In einem bislang etwas unterwältigenden Musikjahr wie 2026 ist die Überraschungsveröffentlichung einer neuen Eddy Current LP definitiv eine Art von "lass alles liegen was du gerade tust"-Ereignis, sind aktuell doch nur wenige Bands noch am Start, deren Werk so fundamental für die aktuelle Garage Punk-Szene ist, ein Relikt aus einer früheren Ära das mit der Zeit so gut gealtert ist dass es sich für mich anfühlt als wären sie eine konstante Präsenz gewesen in der ganzen Zeit, in der ich dieses Blog gemacht habe - dabei fand ihre zentrale Schaffensphase in Wirklichkeit aber doch einige Jahre davor statt und es war nicht vor 2019 dass unsere Zeitlinien sich erstmal uberlappten und ihre All In Good Time LP eine relaxtere, melancholische und nachdenkliche Inkarnation der Band präsentierte die damals offenbar einige Fans etwas enttäuschte aber für mich durchaus Sinn ergab, auch wenn es sich sicher nicht um das stärkste Bündel von Songs handelte was die Band bis dahin rausgehauen hat. Es war aber ein plausibler Weg vorwärts für die Band, die Highlights waren unbestreitbar und es waren insbesondere die ruhigeren Tunes wie Our Quiet Whisper und Human Race, die immer noch herausstechen - ein Pfad den sie dann weiter mit der insgesamt stärkeren, ausgereifteren Shapes and Forms EP im letzten Jahr beschritten. Aber nie haben sie so aufs wesentliche reduziert geklungen wie auf dieser neuen LP, die sich mehr als je zuvor in der Kunst übt, großen Effekt mit minimalen Mitteln zu erzielen auf eine Art, die wirklich nur eine Band aus so gestandenen Veteranen abzuliefern versteht - einen makelloser Strom aus gleichermaßen eingängigen und hochklassigen Jams, die auf den ersten Blick häufig etwas basic und traditionell erscheinen mögen aber doch immer zuverlässig die einfachen Grundzutaten transzendieren nicht zuletzt dank eines absolut überlegenen Songwriting-Handwerks, das über zwei Jahrzehnte geschärft und verfeinert wurde und hier perfekt offengelegt wird von einer ganz typisch routinierten no-bullshit Bandperformance. Kein Scheiß, das ist nicht nur ihre beste LP in über einem Jahrzehnt (nicht dass es in der Zeitspanne so viel Auswahl gegeben hätte, haha...), sondern auch das definitive Statement und die perfekte Repräsentation dessen, was es mit dieser aktuellen Ära im Schaffen von Eddy Current Suppression Ring auf sich hat, die logische Schlussfolgerung und brilliante Auflösung dessen, was All In Good Time bereits angekündigt hatte aber irgendwie noch nicht gänzlich einlösen konnte.
So ein Typ aus Bloomington, Indiana hat hier eine saumäßig ansprechendes Debüt mit dieser Mini-LP erschaffen, die mit einem Fuß im relativ Egg-mäßigen Garage Punk steht, mit dem anderen auf dem Gebiet des DIY Art Punk und die allgemeine Eierigkeit wird im Laufe der Platte zunehmend zurückgenommen, was dann auch klar hilft die drohende Eggpunk-Übersättigung zu umschiffen, sie sich selbst in einem langjährigen Befürworter des Genres wie mir zunehmend manifestiert. Nun, diese Platte vermeidet zumindest die häufigsten Klischees, Mängel und Fettnäpfchen des Genres und ihr deutlich roherer Sound im Vergleich mit vielen derzeitigen Bands erinnert mich hier stark an die formative 2010er Ära des Genres und die Bloomington-Connection legt dabei insbesondere Skull Cult als einen primären Einfluss nahe. Wie auch immer, nicht zuletzt dank einiger Killersongs wie 5:43 p.m., Giving Up und OCD braut sich so ein beeindruckendes Debüt zusammen, dass weit über der eigenen Gewichtsklasse austeilt und auf eigenen Beinen zu stehen vermag auch in einem empfindlich überfüllten Genre-Umfeld.
Diese Band aus Maumee, Ohio hat eine gesalzene Ladung Synth-lastiger, powerpoppiger Garage Punk-Qualität für uns auf Lager in Form ihrer Debüt-LP, dessen saumäßig eingängige Pop-Nuggets durchweg durchzogen sind von einer nebeligen bis surrealen Atmosphäre und dabei ein ganz respektables Spektrum abdecken das sich von alten Lost Sounds, solo Jay Reatard oder Digital Leather über die Songexplosionen von King Tuff oder frühen Vaguess hin zu so aktuellen Zeiterscheinungen wie Monda, Booji Boys oder der phänomenalen Emmet O'Conner LP aus dem letzten Jahr erstreckt. Ein Dauerfeuer aus hartnäckigen Ohrwürmern deren potenziell überwältigender Hang zur Melancholie sich hier aber genauso häufig auch mit einer durchaus euphorisch zu nennenden Energie ausbalanciert.
