Hier ist noch so ein Leckerbissen aus ziemlich oldschool, vereinzelt '77-angehauchter Garage Punk-Vorzugsware der suchtgefährlichen, unverschämt eingängigen Machart, von der Leine gelassen von einer Band aus Long Beach, Kalifornien auf ihrer jetzt schon fünften EP. Auf jener verleihen sie ihrem Sound eine im Vergleich zu den Vorgängern deutlich ungeschliffenere Kante und das steht diesen Songs ausgesprochen gut, die aber auch für sich genommen schon aus der Masse herausstechen indem sie sich nicht allzu sehr auf den Glanz ihrer Jahrzehnte alten Grundzutaten verlässen sondern die althergebrachten Songs und Strukturen bombenfest in einem Fundament aus unerschütterlicher Songwriting-Substanz verankern.
Die Debüt-EP dieser Band aus San Francisco löst acht Sprengungen aus ganz unverfrohren oldschooligem Garage Punk aus, die auf den ersten Blick häufig ein bisschen zu basic erscheinen mir aber letztendlich immer ein dementes grinsen ins Gesicht zaubern wenn sie sich unfehlbar und mit fachmännischer Routine in einer geradezu obszön ansprechenden Schredderorgie entladen. Wenn der Appetit nach den simpleren Freuden von moderat schmierigem Rock'n'Roll steht, ist das hier einer absolut robuste Wahl. Nicht mehr, aber auch kein bisschen weniger.
Der Sound dieser Garage Punk-Dampframme aus New Orleans hat inzwischen schon ein paar Phasen und Metamorphosen durchlaufen und hat auch erneut wieder ordentlich an den Parametern geschraubt für ihre neueste EP, die - wenngleich immer noch erkennbar dem gleichen Geist entsprungen - weitgehend das Klangkostüm eines NWOBHM-infizierten Hardcore- und Motörpunk-Geschwindigkeitsrausches annimmt, insbesondere im ersten und letzten Song, wohingegen der in der Mitte etwas näher nach den paar solo aufgenommenen Singles und Demos aus dem letzten Jahr klingt, aber gestählt durch eine saumäßig tighte, volle Bandperformance. Der Rausschmeißer Socialized - ebenfalls zuvor bekannt als einer der erwähnten 2025er Demosongs - hat dabei eine so starke Evolution durchlaufen, dass man abgesehen von den weitgehend noch intakten Lyrics eigentlich nicht mehr von dem selben Song sprechen kann.
Die Aidmoozic EP war nicht lang genug? Gute Nachrichten, diese Band aus Auckland, Neuseeland hat gleich mal Nachschub an stark nach britischem DIY Punk schmeckendem Geschrammel, das einer zwar etwas einfacheren aber durchweg effektive Formel davon folgt und sich schwer tut, die zugrundeliegenden Desperate Bicycles-, Mekons- und Television Personalities-Huldigungen zu verschleiern mit gelegentlichen Farbspritzern von Buzzcocks obendrein oder vielleicht auch, um mal ein bis zwei Level tiefer zu graben, Performing Ferrets? Wie auch immer, was etwas zeitnähere Vertretern dieser Zunft angeht, erscheinen mir die Briten Suburban Homes aus dem letzten Jahrzehnt der zutreffendste Vergleich.
Der Nachfolger zur unglaublichen 2024er Gay Boredom LP dieser Band aus Astoria, Oregon erreicht nicht ganz den Level von Originalität und verspielter Kreativität des Vorgängers, wirkt irgendwie ein bisschen reservierter und nähert sich für meinen Geschmack manchmal etwas zu sehr einem ausgelatschten Pop Punk-Territorium an, aber es ist was es ist und das ist für sich genommen immer noch eine ausgesprochen erfreuliche Platte geworden, mit Songs die irgendwo zwischen solide und verdammt gut rangieren und immer noch ausreichend stilistische Breite abdecken. Also ja, das ist ein duchaus willkommener Nachfolger für eine Platte, die irgendwie auch schwer zu toppen ist und es wirkt irgendwie unfair, sie nicht nach ihren reichlich vorhandenen, eigenen Qualitäten zu beurteilen. Auch wenn wir wissen, dass die Band es eigentlich noch viel besser kann.
