Eine urige kleine Kreatur, dieses neue Tape das uns mal wieder aus dem Hause des zuverlässig schrägen, brillianten – und wenn ihr mich fragt, viel zu wenig geschätzten – New Yorker Labels Fuzzy Warbles Cassettes erreicht. Die zweite Kassette dieser Band von mysteriöser Herkunft besticht mit wunderbar altmodischer, minimalistischer Synth Punk-Action, die einerseits doch stark den Geist von so ’80er Underground-Hausnummern wie Nervous Gender, Units, Visitors, Screamers, Primitive Calculators oder Marginal Man heraufbeschwört, aber gleichermaßen auch den hypnotischen Charme von frühen John Carpenter-Soundtracks, wobei man in der aktuellen Landschaft auch unterschiedlich starke Ähnlichkeiten zu so Bands wie Lost Packages, Abscam oder gewissen Iterationen von Freak Genes erkennen mag.
Goth-infizierter Synth Wave gehört ja mal nicht so zu den Genres, für die die ich mich leicht begeistern lasse, zu formelhaft und uninspiriert ist das meiste davon für meinen Geschmack. Die neueste LP von diesem Typen aus Zagreb, Kroatien, der bei mir vorletztes Jahr schon einen bleibenden Eindruck als Support von Nag hinterlassen hat, ist da aber eine erfreuliche Ausnahme. Es ist zwar nich so dass er darauf irgendwas bahnbrechend neues veranstalten würde, aber ungeachtet der simplen und zeitbewährten Essenz, sind diese Songs einfach mal wunderbar ausbalanciert und treffsicher arrangiert, zum Bersten vollgestopft mit eingängigen Hooks und Melodien, aufgeladen mit reichlich Energie und einem sehr vertrauten aber absolut effektivem Sinn für Melancholie. Vielleicht ist das nur meiner eigenen Neigung geschuldet, aber mehr als an typische Synthwave-Kost fühle ich mich hier an Punk-/Garage-relevante Acts erinnert wie Digital Leather (klar, der offensichtliche Vergleich), O-D-EX und ganz besonders die total einzigartige Sex Tourists LP von 2017.