Post Community – Post Community

Diese Band aus Baltimore hat Mitglieder von Nag und Quitter an Bord, was ja schon mal ordentlich die Erwartungshaltung hochschraubt, aber es scheint eher so als zögen sie auf ihrer ersten EP alle Register, um besagte Erwartungen zu subvertieren. Die Platte hat fraglos eine etwas zersplitterte Persönlichkeit - jeder Song hier könnte genauso gut von einer jeweils anderen Band kommen und ich sag mal der Scheiß knallt rein! Carte Blanche ist vier Minuten Math-angehauchter Noise Rock wie man ihn etwa von so Bands wie John (timestwo), Luggage, den frühen Werken von Tunic oder Help erwarten würde. Vertices ist dann vielleicht ein kleines bisschen näher an dem tristen, monotonen Post Punk-Sound, den ich zuerst von ihnen vermutet hätte, aber da ist außerdem noch so ein staubiger Americana-Vibe mit dabei wie man ihn zuletzt etwa auf dem jüngst erschienenen The III tape gehört hat. Cranberry ist ein dissonant lärmender Brocken Hardcore, gefolgt von drei Minuten des experimentellen Drone/Noise in The Gate. Zu guter Letzt mündet dann in Kept Bread ein Doom-/Drone-mäßiges Intro in einen Song, der hier vielleicht noch die größte Ähnlichkeit zu den erwähnten Nag aufweist, zumindest wenn man jene auf zwei Drittel der Geschwindigkeit verlangsamt. Eine rätselhafte Veröffentlichung ist das hier und ich bin durchaus gespannt wo das Ganze die Band noch hin führen wird.

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Sex Mex – Down In The Dump Tracks

Sex Mex waren eine echte Konstante in den letzten paar Jahren und eine Bank, wenn es um einfach gestrickten, melodischen Fuzz- und Garage Punk geht, der sich nicht weit aus dem Fenster seiner zeitbewährten Gewinnerformel hinauslehnt aber auch noch nie enttäuscht hat, immer auf Kurs gehalten von der Qualität des Songmaterials und zweifellos handelt es sich bei der neuesten EP um eins der stärksten Bündel, die sie bislang auf uns losgelassen haben - erneut ein schnörkelloser Leckerbissen des Synth-veredelten, euphorischen Garage Pop.

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Flower Power / Ultimatum / Feeble Minds / Attest

Hier ist mal wieder ein kleiner, unvollständiger Abriss dessen, was in den letzten Wochen sich an würdigen Hardcore-Veröffentlichungen hier angesammelt hat. Flower Power aus Dublin hatten schon im letzten Jahr eine wunderbar popotretende EP raus und auf deren Nachfolger nehmen sie jetzt das (immer noch stark präsente) Garagen-Fundament geringfügig zurück von ihrem Krawall, der abwechselnd mal ausgesprochen simpel und unerwartet schlau konstruiert daherkommen kann, festgehalten in einer perfekt abgewogenen, fuzzigen Lo-Fi-Ästhetik, was im Ergebnis manchmal ein bisschen klingt wie ein Mix aus Stunted Youth, Lumpy and the Dumpers und außerdem der ganzen Stucco/Impotent Fetus- und Deluxe Bias-Schule des hochklassigen Drecks. Als nächstes wären dann Ultimatum aus Pittsburgh zu nennen, die sich auf ihrer Debüt-EP ein bisschen näher an eine klassische Hardcore-Formel halten, jene aber mit scheinbar leicht NWOBHM-inspiriertem Riffing würzen, das auch auf einer Poison Ruïn-Platte nicht allzu sehr aus der Reihe fallen würde, was zusammen mit einem unbestreitbaren Händchen für infektiöse Hooks in der Tat einen sehr respektablen akustischen Vorschlaghammer ergibt. Dritter Neuzugang in unserer wachsenden Sammlung schweren Wergzeugs wären dann die Bostoner Feeble Minds, die sich noch weiter in jene Oldschool-Vibes hereinlehnen, dabei aber jederzeiut die Synapsen zu massieren verstehen mit reichlich eingängigem Ohrenzucker als Basis ihrer rasenden Bandperformance. Wenn das für deinen Geschmack alles immer noch zu schlau und neumodisch ist, dann versuchs mal mit dem Demo von Attest aus Glasgow, das tatsächlich etwas klingt als hätte es sich in einer Zeitschleife der klassischen Frühachtziger-Ära verfangen und ich finde das ganz prächtig so.

