Greg Wheeler and the Poly Mall Cops – Slimephone Surveillance

Die Band aus Des Moines, Iowa hat bereits eine EP und eine ausgesprochen nette erste LP auf dem Konto aber ich kann mich nicht erinnern, dass sie zuvor mal so viel Wind erzeugt hätten wie jetzt auf ihrem zweiten Album, das einen seltsam vertrauten Sound präsentiert, angenehm antiquiert, als wären die Jungs in einer Zeitschleife der frühen 2010er Garage Punk-Ära steckengeblieben und was soll ich sagen, die Band hat einfach die nötige Fülle an ultra-catchy Tunes und explosiven Performances um den Scheiß immer noch frisch klingen zu lassen.

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Liquid Cross – Don’t Think

Vom ersten Moment an versprüht die Debüt-EP dieser Band aus Eugene, Oregon einen gewissen Vibe, der mich an eine Reihe von kurzlebigen Bands in Spektrum von so melodischem wie auch lärmigem Punkrock in den frühen 2010ern wie Milk Music, Fins und Darma Dogs erinnert aber auch ein paar ungleich jüngere Erscheinungen wie Jolana Star und Psychic Dogs, die neues Leben in einen zeitlosen Sound aus unterschwellig Post Punk-angehauchten eingängigen Punksongs, die der klassischen Homestead-, SST- und Touch & Go-Ära tribut zollen. Jetzt darf man also auch Liquid Cross dazu zählen, aber obendrein schwingt hier auch noch ein beachtenswerter Hauch von frühen Protomartyr, insbesondere ihrer zweiten und dritten LP mit, nicht zuletzt auch aufgrund der Stimme des Sängers, die eine ähnlich überdrüssige und melancholische Qualität channelt wie der Protomartyr-Frontmann Joe Casey.

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Gold Cup – The Piss Has Been Taken

Gold Cup aus Manchester haben schon eine Handvoll nennenswerter EPs akkumuliert in den letzten paar Jahren aber wenn ihr mich fragt sind sie jetzt erst mal so richtig auf etwas gestoßen mit diesem ungebrochenen gelben Strahl aus Hits, die ihre zweite EP ausmachen. Darauf wälzen sie sich in einem moderat schmierigen, hard-rockenden Garage Punk-Sound, der mehr als einmal eine gewisse Golden Pelicans-Energie heraufbeschwört, wobei sie die Formel etwa im Opener Zero Percent und dem Rausschmeißer King Krab mit Echos von oldschooligem AmRep-Style Noise Rock und einer subtilen Spur von ’90er Postcore verfeinern, wohingegen dann Stuck On Repeat einen unerwartet melodischen, fast schon powerpoppigen Schlenker macht und The Piss Has Been Taken mich an eine andere durchaus mittelstrahlige Band erinnert, nämlich die Australier Pist Idiots.

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No Time – Comply Or Die // Gare Du Nord – Appels De Phares

Zwei mal geiler neuer Scheiß vom Baskenländischen Label Mendeku Diskak. Zuerst wäre da mel eine neue EP von Iron Breed aus Pittsburgh, Pennsylvania, die mit vier leckeren neuen Häppchen aus Garage-gewürztem Oi!-Gedöns aufwartet, dem zugleich auch ein bisschen von einer schrammeligen Powerpop-Qualität innewohnt. Die Debür-EP von Gare Du Nord, einer Band nebulösem internationalem Ursprungs klingt hingegen nach der roheren und oldschooligeren Kehrseite davon, wie sie hier schnörkellose Tunes mit starken ’77er und ’80er-Europunk-Geschmacksnoten am laufenden Band raushauen als liefe hier eine Schnittmenge der gegenwärtigen französisch-belgischen Garage-/Oi!-/Post Punk-Komplexes bewusst in den Fußstapfen ihrer primären Inspiration.

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Sprgrs – Poligono Industrial

In den letzten drei Jahren waren Sprgrs aus Granada, Spanien eine konstante Präsenz im oberen Mittelfeld der kontemporären Eggpunk-Szene und scheinen mit diesem Status auch weiterhin durchaus glücklich zu sein als eine Band, die grundlegende Zutaten des Genres in routiniertem Handwerk konsistent aufbereitet. Offenbar sind sie gekommen um zu bleiben und mir passt es sowas von in den Kram wenn sie uns noch länger damit beglücken, auch wenn der Tag vielleicht nie kommen mag, an dem sie die Limitierungen und Konventionen des Genres transzendieren. Kein Feinschmeckertum also sondern mehr eine Platte der Sorte Hamburger-und-Pommes und manchmal ist solches Junk Food auch einfach genau was die hungrige Seele zum überleben braucht.

