Eddy Current Suppression Ring My World Booji Boys Lilah F.U. Drakulas Singin' With My Tongue Cut Out Party Dozen Special Unit Sick Pack Nightmare Xray Xeroxx Leave Me Alone Jay Veil I wanna kill you Eye Ball Ben (Again) Fleon Sunoco OCD Gremlin (My Throat)
Patrimoine Poulet Fratelli (De Quando Si Fai) The Broom DIY P.I. Attention Deficit Due Process Fixations Frankenstein's Girlfriend Last Touch Innocence Nobody Rules 3 Zero Rat Where The Fuck Did You Go No Stayer Sins of the Flock G.U.N. Death Dealer
Tracklist
H8 Mile Cologne Wax Head Terminal Sinker G2K I Rock I Ran Rare Spam To´ve Been Green Marbled Eye The Guest Les Feüilles Mörtes Las Ruinas de Bizancio
Retired Boxer No Hope The Burrow Bitter Wind pt. 2 Brash Habits Vampire Sex Mex Ride or Die Problem Dance With My Boots On Prisonnier Du Temps Dernier Regard
In einem bislang etwas unterwältigenden Musikjahr wie 2026 ist die Überraschungsveröffentlichung einer neuen Eddy Current LP definitiv eine Art von "lass alles liegen was du gerade tust"-Ereignis, sind aktuell doch nur wenige Bands noch am Start, deren Werk so fundamental für die aktuelle Garage Punk-Szene ist, ein Relikt aus einer früheren Ära das mit der Zeit so gut gealtert ist dass es sich für mich anfühlt als wären sie eine konstante Präsenz gewesen in der ganzen Zeit, in der ich dieses Blog gemacht habe - dabei fand ihre zentrale Schaffensphase in Wirklichkeit aber doch einige Jahre davor statt und es war nicht vor 2019 dass unsere Zeitlinien sich erstmal uberlappten und ihre All In Good Time LP eine relaxtere, melancholische und nachdenkliche Inkarnation der Band präsentierte die damals offenbar einige Fans etwas enttäuschte aber für mich durchaus Sinn ergab, auch wenn es sich sicher nicht um das stärkste Bündel von Songs handelte was die Band bis dahin rausgehauen hat. Es war aber ein plausibler Weg vorwärts für die Band, die Highlights waren unbestreitbar und es waren insbesondere die ruhigeren Tunes wie Our Quiet Whisper und Human Race, die immer noch herausstechen - ein Pfad den sie dann weiter mit der insgesamt stärkeren, ausgereifteren Shapes and Forms EP im letzten Jahr beschritten. Aber nie haben sie so aufs wesentliche reduziert geklungen wie auf dieser neuen LP, die sich mehr als je zuvor in der Kunst übt, großen Effekt mit minimalen Mitteln zu erzielen auf eine Art, die wirklich nur eine Band aus so gestandenen Veteranen abzuliefern versteht - einen makelloser Strom aus gleichermaßen eingängigen und hochklassigen Jams, die auf den ersten Blick häufig etwas basic und traditionell erscheinen mögen aber doch immer zuverlässig die einfachen Grundzutaten transzendieren nicht zuletzt dank eines absolut überlegenen Songwriting-Handwerks, das über zwei Jahrzehnte geschärft und verfeinert wurde und hier perfekt offengelegt wird von einer ganz typisch routinierten no-bullshit Bandperformance. Kein Scheiß, das ist nicht nur ihre beste LP in über einem Jahrzehnt (nicht dass es in der Zeitspanne so viel Auswahl gegeben hätte, haha...), sondern auch das definitive Statement und die perfekte Repräsentation dessen, was es mit dieser aktuellen Ära im Schaffen von Eddy Current Suppression Ring auf sich hat, die logische Schlussfolgerung und brilliante Auflösung dessen, was All In Good Time bereits angekündigt hatte aber irgendwie noch nicht gänzlich einlösen konnte.
