Roo Stafford – Stoned & Running

Roo Stafford aus Leicester, England hat jetzt schon einige Jahre rumgemacht an einer Reihe von durchaus erfreulichen EPs, aber er trifft mal sowas von den Nagel auf den Kopf mit seinem neuesten Bündel von unprätetiösen Garage Punk-Einschlagkratern, die sich stärker zuhause anfühlen in einer Ära so grob zwischen 2014 und 2020 als in der Gegenwart und nahtlos das unkontrollierbare Chaus und den kreativen Trieb der frühen (proto-)Eggpunk-Generation á la Erik Nervous, Skull Cult, Neo Neos, Hobocop, Coneheads mit der saumäßig tighten Performance bereits etablierterer Garagenbands der Zeit wie Sauna Youth, Ex-Cult oder frühen Useless Eaters zu einem kräftigen Sprengsatz verschweißt, der sich inzwischen wieder ausgesprochen erfrischend anfühlt in dieser doch häufig etwas zu vereinheitlicht und vorhersehbar klingenden Ära jenes Genre-Komplexes.

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Headcheese – Dump Run

Headcheese aus Kaloomps, British Columbia machen jetzt schon länger ihren Krawall als meine Intuition es mir sagt, fühlt es sich doch immer noch an als wären ihr erstes Demo und die (mini-)Debüt-LP erst ungefähr vorgestern erschienen. In Wirklichkeit ist ihre letzte Platte Expired bereits auch schon fast drei Jahre her. Whatever, die Band hat definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen in meiner fehlerhaften Erinnerung mit einem Arsch voll Platten die sich nach einem endlosen Tauziehen anfülen zwischen den Impulsen, ihren Sound konstant zu verfeinern und erweitern, und gleich anschließend auch wieder zu einem gesunden Minimum zu reduzieren und verdummen, auf eine Art die ich unglaublich spannend und anprechend finde. Die neueste Platte mag jetzt durchaus als ihr bisheriges Magnum Opus durchgehen, auf dem die Band als eine gleichermaßen tightere und räudigere Abrisscrew agiert, die ihren bislang kohärentesten, ausgefeiltesten Stapel chemisch instabiler Ausbrüche mit purer Dreistigkeit zum Gehorsam nötigt. Ein perverser Spaß, den sich kein Freund entgehen lassen sollte von so einfallsreichem wie auch zotteligen Lärm zwischen den Welten von KBD-beeinflusstem Garage Punk, treibendem oldschool Westküsten-Hardcore und vielleicht sogar ein paar Partikeln von No Trend-, Broken Talent- oder Flipper-mäßiger Proto Noise Rock-Verwüstung.

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Search Results – Secret Bench in the Bardo / Abacus Rubicon

Der bisherige Output dieser Band aus Dublin war eine, wie soll ich sagen... etwas inkonsistente, unaufgeräumte Angelegenheit, aber andererseits auch ganz sicher niemals langweilig. Die neue digitale 2-Track Single markiert jetzt wohl den erfolgreichsten Versuch der Band, ihre kreative Vision zu entrümpeln und ich bin nicht weniger als beeindruckt von der Klasse der oldschooligen Indie Rock-Vibes die sich darauf entfalten und deren folkiges Geschrammel mich stark an die goldene Ära von Volcano Suns denken lässt oder deren immer noch aktive, spirituelle quasi-Nachfolgerband The Martha's Vineyard Ferries. Die A-Seite Secret Bench In The Bardo ist so ein durchschlagendes Beispiel davon, dass der zweite Song Abacus Rubicon hier zwangsläufig die zweite Geige spielen muss, aber das heißt keineswegs dass jener für sich selbst genommen nicht auch als ein saumäßig ansprechendes mitt-'90er Postcore Retro-Vehikel entzückt.

