Dead Finks – New Plastik Abyss

Ist das jetzt echt schon die vierte Dead Finks LP? Fuck, wie die Zeit vergeht! In Relation dazu ist der Output des Berliner Post Punk-Duos bestehend aus Erin Violet und Joseph Thomas (zuvor von den Neuseeländern Trust Punks bekannt) aber beruhigend konstant und immer von höchster Klasse, transportiert dabei auch klar etwas von der alten Trust Punks-DNA, verwebt jene aber mit jeder Menge von folkiger Schrammelei und Melancholie zu einem epischen, farbenfrohen Mosaik aus Breitwand-Drama, eine leicht vernebelte Atmösphäre aus ungelöstem Konflikt, die mich mehr als nur einmal an die ikonische, singuläre Vision der Indie-/Noise Rocker Kitchen’s Floor aus Brisbane erinnert.

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Kerosene Kream – Bye Mom!

Nachdem sie sich mit ihrer 2024er Buying Time EP so richtig in einen deutlich dunkleren Acid Rock-Vibe reingelehnt haben, umschifft auch auch der neueste Kurzspieler der Stockholmer Band weitgehend ihre früheren Eggpunk-Tendenzen, markiert aber doch eine Rückkehr zu etwas leichteren Vibes – so sehr das hier auch nach einem Trip klingt, ist das doch eine durchweg angenehme, farbenfrohe Abfahrt und was auch immer da übrig ist von den ’60er psychedelischen Lastern in ihrem catchy Garagenpunk wird jederzeit aufgewogen mit verspielten Synth-Akzenten und verschrobenen Devo-ismen, die mir öfter mal rüberkommen wie ein ungleich sonnigeres Gegenstück zu ihren Stadtnachbarn, der lokalen Synth Punk-Legende Isotope Soap.

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United Stare – Voice Of Change

Die Punks aus Pittsburgh, Pennsynvania legen nach mit einem noch stärkeren, wenn auch vielleicht etwas stilistisch fragmentierten Nachfolger zu ihrer exzellent rohen Debüt-EP aus dem letzten Jahr. Der Opener Voice Of Change hat dabei einiges von einer Energie á la The Cowboy, Flat Worms, Punter oder The Men der Open Your Heart-Ära, worauf dann Burning In The City mehr von einem eher australisch klingendem Slacker Punk-Vibe abstrahlt irgendwo zwischen Dumb Punts, Gee Tee und Pist Idiots. Der Rausschmeißer Moon Landing gefällt dann zu guter Letzt als ein ausufernder, 7-minütiger Instrumental-Jam aus monotonem aber seltsam erbaulich klingendem, krautigem Space Rock-Exzess.

Nightwatchers – Qu’importe la mort

Nightwatchers aus den französischen Toulouse, klar einer der auffälligeren Acts der vermutlich Youth Avoiders-induzierten 2010er Welle von variabel Oi!-beeinflusstem, melodischem Post Punk/-core in Frankreich, waren für meinen Geschmach zeitweise eine etwas inkonsistente Angelegenheit, insbesondere manchem Langspieler, aber auf ihrer neuesten EP operieren sie von Anfang bis Ende in der goldenen Zone, hauen mit routinierten Handwerkskunst vier zertifizierte Banger raus und wenngleich sie sich in der Vergangenheit selten über eine etablierte Genre-Formel hinausgelehnt haben und sich auch hier ganz bestimmt nicht neu erfinden, machen sie dass aber mal mit locker wett durch die schiere Güte des zugrundeliegenden Songmaterials und eine unnachgiebig tighte und energische Performance.

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Mortuary Ritual – Demo Tape

Neuer Hardcorescheiß aus Athens, Georgia, der seine überwältigende what-the-fuckness und disorientierenden Qualitäten nicht unwesentlich der komplett ausgebombten Produktionsästhetik zu verdanken hat, aber die noise-verseuchten Big Black-Versatzstücke, die aus allen Ritzen einer brüchigen Oberfläche aus weißem Rauschen heraussickern, tun sicher auch ihr übriges. Nimmst du all den Dreck weg, mag sich sich dahinter entweder die großartigste oder die fragwürdigste Hardcore-Performance der Welt offenbaren und irgendwie ist es mir fast egal, denn in all seiner Schäbigkeit klingt das für mich schon nach purer Ekstase.