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The Meccanics – Good Time Rock N Roll

Die Debüt-EP dieser Band aus Auckland, Neuseeland fühlt sich stark nach einem Flashback zu einer früheren Ära des (Proto-)Eggpunk, wie sie hier einen Sound nicht unähnlich etwa zu frühem Erik Nervous, Hobocop, Coneheads, Neo Neos, Skull Cult oder einem jungen Billiam mit einer rauhen oldschool Garage Punk-Kante verquicken, wie man es heutzutage eher selten hört aus der einfach nicht abreißen wollenden aktuellen Welle von Eggheads. Mir passt ausgesprochen gut den Kram denn irgendwie muss ich doch zugeben, die alte Schule etwas zu vermissen.

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Shrudd – No Man Is Good Three Times

Über die letzten paar Jahre haben Shrudd aus Loiseville, Kentucky zuverlässig mit jeder neuen Veröffentlichung die eigene Messlatte ein Stück höher gelegt aber ich würde mal sagen, dass ihr erster Langspieler jetzt noch mal in einer ganz anderen Liga spielt, ein bemerkenswerter Sprung vorwärts von allem was zuvor von der Band kam. Nachdem ihr bisheriges Werk sich durch eine Reihe verschiedener Subgenres plünderte, aber dabei fast immer eine gewisse Eggpunk-Qualität beinhaltete, bewegt sich die Band hier deutlich davon weg und der Opener M.M.I.T.L. hat da noch die größte Ähnlichkeit mit diesem gewissen Ghoulies-Vibe, bevor Stagnant als erster Vorbote einer dunkleren, stark psychedelischen Richtung mit Spuren etwa von Useless Eaters, Pow!, Electric Prawns 2 und Mononegatives fungiert. So richtig kommen jene Tendenzen dann aber in Fahrt mit den leicht Powerplant-mäßigen vibes von Bodies. EMT hingegen hat einen klassisch bluesigen, subtil Cowpunk-mäßigen Einschlag, gefolgt von Gift, welcher in den vollen abgespaceten Acid Punk-Overdrive geht. Und so ähnlich geht es weiter, wie die Band hier mit fast jedem Song ihren Klanghorizont ein Stück erweitert - ein weiteres Beispiel einer Band die aufwächst und von ihren bescheidenen Eggpunk-Wurzeln zu neuen Horizonten aufbricht, was Ex-Lumpy Martin Meyer mit Sicherheit stolz und glücklich machen wird. Und mich auch, denn der Scheiß ist einfach verdammt gut.

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Cartoon – Theatre Of The Absoid

Die 2024er LP Nyuck Nyuck Boing gehörte zu den unwahrscheinlichsten Highlights des letzten Jahres, ein sich seltsam anachronistisch anfühlender, unhandlicher Koloss von einer Platte, die im gleichen maße von US Post Punk/-core-Bands wie Saccharine Trust und Minutemen inspiriert scheint wie von britischem Art Punk der Swell Maps- und The Pop Group-Bauart, mit weiteren Echos von motorisch-krautigen Grooves, No Wave-Atonalität und reichlich '60er Acid Rock-Exzess. Hier ist jetzt also der Nachfolger davon am Start und auch auf den trifft immer noch das meiste davon zu, wobei die Band zugleich aber auch ihre eklektizistischen Einflüsse zu einem etwas kohärenteren und greifbareren Päckchen verschnürt, nicht zuletzt weil sie sich hier stärker auf die psychedelische Seite der Gleichung konzentrieren und weniger auf die funky Post Punk-Grooves des Vorgängers, obwohl auch jene nochmal eine kleine Rückkehr feiern etwa in The Big Hit, das eine vergleichsweise versöhnlich gelaunte, relaxtere zweite Hälfte einläutet - das Yin und Yang einer Band die sich immer noch keinen halben Dreck schert um sauber geordnete Genre-Kategorien und unsere jeweiligen Vorstellungen davon.