Attest – 2 Track Promo

Normal übergehe ich ja gerne diese Sorte von einem Appetitanreger-Release, aber wir stecken sind immer noch im schlimmsten Musik-Sommerloch an das ich mich seit Beginn dieses Blogs erinnern kann und dieser Krempel von einer Band aus Glasgow ist einfach mal zu verdammt brilliant um ihn hier nicht zu posten - eine massive Steigerung von ihrem bereits sehr schicken Demo im letzten Jahr und ich kann einfach nicht warten, bis die volle 7" erscheinen soll mit diesen zwei Songs und hoffentlich noch mehr von diesem clever konzipierten, unvermittelt infektiösen und geradezu verboten eingängigen oldschool Hardcore-Lärmchaos.

Society – Reign Of Flies

Philadelpia's Sims Hardin aka Society bedarf hier vermutlich keiner Vorstellung mehr nach den Wellen, die er mit der exquisit schrammelig-verrümpelten 2022er EP All Flies Go To Hell losgetreten hat und dessen Energie er dann 2024 auf dem Social Flies-Tape in eine etwas konkreteres, gereiftes und greifbares Gesamtbild transformiert hat. Reign Of Flies klingt jetzt in etwa wie ein direktes Sequel davon aber erneut mit klarem Wachstum und Verfeinerungen an den Details, die sich hier in einem ausgeprägteren Post Punk-Vibe ausdrücken und einem festeren Griff um seine simplen Hooks als je zuvor. Erneut ist das ein Pflichtprogramm für Freunde von ungeschliffenern und exzentrischen DIY Punk-Eigentümlichkeiten.

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Leche – Domestic Economic Terrorism

Die zeitgenössischen Cowcore-Veteranen aus Austin, Texas sind zurück, gerade mal ein Jahr nach ihrer guten, wenn auch etwas unnötig langen und zerrissenen letzten Dosis des puren Chaos' in Form der Miracle Whip-It LP auf Digital Hotdogs. Die neue EP kommt jetzt in etwa rüber wie das komplette Gegenteil davon - ihre wohl kompakteste und kohärenteste Platte bisher befreit von jeglichen Fetträndern. Acht Minuten von ultra-verdichteter Exzellenz die aus allen Nähten platzt vor cleveren Ideen, schlagkräftigen Hooks und Melodien in einem wilden Anfall von deutlich Dicks-inspiriertem Wahnsinn.

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Haro – Demo

Die französische Weinhauptstadt mag ehrlich gesagt nicht das gelbe Wasser reichen zu heimischen Bierhotspots wie dem westfälischen Hansa oder Karlskrone im Süden von Aldi, aber zumindest kamen aus Bordeaux schon ein paar gute Bands wie Videodrome und Black Bug vor einigen Jahren, oder Distance in jüngerer Zeit. Wie auch immer, Haro passen teilweise ganz gut in ein Schema das im vergangenen Jahrzehnt von so Post Punk- / Postcore-Acts wie Youth Avoiders und Nightwachers etabliert wude, machen dabei aber einen großen Bogen um die in letzter Zeit sehr anschicklichen Oi!-Elemente. Stattdessen werden wie hier mit vergleichsweise elaborierten bis epischen Sounds konfrontiert, clever integriert in breitwandige mini-Melodramen, die ohne Not für sich selbst stehen in ihrem Umfeld. Eine bewährte Autorität im Feld von Bands die ein bisschen nach Coldplay klingen sagte mir zuletzt, dass der Opener dieser EP ein bisschen nach Coldplay klänge. Wenn das stimmt, muss ich diese Coldplay-Jungs mal auschecken, muss ja 'ne ganz tolle Band sein!