Die rastlose Leipziger Szene ist mal wieder am Werk mit diesem schnieken neuen Tape voller moderat eieriger Garage Punk-Qualitätsware, die einerseits doch recht komfortabel in den Rahmen durchweg etablierter Genre-Parameter passt aber nichtsdestotrotz aus der Masse heraussticht dank der Stärke und Konsistenz des Songmaterials, aber nicht zuletzt auch einer subtilen, leicht schmierigen '70er Dad Rock-Kante und einer unaufhaltsamen Antriebskraft, die mich unter anderem an so älteren Scheiß wie Kid Chrome oder S.B.F. erinnert. Der Scheiß versucht hier nichts neues, aber trifft alle richtigen Nerven für mich und hat von Anfang bis Ende ausschließlich Hits an Bord.
Wow, eine neue Eye Ball-EP die über vier Minuten lang ist... absolut episch im Vergleich zur letzten EP Of The Northern Americas, die uns drei Songs in unter einer Minute unterbreitete. Wie auch immer, diese vier neuen Songs haben alles von der unvorhersehbaren, chaotischen Brillianz mit der sich die Band in unsere Herzen gespielt hat und nicht zuletzt diesem sicheren Händchen für eingängige, melodische Songminiaturen, präsentiert in einem fuzzigen LoFi-Sound der für ihre kurzen Fuzz Pop-Songexplosionen wie maßgeschneidert wirkt.
Ein stetiges Getröpfel neuer Songs auf ihrer Bandcamp-Seite hat schon länger angedeutet, dass da was neues auf uns zukommt von dieser unverzichtbaren Säule der 2010er Garage Punk-Szene aber dennoch fühlt man sich etwas überrumpelt von dieser neuen LP, die ohne explizite Ankündigung digital auf Bandcamp abgeladen wurde und irgendwan in diesem Jahr auch noch eine Vinyl-Veröffentlichung auf Total Punk Records bekommen soll. Ebenso schwebt auch die Frage über dieser Platte - nach ihrer glorreichen Rückkehr als Liveband im letzten Jahr - inwiefern Useless Eaters hier eigentlich als Band fungieren angesichts dieser elektrolastigen Heimstudio-Qualität, die diese Songs durchzieht und freimütig auf klassische Dub-Techniken, Synths und Drum-Samples zurückgreift, ansonsten aber doch seltsam Gitarrenzentriert erscheint. Klingt alles mal sehr danach, als ob sich Seth Sutton hier Solo im Studio austobt. Nicht dass es eine große Rolle spielen würde, resultiert es doch in einer durchaus faszinierenden Platte, die eine unerwartet surreale Spiegelversion von Useless Eaters präsentiert. Angenehm vertraut in manchen Aspekten aber auch ein bisschen eine Neuerfindung ihres Sounds, klingt das nur wenig nach irgendwas das sie zuvor schon mal unternommen hätten in seiner abstrakten, kalten Herangehensweise, einem unübersehbaren Industrial-Feel, der hier kompromissloser rüberkommt als selbst die exzentrischeren Ausläufer ihrer bisherigen Diskografie.
Ähnlich unverhofft kam übrigens ein paar Tage zuvor die Debüt-EP von G2K daher, einer Band die soweit ich das vermuten kann eine Kollaboration zwischen Sutton und Sal Go von der Washingtoner Band Sexfaces darstellt. Wie auch immer, die Songs klingen wie ein ausgezeichnetes Begleitmaterial zur Useless Eaters LP und teilen so einiges von dessen roher Produktionsästhetik, betätigen sich ansonsten aber in einer ungleich roheren und primitiven Schule von Garage-, Art- und Proto Punk-beeinflusstem Lärm, verhüllt in einen aus diesem Universum angenehm vertrauten, psychedelischen Nebel.
Eine nette neue EP von einem Typen aus Harrisburg, Pennsylvania, der bereits eine ordentliche Menge an Gerümpel angehäuft hat auf seiner Bandcamp-Seite aber ehrlich gesagt zündet nichts davon so unmittelbar wie sein neuester Kurzspieler, der mit vier so tadel- wie schnörkellosen Beispielen des geradlinigen (Garage) Punk-Songwritings brilliert. Der Selbstbeschreibung als "first wave punk revival" würde ich dabei aber etwas widersprechen, erinnert mich das trotz einer leichten '77er Unterströmung doch stärker an die 2000er und '10er Garage Punk-Ära mit klaren Echos von, sagen wir mal, solo Jay Reatard, Dark Thoughts und ganz besonders den frühen Liquids, neben vielen anderen.