Eine Band aus Fort Collins, Colorado liefert sechs Schläge aus ordentlich rohem Hardcore Punk ab, dessen rustikale Klangästhetik aber niemals über das eingängige Garage Punk-Fundament des ganzen hinwegzutäuschen vermag, die überall verstreuten, smarten Postcore-Obertöne und eine Vielfalt an Überraschungen, kompositorischen Tricks und Marotten, die sie hier aus dem Ärmel schütteln. Eine Platte die auf den ersten Blick dummer erscheint als sie ist und ihr wisst dass ich eine Schwäche für solche Dinge hab.
Die Band aus Tampa, Florida hatte Ende letzten Jahres schon ein ausgesprochen nettes Demo raus und auch ihre neueste EP lässt wenig Zweifel daran, dass sie es ernst meinen mit diesen sechs frischen Attacken aus fuchsteufelswildem Hardcore Punk, gebaut auf einem stabilen Fundament aus fuzzigem, KBD-mäßigen Garage Punk. Die wie ein gebissener Hund herausgekläfften Vocals channeln dabei fast schon den Wahnsinn der klassischen Lumpy & The Dumpers- und Fried E/M-Ära, von welcher sich deren primärer Akteur wie's scheint gerne distanzieren möchte... aber so lange ich lebe wird das nicht passieren. Einmal ein Lumpy, immer ein Lumpy.
Auf dem ausgezeichneten Demo dieser Band aus dem englischen Schrewsbury trifft Proto- auf Garage Punk und gelegentliche Blitze aus leicht NWOBHM-mäßigen Gitarrensolos. Stooges treffen auf Saints treffen auf Discharge, aber auch einige jüngere Bands der Punter-, Puffer- oder Split System-Machart. Ein perfekter Sturm aus simplizität, roher Energie und unmittelbarer ins Ohr gehender Catchyness.
Nun, es hat in etwa ein Jahr länger gedauert als versprochen, aber besser spät als nie ist hier eine neue LP von dem Stockholmer Synth Punk-Bollwerk Isotope Soap, das jetzt auch schon grob seit einem Jahrzehnt sein eigenes Ding dreht. Die müssen uns jetzt auch nichts mehr beweisen und liefern einfach ganz routiniert eine weitere Sammlung brillianter, abgespaceter Garage Punk-Feinkost ab, durchsetzt mit den von der Band gewohnten Devo-ismen und eingerahmt von ein paar John Carpenter-mäßigen Instrumentals, die dann noch ihr Übriges tun um die epischen Qualitäten dieses Albums zu unterstreichen.
Das ist eine fabelhafte Debüt-EP dieser Berliner Band, die - nach einem Postpunkigen Intro, das mich gleichermaßen an The Estranged erinnert wie auch an alten Westküsten-Punk der Adolescents, Germs oder Agent Orange-Schule - weitgehend ihr Zuhause findet in einem stark im Schatten der Spits argierenden, vereinzelt auch leicht Ramoes-igem Garage Punk-Sound mit einem gewissen Space Punk-Zusatz nicht unähnlich zu so Bands wie Corpus Earthling, Silicon Heartbeat, Stalins of Sound, Zoids und Mateo Manic oder, in jüngster Zeit, Shrudd, Zulo und Electric Prawns 2, wobei aber auch die zuvor erwähnten Post Punk-Elemente einige male zurückkehren wie in Freiheit und Vittima. Durchweg felsenfest verschweißt durch grundsolide Songwriting-Qualitäten ergibt das ein makelloses Killeralbum, das den optimalen Bang for the Buck aus einer zeitbewährten Oldschool-Formel extrahiert.