Diese Band aus Victoria, British Columbia, Kanada schöpft hier eine Fülle an exzentrischem Spaß ab, der teilweise, aber nicht gänzlich in die Nische von vage '70er und früh-'80er Siouxsie, Pylon, Delta 5 oder B-52s-inspirierten Bands passt… eine ähnliche quirlige Eingängigkeit ist da am Start aber es lässt sich dann auch keinesfalls diese gewisse garagige Proto Punk-Energie übersehen und ein roherer, anarchischer UK DIY-Vibe wie man ihn eher von so Bands wie Cravats, Membranes, Fatal Microbes oder Flowers In The Dustbin erwarten würde oder vergraben in den Tiefen irgendeiner Messthetics Complation. Genauso könnte man jetzt aber auch Vergleiche ziehen zu jüngeren Post Punk-Zeiterscheinungen der Sorte Spread Joy oder Marcel Wave und sogar zu so 2010er Weirdcore-Phänomenen wie Warm Bodies und Vexx. Saumäßig ansprechender Scheiß ist das.
Manno hat das Domo Demo Ammo. Die vermutlich aus Winnipeg agierende Band verzückt meine Synapsen auf eine Art, die man heuztutage kaum anders als in die Egg-Schublade einordnen kann, die gleichsam aber auch aus jenem Pool heraussticht mit einem deutlich oldschooligerem Vibe der sich wie ein Flashback in die Prä- und Proto Egg-Ära der 2010er anfühlt und die schnörkellosen Garage Punk-Explosionen von so Bands wie Kid Chrome, S.B.F. und, etwas später, Set-Top Box, Crown Moulding, Liquid Face oder das frühe Schaffen von Science Man.
Diese Band hat Mickey Marie an Bord bekannt von so Kultbands wie Nervosas, The Missed und jüngst auch Xanny Stars, gemeinsam mit einem ganzen Arsch voll weiterer üblicher Verdächtiger der Punkszene von Cleveland, Ohio und ihre Debüt-EP tritt eine selbstbewuste Krachattacke los die anfangs leichte Spuren von Wipers, Saints oder Dead Boys aufweist aber dann im weiteren Verlauf auch zunehmend an einer Strike Under- oder Really Red-mäßigen Qualität dazugewinnt. Ich muss zugeben, da ist ein leichter Durchhänger in der Mitte, insbesondere in Form des zweiten Songs Fortunate Few, für dessen generische Dadpunk-Versatzstücke ich mir nur schwer erwärmen kann, aber anderweitig ist das eine durchweg reizende Angelegenheit und wird von da an nur besser - der andere von Marie gesungene Song Sit and Stare ist ein unbestreitbarer Ohrwurm aber die absoluten Highlights hier sind dann letztendlich doch die letzten zwei Songs, gesungen vom früheren Bad Noids-Drummer Jake, die sich als unmittelbare Klassiker entpuppen mit einer Energie die mich an die Blutezeit von Piss Test erinnern und spätest wenn die NWOBHM-mäßigen Solos dem Abschlusstrack Vestigability die perfekte Schaumkrone aufsetzen, weißt du dass diese Band genau weiß was sie tut.
Es ist irgendwie immer das gleiche mit den französischen Garage Punks Bart And The Brats. Immer wenn mich das Gefühl beschleicht, dass ihrem vorsätzlich primitiven und minimalistischen oldschool-Ansatz der kreative Saft ausgeht, kommen sie dann doch immer wieder mit einem frischen Stapel neuer Songs um die Ecke, die irgendwie die Messlatte auf eine oft Subtile, schwer zu quantifizierende Art höher legen und so ist das auch wieder auf ihrer neuesten EP der Fall, die zweifellos ihr stärkstes Material seit einer Weile vereint und alle Tugenden ihrer brillianten 2025er Missed Hits LP noch etwas überbietet, nachdem micht ihre teils etwas blutarmen Songs auf der Jacket Burner nicht so voll davon überzeugen konnten, dass diese Band noch ein paar Schüsse im Revolver hat. Aber wie üblich: Bart and the Brats sind so was von back, baby.
Die Debüt-EP dieser Engländer ist eine willkommene kleine Ablenkung aus oberflächlich egg-verwandtem Geschrammel das sich hier auf ein solides Fundament aus eigentlich ziemlich erdigem und antriebsstarkem, fuzz-geladenem Garage Punk stützen kann und eine Fülle von belastbaren, wenngleich auch nicht gerade neuen oder originellen, aber immer funktionalen Hooks und Riffs. Ein bodenständiges bündel von Songs, die genau wissen was sie erreichen wollen und exakt das abliefern. Nicht mehr, nicht weniger.