicht bilde ich mir die Existenz dieser Platte auch einfach nur ein, ich hab wirklich keine Ahnung was hier passiert. Aber falls der Krempel echt ist, würde ich ihn als höchstens tangential Egg-beeinflussten aber umso mehr abgespaceten Psych-Punk der abgehobensten und bedenklichsten Sorte beschreiben, jener von der man sich vorstellen würde dass sie aus dem zerfetzten Lautsprecher eines dämonisch besessenen Mittelwellenradios quillt, das in den Ruinen eines verlassenen Krankenhauses oder insolventen Einkaufszenztums jede Nacht zum Leben erwacht und die Räume mit unheilvollen Botschaften beschallt. Passenderweise sind jene Ausstrahlungen genauso rätselhaft und unentschlüsselbar wie ein alter Zahlensender und vermutlich unerreicht in der 12XU Klasse von '26 was die beunruhigenden und desorientierenden Effekte angeht von diesen Songs, deren Konstruktion von Anfang an mit reichlich Sollbruchstellen konzipiert erscheint um jeden Moment katastrophal und auf unvorhersehbare Art zu versagen, aber wie durch ein Wunder kollabieren die fragilen Strukturen die hier alles zusammenhalten nicht, so sehr sie auch jederzeit bedrohlich schwanken und knirschen. Stattdessen offenbaren sie bei näherer Betrachtung eine ganze Fülle von infektiösen Garage-Hooks unter jener dicken Schicht aus Dreck und Fuzz. Einerseits ist das keineswegs total ungehört in den Sphären dieses Blogs - ich würde sagen Psychal haben durchaus einige spirituelle Gemeinsamkeit mit so Bands etwa der Sorte Silicon Heartbeat, Corpus Earthling, Mateo Manic oder Thee Hearses - aber selten kam mir ein Artefakt unter, das bereit ist so weit zu gehen im zügellosen Acid Rock-Exzess.

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The UTI’s – Migraine Music

Die vorherige EP This Has To Be Hell hat's für mich noch nicht so ganz gebracht aber ihr konsistenterer, besser ausgearbeiteter Nachfolger ist jetzt doch sicher mal 'nen Blogpost wert, ein relativ weirder Bastard zwischen leicht eierpunkigem Synth-Gequietsche und fuzzigem Space Punk etwa der Corpus Earthling oder Zoids-Machart. Da passiert nichts schrecklich schlaues oder originelles, aber der Scheiß weiß dennoch zu überzeugen dank einer unbeirrt-entschlossenen Hingabe an ihre ausgesprochen simpel gestrickte Klangformel.

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Forcer – Forcer

Hier ist mal ein im absolut positiven Sinne seltsames Album für euch von einer Band aus Charlotte, North Carolina. Das Ding beginnt ziemlich eindeutig als ein derbes Hardcore-Brett, auch wenn sich vom ersten Moment an auch ein unübersehbarer, psychedelish-abgespaceter Unterton breit macht, eine zunehmend melodische Qualität und ein fundament aus unbestreitbar hochwertiger Songkonstruktion, das sich spätestens im vierten Song Misery komplett Bahn bricht bevor die LP dann mit jedem folgenden Song das Tempo ein Stück zurücknimmt und sich ein Acid Rock-beeinflusster Post Punk-, Postcore- und Art Punk-Vibe herausschält, der mich ein bisschen an jüngere Science Man oder Optic Nerve erinnert und sogar ein bisschen ältere Poison Ruïn schwingt etwa in Make A Case mit. Unvermeidlich bewegt sich die LP letztendlich auf vollwertiges Space Rock-Territorium zu ohne dabei aber jemals den subtil emofizierten, melancholischen Unterton und seine melodische Brillianz zu vernachlässigen und zu keinem Zeitpunkt klingt die Band dabei nach irgendwem außer sich selbst - die belastbarsten Vergleiche dir mir auf die Schnelle einfallen wären dabei so Bands wie Shrudd oder Electric Prawns 2, aber ganz ehrlich bewegt man sich damit schon auf sehr glattem Eis. Außerdem könnte man das emotionale Breitwand-Drama im Mittelteil ein bisschen mit Tom Lyngcoln's Raging Head vergleichen oder dem spirituellen Nachfolger davon, seiner jüngsten Band namens Metho. Aber keiner dieser Vergleiche hält wirklich stand. Forcer haben hier ein im aktuellen Genre-Umfeld komplett eigenständiges Werk erschaffen, würde ich mal sagen.

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Isotope Soap – The Century / Rise of The Centaur

Nun, es hat in etwa ein Jahr länger gedauert als versprochen, aber besser spät als nie ist hier eine neue LP von dem Stockholmer Synth Punk-Bollwerk Isotope Soap, das jetzt auch schon grob seit einem Jahrzehnt sein eigenes Ding dreht. Die müssen uns jetzt auch nichts mehr beweisen und liefern einfach ganz routiniert eine weitere Sammlung brillianter, abgespaceter Garage Punk-Feinkost ab, durchsetzt mit den von der Band gewohnten Devo-ismen und eingerahmt von ein paar John Carpenter-mäßigen Instrumentals, die dann noch ihr Übriges tun um die epischen Qualitäten dieses Albums zu unterstreichen.