Die vorherige EP This Has To Be Hell hat's für mich noch nicht so ganz gebracht aber ihr konsistenterer, besser ausgearbeiteter Nachfolger ist jetzt doch sicher mal 'nen Blogpost wert, ein relativ weirder Bastard zwischen leicht eierpunkigem Synth-Gequietsche und fuzzigem Space Punk etwa der Corpus Earthling oder Zoids-Machart. Da passiert nichts schrecklich schlaues oder originelles, aber der Scheiß weiß dennoch zu überzeugen dank einer unbeirrt-entschlossenen Hingabe an ihre ausgesprochen simpel gestrickte Klangformel.
In einem kulturellen Umfeld von sich rapide wandelnden musikalischen Trends und Hypes und einem sich unnachgiebig drehenden Promo-Hamsterrad in den Sozialen Medien, dessen Zielgruppe nicht Menschen sind sondern ein Algorithmus… da hat es immer etwas heilendes eine Band wie diese zu Verfolgen, die sich komplett unbeeindruckt zeigt von der modernen Aufmerksamkeitsökonomie, die selbst schon ein gutes Jahrzehnt älter ist als dieses Blog und nach zweieinhalb Dakaden immer noch ihre ganz eigene abgefuckte Muse verfolgt. Erwartungsgemäß teilt sich auch die neueste LP viele der Quirks und Qualitäten die wir an dieser Band zu schätzen gelernt haben und ihrem Art Punk, der jederzeit gleichermaßen krude und catchy rüberkommt, bei alldem aber auch immer reichlich Abwechslung besorgt und so einige schlaue Ideen unter der primitiven Oberfläche verbirgt. Mögliche Einflüsse könnten sich dabei von uralten Krawallerzeugern wie Half Japanese, The Membranes, Feedtime, The Fall erstrecken, über diverse mit altem No Wave verbundene Artefakte oder auch ein paar krautige Spielereien, bis zu jüngeren, essenziellen Garage-Klassikern der Sorte The UV Race oder Eddy Current Suppression Ring. Aber ehrlich gesagt wäre es inzwischen einfach unangebracht, Subtle Turnhips nicht als die ganz ureigene und kompromisslose kreative Gewalt zu betrachten, als die sie sich wiederholt unter Beweis gestellt haben und auch diese Platte ist nicht weniger als ein weiterer sofortiger Klassiker für Freunde des etwas schrulligeren Garagenlärms.
Hier ist mal ein im absolut positiven Sinne seltsames Album für euch von einer Band aus Charlotte, North Carolina. Das Ding beginnt ziemlich eindeutig als ein derbes Hardcore-Brett, auch wenn sich vom ersten Moment an auch ein unübersehbarer, psychedelish-abgespaceter Unterton breit macht, eine zunehmend melodische Qualität und ein fundament aus unbestreitbar hochwertiger Songkonstruktion, das sich spätestens im vierten Song Misery komplett Bahn bricht bevor die LP dann mit jedem folgenden Song das Tempo ein Stück zurücknimmt und sich ein Acid Rock-beeinflusster Post Punk-, Postcore- und Art Punk-Vibe herausschält, der mich ein bisschen an jüngere Science Man oder Optic Nerve erinnert und sogar ein bisschen ältere Poison Ruïn schwingt etwa in Make A Case mit. Unvermeidlich bewegt sich die LP letztendlich auf vollwertiges Space Rock-Territorium zu ohne dabei aber jemals den subtil emofizierten, melancholischen Unterton und seine melodische Brillianz zu vernachlässigen und zu keinem Zeitpunkt klingt die Band dabei nach irgendwem außer sich selbst - die belastbarsten Vergleiche dir mir auf die Schnelle einfallen wären dabei so Bands wie Shrudd oder Electric Prawns 2, aber ganz ehrlich bewegt man sich damit schon auf sehr glattem Eis. Außerdem könnte man das emotionale Breitwand-Drama im Mittelteil ein bisschen mit Tom Lyngcoln's Raging Head vergleichen oder dem spirituellen Nachfolger davon, seiner jüngsten Band namens Metho. Aber keiner dieser Vergleiche hält wirklich stand. Forcer haben hier ein im aktuellen Genre-Umfeld komplett eigenständiges Werk erschaffen, würde ich mal sagen.