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Byproxy – Byproxy

Diese Band erscheint mir irgendwie seltsam vertraut, auch wenn das eigentlich ihre erste EP sein soll… haben die vielleicht mal ihren Namen geändert oder eine Veröffentlichung draußen gehabt, die seitdem verschwunden ist? Vermutlich bilde ich mir nur was ein. Wie auch immer, das ist eine schnieke neue EP mit einem recht oldschooligen Post Punk-Sound, der gelegentlich die Energie á la frühe Nots und klassische Siouxsie mit einer leisen Ahnung von Revolution Summer-mäßiger, früher Postcore-Dringlichkeit verquickt, ganz besonders in dem herausstechenden Song H-21.

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Stabber – II

Die zweite EP dieser Metal Punks aus Oslo ist erneut eine absolut arschtretende Angelegenheit von NWOBHM-inspiriertem Hardcore, der sich ein bisschen zu altmodisch anfühlt um in die Dungeon Punk-Kategorie zu passen, zu thrash-lastig um als Motörpunk durchzugehen. Obendrein ist da eine unerwartete ’90er Postcore-Qualität mit am Start im Rausschmeißer-Song Shallow Grave. Das sitzt ziemlich komfortabel mit dem Arsch zwischen einer ganzen Reihe angrenzender Nischen und massiert entsprechend viele auffällig unterschiedlich gelagerte Geschmacksnerven in einem Aufwasch… und da bin ich ja mal sowas von dabei!

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The Caries Company – Episodio Especial

Verdammt, hat diese Band aus Alicante, Spanien die eigene Messlatte höher gelegt nach den zwei vielversprechenden aber noch sehr wechselhaften EPs von 2024. Das ist eine Variante von Garage- und Eggpunk, die einerseits recht gut in ein Schema passt dass solche überwiegend spanischen Bands wie Prison Affair, Sprgrs, Finale, Pringue oder auch vereinzelt internationale Nachzügler wie Beer etabliert haben, setzt sich aber positiv von der Masse ab mit einer rohen Antriebskraft, die viele geringere Vertreter des Subgenres vermissen lassen und nicht zuletzt haben sie eine Fülle von angemessen catchy Ohrwürmern im Gepäck, die der energischen Darbietung absolut würdig sind.

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Physicalist – Physicalist

Physicalist sind eine neue Band aus (vermutlich) Vancouver, die sich um Dave P von der lokalen Power Pop-Sensation Night Court dreht. Deren Qualitäten schwingen auch auf dieser Platte mit, aber das zentrale Klangkostüm ist hier doch ein ganz anderes, eine infektiöse Verschmelzung von Hard-, Art- und Postcore mit einer unübersehbaren Garage Punk-Kante und melodischen Obertönen, was mich auf der Artcore-Seite der Gleichung etwa an Mystic Inane, Rolex oder Launcher erinnert und an Dumpies, Sauna Youth und Eyeball in seinen poppig-garagigen Tendenzen.

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M-Chev – The Jenkem Incident

Ich hab nicht viel neues oder aufschlussreiches über diese EP zu erzählen außer dass die Band aus Boise, Idaho sich halt in einer spezifischen Subnische betätigt, die zuvor von so Bands wie Prison Affair, Beer und vielleicht Set-Top Box etabliert wurde und sich hier abspielt wie eine extra krude Variante dieses speziellen Fleckchens in der Eggpunk-Landschaft und nicht trotz, sondern gerade wegen besagter dissonanter Rohheit den Nagel auf den Kopf trifft, auch wenn man eigentlich dem Genre hier nichts neues hinzufügt.

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