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Turbogoblin RX – Turbogoblin RX & The Letters From The Underworld

Die 2023er Mini-LP dieser Australier war ja schon ein randvolles Fass des ziemlich abgedrehten Dungeon- und Fantasy-vernarrten Spaßes und ihr neuester Langspieler ist sogar ein noch mal stärkeres Paket von Schädelspalter-Tunes aus Elementen von Garage-, Synth- und Post Punk, der gleich vom Start weg mit einem deutlichen Flavor von älterer Useless Eaters- und Ausmuteants-Action verzückt im Opener Pillager, dann erweitert um einen Hauch von Psych-/Acid Punk á la Pow! in Moneyman, während Big Hat – eins von zwei hier vertretenen Überbleibseln der 2021er Mammon Machine EP – einen starken Strange Attractor-Vibe versprüht und Dopaminer glaubhaft als ein ausgesprochen starker Why Bother?-Song durchgehen könnte. Desweiteren denke ich mal dass auch Freunde von solchen Dungeon-lastigen Chaoten wie Curta’n Wall oder den Osloer Eggpunks Molbo sich mit dieser Platte einen ordentlichen neuen Kick verpassen können.

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Citric Dummies – Split With Turnstile

Diese Woche bietet sich gut an für Punks um die innere Basic Bitch raushängen zu lassen, werden doch ganze drei von den vier Platten die ich hier poste ganz gewiss keine Preise für Innovation und Originalität gewinnen aber gleichen das mal sowas von aus mit den Mitteln schierer Songwriting-Kompetenz und entschlossen durchschlagender Performences. So ist das auch der Fall mit der neuesten Citric Dummies LP (die ist natürlich mal wieder genau so wenig eine Split-LP wie Zen and the Arcade of Beating Your Ass eine Hüsker Dü-Platte war oder Die Nasty etwas mit Rikk Agnew zu tun hatte), die ihre erprobte Formel aus einem Arsch voll Dead Boys-Energie mit einem starken Rocket From The Tombs- und Death-informierten Proto Punk-Beigeschmack verfeinert und gemeinsam mit ein bisschen prä-Rollins Black Flag und Bad Brains-mäßigem, frühem Hardcore Punk zu einem hochentflammbaren Cocktail destilliert, das bei all dem Retro-Namedropping dennoch seltsam im hier und jetzt verankert scheint.

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Imploders – Targeted For Termination

Fuck yeah es gibt eine neue Imploders-Platte zu bestaunen, die wie gewohnt so ziemlich frei von Überraschungen aber auch frei von Enttäuschungen ist. Wie zuvor scheint sich ihr sound zu 99% auf Hardcore-Tropes und -Versatzstücke zu Stützen die allerspätestens… sagen wir mal so 1983, bereits fest zum Genre-Vokabular gehörten. Der Scheiß funktioniert weil die Band aus Toronto nach wie vor etwas davon verstehen, ausgesprochen eingängige und robust gebaute Tunes aus dem Ärmel zu zaubern, sicher ins Ziel gehämmert von einer explosiven Präzisionsattacke.

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Glueman – Glueman III

Wie schon auf ihren bisherigen zweieinhalb EPs fackelt die Band aus Denver, Colorado hier nicht lange rum und verlässt sich auf ihre Kernkompetenzen in Form von schnörkellos geradeaus gehendem, Noise-versifftem Garage Punk, der jedes mal zuverlässig den Nagel auf den Kopf trifft in diesen neun Songs, zu denen auch Bewunderer von so Scheiß á la Buck Biloxi, Sick Thoughts, The Dirts oder Bart and the Brats mit Sicherheit zustimmend nicken und wippen werden.

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Snooper – Worldwide

Die Eggpunk-Überformation aus Nashville, Tennessee ist zurück mit einer zweiten LP. Die entpuppt sich dann als eine gar nicht so radikale Abweichung von ihrem bisherigen Schaffen, wie es die stampfenden Elektro-Beats des Preview-Tracks Worldwide zuerst suggerieren mochten. Nach dem Kulturschock der ersten LP, auf der sie sich in unnachgibiger Hardcore-Intensität durch das Material der frühen EPs schmetterten, ist ihr neustes Baby in Teilen sogar eine unerwartete Rückbesinnung auf die verspielten und abwechslungsreichen Experimente ihres frühen Schaffens. Wie schon auf dem Vorgänger hat man einige Songs zuvor schon mal in der einen oder anderen Form gehört wie etwa in Subdivision, das uns erstmals vor gut drei Jahren auf der Town Topic 7″ begegnete und die Beatles-Coverversion Come Together, die sogar noch weiter zurückgeht und ursprünglich 2021 auf der G.T.R.R.C. III-Compilation erschien – beide davon haben hier aber eine gründliche Generalüberholung erfahren und das gilt auch für die meisten anderen zuvor gehörten Songs hier. Was soll ich sagen, die Platte ist erneut ein absolut glorreicher Freakout aus quirlig-eingängigem Lärm von den Tellerrändern des Garage- und Post Punk, dem scheinbar niemals die Ideen ausgehen.

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