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Dust Collector – Dust Collector

Hardcore Punk aus Los Angeles, der mehr als genug bezaubernde Tricks aus dem Ärmel schüttelt und dabei auch noch ordentlich Fleisch auf den musikalischen Knochen hat um den Hörer jederzeit bei der Stange zu halten. Eine gute Menge frischer und kreativer Klang-Stimuli werden da also ablgeliefert, aber gleichsam der Hörer auch zur willenlosen Unterwerfung bearbeitet mit einer unnachgiebigen und saumäßig tighten Abrissbirne von einer Performance, die einfach keine Gefangenen nimmt. Aua das tat weh. Bitte mehr davon!

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Save My Skin – Different Bubble

Eine Band aus Biel hat mit dieser LP auf dem lokalen Label Chrüsimüsi Records mal einen echten Schwelbrand von einer Platte kreiert, der sich gerne mal ordentlich Zeit nimmt um auf den Punkt zu kommen, aber es zahlt sich dann doch jedes mal aus, wenn man ihr mit etwas Geduld begegnet. Der langsam vorwärts kriechende Opener Different Times erinnert mich dabei unmittelbar an den rustikalen Wüstenstaub und Americana-Rock von Weak Signal, welcher daraufhin in einen stärkeren Post Punk-Kontext transformiert wird im nachfolgenden Bubbles, wohingegen durch so Songs wie Peace Of Mind eine offensichtliche Velvet Underground-Energie fließt und ein Strom aus Art- und Glam Rock uralter Schule, der unter anderem auch in The Candidate ziemlich unübersehbar ist. An anderen Stellen fühle ich mich stark an den folkigen Post Punk von Dead Finks erinnert, das frühe Werk der Londoner Witching Waves, eine entschleunigte Variante von The Cowboy oder Flat Worms, den erdigen Garage Rock von Honey Radar oder den stacheligen Art Punk von Far Corners und Germ House... sogar ein bisschen von der ersten Peace De Résistance mag da noch mitschwingen.

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Botox – Promo Tape

Dieses neue Tape der Londoner Botox versucht überhaupt nichts neues aber in dem was es sich vornimmt, trifft es absolut den Nagel auf den Kopf wenn es ein primitives aber hochprozentiges Gesöff aus '77er-, KBD- und Garage Punk destilliert, das zu so 35% aus Fuzz und 45% aus Attitüde besteht und die übrigen 20% aus einem hauchdünnen Fundament zeitbewährter oldschool Punk-Tropes und -Formeln, die ihren Job hier ganz tadellos verrichten in einem Sound, der zu den sparsam-effektivsten Detonationen gehört, die mir in letzter Zeit so begegnet sind.

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Maximucho2 – Maximucho2

Die Dungeon Punk-Ära ist noch immer in voller Fahrt, die aktuellste Evidenz dafür ist dieses Tape von einem Typen aus Santa Fe, Argentinien - ursprünglich diesen Sommer auf Bandcamp selbstveröffentlicht und nun auf dem unermüdlichen Nischenlabel Grime Stone Records wiederveröffentlicht - das sich nahtlos in dessen Katalog einreiht mit einem Sound, der nur die einfachsten und grundlegendsten True- und Black Metal-Versatzstücke auf etwas Mitt- bis Spätachtziger Punk-Gemoshe und tonnenweise von schnuckelig-schrägem Eggpunk-Spaß und -Melodiesinn treffen lässt. Desweiteren gibt es auf der Bandcamp-Seite von dem Kerl auch schon mehr von dem guten Scheiß in Form einer neuen Split EP mit Corazón Sombrío, bei dem es sich, dem Artwork nach zu urteilen, wohl um eine invertierte, extra-kaltherzige Spiegelversion des gleichen Typen handelt? Wie auch immer, das ist Pflichtprogramm für jeden ernsthaften Dungeon-Afficinado.

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