DBR – Unbearable

Neuer Lärm von einem Typen, der nicht nur über die Jahre in einem ganzen ganzen Arsch voll hoch geschätzter Berliner Bands spielt oder gespielt hat wie etwa Benzin, Pigeon, Liiek, Molde und Deltoids, sondern auch schon seit langem seine ganz eigenen Leckerbissen unter dem Dee Bee Rich oder DBR-Alias zaubert. Etwa anderthalb Jahre nachdem sein letztes, selbstbetiteltes Tape schon einen massiven Sprung vorwärts markierte von einer als noch etwas skizzenhafter und verspielt zu bezeichnender DIY Lo-Fi-Ästhetik hin zu einer deutlich kohärenteren und ausformulierteren musikalischen Vision aus einem Guss, zeigt auch seine neueste LP erneut jede Menge Feintuning und eine erweiterte Palette von Einflüssen und Stilmitteln. Während der Opener Smirched noch durchaus als ein (exzellenter) Outtake der jüngsten Liiek LP durchgehen könnte, weiß Unacceptable durchaus schon zu überraschen wenn es die vertraute Post Punk-Formel mit '77-Style Gitarrenleads aufmischt. Pool zeigt dann erste Anzeichen einer melodischen Unterströmung wie man sie etwa von aktuellen Institute erwarten würde, gefolgt von Hold Me Tight, mit dem diese Platte endgültig ihr Pop-Gleichgewicht findet, zweifellos die beeindruckendste Demonstration bislang von einem gereiften Songwriting-Handwerk, das hier alles durchdringt und jede Sekunde dieses Killeralbums aufwertet.

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Rifle – Rifle

Alles was diese Londoner bisher angefasst haben war schon von Anfang an überragend und das hat sich auch auf ihrem neuesten Langspieler nicht geändert, auch wenn sie seitdem vielleicht ihren Sound ein bisschen begradigt haben und ein wenig von ihren frühen fuzzy Garage- und Hot Snakes-mäßigen Postcore-Vibes gegen etwas von einer Oi!- oder klassischen 80er Punk- und Hardcore-Ästhetik eingetauscht haben. Was aber nach wie vor eine Konstante in ihrer bisherigen Diskografie ist, ist ihr geschicktes Händchen für einfach gestrickte aber strukturell tragfähige Songkonstrukte, die sich in eingängigen und durchweg gekonnt den Hintern versohlenden Punkattacken entladen. So auch auf dieser Platte, die stark anfängt und von da an nur besser wird, weil die Band hier einiges von ihrem infektiösesten Material für die zweite Hälfte aufhebt. Wie gehabt höchstes Pflichtprogramm für Bewunderer von so Bands wie Ascot Stabber, Beast Fiend, Crisis Man oder Wymyns Prysyn, um nur ein paar zu nennen.

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Winky Frown – ;(iv

Die Kanadier werden auch auf ihrer neuesten EP ihrem ausgezeichneten Ruf gerecht als einer der herausragenden und spaßigsten Acts der aktuellen Eggpunk-Landschaft, vielleicht mit Ausnahme von Slop, das wohl in der Tat das absichtlich sloppigste stück Musik ist, mit dem uns die Band bisher angeslopt hat auf einer ansonsten gleichermaßen vertrauten und unberechenbaren Platte, die erneut allen Luxus und Nervenkitzel abliefert, den wir inzwischen von einer Winky Frown-Platte erwarten.

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Anytime Cowboy – Slab Songs

Reuben Sawyer ist jetzt schon eine ganze Weile unterwegs mit verschiedenen Bands und Projekten in einem recht breiten Genre-Spektrum, schlug aber erstmals richtig ein im 12XU-Universum im vorletzten Jahr mit Demons Obey, seiner dritten LP unter dem Anytime Cowboy-alias - eine seltsame Kreatur von einer Platte, die Elemente von bluesigem, Jangle-beeinflusstem Cowpunk und Garage Pop auf eine geradezu surreal entrückte Klangwelt treffen ließen, geerdet in Sawyer's fast schon verstörend ruhiger Gesangsdarbietung. Seine neueste LP verfeinert diese Rezeptur zu seiner reifsten Leistung bisher, auf der seine zuvor noch etwas zerrissen und fragmentarisch daherkommende Vision deutlich entrümpelt daherkommt und sich zu einer unerwartet kohärenten Klanglandschaft konsolidiert, in der seine gleichermaßen kauzigen, melodischen und melancholischen Kompositionen - zusammengehalten von überragenden Songwriting-Skills - leuchten und glitzern wie noch nie zuvor.

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Zulo – El Álbum Blanco

Zulo aus Rosario, Argentinien haben bereits eine respektable Reihe an LPs und EPs akkumuliert mit einem wandlungsfähigen Sound zwischen den Eckpunkten von fuzzy-psychedelischem Garage Punk, Noise- und Power Pop, aber noch nie zuvor haben ihre Songs ein solch konsistent hohes Niveau erreicht wie auf ihrem neuesten Langspieler, auf dem sie noch mehr als zuvor ihre abgespaceten Tendenzen zu Schau stellen und ihre eingängigen Tunes in einem psychedelischen Nebel verhüllen, der an einigen Stellen ebenso an alte Haudegen wie Telescopes, Spacemen 3 oder Flying Saucer Attack erinnern mag wie auch an jüngere Phänomene wie Honey Radar, Far Corners, Germ House oder Violent Change.