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Apéro – Dragons & Eels

Es mag keine massive Musikwoche gewesen sein, aber zumindest mal eine gute Woche für Bands deren Name mit -ro endet und die satte 50% des Blog-Outputs ausmachen. Muss man ja positiv sehen. Apéro aus Hamburg hatten schon einen durchweg erfreulichen Eindruck gemacht mit ihrer Debüt-LP Cold Drinks, Cool Snacks im letzten Jahr und bewegen sich auf ihrer neuesten EP in einem ähnlichen Fahrwasser aus moderat Egg-mäßigem catchy-ass Garage- und Synth Punk und die ersten beiden Songs sind ja schon durchaus kromulente, vielleicht etwas routinemäßige Beispiele davon, aber es ist dann doch die zweite Hälfte in der die Platte so richtig zum Leben erwacht und aus dem Vollen schöpft in Sachen zeitloser Power Pop-Hooks, die mich unter anderem unterschwellig an die frühe Blütephase von Sheer Mag erinnern.

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Cuticles – More Joy

Wie gerade eben schon die Celebrators LP ist auch das Debütalbum von Cuticles aus Oamaru, Neuseeland eine saumäßig starke 21-Song LP, die eine vollkommen brilliante 15-Song LP sein könnte wenn man sie ein bisschen gestrafft hätte, aber wisst ihr... ich werde mich jetzt nicht über eine Fülle von so gutem Scheiß beschweren, insbesondere wenn er so verdammt meine Baustelle ist! Mit Mitgliedern an Bord unter anderem von den umtriebigen 2010er DIY Punk-Veteranen Moonrakers und Trendees, beinhaltet diese Band, die mich erstmals richtig aufhorchen ließ mit ihrer starken 2023er Pavlova EP, schon noch einiges von deren rumpeliger Avantgarde-DNA, aber kanalisiert das hier in ein ungleich eingängigeres und melodisches Ganzes, das viel von dem rohen, Half Japanese-mäßigen Chaos gegen eine vergleichsweise zugängliche Gesamtästhetik eintauscht mit starken Echos etwa von alten britischen DIY-Hausnummern im Swell Maps, Television Personalities, Mekons oder Desperate Bicycles-Dunstkreis, aber auch eine gute Dosis alter lokaler Flying Nun-Energie schwingt da mit sowie ein vereinzeltes Aufblitzen von Wire, insbesondere der stärker Pop-orientierten Seite ihres frühen Schaffens in so Songs wie Making Up Shit. Fragt ihr mich nach jüngeren Vergleichen, würde ich auch sagen dass Referenzen zu den New Yorkern Famous Logs In History, Society aus Philadelphia und dem frühem Werk von Adelaide's Exzentrikern Wireheads vermutlich nicht ganz fehl am Platz sind.

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Celebrators – Deliberation

Diese Band aus Los Angeles hat hier einen bewusst rümpeligen und chaotischen Schlamassel von einem Album generiert, der vermutlich einige inspiration von so alten Helden der Art Punk-Welt bezieht, die sich etwa von The Pop Group, Pylon, ein paar Spuren von James Chance, Pere Ubu und gar einer Messerspitze von Wire erstrecken, hin zu deren potenziell etwas untergrundigeren, synth-lastigeren Gegenstücken der Sorte Minimal Man, Visitors, Neverous Gender... und oberndrein steckt da natürlich noch etwas offensichtliche Devo-DNA mit drin. Oder, in jüngerer Zeit, mag man da Gemeinsamkeiten mit so Acts wie Landowner, Cartoon oder Ismatic Guru wiederfinden. Die folkig-schrammelige Energie in 0126iii ruft dann wiederum den alten Krempel von Angst, Volcano Suns oder My Dad Is Dead ins Gedächtnis. Was aber niemand abstreiten wird ist dass hier eine beeindruckende Vielfalt abgedeckt wird, angetrieben von einem ruhelosen kreativen Bewegungsdrang der sich im Laufe des Albums Bahn bricht und auch wenn hier nicht absolut jedes Experiment in gleichwertigen Erfolgen mündet, bin ich angesichts der vergleichsweise stolzen Laufzeit und großzügigen 21 Songs doch mehr als gewillt, diese Platte anhand ihrer Fülle von Treffern zu beurteilen und nicht nach den raren Fehlschüssen.

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