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Ø – Stage 1

Das ist eine fabelhafte Debüt-EP dieser Berliner Band, die - nach einem Postpunkigen Intro, das mich gleichermaßen an The Estranged erinnert wie auch an alten Westküsten-Punk der Adolescents, Germs oder Agent Orange-Schule - weitgehend ihr Zuhause findet in einem stark im Schatten der Spits argierenden, vereinzelt auch leicht Ramoes-igem Garage Punk-Sound mit einem gewissen Space Punk-Zusatz nicht unähnlich zu so Bands wie Corpus Earthling, Silicon Heartbeat, Stalins of Sound, Zoids und Mateo Manic oder, in jüngster Zeit, Shrudd, Zulo und Electric Prawns 2, wobei aber auch die zuvor erwähnten Post Punk-Elemente einige male zurückkehren wie in Freiheit und Vittima. Durchweg felsenfest verschweißt durch grundsolide Songwriting-Qualitäten ergibt das ein makelloses Killeralbum, das den optimalen Bang for the Buck aus einer zeitbewährten Oldschool-Formel extrahiert.

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Top Secret Nicho – Lands

Hier ist ein neuer Nicho für euch der so top fucking secret ist, dass man ihn bei Bandcamp finden kann. Auf dem Nachfolger zur letztjährigen (digitalen) Single Dining Nothing / Sin Agenda Para La Muerte versorgt uns die Band aus Rosario, Argentinien mit mehr vom gleichen Qualitätslärm, eingeweicht in den trüben Gewässern von '80er Post-, Garage- und Art Punk mit einer zusätzlichen Ebene von fuzzy Psychedelia obendrein, was diese Platte zu einem ziemlich guten Gegenstück zu der letzten Zulo Mini-LP macht, die vor kurzem ebenfalls auf der lokalen Szene-Boutique Fake Sex Tape erschienen ist.

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Zulo – El Álbum Blanco

Zulo aus Rosario, Argentinien haben bereits eine respektable Reihe an LPs und EPs akkumuliert mit einem wandlungsfähigen Sound zwischen den Eckpunkten von fuzzy-psychedelischem Garage Punk, Noise- und Power Pop, aber noch nie zuvor haben ihre Songs ein solch konsistent hohes Niveau erreicht wie auf ihrem neuesten Langspieler, auf dem sie noch mehr als zuvor ihre abgespaceten Tendenzen zu Schau stellen und ihre eingängigen Tunes in einem psychedelischen Nebel verhüllen, der an einigen Stellen ebenso an alte Haudegen wie Telescopes, Spacemen 3 oder Flying Saucer Attack erinnern mag wie auch an jüngere Phänomene wie Honey Radar, Far Corners, Germ House oder Violent Change.

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Shrudd – No Man Is Good Three Times

Über die letzten paar Jahre haben Shrudd aus Loiseville, Kentucky zuverlässig mit jeder neuen Veröffentlichung die eigene Messlatte ein Stück höher gelegt aber ich würde mal sagen, dass ihr erster Langspieler jetzt noch mal in einer ganz anderen Liga spielt, ein bemerkenswerter Sprung vorwärts von allem was zuvor von der Band kam. Nachdem ihr bisheriges Werk sich durch eine Reihe verschiedener Subgenres plünderte, aber dabei fast immer eine gewisse Eggpunk-Qualität beinhaltete, bewegt sich die Band hier deutlich davon weg und der Opener M.M.I.T.L. hat da noch die größte Ähnlichkeit mit diesem gewissen Ghoulies-Vibe, bevor Stagnant als erster Vorbote einer dunkleren, stark psychedelischen Richtung mit Spuren etwa von Useless Eaters, Pow!, Electric Prawns 2 und Mononegatives fungiert. So richtig kommen jene Tendenzen dann aber in Fahrt mit den leicht Powerplant-mäßigen vibes von Bodies. EMT hingegen hat einen klassisch bluesigen, subtil Cowpunk-mäßigen Einschlag, gefolgt von Gift, welcher in den vollen abgespaceten Acid Punk-Overdrive geht. Und so ähnlich geht es weiter, wie die Band hier mit fast jedem Song ihren Klanghorizont ein Stück erweitert - ein weiteres Beispiel einer Band die aufwächst und von ihren bescheidenen Eggpunk-Wurzeln zu neuen Horizonten aufbricht, was Ex-Lumpy Martin Meyer mit Sicherheit stolz und glücklich machen wird. Und mich auch, denn der Scheiß ist einfach verdammt gut.

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