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Wristwatch – III

Wenn euch hier das Gefühl beschleicht, dass ihr diese Songs schon mal gehört habt, dann seit ihr nicht total plemplem sondern in der Tat war jeder dieser Songs auf Album Nummer 3 der Band aus Madison, Wisconsin bereits schon mal auf einer ihrer bisherigen zwei LPs vertreten. Also spielt sich das hier einersets ein bisschen ab wie eine etwas überstürzte Best of-Compilation aber andererseits wurde hier alles neu aufgenommen und aufpoliert, ein neuer Anstrich der insbesondere die Songs von der ersten LP mit neuem Glanz und reichlich Durchschlagkraft ausrüstet, nachdem jene doch auf der Produktionsebene noch ein bisschen was zu wünschen übrig ließ. Also im Grunde ist das mal wieder eine Art "erste Snooper LP"-Situation mit was ich mal als die definitiven Versionen dieser Tracks bezeichnen würde und die bislang überzeugendste Repräsentation ihrer doch recht eigenständigen Mischung aus supereingängigem Garage- und Post Punk mit psychedelischen Obertönen und obendrein einer Glasur aus ein bisschen Glam und Goth - eine Kombination die mich an der psychedelischen Seite der Medallie etwa an Powerplant, De()t oder Isotope Soap minus die Synths, an Mononegatives, Shrudd oder Electric Prawns 2 erinnert, in den leichtfüßigeren Momenten hingegen auch an so Zeug wie Erik Nervous, Andy Human & The Reptoids, SGATV, Freak Genes oder Chthr.

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Bungee Jumpers – Not Today…

Diese New Yorker Band lässt ausgezeichneten Lärm vom Stapel auf ihrer vermutlich zweiten EP bisher, acht kurz angebundene Eruptionen aus catchy Fuzz-lastigem Garage- und aldmodischem DIY punk, der einerseits mit einem ausgeprägten 2010er Vibe etwa an Tyvek, Parquet Courts erinnert oder vielleicht auch eine rustikale Lo-Fi-Inkarnation der Wimps, andererseits aber auch berechtigte Vergleiche zu alten KBD-mäßigen Acts wie The Endtables oder The Mentally Ill hervorruft. Außerdehm ist da eine unübersehbarer Desperate Bycicles-Energie zu spüren und was jüngere Zeiterscheinungen angeht, bin ich mir sicher dass diese Songs zum Beispiel Freunden der letzten Winston Hytwrs Perfect Harmony EP einen neuen Kick liefern können.

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Puke Pisstols – The Lost Recordings

Dem Titel nach zu urteilen haben diese zur Hälfte aus Mitgliedern von The Monsieurs bestehenden Bostoner ein paar Aufnahmen wiedergefunden und auf Bandcamp verklappt, keine Ahnung also wie alt der Krempel jetzt schon ist, aber mein Bauchgefühl sagt: noch gar nicht so alt. Aber auch egal eigentlich. Wo The Monsieurs sich aber für meinen Geschmack über weite Strecken etwas zu treu an eine ultra-aldmodische und wenn ihr mich fragt auch reichlich zu Tode gerittene Retro-Formel hielten, hat das Zeug hier doch - wenngleich auch nach wie vor ohne das Bedürfnis, das Rad neu zu erfinden - deutlich mehr Karacho unter der Haube und liefert altbewährten Garage Punk-Rausch mit reichlich Wumms ab, der sich dabei auf strapazierfähige Hooks und durchweg grundsolides Songmaterial stützen kann.

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The Moids – Demos

Ausgesprochen ansprechender Scheiß, dieses Demo von The Molds aus Sydney. Was mit ziemlich standardmäßigen, elektrischen Lo-Fi beats beginnt, die einen unterschwellig eierigen Garage Punk-Sound so á la S.B.F., 3D & The Holograms und Witch Piss voranpeitschen, gewinnt die Platte ab dem darauf folgenden Track Maitland Man dann doch eher eine gewisse KBD-Qualität dazu, was mich an so jüngere Bands wie Launcher, Liquid Assets, Freakees und Mystic Inane erinnert, wohingegen Long Week mehr von einem aufs wesentliche reduzierten Art Rock-Feel nicht unähnlich zu den frühen Peace de Résistance-Veröffentlichungen hat.

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Game Show Models – Everything’s Gonna Be All Right

Diese Ein-Mann-Band aus Chicago hatte einen echten Quantensprung hingelegt mit ihrer 2025er Sunk EP, nachdem frühere Veröffentlichungen des Typen sich noch mehr nach flüchtigen Schnappschüssen eines noch in der Selbstfindungsphase befindlichen Acts anfühlten. Auch das neue Tape aus der guten Kassettenschmiede Knuckles On Stun macht erneut klar dass er es jetzt ernst meint, wie er uns darauf vier superkompakte, einfach gestrickte und ausgesprochen ohrwurmgefährliche Häppchen aus Power Pop-getränktem, melodischem DIY Garage Punk mit einer subtilen Spur von Wipers zum gierigen Fraß vorsetzt, die nicht lange rumfackeln und immer flott auf den Punkt kommen.

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