So ein Typ aus Bloomington, Indiana hat hier eine saumäßig ansprechendes Debüt mit dieser Mini-LP erschaffen, die mit einem Fuß im relativ Egg-mäßigen Garage Punk steht, mit dem anderen auf dem Gebiet des DIY Art Punk und die allgemeine Eierigkeit wird im Laufe der Platte zunehmend zurückgenommen, was dann auch klar hilft die drohende Eggpunk-Übersättigung zu umschiffen, sie sich selbst in einem langjährigen Befürworter des Genres wie mir zunehmend manifestiert. Nun, diese Platte vermeidet zumindest die häufigsten Klischees, Mängel und Fettnäpfchen des Genres und ihr deutlich roherer Sound im Vergleich mit vielen derzeitigen Bands erinnert mich hier stark an die formative 2010er Ära des Genres und die Bloomington-Connection legt dabei insbesondere Skull Cult als einen primären Einfluss nahe. Wie auch immer, nicht zuletzt dank einiger Killersongs wie 5:43 p.m., Giving Up und OCD braut sich so ein beeindruckendes Debüt zusammen, dass weit über der eigenen Gewichtsklasse austeilt und auf eigenen Beinen zu stehen vermag auch in einem empfindlich überfüllten Genre-Umfeld.
Diese Band aus Maumee, Ohio hat eine gesalzene Ladung Synth-lastiger, powerpoppiger Garage Punk-Qualität für uns auf Lager in Form ihrer Debüt-LP, dessen saumäßig eingängige Pop-Nuggets durchweg durchzogen sind von einer nebeligen bis surrealen Atmosphäre und dabei ein ganz respektables Spektrum abdecken das sich von alten Lost Sounds, solo Jay Reatard oder Digital Leather über die Songexplosionen von King Tuff oder frühen Vaguess hin zu so aktuellen Zeiterscheinungen wie Monda, Booji Boys oder der phänomenalen Emmet O'Conner LP aus dem letzten Jahr erstreckt. Ein Dauerfeuer aus hartnäckigen Ohrwürmern deren potenziell überwältigender Hang zur Melancholie sich hier aber genauso häufig auch mit einer durchaus euphorisch zu nennenden Energie ausbalanciert.
Erneut ein hochwertiges Artefakt der Berliner Post Punk-Szene von vermutlich mal wieder einer durchaus etablierten Figur in jenem Feld, aber so geheimnisvoll wie man in diesen Kreisen zu agieren pflegt lässt sich auch hier nur mutmaßen wer jetzt schon wieder hinter diesem geradezu pervers düsteren, minimalistischen Brocken aus Dunkelheit steckt von dem eine seltsam gedämpfte, klaustrophobische Atmosphäre ausströmt, die mich nach Luft schnappen lässt. Die offensichtlichsten Vergleiche die mir da einfallen wären einige ältere Sachen von DBR / Dee Bee Rich oder vielleicht eine komplett sedierte Version von Bands wie Exit Group, Red Gaze, Imposition Man, Pigeon und späten Diät.
Ich sag's mal ganz unverblümt: Der Opener der neuen Marbled Eye EP, wenngleich auch kein Totalausfall, gehört nicht zum hellsten was die Band aus Oakland bislang hervorgebracht hat und fühlt sich irgendwie dieser Band nicht ganz würdig an mit den üblichen Anzeichen von durchschnittlicher bis fauler Post Punk-Songkonstruktion wie etwa dieser willkürlichen Abfolge ziemlich abgestandener, durchgenormter Riffs und Genre-Tropes und die hier leider ebenfalls ziemlich uninspirierte Anwendung von polyrhythmischen Appregios - auch so ein typisches Klischee das man in dieser Form sonst eher von jungen, unerfahrenen Bands hört - drückt bei mir auf all die falschen Knöpfe in einem Song, dessen verstreute Einzelteile sich einfach nicht zu etwas kohärentem zusammenfügen wollen. Glücklicherweise ist dann aber alles was darauf folgt ungleich inspirierter, durchdachter und ausgefeilter - die restlichen fünf Songs zeigen genau die Eleganz und Detailverliebtheit in Sachen Songwriting und Arrangements die man von diesen Veteranen im aktuellen Post Punk-Umfeld erwartet, die es ja mit ihrer voherigen Read The Air EP tatsächlich noch mal fertiggebracht haben - fast ein Jahrzehnt in ihrem schon immer brillianten Schaffen - einen ganz neuen Qualitätslevel zu erklimmen. Diese EP klingt daraufhin ein bisschen wie ein goldener Mittelweg zwischen jener kunstvoll gehaltenen Balance und dem unmittelbaren Impact ihres früheren Schaffens. Ein würdiger Nachfolger eigentlich, wenn man den wackeligen Anfang ignoriert.